Ihr Lieben, wir folgen Antonia auf Instagram schon lange, dort hat sie ganz offen über ihre Patchwork-Familie und die Herausforderungen gesprochen. Nun hat die Mama von zwei Kindern ein neues Herzensthema: Alltagsminimalismus. Was sie genau damit meint und wie das ihr Leben verändert hat, erzählt sie hier:
Liebe Antonia, bitte erzähl doch erstmal ein bisschen was über dich selbst.
Ich bin Antonia, Mama von zwei Kindern (11 und 14 Jahre) – und die Frau hinter Mamaalltag in stark. Ich begleite Mütter auf dem Weg zu mehr Leichtigkeit im Alltag, weil ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn alles zu viel ist. Wenn man müde, erschöpft und einfach durch ist – so wie es vielen Müttern heute geht.
Mit meinem Konzept des Alltagsminimalismus zeige ich, wie man alles im Leben einmal auf den Prüfstand stellen kann: Dinge, Situationen, Gedanken, Gefühle, Beziehungen. Und sich daraus Schritt für Schritt einen Alltag schafft, der wirklich trägt – mit dem, was guttut, und ohne das, was nur noch Kraft zieht. So entsteht Leichtigkeit – nicht, weil alles perfekt ist, sondern weil wir uns aktiv für das entscheiden, was uns guttut.
Ich habe in den letzten Jahren viele Herausforderungen gemeistert – angefangen mit der Trennung vom Vater meiner Kinder bis hin zu der Patchwork-Konstellation, die ich in den letzten Jahren gelebt habe. Und auch jetzt befinde ich mich wieder in einer großen Umbruchphase: Im Sommer habe ich innerhalb kürzester Zeit sowohl eine Trennung als auch einen Jobverlust erlebt. Das war ein tiefer Einschnitt – und gleichzeitig wieder ein Wendepunkt.
In den letzten drei Monaten habe ich mich mithilfe des Alltagsminimalismus Schritt für Schritt stabilisiert, Struktur geschaffen und mir selbst wieder Halt gegeben. Ich habe gelernt, loszulassen, was nicht mehr trägt – und Raum zu schaffen für Neues. Jetzt freue ich mich auf das, was kommt: Ende Oktober feiere ich meinen Geburtstag – und ab November starte ich mit einem tollen neuen Job in ein neues Kapitel.
Ich freue mich darauf, den Alltagsminimalismus weiterzuleben, in meinem Alltag zu verankern und mir dadurch genau die Stabilität zu erhalten, die eine Vollzeittätigkeit überhaupt möglich macht. Der Alltagsminimalismus hat mir schon in vielen Lebensphasen geholfen – und er ist auch jetzt wieder mein Anker.
Über meine Arbeit auf Instagram darf ich diesen Sinn weitergeben: Ich gestalte statt nur zu reagieren. Und habe mir – als alleinerziehende Mutter – ein Zuhause geschaffen, das echt ist. Nicht perfekt, aber liebevoll und ehrlich.
Du hast in der Vergangenheit einige private Herausforderungen meistern müssen. Was waren im Nachhinein die größten Learnings, die du daraus ziehen konntest?
Ich habe gelernt, dass Stärke nicht bedeutet, immer weiterzumachen – sondern ehrlich hinzuschauen, wo es weh tut. Nach meiner Trennung, dem Jobverlust und all den Jahren im Dauerfunktionieren war mein größtes Learning: Ich muss nicht alles schaffen, um genug zu sein.
Ich durfte verstehen, dass Grenzen nichts mit Schwäche zu tun haben, sondern mit Selbstachtung. Und dass Heilung nicht darin liegt, alles wieder so hinzubekommen wie früher – sondern darin, sich selbst neu kennenzulernen. Ich habe aufgehört, mir ein Leben zu bauen, das nur von außen stark aussieht. Und angefangen, eines zu leben, das sich innen stark anfühlt – ruhiger, echter, klarer. Das ist es, was mich heute trägt.
Du hast für dich selbst den Alltagsminimalismus entdeckt. Was genau meinst du mit diesem Begriff?
Alltagsminimalismus bedeutet für mich, das Leben wieder auf das Wesentliche zurückzuholen. Nicht nur Dinge loszuwerden, sondern all das, was uns im Alltag erschöpft – Erwartungen, Perfektionsdruck, ständige Verfügbarkeit, Vergleiche.
Es ist kein Trend, sondern eine innere Haltung. Es geht darum, bewusst hinzuschauen: Was tut mir gut – und was raubt mir Energie? Und machen wir uns nichts vor: Das, was Energie raubt, sind ganz oft Erwartungen, die wir uns von außen annehmen oder an uns heranziehen. Und genau damit ist im Alltagsminimalismus Schluss.
Alltagsminimalismus heißt nicht, dass man weniger lebt. Sondern dass man echter lebt. Mit mehr Klarheit, mit mehr Raum, mit mehr Bewusstsein dafür, was wirklich wichtig ist – für mich selbst, und nicht für die anderen da draußen. Und genau dadurch entsteht Leichtigkeit – weil wir lernen, loszulassen, was uns nicht mehr trägt.
Kannst du mal ganz konkrete Beispiele dafür nennen?
Ja, sehr gern – denn genau da wird es greifbar. Mein Weg zum Alltagsminimalismus begann 2017, kurz nach der Trennung vom Vater meiner Kinder. Nach vielen schwierigen Wochen und Monaten war ich zum ersten Mal ganz allein zu Hause – die Kinder waren beim Vater, nur für eine Nacht, aber das war schon ungewohnt genug.
Ich erinnere mich genau: Ich kam nach Hause, setzte mich hin – und war völlig überfordert mit dieser ungeplanten Zeit. Was sollte ich jetzt mit mir anfangen? Wie „sinnvoll“ konnte ich sie nutzen? Und, wie sollte es anders sein, ich fing an aufzuräumen und zu putzen. Dabei bin ich dann – im wahrsten Sinne des Wortes – an einer Vase hängen geblieben. Ich stand da und dachte: Eigentlich steht die mir nur im Weg.
Ich muss sie jedes Mal hochheben, um darunter Staub zu wischen, und ehrlich gesagt – sie macht mir gar keine Freude. Das Regal, auf dem sie stand, war ohnehin schon voll genug. Und in diesem Moment kam der Gedanke: Warum steht sie da überhaupt? Und was steht in meinem Leben sonst noch so herum – sichtbar oder unsichtbar – das ich eigentlich gar nicht brauche?
Das war der Anfang. Aus dieser Vase heraus ist mein Alltagsminimalismus entstanden – und die Entscheidung, mir mein Leben Stück für Stück so zu gestalten, dass nur noch das bleibt, was mir wirklich guttut. Ich hatte damals vollgestopfte Küchenregale und immer gedacht: Ich muss nur endlich ein gutes Ordnungssystem finden, damit das irgendwie funktioniert.
Aber jedes Mal, wenn ich die Schranktür geöffnet habe, hat mich das innerlich gestresst. Weil ich wusste: Wenn ich jetzt ein Teil herausnehme, bricht der ganze Ordnungsstapel zusammen. Und das war ein absoluter Denkfehler. Denn brauche ich wirklich zehn verschiedene Brotdosen? Nein, brauche ich nicht. Ich habe von zehn auf drei reduziert – und plötzlich konnte ich einfach die Tür öffnen, ohne zu denken: Oh nein, jetzt fällt gleich wieder alles raus.
Dasselbe beim Kleiderschrank: Nur noch Dinge, die ich wirklich trage und in denen ich mich wohlfühle. Machen wir uns nichts vor – diese „Vielleicht irgendwann wieder“-Haufen oder Kleider, die ewig an der Stange hängen, machen doch, und sei es nur unterschwellig, ein ungutes Gefühl. Dieses Ich trage das irgendwann wieder-Kleid übt Druck aus: Ich muss abnehmen. Ich muss mich verändern. Ich brauche erst wieder einen Anlass. Weg damit. Einfach weg damit. Das schafft nicht nur Platz, sondern morgens auch Ruhe im Kopf.
Was ist dir sonst noch wichtig?
Rituale und Routinen gehören für mich ebenfalls zum Alltagsminimalismus – weil sie mir Struktur geben, in der ich mich sicher und gehalten bewegen kann. Ich habe mir zum Beispiel – KI-gestützt – eine kleine persönliche Assistentin gebaut, die mir hilft, meine Rituale und wiederkehrenden Tätigkeiten in einem Tagesplan zu verankern.
So kann ich Dinge einfach der Reihe nach abhaken und verliere keine Energie mehr mit der ständigen Frage: Was war jetzt nochmal dran? Zum Alltagsminimalismus gehört für mich auch, bewusst auf Energiefresser zu schauen. Manche Dinge im Alltag – wie bestimmte Haushaltsaufgaben – mag ich vielleicht nicht, aber sie gehören eben dazu. Dann entscheide ich für mich: Ich akzeptiere sie. Damit verwandle ich diesen Energiefresser zumindest in etwas Neutrales.
Andere Dinge kann ich aktiv verändern – kleine Stellschrauben drehen, Abläufe anpassen – und plötzlich ist das, was mich früher gestresst hat, gar nicht mehr so schlimm oder sogar positiv geworden.
Und dann gibt es Energiefresser, bei denen klar ist: Das tut mir einfach nicht gut. Zum Beispiel ein Mensch in meinem Umfeld, der mir nur Energie zieht. Da darf ich mich distanzieren – ich muss diesen Menschen nicht in meinem Leben behalten.
Und genau das ist der Kern des Ganzen: Beim Alltagsminimalismus geht es nicht nur ums Weglassen, sondern vor allem ums Bewusstwerden. Darum, wieder zu spüren, was dir guttut – und dir selbst die Erlaubnis zu geben, dein Leben danach auszurichten.mDas ist für mich gelebter Alltagsminimalismus: Leave it, accept it or change it.
Und genau das gibt mir Stabilität – weil ich nicht mehr ohnmächtig reagiere, sondern bewusst gestalte, was in meinem Alltag Raum bekommt. Alltagsminimalismus ist nichts Abgehobenes – er passiert genau da, wo unser Alltag stattfindet: zwischen Waschmaschine, WhatsApp und Wäschekorb. Aber wenn man anfängt, bewusster zu wählen, was man wirklich braucht, wird plötzlich alles leichter.
Welche Benefits kann man aus dem Alltagsminimalismus ziehen?
Das größte Geschenk ist für mich ganz klar: Ruhe. Nicht im Sinne von Stillstand, sondern von innerer Klarheit. Wenn du beginnst, dich auf das Wesentliche zu konzentrieren – auf das, was dir wirklich guttut – wird das Leben nicht leerer, sondern leichter.
Alltagsminimalismus bringt dich raus aus dem Dauer-Funktionieren und wieder rein ins bewusste Spüren. Du weißt plötzlich, was du brauchst – und was du getrost loslassen darfst. Diese Klarheit schenkt Energie, weil du sie nicht mehr an hundert kleine Baustellen verlierst, die eigentlich gar keine Priorität haben.
Man gewinnt Zeit – echte, gefühlte Zeit. Raum, um wieder zu atmen. Und eine neue Art von Selbstwirksamkeit: Ich bin nicht mehr die, der das Leben passiert – ich gestalte aktiv, was Teil davon ist. Alltagsminimalismus ist kein Rückzug aus dem Leben, sondern ein Heimkommen zu dir selbst. Er gibt Struktur, wo vorher Chaos war. Er schafft Vertrauen, wo vorher Überforderung war. Und er macht aus dem, was bleibt, wieder etwas Wertvolles.
Wie hast sich du dich konkret verändert, seit du minimalistischer im Alltag lebst?
Ich funktioniere nicht mehr – ich lebe wieder. Früher war mein Alltag ein einziger Spagat: Job, Kinder, Haushalt, Erwartungen. Ich war ständig in Bewegung, aber innerlich völlig erschöpft. Heute hat mein Leben eine Struktur, die mich trägt, anstatt mich zu überfordern. Ich weiß, was wirklich wichtig ist – für mich, nicht für die anderen da draußen.
Ich starte ruhiger in den Tag, weil ich meine Routinen kenne und sie bewusst gewählt habe. Ich verliere keine Energie mehr mit Dingen, die mich nur stressen oder anstrengen, sondern kann meine Kraft gezielt dort einsetzen, wo sie mir und meinen Kindern guttut. Früher hatte ich das Gefühl, ich renne immer allem hinterher – To-dos, Erwartungen, Perfektion.
Heute laufe ich mit meinem Leben, nicht mehr gegen es. Ich habe gelernt, Pausen nicht mehr als Stillstand zu sehen, sondern als Teil meiner Bewegung. Und das ist vielleicht die größte Veränderung: Ich habe wieder das Gefühl, selbst am Steuer zu sitzen.
Nicht, weil alles perfekt ist, sondern weil ich mir selbst vertraue – auch an den Tagen, die laut oder chaotisch sind. Ich bin ruhiger geworden. Klarer. Erdeter. Und ich weiß heute, dass Leichtigkeit kein Zufall ist – sie ist eine Entscheidung, die ich jeden Tag wieder treffe.
Gibt es noch etwas, was dir zu dem Thema besonders wichtig ist? Ja.
Ich möchte Müttern Mut machen, sich selbst wieder ernst zu nehmen. Alltagsminimalismus ist kein weiteres To-do, kein neues „System“, das man perfekt umsetzen muss – er ist eine Einladung, hinzuschauen.
Hin zu dem, was wirklich zählt. Weg von dem, was dich erschöpft, kleinmacht oder dich ständig in den Vergleich bringt. Viele Mütter glauben, sie müssten erst alles im Griff haben, bevor sie sich erlauben dürfen, durchzuatmen. Aber es ist genau andersherum: Wenn du beginnst, durchzuatmen, kommt das Leben in Ordnung.
Alltagsminimalismus bedeutet für mich nicht, alles loszulassen – sondern das festzuhalten, was dir Halt gibt. Es geht darum, dich selbst wieder spüren zu dürfen. Und zu merken: Ich darf es mir leichter machen, ohne mich dafür zu rechtfertigen. Ich freue mich, wenn noch mehr Menschen mir auf Mamaalltag in stark folgen – weil es für mich wirklich ein Geschenk ist, andere Frauen auf diesem Weg mitzunehmen.
An meinem Beispiel zeigen zu dürfen, dass man auch nach Brüchen, Erschöpfung und schweren Zeiten wieder weitermachen kann. Und wer weiß – mein großer Traum ist es, mit dem Alltagsminimalismus eines Tages ganz viele Frauen zu erreichen, ihnen Mut zu machen und zu zeigen: Es geht. Schritt für Schritt. Es ist ein Weg zurück ins Leben. Zurück zu dir.


1 comment
super Text! mam weis es eigtl schon , dass es genauso gemacht gehört wie sie schreibt, man spürt es förmlich in allen Poren, das dies die Lösung sein kann um aus der Erschöpfungsfalle zu kommen. Und doch ist es so unheimlich schwer anzufangen, weil man a den wald vor lauter Bäumen/ Vasen/ Kleidern nicht mehr sieht unb b weil man soviel Angst hat Dinge und Menschen endgültig loszuwerden.
aber ja mal mit den Vasen und Küchenschubladen anfangen ist sicher ein guter Tipp!! Danke