Welcome back: „Mein Sohn kommt nach 6 Monaten Kanada zurück“

Schüleraustausch

Symbolfoto: pixabay

Ihr Lieben, bei der Land-Familie ging das erste Kind ins Ausland, Kind 2 und 3 aber nicht, so ist es mit jedem Kind wieder etwas anderes. Da in diesen Wochen aber ganz viele Jugendliche aus unserem Umfeld aus dem Ausland zurückkommen („Welcome back!“), sind wir froh, dass Alexandra uns unsere Fragen beantwortet hat. Ihr Sohn ist mit 15 Jahren für ein Schulhalbjahr nach Kanada gegangen und steht nun kurz vor der Wiederkehr.

Liebe Alexandra, dein Sohn ist für ein Schulhalbjahr in Kanada gewesen und kommt nun zurück. Auf was freust du dich am meisten? 

Ich freue mich darauf, ihn endlich wiederzusehen und natürlich ihn die Arme zu nehmen.

Wie wirst du die Wiederkehr gestalten, planst du ein „Welcome back“-Plakat oder sein Lieblingsessen? 

Welcome back
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Er liebt Döner, den es in Kanada nicht gibt. Daher möchte er sofort nach der Ankunft, Döner essen gehen. Noch in Frankfurt. Zu Hause wird es in den Tagen danach natürlich überwiegend seine Lieblingsgerichte geben. Vor allem, weil er das Essen in Kanada überwiegend schlecht fand. Ein Plakat o.Ä. mache ich nicht. Das fänd er sicher peinlich.

Wie geht es deinem Sohn mit der bevorstehenden Wiederkehr? Überwiegt die Freude auf euch oder die Melancholie über den Abschied?   

Aktuell ist er überwiegend traurig darüber, dass der Austausch zu Ende geht. Er hat dort tolle Freunde gefunden, die noch bleiben. Er plant aber schon weitere Besuche in Kanada.

Wie seid ihr damals auf Kanada gekommen? Und war bei deinem Sohn schon immer klar, dass er ins Ausland wollen würde? 

Er wollte eigentlich in die USA, da er Basketball spielt. Wegen der politischen Lage fanden wir das aber nicht gut. Kanada hat ihn dann vor allem deshalb überzeugt, weil er die ersten Monate wöchentlich Ski fahren konnte. Da der große Bruder vor vier Jahren zum Austausch nach Australien gegangen ist, stand für unseren Sohn eigentlich schon längere Zeit fest, dass auch er die Chance eines Austauschs nutzt.

Welche Sorgen waren bei dir im Vorhinein als Mutter am präsentesten? 

Ich hatte Angst, dass er zum Beispiel einen Skiunfall oder Ähnliches hat, und wir dann so weit weg sind.

Wie war dann der Abschied von ihm, was fandst du am forderndsten? 

Vor der Abreise standen wir unter mega Zeitdruck (wieder mal alles auf den letzten Drücker). Eigentlich wollten wir am Tag vor dem Abflug noch Familie in Frankfurt besuchen, aber letztendlich sind wir erst nachts angereist, da dann doch Einiges fehlte (im Flugzeug zulässige Powerbank, der kanadische Handyvertrag etc.).

Aber vielleicht war das gut so. So war wenig Zeit, um sentimental zu werden. Obwohl ich beim wirklichen Abschied natürlich schon mit den Tränen kämpfen musste. Während er im Flugzeug saß, war ich relativ ruhig (beim Großen damals habe ich ständig online die Route des Flugzeugs nachverfolgt), aber natürlich war ich sehr erleichtert, als er nach der Ankunft angerufen hat. Danach war ich emotional erst mal irgendwie völlig ausgepowert.

Hatte er Glück mit seiner Gastfamilie und Schule oder brauchte es da auch mal einen Wechsel? 

Die Gastfamilie ist super, total persönlich und engagiert (anders als beim Großen, der gewechselt hat). Es gibt strengere Regeln als bei uns, die auch konsequenter verfolgt werden, was unserem Sohn aber gutzutun scheint. Auch die Schule gefällt ihm gut. Es ist allerdings eine staatliche Schule mit eher niedrigem Niveau. Er spielt dort sehr viel Basketball und hat weder Mathe noch Sprachen. Positiv ist auch, dass er wirklich tolle Freunde gefunden hat, mit denen er viel unternimmt.

Wie schnell kam er mit der Sprache vor Ort klar? 

Die Sprache (Englisch) war von Anfang an überhaupt kein Problem.

Gab es schwierige Situationen, in denen er euch aus der Ferne auch nochmal brauchte (Krankheit, Konflikte, Heimweh, whatever)?

Heimweh hatte er nur kurz, was sicher daran lag, dass er dann schnell sehr beschäftigt war. Unmittelbar nach der Ankunft ging die Schule los, es gab für die internationalen Schüler viel Programm, und er konnte bereits in der ersten Woche Skifahren.

Er hat uns hin und wieder wegen organisatorischen Dingen kontaktiert (Kreditkarte funktioniert nicht, sein Handy war kaputt, eine Anmeldung zu einer Reise hat nicht geklappt). Dann gab es noch eine Situation, in der eine andere Austauschschülerin große Probleme in ihrer Gastfamilie hatte, die dann auch wechseln durfte. Hier hat uns unser Sohn um Rat gefragt.

In welchen Situationen hattest du das Gefühl, dass er über sich hinausgewachsen ist, auf was bist du besonders stolz? 

Kanada
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Ich bin stolz, dass er sich einen Aufenthalt auf einem anderen Kontinent bzw. das Leben in einer anfangs völlig fremden Familie mit anderen Regeln überhaupt zutraut. Vor allem, weil er erst 15 ist. Er ist in mehreren Situationen über sich hinausgewachsen.  

Wie ging es dir mit dem Vermissen, welche Strategien hast du entwickelt?

Loslassen und Vermissen ist schwer, aber der Gedanke, wie glücklich das eigene Kind ist, hilft sehr. Wir machen regelmäßig Videocalls über WhatsApp, so dass wir ihn zumindest regelmäßig „sehen“. 

Wie oft wart ihr in Kontakt und über welche Apps? 

Wir schreiben und telefonieren alle paar Tage über WhatsApp, wobei ich mich eher auf Textnachrichten beschränke, um ihn nicht einzuschränken. Er ruft von sich aus ca. einmal pro Woche an.

Hast du das Gefühl, du hast ein Kind losgeschickt – und bekommst einen Erwachsenen zurück? 

Ob er wirklich erwachsen ist, weiß ich nicht, aber er ist in jedem Fall sehr gewachsen (körperlich und vor allem emotional). Er kommt mir viel reifer und selbstbewusster vor.

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 Wir wünschen euch ganz viel Freude beim Wiedersehen! 



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