Mein Mann und der Alkohol: Nach 5 Jahren habe ich mich getrennt

Alkohol

Foto: Freepik

Ihr Lieben, wieviel Alkohol trinkt ihr? Wieviel Alkohol trinken eure Partner, eure Freunde? Nach wie vor ist Alkohol wohl die meist akzeptierteste Droge in Deutschland und manchmal ist es gar nicht mehr so einfach die Grenze zu einem Alkoholproblem zu ziehen. Camillas Ex-Mann hat über viele Jahre lang zu viel getrunken – bis es Camilla nicht mehr ausgehalten hat….

Liebe Camilla, kannst du uns erzählen, wie und wann du deinen ehemaligen Partner kennen gelernt hast und warum du dich in ihn verliebt hast?

Wir haben uns vor 20 Jahren ganz klassisch beim Ausgehen über einen gemeinsamen Bekannten kennengelernt. Er war cool, wirkte immer ruhig und gelassen, hatte einen lässigen Style. Wir hatten eine wirklich gute Zeit und waren viel mit Freunden auf Festivals und Konzerten unterwegs.

Dein Ex hatte allerdings ein Alkoholproblem. Wann hat das begonnen?

Er hat immer gern in Gesellschaft und bei Feiern getrunken. Dass er täglich zu Hause ohne „besonderen Anlass“ getrunken hat, kam erst, als wir schon verheiratet waren und die beiden Kinder da waren.

Was und wieviel hat er getrunken und wie hat sich sein Verhalten verändert, wenn er getrunken hatte?

Er hat hauptsächlich Bier getrunken. Das erste Bier hat er nach der Arbeit mit Kollegen getrunken, er hatte im Kofferraum immer einen Kasten Bier. Zu Hause hat er dann weiter getrunken, so dass er meist auf fünf Bier kam – manchmal aber auch deutlich mehr.

Anfangs hat ihn das Trinken entspannter gemacht, manchmal war er dann richtig lustig. Aber nach und nach wurde die Laune immer schlechter, auch und vor allem im nüchternen Zustand. Manchmal fühlte es sich so an, als ob er es nur mit Alkohol mit uns aushält.

Haben die Kinder auch etwas von dem Alkoholproblem mitbekommen?

Für die Kinder war es „normal“, dass der Papa trinkt. Der Papa trinkt halt gerne Bier. Als die Kinder eide noch klein waren, haben sie ihm immer Bilder mit Bierflaschen gemalt, weil der Papa gerne Bier mag.

Später haben dann aber auch Situationen mitbekommen, de nicht schön waren und da hab ich ihnen dann auch erklärt, dass Alkohol Menschen verändert. Einmal kam er sehr betrunken nach Hause, die Kinder waren noch wach, und er hat mich aus unerklärlichen Gründen einfach angeschrien und nieder gemacht. Die Kinder und ich hatten da Angst. Er ist dann zum Glück schnell eingeschlafen, die Kinder und ich haben diese Nacht zu dritt im Wohnzimmer verbracht. Danach wollten die Kinder immer die Bierflaschen wegschütten, weil sie nicht mehr wollten, dass der Papa so viel trinkt?

Habt ihr über sein Alkohol-Problem gesprochen?

Ich habe immer wieder versucht, ihn von einer Therapie zu überzeugen. Ich wollte auch gerne mit ihm eine Paartherapie machen, weil ich denke, dass ja auch eine Ehe unter der Sucht leidet. Er wollte nicht mit und so bin ich alleine zur Therapie. Dort wurde mir ziemlich klar gesagt, dass es besser sei, wenn ich mich trenne.

Er war immer der Meinung, dass er keine Hilfe braucht und sagte immer zu mir: „Wenn du das nicht aushältst, musst du halt gehen.“ Ich habe nach meiner Therapie noch zwei Jahre gebraucht, um den Schritt der Trennung wirklich zu gehen.

Wie hat seine Sucht dein Leben bestimmt?

Er hat die Kinder und mich mit fast allem alleine gelassen. Ich hab alle Entscheidungen getroffen und die ganze Verantwortung für die Familie getragen. Er hat zudem den Kontakt zu all unseren gemeinsamen Freunden abgebrochen und sich nicht mehr am Familienleben beteiligen wollen, er hat also keine Ausflüge oder Familienfeste mehr mitgemacht. Er hat dann nur noch getrunken.

Gab es dann den einen Punkt, an dem du gemerkt hast, das er nicht aufhören wird zu trinken?

Den einen Punkt gab es nicht. Aber ich hab irgendwann bemerkt, dass ich mit meinen Kräften am Ende bin. Ich habe seine Sucht fünf Jahre lang ertragen, dann kam ich an meine Grenze. Es ging mir psychisch und gesundheitlich nicht mehr gut und ich wusste, dass ich meine Kinder und mich durch eine Trennung retten muss.

Wie hat er die Trennung aufgenommen und habt ihr heute noch Kontakt?

Er hat die Trennung nicht wahrhaben wollen und hat mir im Trennungsjahr immer wieder versichert, dass er nichts mehr trinkt und dass er sich ändern will. Die Realität: Er trinkt immer noch und kümmert sich auch nicht um die Kinder. Seine Begründung, warum er noch trinkt? Er könne nüchtern nicht ertragen, was er alles verloren habe und dass ich gegangen sei. Er gibt also mir die Schuld und übernimmt nach wie vor weder Verantwortung für die Kinder noch für sich.

Wie geht es dir heute?

Es geht mir gut, mit den üblichen Aufs und Abs einer Alleinerziehenden, denke ich. Natürlich hab ich Angst, dass es den Kindern an was fehlen könnte oder ich was übersehe. Aber insgesamt leben wir drei jetzt ein friedliches Leben. Ich bin seit der Trennung wieder in Therapie, wodurch ich erkannt habe, dass es nicht meine Schuld ist und ich ihn nicht retten kann.

Ich bin außerdem ganz frisch verliebt. Mein neuer Freund ist verantwortungsvoll, klar, emphatisch, liebevoll. Es ist für mich eine neue Erfahrung, dass jemand mich einfach mag und gerne mit mir zusammen ist – ganz ohne Alkohol.

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5 comments

  1. Ich bin auch froh, dass ich den Schritt gewagt habe ❤️ Alleinerziehend mit vier Kindern lebe ich endlich wieder. Warum habe ich es nicht schon viel früher getan? Diese Sucht zerstört alles. Ganz langsam habe ich mich wieder aufgebaut. Wer das in einer Familie erträgt, kann auch Alles alleine schaffen!

  2. Bin auch Kind eines alkoholkranken Vaters. Du hast es richtig gemacht! Ich hab mir als Kind immer die Trennung gewünscht…
    Ich kann bis heute nicht mit Menschen umgehen, die deutlich alkoholisiert sind.

    1. Da kann ich mich anschließen. Mein alleinerziehender Vater war auch Alkoholiker und du hast deinen Kindern ganz viel Belastung genommen, dass sie dem nicht mehr täglich ausgesetzt sind. Es wird sicher trotzdem nicht an ihnen vorbei gehen, aber du hast richtig gehandelt und ihnen gezeigt, dass man sich nicht allem Aussetzen braucht. Ich wünsche euch alles Gute und viel Glück für die neue Beziehung!

  3. Ich bin mir sehr sicher, dass es deinen Kindern durch die Trennung an nichts fehlt. Ganz im Gegenteil: ich glaube durch die Trennung bist du ihnen ein gutes und wichtiges Vorbild!

    1. Das glaube ich auch. Mein Großvater war Trinker, obendrein aggressiv gegen meine Großmutter und die drei Kinder. Alle drei sagen offen, es wäre ihnen lieber gewesen, wenn meine Großmutter sich von ihm getrennt hätte. Mein Vater (das älteste Kind) hat als junger Teenager sogar davon phantasiert, ihn umzubringen, damit endlich Ruhe sei.

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