Ihr Lieben, ein unerfüllter Kinderwunsch kann für Paare eine tiefe emotionale Belastung darstellen. Oft entstehen dabei Gefühle wie Traurigkeit, Wut, Sprachlosigkeit oder Schuld, die sich auch auf die Partnerschaft auswirken können. Rebecca Ostermann hat das selbst erlebt – mit all den Zweifeln, Hoffnungen und emotionalen Höhen und Tiefen – und nach einer tollen Beratung für sich und ihre Familie eine Lösung gefunden, damit umzugehen. Mit zwei Kindern, die sie heute trotzdem Mama nennen. Und mit Kinderwunschberatungen, die sie heute selbst anbietet.
Vielen Dank, dass du heute eure Geschichte mit uns teilst. Vielleicht erzählst du zuerst ein wenig über dich und deinen Mann.
Mein Mann und ich sind seit über 27 Jahren ein Paar und kennen uns seit der Schulzeit – wir sind quasi zusammen erwachsen geworden. Schon damals haben wir unser Leben miteinander geteilt und viele schöne Dinge gemeinsam unternommen. Wir sind viel gereist, haben Urlaube geplant, Freunde getroffen, sind gemeinsam essen und auf Konzerte gegangen und haben einfach das Leben genossen. All diese Erlebnisse haben uns sehr zusammengeschweißt und unsere Beziehung über die Jahre immer weiter gefestigt.
2008 haben wir geheiratet, ein Tag, der für immer unvergesslich bleiben wird. Kurz danach wollten wir unsere Familie gründen. Ich träumte von zwei Kindern, er von drei. Wir stellten uns immer vor, wie es wäre, morgens das Kinderzimmer zu betreten, ein kleines Lächeln zu sehen oder die ersten Schritte mitzuerleben.
Wann wurde dir bewusst, dass eigene Kinder nicht möglich sein würden?
Nach etwa zwei Jahren voller Hoffnung und Warten wurde uns klar: Wir werden keine leiblichen Kinder bekommen können. Für uns beide brach eine Welt zusammen. Plötzlich waren all unsere Zukunftsbilder, die wir im Kopf hatten – unser Baby in den Armen halten, erste Worte zu hören oder das Kinderzimmer einrichten – von einem Tag auf den anderen unmöglich. Ich habe viel geweint und war unfassbar traurig. Überall, wo ich hinschaute, waren glückliche Familien, Schwangere oder kleine Kinder – ständig wurde mir vor Augen geführt, was uns verwehrt blieb.
Wie war das für eure Partnerschaft?
Mein Mann war mir eine total größte Stütze. Er hat mir zugehört und ist vor allem einfach da gewesen. Und umgekehrt war es genauso. In dieser Zeit haben wir das Spazierengehen für uns entdeckt. Lange Wege, viel frische Luft – und ganz viele Gespräche. Draußen, nebeneinander gehend, fiel es uns oft leichter, über das zu sprechen, was uns innerlich bewegt hat.
Ihr habt dann zusätzlich professionelle Hilfe gesucht. Wie kam es dazu?
Zunächst waren wir in einem Kinderwunschzentrum. Medizinisch kompetent, klar – aber emotional haben wir uns dort durch die psychologische Beratung nicht gesehen gefühlt. Die Gespräche waren stark auf bestimmte medizinische Methoden ausgerichtet, bei denen das Zentrum verdient – alternative Perspektiven oder neutrale Beratung spielten kaum eine Rolle. Für uns fühlte es sich an, als stünden wir mit all unseren Gefühlen und Zweifeln allein da.
Wie habt ihr dann systemische Beratung gefunden?
Durch Zufall entdeckte ich eine systemische Therapeutin bei uns vor Ort, die sich unter anderem auf unerfüllten Kinderwunsch spezialisiert hatte. Sie hatte selbst die Erfahrung gemacht, dass es in der Phase eines unerfüllten Kinderwunsches kaum emotionale Begleitung gibt, und wollte genau diese Lücke schließen. Schon beim ersten Gespräch spürte ich: Hier ist jemand, der wirklich zuhört, ohne uns in eine Richtung zu drängen. Es war ein geschützter Raum, in dem wir unsere Trauer, unsere Wut, unsere Sehnsucht aussprechen konnten, ohne dass wir uns rechtfertigen mussten.
Wie hat euch diese Beratung konkret geholfen?
Sie hat uns gezeigt, dass wir ein neues Lebensmodell entwickeln können – selbst wenn der ursprüngliche Kinderwunsch nicht erfüllt wird. Wir konnten ehrlich über ein Leben ohne leibliche Kinder nachdenken und überlegen, was uns trotzdem glücklich macht. Die systemische Beratung hat unseren Blick darauf gelenkt, was uns als Paar trägt, was uns verbindet und welche Stärken wir haben.
Gleichzeitig hat sie uns geholfen, neue Möglichkeiten zu denken, ohne Druck und ohne vorgegebene Richtung. Hier ging es vor allem um Lösungen und unsere Ressourcen. Wir haben gelernt, nochmal anders miteinander zu reden und langsam neue Wege zu sehen – zum Beispiel darüber nachzudenken, Kinder aufzunehmen, die nicht biologisch von uns sind. Diese Gespräche haben uns emotional gestärkt und unsere Partnerschaft vertieft.
Das klingt nach einem langen, intensiven Prozess.
Ja, es war alles andere als leicht. Wir mussten erst einmal durch die Trauer hindurchgehen – viel weinen und viel reden. Es gab Momente, in denen ich dachte, dass die Welt um uns herum einfach weiterläuft und wir zurückbleiben. Aber genau diese Phase hat uns stärker gemacht. Wir haben gelernt, die Traurigkeit anzunehmen, uns gegenseitig Halt zu geben und uns die Frage zu stellen: „Was brauchen wir, um trotzdem ein erfülltes Leben zu führen?“
Und wie kam dann die Entscheidung, Kinder aufzunehmen?
Es war ein sehr behutsamer Schritt. Zunächst haben wir uns Zeit genommen, wirklich zu verstehen, was wir wollen, was wir uns zutrauen und was für uns eine Familie ausmacht. Dann haben wir uns bewusst entschieden: Wir möchten unsere Liebe und unser Zuhause mit Kindern teilen – auch wenn sie nicht biologisch von uns sind. Heute haben wir zwei wunderbare Kinder. Dieses Glück, ihre kleinen Persönlichkeiten jeden Tag zu erleben, lässt sich kaum in Worte fassen.
Welche Rolle spielte die Beratung zum unerfüllten Kinderwunsch auf diesem Weg?
Eine sehr große. Sie hat uns geholfen, unsere Emotionen auszudrücken, die Partnerschaft zu stärken und neue Wege zu sehen – indem sie unseren Blick erweitert hat und nicht bei dem stehen geblieben ist, was nicht möglich ist. Genau das war für uns entscheidend. Wir hatten endlich einen Raum, in dem wir unsere Gefühle ehrlich aussprechen konnten, ohne bewertet oder in bestimmte Optionen gedrängt zu werden.
Und wie ist es dann letztendlich dazu gekommen, dass du jetzt selbst Begleitung in der Kinderwunschzeit anbietest?
Schon während unserer eigenen Beratungen wurde in mir der Gedanke geweckt: „Das würde ich auch gerne machen.“ Diese Art von Arbeit – allein durch Fragen, Perspektiven zu erweitern und neue Handlungsspielräume aufzuzeigen – hat mich so beeindruckt, dass der Wunsch immer größer wurde. Vor drei Jahren habe ich ihn schließlich in die Tat umgesetzt und mich für die Weiterbildung zur systemischen Beraterin angemeldet. Heute berate ich Paare mit unerfülltem Kinderwunsch, aber auch Einzelpersonen sowie Familien – und genau das ist für mich eine unglaublich erfüllende Aufgabe.
Welche Botschaft möchtest du anderen Paaren mitgeben?
Es ist völlig normal, tief zu trauern, wütend zu sein oder sich allein zu fühlen. Aber es gibt Wege, neue Perspektiven zu finden – egal ob durch Adoption, Pflegekinder oder andere Familienmodelle. Die Beratung zum unerfüllten Kinderwunsch kann ein geschützter, neutraler Ort sein, an dem man ehrlich über Gefühle sprechen kann, ohne in Richtungen gedrängt zu werden.
Für uns war das ein entscheidender Unterschied – und genau diese Erfahrung kann ich heute weitergeben. Wer sich angesprochen fühlt, kann sich gerne melden – online oder vor Ort. Man kann mich über meine Webseite kontaktieren. Ich biete einen geschützten Rahmen, in dem man sich verstanden fühlt und gemeinsam neue Perspektiven entwickeln kann.
Vielen Dank für deine Offenheit!
Danke, dass ich unsere Geschichte erzählen durfte. Ich hoffe, andere Paare spüren: Ihr seid nicht allein, es gibt Unterstützung, es gibt Wege und es gibt Hoffnung. Man muss nur den ersten Schritt wagen – und das kann den Beginn einer neuen, erfüllenden Reise bedeuten.

