Klauen im Jugendalter: Teen Time Jugendkolumne zum Umgang mit Delinquenz

Klauen im Jugendalter

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Ihr Lieben, immer wieder werden wir grad von Eltern auf das Thema Klauen im Jugendalter angesprochen. Katharina hatte in der Kolumne der letzten Woche von einem Vorfall erzählt, bei dem sich das eigene Kind gegen den Gruppenzwang entschieden hatte, während Freunde dann beim Klauen erwischt wurden und die Polizei gerufen wurde.

Uns erreichen Anfragen wie diese: „Was machen denn Eltern, deren Kind wirklich beim Klauen erwischt wurde? Meine 13Jährige hat jetzt zwei Jahre Hausverbot bei H&M, mit unter 14 ist sie ja noch nicht strafmündig.“

Oder: „Wir kaufen unseren Kindern wirklich alles, was sie brauchen, trotzdem ist da irgendwie der Drang, was mitgehen zu lassen, mein Sohn hat so ein 3 Euro-Ding vom Wühltisch mitgenommen, das piepste dann natürlich am Eingang, jetzt hat er ein Jahr Hausverbot bei NewYorker.“

Von einem Vater weiß ich, dass sein 16Jähriger mal eine Pulle Wodka im Supermarkt hat mitgehen lassen. Als er Wind davon bekam, sagte er: Hey, kein Beinbruch, aber: Dafür musst du jetzt geradestehen. Wir gehen jetzt gemeinsam mit der Flasche zur Supermarktverkäuferin und geben sie zurück.“ Allein die Überwindung wird ihn vermutlich (hoffentlich!) davon abgehalten haben, so etwas nochmal zu tun.

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Eine weitere Anfrage, die uns erreichte: „Was ist mit Klauen? Wenn das Kind beim Ladendiebstahl erwischt wird oder auch Eltern oder sogar Freunden Geld klaut (oder andere Dinge)? Lügen auch. Oder Schuleschwänzen. Hab das Gefühl, dass diese Themen sehr schambehaftet sind und dass man mit so einem Ratgeber-Talk nicht weiterkommt.

Meine Tochter hat neulich z.B. mal geschwänzt. Das war richtig schlimm für mich. Gerade bei ADHS Teens ist ja jegliches Risikoverhalten leider hoch im Kurs und ich bin da manchmal ratlos. Natürlich will ich dem auf den Grund gehen und wissen, was dahintersteckt, auch zugewandt bleiben. Gleichzeitig bin ich sauer und traurig. Und wenn es öfter vorkommt – was sind Konsequenzen, die was bringen?“

Eine Mutter schrieb uns: „Ich bin mit 14 selbst beim Klauen erwischt worden. Da musste ich dann so einen Belehrungs-Kurs machen, ich glaube das war vom Jugendamt organisiert. Und da habe ich meinen ersten Freund kennen gelernt. Auch ein Ladendieb…“

Zu allererst mal zur Beruhigung aller: Einmaliges oder sehr punktuelles Klauen im Jugendalter ist zunächst einmal weniger kriminell als vielmehr ein Ausprobieren, dem eine Art kindlicher Forscherdrang vorausgeht. Mal schauen, ob das klaut. Mal sehen, was passiert. Nervenkitzel. Grenzerfahrung.

Klauen im Jugendalter

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Es kann viele Gründe haben, warum Teenager klauen: Gruppenzwang, Mutproben, Grenzen ausreizen, Coolsein wollen, Aufmerksamkeit erhaschen, Konsumdruck, weil Markenkleidung z.B. sonst nicht drin wäre. Es geht Also wirklich eher um soziale Dynamiken als auch um kriminelle Absichten.

Dazu kommt: Fast alle Kinder probieren das mit dem Klauen oder mit dem Mitgehenlassen von Sachen mal aus – und werden größtenteils trotzdem später ehrliche Erwachsene. Das zu wissen kann ja schon mal viel Druck rausnehmen und vor allem moralische Brisanz, die vielleicht hilft, deinem Kind auch in so einem Fall begleitend zur Seite zu stehen.

Erzähl deinem Kind gern davon, dass du als Kind selbst mal eine Packung Haargummis hast mitgehen lassen, wie deine Mutter das bemerkt hat und ihr dann gemeinsam zurück in den Laden gefahren sein, um sie mit einer Entschuldigung zurückzugeben. Und wie gut dir das getan hat, dass sie dich das nicht hat alleine machen lassen.

Dass sie klar war in ihrer Ansage, dass sowas bereinigt werden muss, dass sie dich dabei aber nicht im Stich gelassen hat. Und dass du dich aber trotzdem so geschämt hast, dass dir das dann nie mehr passiert ist. Niemand verlangt Perfektion. Aber Geradebiegen… das schon.

Und wenn du jetzt denkst: Arrgh, ich hab aber ganz anders reagiert, als ich rausgekriegt habe, dass mein Kind auch geklaut hat, dann hast du natürlich auch jederzeit die Chance – wie Katharina, die ihrem Kind zunächst den Umgang mit dem klauenden Kind verboten hatte und dann gemerkt hat, dass sie das eigene Kind eigentlich feiern müsste fürs Nichtmitmachen – einfach zuzugeben, dass du vielleicht überreagiert hast.

Oder dass Verbote oder Strafen vielleicht nicht das richtige Mittel waren. Dass dir aber trotzdem wichtig ist, die Konsequenzen aufzuzeigen: Mit einem Eintrag in die Polizeiakte kannst du später nicht alle Jobs machen, von denen du vielleicht heute träumst.

Jugendlicher
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Auch Elternansprachen mit: Eine Boutique muss schließen, wenn zu viel geklaut wird können helfen! „Du willst ja auch nicht, dass ich in dein Zimmer gehe und deine Playsi einfach mitnehme…“ (Wenn deinem Kind selbst mal etwas geklaut wird, dass es sehr gemocht hat, kann das übrigens auch dazu führen, dass es so etwas nie tun würde, weil es weiß, wie sehr man sich ärgert)

Ab 14 gibt es einfach auch strafrechtliche Konsequenzen. Vorher kann es nach dem Erwischen zu einer Info an das zuständige Jugendamt kommen. Oder vom Laden selbst zu einem Hausverbot. Zwischen 14 und 17 greift dann das Jugendstrafrecht, wobei bei Einzeltaten oft auf die Erziehung gesetzt wird und erst bei wiederholtem Erwischen auch Sozialstunden im Raum stehen – oder im krassesten Fall eben auch Jugendarrest.

Wenn allerdings Freunde und Familienmitglieder beklaut werden (weniger anonym, als am Wühltisch mal einen Plastik-Tanga mitgehen zu lassen, was natürlich auch nicht geht, aber eben nicht vergleichbar) ist das aber nochmal was Anderes.

Da geht es dann um mehr als um Mutproben, da müsste man dann wirklich schauen, woher der Drang kommt, denn die Hemmschwelle ist einfach nochmal eine andere (liegt eine Drogensucht vor und es geht hier um Beschaffungskriminalität? Wie steht es sonst um das Thema Vertrauen innerhalb der Familie oder des Freundeskreises).

Fassen wir zusammen: In den meisten, punktuellen Fällen, lässt sich Klauen als kleine Jugendsünde abstempeln, die eben wieder geradegebogen werden sollte und dann auch durch ist (vermutlich fürs ganze Leben). Hier dürfen wir relativ entspannt bleiben, wenn wir das schaffen. Wenn es öfter vorkommt und ins Kriminelle reingeht – oder wenn es Freunde oder Familie angeht, kann Hilfe von außen gut sein (z.B. Erziehungsberatungsstelle oder Polizei Beratung), um nach den Ursachen zu forschen, damit hier nicht eine Zukunft verbaut wird.

Hilft euch das erstmal? Seid ihr selbst mal erwischt worden in eurer Jugend? Oder war euer Kind mal dabei bei einer Klau-Aktion? Wie habt ihr dann reagiert?

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2 comments

  1. Ich kann nur von mir selber berichten. Zwischen 14 und 17 habe ich immer wieder mal was geklaut. Mal hier ein Armband in einem kleinen Laden, Ohrstecker, Lipgloss, Stifte, sogar mal einen BH, den ich einfach im Laden angezogen habe und rausgegangen bin. Ich bin nie erwischt worden und meine Eltern haben davon nie was mitbekommen. Ich kann nicht mal sagen, warum ich das gemacht habe. An Geld mangelte es in unserer Familie nie und ich bekam genügend Taschengeld. Es war irgendwie dieses Gefühl, dass ich kein Geld ausgeben wollte für Sachen, wenn es die Gelegenheit gab sie umsonst zu bekommen.
    Die Phase war dann schlagartig vorbei, als ich einmal dachte, ich wäre beim Klauen erwischt worden, was dich aber (zum Glück für mich) als Missverständnis herausgestellt hat. Das hat mir aber so einen großen Schreck eingejagt, dass ich ab dem Zeitpunkt komplett damit aufgehört habe.
    Nicht immer muss also ein tieferer Sinn hinter dem Klauen stecken. Gelegenheit macht Diebe, an dem Sprichwort ist für mich etwas dran.

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