Ihr Lieben, hat in diesem Artikel ja Ramona über ihre Erfahrungen beim Online-Dating gesprochen. Wir haben viele Rückmeldungen dazu bekommen, unter anderem auch von Birgit. Sie schrieb: „Danke für den tollen Bericht. Wenn ich den aber hätte schreiben müssen, wäre er nicht so neutral und freundlich ausgefallen.“ Das machte uns natürlich neugierig und wir baten Birgit um ihre Sichtweise, die hier jetzt kommt:
Warum ich lieber Single bleibe…
Der Hauptgrund, warum ich Single bleiben will, ist: Mein Wunsch nach Unabhängigkeit. Denn ich sehe bei vielen Freundinnen, die verheiratet sind, dass die Männer den Frauen die Carearbeit für die Kinder überlassen – und eigentlich auch erwarten, dass die Frau die Carearbeit für ihn übernimmt, das heißt für ihn sorgt, ihn bekocht, seine Wäsche wäscht. Ich versorge meinen Sohn und sonst niemanden. Habt ihr euch schon mal gefragt, warum es um euch herum so viele Trennungen gibt? Ganz einfach: Die Männer unserer Generation wollen leben wie ihre Väter, aber wir nicht wie unsere Mütter…
Ich möchte mir auch nicht von einem neuen Partner in die Erziehung reinreden lassen, mein Kind hat einen Vater (der neu geheiratet hat und nochmal Vater geworden ist). Ich möchte auch keine Belastungen durch eine Ex-Familie meines neuen Partners, ich habe genug Sorgen und Themen, um die ich mich kümmern muss. Ich glaube, dass viele, die sagen: „Patchwork ist toll!“ eine Illusion leben.
Ich war 25 Jahre mit meinem Ex-Mann zusammen. Aber als die Beziehung nicht mehr gut war, bin ich gegangen. Ich stürze mich jetzt also nicht in die nächste schlechte Beziehung, nur um jemanden zu haben oder ein gesellschaftliches Bild zu erfüllen. Ich habe ein Haus, das mir gehört – wenn etwas daran zu tun ist, was ich nicht kann, bezahle ich einen Handwerker. Dafür brauche ich dauerhaft keinen Mann im Haus.
Ich war auch schon auf Dating-Portalen unterwegs, um einfach mal zu schauen, was da so los ist. Ich habe das Gefühl, dass Männer Alleinerziehenden extrem respektlos gegenüber sind. Nach dem Motto: Die können ja froh sein, dass sie überhaupt noch jemand will. Die Männer erwarten Demut und Unterordnung von dir und das kann ich einfach nicht.
Und man muss auch echt sagen, dass sich im Netz schräge Vögel tummeln. Je nach Portal wählen 80 Prozent die AfD oder sind Impfgegner oder sonstige Systemgegner. Außerdem wird es sehr schnell schlüpfrig, viele Männer sind einfach auf der Suche nach einer schnellen Nummer.
Ich habe in den letzten Jahren auch ab und zu Männer getroffen. Der eine sagte mir nach drei Monaten dass er einmal verheiratet war und zwei Kinder hat. Zwei Wochen später korrigierte er auf zwei gescheiterte Ehen und drei Kinder. Außerdem kiffte er jeden Abend und hing dann vor der Playstation ab. Was soll ich mit so jemandem? Und will ich, dass mein Sohn sowas sieht? Natürlich nicht.
Dann traf ich mich mit einem Mann, der angeblich in Trennung lebte. Nach kurzer Zeit ging er zu seiner Ex zurück, fragte aber, ob wir uns trotzdem regelmäßig treffen könnten – ääähmmm, nein!
Der nächste Mann sagte, er sei nicht vergeben. Nach einiger Zeit beichtete er, dass er schon lange mit einer Frau zusammen sei, mit der er zwei Kinder hat. Das Kleinere war fast noch ein Baby. Er sagte, er wolle sie verlassen, aber ich würde nie einen Mann wollen, der seine Frau mit Baby sitzen lässt.
Nach diesen Erfahrungen habe ich erstmal drei Jahre pausiert. Dann lernte ich einen neuen Mann kennen und wollte ihm eine Chance geben. Er ging arbeiten, kam erst abends gegen 20 Uhr nach Hause und sagte, er wolle dann ein warmes Essen. Von Hausarbeit hielt er nichts und dann erzählte er meinem Sohn, dass die Afrikaner uns hier die Arbeitsplätze wegnehmen. Mein Sohn hielt sofort dagegen und da dachte ich: Ich habe keine Lust auf einen Menschen in meinem Leben, der so einen Mist erzählt.
Das hört sich vielleicht jetzt so an, als sei ich eine Männer-Hasserin, was ich aber echt nicht bin. Wenn ein wirklich netter Mann, der auf Augenhöhe mit mir leben will, vorbei käme, würde ich mich freuen. Aber ich komme auch gut alleine zurecht und bin nicht gewillt, irgendeinen Typen zu nehmen, nur weil die Gesellschaft meint, Frauen sollten einen Partner haben. Ich kann für mich und meinen Sohn gut sorgen – wir brauchen keinen Versorger, aber ich brauche auch kein zusätzliches Kind. Ich möchte einen Partner auf Augenhöhe – und wie ich in den letzten Jahren gemerkt habe, ist sowas gar nicht leicht zu finden…



8 comments
Ich kann das gut nachvollziehen. Natürlich lieber allein, als mit einem Partner, der nur eine billige Haushälterin braucht bzw. kein Partner auf Augenhöhe ist. Und es ist schön, wenn der Sohn eine selbstbewusste Mutter als Vorbild erlebt, die unabhängig ihren Weg geht, das prägt natürlich auf positive Art und Weise fürs Leben.
Aber einen Gedanken finde ich noch bedenkenswert: es ist auch sehr wichtig, unseren Kindern und Jugendlichen Beziehungen wirklich vorzuleben. Leider entwickeln wir uns immer mehr zu einer Ego-Gesellschaft, wo jeder nach sich und seinen Bedürfnissen guckt und das Soziale immer mehr hinten runterfällt. Es gibt immer mehr Singles und Alleinlebende. Und Kinder leben doch sehr oft das Leben ihrer Eltern nach, Trennungskinder werden sich viel wahrscheinlicher trennen als andere.
Also, was ich sagen will, es ist sehr wichtig, Beziehungen vorzuleben, keine schlechten, sondern positive. Dazu gehört auch Streit und Auseinandersetzung, natürlich, genauso wie gegenseitige Wertschätzung. Nur so ist Weiterentwicklung in Beziehungen möglich. Wobei es natürlich nicht nur Sexualpartner gibt im Leben, auch Freunde und Verwandte können da wichtige Rollen übernehmen. Aber meinen Kindern will ich vermitteln, dass Beziehungen und andere Menschen das Wichtigste im Leben sind, auch wenn man sich natürlich aneinander reibt.
Der Punkt ist ja nun gerade, dass die Autorin noch keinen Partner gefunden hat, der für so eine positive Beziehung geeignet wäre. Sie hat auch nie gesagt, dass sie nur eine Beziehung akzeptiert, wo jeden Tag eitel Sonnenschen herrscht, ohne jeden Konflikt. Deine Einwürfe gehen komplet an der Beschreibung des Problems dabei.
Und ich halte noch etwas dagegen: Man kann Kindern auch gute Freundschaften vorleben und daran wachsen. Man kann Kindern auch vorleben, dass es besser ist, Single zu bleiben als eine Beziehung einzugehen, die der eigenen Selbstachtung schadet. Mir persönlich scheint das sogar eine Lektion zu sein, die Kindern (insbesondere Mädchen) viel zu selten erteilt wird. Sie ist unglaublich wertvoll.
Nur weil man keinen Mann im Haus hat, heißt das noch lange nicht, dass man außerstande wäre, Beziehungspflege ausreichend vorzuleben.
@ Ute, nö, Du hast mich falsch verstanden. Vielleicht fühlst Du Dich getriggert? Meine „Einwürfe“ gehen eben nicht am „Problem“ vorbei, ich habe mir nur ergänzende Gedanken gemacht. Ich habe der Autorin ihre Empfindung nicht abgesprochen, sondern sehe es auch so: lieber allein, als ein schlechter Partner. Aber zu einer Beziehung (-spflege) gehören halt immer zwei.
Ansonsten kannst Du dir meinen Kommentar nochmal durchlesen, zum besseren Verständnis. Was Du in Deinem zweiten Absatz schreibst, habe ich ja auch geschrieben. Wenn Du jemand zurechtweisen möchtest, dann vielleicht Anna, die einen völlig unangemessenen und herablassenden Kommentar geschrieben hat?!
Hey Birgit,
Meiner Meinung nach machst Du alles richtig. Wenn Du zufrieden und selbstbewusst bist, kommt am ehesten ein netter Mann auf Augenhöhe in Dein Leben.
Hey Community,
Meiner Meinung nach gibt es durchaus engagierte, gleichberechtigte Väter, aber zu wenige. Insofern, Glückwunsch, wenn Ihr einen solchen Partner habt, aber es klappt nicht für jede. Ich bin vielleicht einen Tick älter als Ihr (muss bald „Ende“ statt „Mitte 40“ sagen), und um mich herum gibt es viele glücklich verheiratete Männer, die extrem viel weniger Care Arbeit machen. Die Kids um mich rum sind in ihren 20ern, da wollen sich viele Jungs nicht festlegen und eiern rum oder verlangen offene Beziehungen/Polyamorie. Ich möchte den jungen Frauen gerne vermitteln, dass sie sich nur auf faire Aufgabenverteilung und Augenhöhe einlassen sollen, aber dann werden viele alleine bleiben. Bei den Männern, die ich altersmäßig daten könnte, gehen dann noch 90% beim Stichwort Feminismus rückwärts zur Tür raus. Ich bin auch nicht ultra feministisch, aber so die basics halt. Frauen in meinem Alter wiederum sind oft sehr fürsorglich, schön, gebildet, inspirierend, nur leider bin ich nicht lesbisch. Also wir haben ein Markt-Problem.
LG!
Mit deinen seltsamen Ansichten zu einer Beziehung ist es für alle Beteiligten besser du bleibst allein tatsächlich
Wir sind eine „Crew“ aus 4 Elternpaaren und einer alleinerziehenden Mama. Diese Konstellation ist dahingehend interessant, da wir 4 unterschiedliche Väter sind und eben eine alleinerziehende Mama, wo der Papa des Kleinen nur Papa spielt, seine Rolle als Vater aber nicht vollends erfüllt. Nicht, weil er nicht kann, sondern weil er nicht will. Die übrigen Väter sind alle sehr unterschiedlich, aber immerhin Väter für ihre Kinder. Ich denke, dass ein Kind Mutter UND Vater braucht, um sich im Leben sicher orientieren zu können.
Ja, es gab eben diese eine Trennung, aber dieser Trennung stehen 4 funktionierende Beziehungen/Ehen gegenüber.
Es kommt immer darauf an, wie man sich selbst als Eltern sieht.
Danke für diesen Artikel! Ich bin auch Alleinerziehend und mittlerweile bewusst und gewollt Single. Ich habe Online-Dating ausprobiert, ich habe mich im Bekanntenkreis und auf der Arbeit umgeschaut, Angebote für eine Affäre hatte ich mehr als genug, auch FreundschaftPlus fänden einige Männer passend zu ihrem Lebensstil/ Lebenssituation… Ich kann das respektlose Verhalten gegenüber Alleinerziehenden absolut bestätigen! Wie kommt jemand auf die Idee, dass eine finanziell und auch sonst unabhängige Frau mit Anfang 40 froh sein kann etwas Körperlichkeit in verborgenen Hinterzimmern abzubekommen? Gespräche und Kontakte auf Augenhöhe habe ich natürlich auch – mit Männern, die sich aktiv um ihre Kinder kümmern und glücklich verheiratet sind. Da weiß ich auch warum die Ehen halten und so einige Tiefs und Hochs unbeschadet überstehen.
Vielen Dank für den Blick aus dieser Perspektive. Vieles nachvollziehbar, aber die These, dass Trennungen rundherum passieren, weil Männer so leben wollen wie ihre Väter und Frauen nicht, wie ihre Mütter, ist aus meiner Sicht aber doch sehr pauschal und klischeehaft beantwortet. Ich denke, dass sowohl Frauen als auch Männer in ihren Rollen eine krassen Wandel durchlaufen haben und die Bereitschaft durchaus von beiden Seiten da ist, die Anforderungen des „modernen“ Alltags auf Augenhöhe auf Job- und Care Ebene zu meistern. Hinzu kommt diese rasende Geschwindigkeit im Job und weiteren Lebensfeldern, oft wenig Unterstützung bei der Betreuung der Kids, je nachdem wie anspruchsvoll das Umfeld ist. Am Ende ist es wohl ein komplexer Mix aus Anforderungen, Paarkonstellation, Resilienz, Konfliktlösungsfähigkeit und individuellem Bindekit (z.B. Humor), der darüber entscheidet, wie der Weg eines Paares verläuft. Deine These ist sehr pauschal ausgelegt und wird all den Männern, die das Rollenbild ihrer Väter längst mit einem positiven Umbruch beantwortet haben und weiterhin tun, nicht gerecht.