Ihr Lieben, ich hab euch neulich gefragt, was euch als Eltern in der Teen-Time eurer Kinder guttun würde, was ihr bräuchtet, um euch mit gewissen Themen nicht so allein und überfordert zu fühlen. Und ich möchte euch heute mal eine weiche Wolke bauen, die euch umhüllen darf, wenn es mal wieder herausfordernd wird.
Vielleicht gab´s ja erst gestern wieder Krawall, ist jemand wieder ungeduldig geworden und in der Folge sogar verletzend, gab´s wieder Vorwürfe oder exakt die gleiche Diskussion, mit der ihr euch doch schon seit Wochen im Kreis dreht. Vielleicht fragt ihr euch grad:
Wie gehe ich damit um, wenn mein Kind mir die Schuld für alles gibt und mir vorwirft, dass ich ihm nichts gönne und nicht will, dass es glücklich ist? Wie kann ich tolerant bleiben, wenn ich offen abgelehnt werde von meinem Kind? Wie halte ich diese schmerzende Zurückweisung aus? Mach ich das alles richtig? Ist das bei anderen auch so?
All die Fragen in der Teen-Time
Wie schaffe ich es, Beschimpfungen nicht persönlich zu nehmen? Wie kann ich Dinge ansprechen, bei denen ich weiß, dass das Kind vermutlich explodiert? Wie gehe ich mit Wutanfällen um, wenn sich der 16jährige Teenager mal wieder nicht verstanden fühlt? Ist es okay, meiner 13Jährigen Gelnägel zu verbieten oder übertreibe ich, weil es ja nichts Existenzielles ist?
Wann macht es „Klick“ beim Thema Schule, wo es doch grad ernst wird und so langsam was getan werden müsste? Wer gibt MIR mal eine Umarmung, wenn ich das Kind nach einer schlechten Note erstmal wieder auffangen muss, weil es sein komplettes Sein in Frage stellt? Und wie kann ich cool bleiben, wenn ihm schlechte Leistungen egal sind?
Wie bleibe ich entspannt, wenn die ersten Partys anstehen? Wie kann ich loslassen und nicht mehr so viel Angst haben, wenn die Kinder unterwegs sind? Wer sagt mir, dass alles gut wird und dass das alles nur eine Phase ist und mein Kind nicht abrutscht (oder tut es das grad schon?)?
An welcher Stelle kann ich noch Einfluss auf den Medienkonsum nehmen? Wer hilft mir, mein Kind zu stärken, wenn es eine Mobbingsituation erlebt hat? Wie vermittle ich ihm Zuversicht und Lust auf die Zukunft, wenn grad alles im diffusen Nebel liegt?
Wo sind die anderen Eltern, die ehrlich darüber berichten, wie schwer das manchmal alles ist, die dazu stehen, dass es auch mal schlechtere Zeiten gibt, Zeiten des Zweifels? Wie schaffe ich es, mir in dieser neuen Lebenssituation den Humor zu bewahren?
Wie viel uns durch den Kopf geht!
Seht ihr, wie viele Fragen das sind? Wie viele Lebensbereiche sie betreffen? Wie wackelig das Fundament ist, weil uns vielleicht gar nicht so bewusst war, was in dieser Lebensphase alles auf uns einprasselt? Es ist absolut okay, sich in all der Fülle mal überfordert zu fühlen. Es ist fantastisch, dass du überlegst, ob du das so richtig machst, denn so kommen wir in die Reflexion.
Wenn das große Ganze so unkontrolliert wird, müssen wir schauen, was wir im Kleinen noch im Griff haben. Wie kriege ich mich selbst reguliert? Was hilft mir sonst in herausfordernden Situationen? Unter welchen Umständen halte ich es besser aus?
Wenn ich selbst mal mit einer Vespa im Graben gelandet bin, ist es für mich vielleicht wichtig, meinem Kind das Unterwegssein auf Zweirädern zu verbieten, weil ich sonst die ganze Nacht nicht schlafen kann. Wenn ich mich bei der Vorstellung grusele, dass mein Kind nachts von einem fremden Uber-Fahrer durch die Gegend chauffiert wird, kann ich anbieten, es zu einer gewissen Zeit selbst abzuholen.
Auch WIR müssen mit den Entscheidungen leben können
Es sind die Kompromisse, die wir auch mit uns SELBST aushandeln, um diese neuen Situationen in unserem Leben besser aushalten zu können. Wir dürfen den Kindern unsere Entscheidungen erklären, müssen aber schauen, welche Kämpfe wir wirklich bereit sind zu kämpfen, damit wir unsere Ansagen dann auch mit Überzeugung rüberbringen können. Denn auch WIR müssen mit den Entscheidungen ja leben können.
Vergleichen wir das mal mit einer Situation im Urlaub, als unsere drei Kinder noch sehr klein und sehr quirlig-aktiv herumlaufend waren. Wir fuhren auf einen Aussichtspunkt auf einem Berg über dem Meer. Es gab Zäune (ihr dürft Zäune setzen! Und ihr legt selbst fest, wie nah ihr sie an der Klippe baut) und trotzdem flitzten mir die Kinder viel zu schnell und viel zu unkontrolliert durch die Gegend. Ich sah sie im Geiste schon ins Meer stürzen.
Wäre ich in dieser Situation allein dort gewesen, ich hätte sie einfach zurück ins Auto gesetzt, um sie wieder angeschnallt in Sicherheit zu wissen, weil ICH vor lauter Höhenangst einfach unentspannt war. Nun waren wir hier aber zu dritt, die anderen beiden sagten, sie könnten aufpassen und begleiten, so ging ich allein ins Auto und konnte wieder ruhiger werden.
Wir sollten auch unsere eigenen Grenzen gut kennen
Dafür müssen wir aber unsere eigenen Grenzen gut kennen. Und zwischen echter Gefahr (gab´s da nicht) und gefühlter (mein Nervensystem) unterscheiden. Bei echter Gefahr hätten wir sie natürlich alle im Auto gelassen. Logo. So war es für alle entspannter, sich für den Moment zu separieren. Sie konnten die Aussicht genießen, ich selbst war raus aus der Verantwortungssorge und übertrug meine eigenen Ängste nicht.
Wir dürfen uns fragen, was uns wirklich wichtig ist. Wir dürfen feste Regeln aufstellen und wir dürfen auch mal Regeln aufweichen und Kompromisse finden. Feste Größen und Variablen. Wir dürfen schauen, dass alle möglichst unbeschadet durch diese Phase kommen, auch wir. Wir dürfen über Gefühle reden, wir dürfen Grenzen wahren und akzeptieren.
Leuchtturm sein: Orientierung und Verlässlichkeit bieten
Wir dürfen Leuchtturm sein, wenn ein Unwetter aufzieht und das Bötchen unseres Kindes zu wackeln beginnt und auch mal kurz die Orientierung verliert. Der Leuchtturm fährt nicht mit. Der Leuchtturm steht fest, leuchtet ins Dunkle und bleibt verlässlich.
Aber auch der Leuchtturm braucht Pflege. Mal einen neuen Anstrich und moderne Elektrizität. Auch der Leuchtturm braucht mal ein bisschen Restaurierung, wenn Stürme um ihn herum tobten und sich Gichtreste am Mauerwerk festgesetzt haben. Eine Restaurierung, die hilft, den nächsten Wellen standzuhalten und auch mal abprallen zu lassen, auch wenn es dann manchmal im Inneren quietscht.
Du darfst groß sein, du darfst leuchten, du darfst sicher sein, dass deine Signale ankommen, auch wenn der Weg durch den Nebel manchmal länger braucht… am Ende bieten wir doch Orientierung und vor allem Verlässlichkeit. Weil wir da sind. Und da bleiben. Auch wenn das Bötchen mal ganz weit weg ist und nur noch am Horizont aufblitzt.

2 comments
Vielen lieben Dank. Dieser Text kommt genau zur richtigen Zeit und die Metapher mit dem Leuchtturm ist so passend. Hier der Leuchtturm braucht dringend etwas Fürsorge, sonst kann er nicht mehr leuchten und den Weg anzeigen.
So schön, so eine schöne Metapher mit dem Leuchtturm und dem Bötchen.
vor allem, dass der Leuchtturm nicht mitfährt…das ist manchmal echt die Kunst!! Vor allem wenn das Boot schwankt und sich von selbst zum kippen bringt oder wenn es am Horizont verschwindet und man nicht weiss, wo wann und wie es wieder auftauchen wird. das wird es von nun an wohl immer sein, bis der Leuchturm mal ganz verrostet und ausgemustert werden muss.