Kinderwunsch: Und wenn ich nie schwanger werde?

Kinderwunsch

Ihr Lieben, es ist so gut, dass wir mittlerweile mehr über frühere Tabuthemen wie unerfüllten Kinderwunsch sprechen, uns austauschen und Verbündete suchen. Verena Teke hat dem Thema einen ROman gewidmet, um die Sprachlosigkeit aufzulösen. „Unter anderen Umständen“ heißt er und ihre Protagonistin stellt sich die Frage aller Fragen: Und wenn ich nie schwanger werde? Hier nimmt sie uns mit in ihre ganz persönliche Geschichte.

Mit Anfang 20 ging ich zur Gynäkologin. Meine unregelmäßige Periode und die damit einhergehenden Schmerzen machten mir immer mehr zu schaffen. Der Schmerz strahlte oft über mehrere Wochen vom Unterleib bis in den Rücken. Ich konnte nachts nicht schlafen, weil ich nicht wusste wie ich liegen soll.

Bei der Untersuchung erwähnte die Ärztin wie nebenbei, dass es für mich schwierig werden würde, auf natürlichem Weg schwanger zu werden. Gleichzeitig stellte sie fast auffordernd fest, dass sich mit einer Schwangerschaft der ganze Hormonhaushalt noch einmal verändern könnte und danach die Probleme, die ich jetzt hatte, vielleicht verschwunden wären. Alle klang vage und als wäre es äußerst seltsam.

Ich verließ die Praxis ohne Lösung für meine derzeitigen Schmerzen, aber mit der einzigen Hoffnung, dass es nach einer Schwangerschaft besser werden würde.

Aber was, wenn ich kein Baby bekommen konnte?

Es zogen noch ein paar Jahre ins Land bis ich mich im Wartezimmer einer Kinderwunschklinik wiederfand – der Raum war bis zum letzten Platz gefüllt! Und zum ersten Mal seit dem Besuch bei der Frauenärztin hatte ich das Gefühl: Ich bin gar nicht die Einzige mit diesem Problem!

Die Jahre davor hatte ich mich allein gefühlt. Allein mit der Sorge vielleicht nie ein Kind zu bekommen, obwohl ich doch einen Kinderwunsch hatte. Allein mit dem Gefühl, dass etwas mit mir nicht stimmte, dass ich nicht richtig „funktionierte“.

Kinderwunsch: Ich bin nicht allein damit

Kinderwunsch

Dabei – das weiß ich heute – ist fast jedes zehnte Paar in Deutschland ungewollt kinderlos. Und auch wenn die Reproduktionsmedizin boomt und das Thema (unerfüllter) Kinderwunsch immer mehr besprochen wird – bleiben Frauen und die durch die Behandlungen ausgelösten Probleme meist immer noch ungesehen. Ratschläge aus dem sozialen Umfeld wie: „Du musst einfach nur entspannen! / Fahrt doch mal in Urlaub“ geben der Frau das Gefühl verantwortlich zu sein.

Viel zu wenig wird darüber gesprochen, welche physischen und psychischen Belastungen Frauen oft über Jahre bei einer Kinderwunschbehandlung durchleben – nicht zu vergessen, wie viel Zeit und Geld diese „Reise“ verschluckt. Fahrpläne, Zyklus-Monitoring, Hormonspritzen und Medikamente bestimmen den Alltag. Zyklus für Zyklus wechseln sich Hoffnung, Freude, Spannung mit Enttäuschung und Verlust ab.

Ein ständiges Auf und Ab der Gefühle und dazu das beengende Gefühl, dass die Zeit gegen einen läuft. Ein immenser Erfolgsdruck. Im Fokus steht das Ziel – der Weg dorthin muss in Kauf genommen werden. Frauen ordnen ihren eigenen Körper – Schmerzen, Nebenwirkungen, Ängste und Sorgen – dem Ziel schwanger zu werden völlig unter.

Und was, wenn die erlösenden Worte „Hurra! Sie sind schwanger!“ nie kommen?

Ein unerfüllter Kinderwunsch ist noch immer ein großes Tabu-Thema und kann sehr einsam machen. Die gesellschaftliche Sichtbarkeit, ein Bewusstsein fehlt.

Auch ich hatte mich lange nicht getraut über meine Angst, kein Kind bekommen zu können, zu sprechen.

„Ich fühle mich oft so allein mit dem ganzen Scheiß!“ sagt die Protagonistin meines Romans „Unter anderen Umständen“, der dieses Jahr im Kunstmann Verlag erschienen ist.

Die Geschichte, die ich erzähle ist mein Wunsch, ehrlich und authentisch über Kinderwunschbehandlungen zu sprechen, die Schmerzen zu zeigen und dennoch humorvoll und tröstlich zu sein, ein Verständnis für „andere Umstände“ zu schaffen.

Es ist aber auch eine Ermutigung an alle Frauen über ihre Erfahrungen und Erlebnisse zu sprechen. Mutterschaft beginnt nicht erst mit der Geburt eines Kindes. Was brauchen wir, damit wir uns gesehen fühlen, für all das, was wir auf dem Weg zu einem Kind leisten? Welche gesellschaftlichen Unterstützungen braucht es? Warum wird gerade in medizinischen Bereichen, die ausschließlich Frauen betreffen, weniger geforscht? Was hat dir in deiner Kinderwunschbehandlung gefehlt? Was hättest du dir von deinen Freund*innen, deinen Verwandten, deinem Partner oder deiner Partnerin gewünscht?

Damit Frauen sichtbar sind – mit und ohne Kind!

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Cover
Unter anderen Umständen

Buch: Unter anderen Umständen

Nach einer gescheiterten Beziehung flüchtet Hanna, Mitte dreißig, nach Berlin. Die Zeichen für einen Neustart stehen gut. Sie lernt Taner kennen, der sich tatsächlich dasselbe wünscht wie sie: ein Baby. Doch nach zwei Jahren ist Hanna noch immer nicht schwanger.

Anfangs noch optimistisch, sucht sich das Paar Hilfe in einer Kinderwunschpraxis. Doch während um sie herum alle ganz problemlos schwanger werden, gerät Hanna, Zyklus für Zyklus immer weiter in die Mühlen der Reproduktionsmedizin. Sie sieht sich mit Terminplänen, Hormonspritzen und deren Einfluss auf ihren Körper konfrontiert. In der Beziehung beginnt es zu kriseln und Hanna verliert mehr und mehr den Mut und die Nerven, während sie doch eigentlich nur eines tun soll: entspannt bleiben.

Verena Teke erzählt von neun Monaten des Hoffens und Bangens, von geplatzten Träumen und der harten Realität eines unerfüllten Kinderwunsches, von anderen Umständen, die traurig, schmerzhaft, absurd und oft auch witzig zugleich sind.

Verena Teke, geboren 1985 in Stuttgart, hat Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften und Germanistik studiert und arbeitete am Theater. Sie lebt mit ihrer Familie in Berlin.

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23 comments

  1. „ Ihr Lieben, es ist so gut, dass wir mittlerweile mehr über frühere Tabuthemen wie unerfüllten Kinderwunsch sprechen, uns austauschen und Verbündete suchen. “
    Ja. Und gleichzeitig halte ich es auch für zu viel Sprechen über die verschiedensten Probleme, die Menschen haben können, wenn es mehr Raum einnimmt als über die schönen Seiten des Lebens zu reden.

  2. @alle:
    Ich kann jetzt einzelne Einwände besser verstehen…
    Mir geht es darum Kritik sachlich zu formulieren (Ich -Botschaften senden;)), ohne dabei den anderen ‚runter zu buttern‘.
    Ich finde es sehr bedenklich, wenn Leute, die hier Beiträge schreiben, auf solche Reaktionen treffen. Da würde ich mir beim nächsten Mal genau überlegen, ob ich mir das noch einmal antue…
    Wenn ich so genervt von einem Thema bin, überspringe ich es halt. (Wir zahlen hier ja kein Abo:))

    1. Dein letzter Kommentar hat die formulierten Erwartungen an Kritik auch nicht erfüllt. Ohne dir in der Wertschätzung sachlicher Kritik widersprechen zu wollen halte ich es doch für ein sinnvolles Vorgehen auf jedem Standpunkt bei gleichzeitigem Verständnis, dass das nicht immer möglich ist.

  3. Ich finde es großartig und wichtig, dass es solche Bücher gibt. Das Thema ist ein Tabu-Thema, weil es mit Scham behaftet ist und es vielen Frauen (und Männern) schwer fällt darüber zu sprechen. Es ist doch einfach eine Hilfe für Betroffene, davon kann es nicht genug geben und niemand ist gezwungen, es zu kaufen.
    Merkwürdigerweise scheint der Artikel sehr zu polarisieren. Ich lese hier regelmäßig und schon lange mit und normalerweise finde ich die Kommentare von Franzi und die andere S. sehr scharfsinnig und wertvoll. Die Tonalität wirkt bei den Kommentaren unter diesem Artikel ganz anders auf mich und wundert mich. Finde es auch schade für die Community hier….

    1. @Taylor: Danke für Dein positives Feedback zu meinen sonstigen Kommentaren, auch wenn wir heute nicht auf einen Nenner kommen. Vielleicht konnte ich mit den späteren Ausführungen meinen ersten Kommentar etwas besser erklären.

    2. Ich finde die Kommentare immer wieder grenzwertig und grenzüberschreitend. Klar, es ist ein Einzelschicksal (vieler Frauen!), warum darf das nicht thematisiert und Missstände offengelegt werden? Warum ist da so eine große Abwehr? Ich denke, wenn man Lust hat, jemanden, der/die sich mit so einem emotionalen Thema in die Öffentlichkeit wagt, derart anzugehen, weist das eher auf eigene ungelöste Konflikte/Themen hin…

      1. @Isabelle: natürlich darf das Thema besprochen werden. Ich finde es nur anstrengend, permanent in die „gesellschaftliche Missstandspflicht“ genommen zu werden.
        Du bist ja auch schnell dabei mit Küchentischpsychologie und Verurteilungen. Auch nicht gerade wertschätzend? Vielleicht habeich ja auch ein bedauernswertes Einzelschicksal für das ich maximal verständnisvoll behandelt werden hte und sollte? Was Du gerade auch nicht gemacht hast? Das ist das, was ich meine

        1. Das sehe ich vollkommen anders!
          In dem Moment, in dem sich jemand „outet“, respektiere ich das zunächst einfach.
          Grundsätzlich bringe ich dir den gleichen Respekt und die gleiche Empathie entgegen, solange du andere nicht abwertest oder in ihrer Art, sich mitzuteilen, kritisierst.
          Denn dies ist der zugrundeliegende Unterschied beider Meinungsäußerungen.

          1. Das ist richtig, es gibt jedoch, wie gesagt, einen grundlegenden Unterschied: Die Autorin hat weder dich noch mich persönlich „angegriffen“, sondern einen ganz allgemeinen, gesellschaftlichen Missstand thematisiert. Deine Reaktion diesbezüglich finde ich nicht okay (s.o.), da du sie dafür persönlich kritisierst und ihr dieses Recht absprichst. Hierzu habe ich mich geäußert.
            Eine mögliche allgemeine Aussage deinerseits habe ich nicht kommentiert oder kritisiert, sondern deinen Umgang mit einer sensiblen Thematik, mit welcher die Autorin sich an die Öffentlichkeit „wagt“.

      2. Nicht dürfen in deinem Satz hieße, dass der Text gar nicht erst erscheint. Ist er aber. Es gab nur unerwünschte Kommentare. Das Thema übergriffigkeit kann man auch vor dem Hintergrund sehen anderen vorschreiben zu wollen, was kommentiert wird.

  4. Noch so ein „Tabu-Thema“ das gefühlt medial hoch und runter genudelt wird.
    Über jedes Tabu-Thema gibt es 20 Ratgeber. Naja, wer es braucht.

    1. Ja, und immer ist „die Gesellschaft“ nicht verständnisvoll genug und es gibt unerfüllte Erwartungen.
      Frage mich, was ich jetzt schon wieder falsch gemacht habe, werde es aber wohl nie erfahren, da ich das Buch nicht kaufen werde.

      1. @Andrea: meinst Du mich oder „die andere S.“? Mir gehts einfach auf den Nerv, dass immer von irgendwelchen Themen (sei es Menstruation, Wechseljahre, Kinderwunsch und viele andere) behauptet wird, sie seien Tabu, bloß um sie interessanter zu machen. Dabei stimmt es einfach nicht! Über diese Themen wird so viel geredet und geschrieben wie nie zuvor! Ist ja auch okay, wenn es da Bedürfnisse gibt, so why not. Ist aber auch okay, wenn es nicht für alle so unglaublich wichtig ist.

      2. @Andrea: ich finde es schwierig, dass jeder für sein „Einzelschicksal“ gesondertes Spezialverständnis von der Gesellschaft fordert und erwartet. Ich möchte damit überhaupt nicht den Kummer jedes einzelnen kleinreden, gar nicht. Es sind persönliche schwere Schicksale. Ich störe mich aber an der Erwartungshaltung „der Gesellschaft“ (und ich bin ein Teil davon) gegenüber.
        Ganz viele Menschen tragen ein Päckchen mit sich, bei den wenigsten weiß man es und ich finde, dementsprechend sollte mit jedem achtsam umgegangen werden, auch wenn er kein spezifisches „Label“ trägt.
        Man kann Leid nicht gegeneinander aufwiegen und ich mag keine Schubladen und ich könnte mir vorstellen, viele Betroffene auch nicht.Konstruktiver?

      3. Ich behaupte mal, es ging in den Kommentaren gar nicht um den unerfüllten Kinderwunsch.
        Es ging darum, dass ständig Themen als „Tabu-Themen“ bezeichnet werden, obwohl es doch ehrlicherweise gar keine wirklichen Tabus heute mehr gibt. Dann schreibt jemand einen Ratgeber und will, dass wir alle viel sensibler werden…und behauptet, dass alle total gemein zu ihnen sind, sie nicht wahrgenommen werden etc.
        Egal, ob es um Autismus, LRS, Hochsensibilität, ADHS, Kinderlosigkeit, Hochbegabung, Allergien …geht.

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