Ihr Lieben, vor ein paar Tagen hatten wir hier den Bericht über eine alleinerziehende Mama, die seit acht Jahren keinen Unterhalt von ihrem Ex bekommt. Daraufhin meldete sich Sven bei uns, der seit 2024 alleinerziehender Vater ist und seitdem auch keinen Unterhalt vom Mutter der Kinder bekommt. „Es gibt sicherlich viel mehr Väter, die keinen Unterhalt zahlen, aber es gibt eben auch Fälle wie unseren“, sagte er. Wir wollten die ganze Geschichte hören.
Lieber Sven, Deine Frau und die Mutter deiner zwei Kinder hat dich 2024 verlassen und du bist nun ein alleinerziehender Vater. Für dich kam die Trennung relativ überraschend. Kannst du uns von dem Tag erzählen?
An diesem Tag kam ich nach einer einwöchigen Dienstreise aus den USA zurück. Ich landete in Frankfurt und nahm von dort den Zug nach Hause, wo meine Frau mich – wie abgesprochen – gemeinsam mit den Kindern am Bahnhof abholte.
Am Wochenende vor meiner Abreise hatte sie sich zum ersten Mal in unserer gesamten Beziehung beziehungsweise Ehe zu einer „Freundin“ zurückgezogen. Sie sagte, sie könne „das alles“ nicht mehr und brauche Zeit für sich, ohne zu erklären, was sie damit meinte. Wie sich später herausstellte, war sie gar nicht bei dieser Freundin gewesen.
Während meiner Dienstreise hatten wir kaum Kontakt – völlig untypisch für uns, da wir sonst über den Tag hinweg ständig Nachrichten austauschten. Auf den Flügen machte ich mir Notizen, wie wir unseren Alltag umstrukturieren könnten, damit ich mehr Aufgaben übernehme und sie entlastet wird.
Die Heimfahrt fühlte sich merkwürdig an. Zu Hause angekommen, liefen die Kinder voller Vorfreude ins Wohnzimmer und öffneten meinen Koffer, neugierig auf die Mitbringsel – Messesouvenirs, Zimtschnecken aus einem bekannten Laden und andere Kleinigkeiten. Meine Frau und ich gingen währenddessen in die Küche.
Dort sagte ich, dass ich mir Gedanken gemacht habe, wie man sie entlasten könnte. Ihre Antwort traf mich völlig unvorbereitet: Die Woche ohne mich habe sich für sie wie ein Befreiungsschlag angefühlt. Sie wolle hier und jetzt einen Schlussstrich ziehen und würde sich von mir trennen.
Was hast du da gefühlt?
Ich war wie betäubt. Mit vielem hätte ich gerechnet – aber nicht damit. Ich bat sie, unsere gemeinsame Geschichte, unsere Ehe und unsere Familie nicht einfach aufzugeben. Ich schlug vor, gemeinsam eine Therapie zu machen, um einen Weg zurückzufinden. Doch sie lehnte alles kategorisch ab. Das hier sei nicht mehr ihr Zuhause. Sie wollte auch nicht weiter darüber sprechen und bestand darauf, dass wir es den Kindern sofort sagen – sie würde danach gehen.
Und dann?
Wir gingen tatsächlich direkt ins Wohnzimmer. Die Kinder (damals 9 und 13 Jahre alt) stöberten noch immer begeistert in den Sachen, die ich mitgebracht hatte. Dann sagte meine Frau: „Ich habe mich gerade von Papa getrennt und gehe jetzt.“
Sie wollte die Kinder in den Arm nehmen, doch mein Sohn zog sich zurück, setzte sich auf meinen Schoß und vergrub sein Gesicht an meiner Schulter. Meine Tochter begann zu weinen und hyperventilierte. Meine Frau versuchte kurz sie zu beruhigen, gab dann aber auf und sagte, sie müsse jetzt gehen.Sie ging ins Schlafzimmer, packte eine Tasche und wollte mit dem Fahrrad zum Bahnhof fahren.
Ich konnte meine Tochter schließlich beruhigen. Sie wollte zu ihrer besten Freundin ins Nachbardorf, einfach raus aus der Situation. Ich telefonierte mit deren Mutter, klärte alles ab, und meine Tochter packte ebenfalls eine Tasche. Kurz darauf verließen meine Tochter und meine Frau das Haus – und ich blieb mit meinem Sohn allein zurück.
Kannst du rückblickend Streits, Vorfälle oder Versäumnisse deinerseits sehen, die du damals vielleicht nicht wahrhaben wolltest und die zu der Trennung geführt haben?
In den Jahren nach der Geburt der Kinder blieb für uns als Paar zunehmend weniger Zeit. Gleichzeitig hatten wir kaum Unterstützung von außen, sodass wir uns nur selten bewusst ein paar Stunden für uns nehmen konnten. Meine Frau äußerte oft, dass im Alltag kaum Raum für schöne Dinge bleibe und stattdessen immer nur Pflichten anstünden.
Ich habe zu Hause sehr viel übernommen, also Arzttermine, Fahrten zum Training oder zu Freunden, Einkaufen. Die einzige Ausnahme war die Wäsche, das hat komplett sie gemacht. Ich habe sie oft gefragt, ob sie noch mehr Zeit für sich brauche, was sie aber immer abgelehnt hat.
Insgesamt wurde die Situation in den letzten ein bis zwei Jahren unserer Ehe dann spürbar besser. Die Kinder wurden älter und dadurch selbstständiger, was uns mehr Flexibilität verschaffte. Seit 2023 gelang es uns sogar, etwa einmal pro Quartal ein Paarwochenende zu verbringen, ohne uns große Sorgen um die Betreuung der Kinder machen zu müssen.
Aber warum wollte sie die Trennung, wenn es doch gerade wieder ganz gut lief?
Rückblickend gibt es einen Punkt, der vielleicht schon früher ein Warnsignal gewesen sein könnte: Meine Frau hatte über mehrere Jahre hinweg zu vielen Dingen kaum noch eine eigene Meinung. Wenn ich beispielsweise Wochenpläne fürs Essen erstellte und sowohl die Kinder als auch sie bat, jeweils zwei Wünsche zu äußern, kam von ihr meist nur ein „Ist mir egal“.
Auch bei der Planung unserer gemeinsamen Paarwochenenden reagierte sie ähnlich. Wenn ich Vorschläge machte und wissen wollte, was ihr am besten gefiele, zuckte sie oft nur mit den Schultern und sagte: „Such du einfach aus, passt schon.“. Das war am Anfang zwar praktisch und einfach, aber auch ziemlich unbefriedigend.
Darüber hinaus schien sie immer weniger Freude am Leben zu empfinden. Sie lachte kaum noch und wirkte oft niedergeschlagen, fast so, als läge ständig ein Schatten über ihr. Ich führte das auf die hohe Belastung im Alltag zurück und versuchte, sie mit kleinen Gesten aufzumuntern – etwa mit einem Strauß ihrer Lieblingsblumen. Das gelang mir auch hin und wieder: Sie lächelte dann, bedankte sich – aber es wirkte nie wirklich echt. Ihre Augen blieben dabei leer.
Und dann hast du rausbekommen, dass sie eine Affäre hatte, richtig?
Während unserer Ehe habe ich ihr zu 100 % vertraut. Ich habe sie nie kontrolliert oder misstrauisch hinterfragt – auch nicht, als sie mit einem Kollegen ab und zu wandern ging. Im Nachhinein weiß ich, dass genau dort die Beziehung entstanden ist, aber zu diesem Zeitpunkt hätte ich niemals gedacht, dass sich daraus mehr entwickeln könnte.
Der Kollege ist Anfang 60, sie Anfang 40! Erst nach der Trennung habe ich erfahren, dass es sich dabei nicht nur um eine neue Beziehung handelte, sondern dass diese bereits während unserer Ehe begonnen hatte. Herausgefunden habe ich das indirekt über unsere Kinder: Im Dezember 2024 erzählte meine Frau ihnen, dass der Kollege, bei dem sie seit der Trennung wohnte, ihr neuer Partner sei. Wenig später „verplapperte“ sie sich und sagte meiner Tochter, dass diese Beziehung schon seit dem Sommer bestehe.
Direkt bestätigt hat sie mir das nie, da sie nach der Trennung keinen persönlichen Kontakt mehr wollte, der über organisatorische Dinge, die die Kinder betrafen hinaus ging und Gespräche über ihr neues Leben vermieden hat.
Wie sind die Kids mit der plötzlichen Trennung umgegangen?
Meine Tochter blieb in den ersten Tagen nach der Trennung bei ihrer besten Freundin, die für sie längst mehr wie eine Schwester ist. Die Mutter der Freundin ist für meine Tochter zu einer Art zweiten Mutter geworden. Sie wird von ihr wie eine eigene Tochter behandelt, dieses enge, gewachsene Umfeld hat uns in dieser Zeit sehr geholfen.
Meine Kinder waren traurig, aber erstaunlich gefasst. Ehrlich gesagt hatten wir alle noch die Hoffnung, dass sich vielleicht doch wieder ein Weg zueinander finden ließe, wenn meine Frau etwas Zeit für sich hätte. Gemeinsam überlegten wir, was wir ihr anbieten könnten, damit sie zurückkommt. Wir dachten, dass sie möglicherweise am Rande eines Burnouts stehen könnte und professionelle Hilfe brauchen würde. Mein Sohn bot sogar freiwillig an, sein Zimmer aufzugeben und zu mir ins Schlafzimmer zu ziehen, damit sie einen eigenen Raum für sich hätte, um zur Ruhe zu kommen.
Doch auch dieses letzte Angebot wurde von ihr entschieden abgelehnt. Das war der Moment, in dem ich endgültig begriff, dass es wirklich vorbei war. In einem Streit fragte meine Tochter sie, warum sie nicht früher gesagt habe, was sie belastet, und warum sie keine Hilfe angenommen habe. Die Antwort meiner Frau war nur: „Es hätte mir eh keiner zugehört, also habe ich es gelassen.“
Diese Aussage traf mich besonders, weil wir in unserer Familie immer offen über Probleme gesprochen hatten – über kleine wie große. Ich habe mich stets als pragmatisch und lösungsorientiert verstanden, und der Gedanke, dass sie sich von uns nicht gehört gefühlt hat, traf mich tief.
In der Folge begann ich, die vergangenen Jahre immer wieder gedanklich durchzugehen und zu hinterfragen, ob es einzelne große oder viele kleine Dinge gab, die sie dazu gebracht haben könnten, alles hinter sich zu lassen – auch die Kinder, für die sie früher eine so engagierte Mutter gewesen war.
Ich blieb nach außen gefasst, auch wenn ich innerlich zutiefst enttäuscht und verletzt war und meine Frau für den Verrat an der Familie und an mir selbst verurteilt habe. Gemeinsam mit den Kindern begann ich, unser Leben neu zu ordnen. Wir passten Regeln an, strichen manche ganz und führten neue ein.
Wie war denn dann die Regelung zwischen euch?
Bis etwa Oktober 2025 gab es keine verlässliche Regelung. In den ersten sechs Monaten nach der Trennung zeigte meine Frau kaum Interesse an den Kindern. Abgesehen von täglichen, fast identischen „Guten Morgen“- und „Gute Nacht“-Nachrichten per WhatsApp meldete sie sich praktisch nicht bei ihnen und war nach 21 Uhr auch nicht mehr für sie erreichbar. Seit der Trennung schaltet sie gegen 21 Uhr immer das Handy aus und es gab schon Situationen, als meine Tochter z.B. in die Notaufnahme mußte, von wo aus sie versuchte ihre Mutter zu erreichen, die aber schon das Handy ausgeschaltet hatte.
Alle drei bis vier Wochen stand sie dann relativ spontan vor der Tür und wollte die Kinder zu einem Eis oder einer anderen Unternehmung abholen. Aus den an der Türschwelle kurzfristig angekündigten drei bis vier Stunden, in denen ich mich theoretisch um mich selbst hätte kümmern können, wurden in der Praxis oft nur zwei bis zweieinhalb Stunden. Entsprechend kamen die Kinder mal mehr, mal weniger enttäuscht zurück.
Die komplette Ferienbetreuung lag und liegt bei mir. Weder im letzten Jahr noch bislang in diesem Jahr gab es von ihrer Seite Angebote, sich einmal eine Woche Urlaub für die Kinder zu nehmen oder gar die Ferienzeiten gänzlich zu splitten. Ich habe allerdings auch nie aktiv um Unterstützung gebeten, da sie für mich kein Teil meines Lebens mehr ist und ich meinen Alltag eigenständig organisieren möchte. Dennoch hätte ich grundsätzlich nichts dagegen, auch einmal eine Woche für mich zu haben und etwas Abstand zu gewinnen…
Nun hast du auch Kontakt zum Jugendamt aufgenommen, weil sie keinen Unterhalt bezahlt…
Genau, ich bekomme seit Oktober Unterhaltsvorschuss und seitdem hat sich die Situation etwas verändert. Ob der Kontakt zum Jugendamt bei meiner Frau tatsächlich eine Verhaltensänderung bewirkt hat, kann ich nicht mit Sicherheit sagen – allerdings entsteht dieser Eindruck.
Meine Frau bemüht sich seitdem, die Kinder an zwei Wochenenden im Monat zu sich zu nehmen. Meine Tochter möchte jedoch meist nur ein Wochenende bei ihr verbringen. Das liegt vor allem daran, dass es bei den Besuchen häufig zu Konflikten zwischen ihr und ihrer Mutter kam. Spätestens seit die Kinder älter geworden sind, reagierte meine Frau oft schnell gereizt und wurde selbst bei ganz normalen Fragen meiner Tochter ungehalten, erhobt die Stimme und blaffte sie an.
Irgendwann habe ich sie darauf angesprochen, unter vier Augen und bewusst nicht vor den Kindern. Ich sagte ihr, dass sie sich aus meiner Sicht von einer „Supermom“ zu einer „Grumpymom“ verändert habe. Das hat sie mir sehr übel genommen. Dieses angespannte Verhalten setzte sich auch an den „Mama-Wochenenden“ fort, weshalb meine Tochter den Kontakt möglichst auf ein Wochenende im Monat beschränken wollte.
Was müsste deine Frau denn an Unterhalt bezahlen?
Laut Düsseldorfer Tabelle wäre sie zu Unterhaltszahlungen in Höhe von etwa 1.200 € verpflichtet. Tatsächlich zahlt sie jedoch lediglich eine „Beteiligung“ in Höhe von 350 €.
Dabei lässt sie offen, wie diese Zahlung einzuordnen ist: Ich kann mir im Grunde aussuchen, ob ich sie als Beitrag zur Tilgung unserer gemeinsamen Schulden werte oder als Teil des Unterhalts, zu dem sie eigentlich verpflichtet wäre. Dem Jugendamt sind die Schulden egal, weshalb sie die 350€ Beteiligung auf den Unterhalt anrechnen und sie mir vom Unterhaltsvorschuss abziehen.
Warum zahlt sie nicht mehr, was ist ihre Begründung?
Sie zahlt nicht mehr, weil ihr Einkommen trotz eines Vollzeitjobs nicht ausreicht, um parallel zu ihrem neuen Leben auch noch den Unterhalt zu finanzieren.
Wie kommt ihr gerade im Alltag zurecht? Finanziell, aber auch emotional?
Emotional geht es meinem Sohn und mir inzwischen soweit gut. Ich bin mittlerweile auch an einem Punkt angekommen, an dem ich nicht mehr jedes Mal ein schlechtes Gewissen bekomme, wenn ich mit dem Anwalt spreche und er mir erklärt, was ihr zumutbar wäre, um den Unterhalt zu erwirtschaften und das wir das gerichtlich einfordern werden.
Gerade zu Beginn nach der Trennung war das sehr schwer für mich. Ich hatte noch immer einen starken Schutzgedanken ihr gegenüber und habe oft mehr darüber nachgedacht, welche Auswirkungen mein Handeln auf sie haben könnte, als darüber, was für die Kinder und mich richtig wäre. Das führte auch dazu, dass ich – sehr zum Unverständnis einiger Freunde – nicht immer in „unserem“ Interesse gehandelt habe, sondern aus diesem Gefühl heraus Maßnahmen nicht ergriffen habe, weil ich meinte, sie weiterhin schützen zu müssen.
Heute gelingt es mir deutlich besser, den Fokus auf das zu legen, was für die Kinder und mich notwendig und richtig ist.Meiner Tochter geht es seit einigen Monaten leider emotional und psychisch gar nicht mehr gut und sie wartet auf einen Platz in einer Tagesklinik, um die Trennung, den Verlust und die Folgen besser verarbeiten zu können.
Finanziell leben wir derzeit eher von der Hand in den Mund. Zwar habe ich zum Glück ein gutes Gehalt, sodass keine existenziellen Sorgen bestehen, doch wirklichen Spielraum für die schönen Dinge im Leben haben wir kaum – vor allem wegen der laufenden Raten zur Tilgung unserer Schulden.
Ich muss den Kindern daher häufig Wünsche abschlagen. Auch der von uns allen dringend benötigte Urlaub, in dem wir einmal abschalten und neue Kraft schöpfen könnten, wird in diesem Jahr aufgrund der Scheidungskosten entweder ganz ausfallen oder nur in stark eingeschränkter Form möglich sein.
Rein organisatorisch ergänzen die Mutter der besten Freunden meiner Tochter und ich uns recht gut, nehmen uns gegenseitig Fahrten ab und helfen einander. Mein Arbeitgeber ist sehr verständnisvoll und gewährt mir größtmögliche Flexibilität, sodass ich quasi zu 100% im Homeoffice arbeiten kann und nur ab und zu stundenweise ins Büro muss. Darüber hinaus habe ich keine fixen Arbeitszeiten und kann meinen Arbeitstag aufteilen, sodass ich den Belangen der Kinder gut gerecht werden kann. Ohne das alles, wäre unsere Situation und unser Alltag deutlich schwieriger.
Was hast du seit der Trennung gelernt?
Dass man selbst nach mehr als zwei Jahrzehnten feststellen kann, einen Menschen doch nicht so gut zu kennen, wie man immer dachte, war für mich eine schmerzhafte Erkenntnis. Heute sage ich ganz klar: Ich kenne diese Frau nicht mehr.
Gleichzeitig habe ich durch die Trennung auch viel über mich selbst gelernt. Vor allem, wie viel ein Mensch psychisch aushalten kann – und dass es selbst aus sehr schwierigen Situationen einen Weg heraus gibt, wenn man bereit ist, ihn zu suchen.
Ich habe außerdem festgestellt, dass manches einfacher ist, wenn man allein ist: Man muss sich nicht abstimmen, trifft Entscheidungen eigenständig und kann Dinge einfach umsetzen. Vor allem weiß ich heute, dass etwas zuverlässig erledigt wird, wenn ich es selbst in die Hand nehme – das macht vieles planbarer.
Was wünschst du dir für die Zukunft?
Ich wünsche mir in erster Linie, dass meine Tochter die Unterstützung bekommt, die sie braucht, um das Erlebte zu verarbeiten – insbesondere den Bruch durch die Trennung und die Art und Weise, wie ihre Mutter danach mit der Situation umgegangen ist. Ich wünsche mir, dass sie wieder mehr Leichtigkeit in ihrem Leben spüren kann und nicht mehr von Phasen geprägt ist, in denen sie tagelang kaum aus dem Bett kommt, sondern wieder Vertrauen in sich selbst und in die Zukunft gewinnt.
Ich wünsche mir außerdem, dass meine Frau zur Besinnung kommt und ihrer Verantwortung als Mutter in vollem Umfang gerecht wird – auch finanziell. Nicht aus Prinzip, sondern damit ich den Kindern häufiger unbeschwerte Momente ermöglichen kann, ohne dass Geld ständig eine Grenze setzt. Es wäre schön, wenn Unternehmungen nicht immer auf das Nötigste reduziert bleiben müssten, sondern wieder Raum für besondere Erlebnisse, kleine Auszeiten und gemeinsame Erinnerungen entsteht.
Ebenso wünsche ich mir, dass sich das Verhältnis zwischen meiner Frau und den Kindern – vor allem zu meiner Tochter – nachhaltig verbessert. Dass wieder mehr Verständnis, Ruhe und ein respektvoller Umgang entstehen, sodass die Kinder sich auch bei ihr sicher, angenommen und emotional aufgefangen fühlen können.
Für uns als Familie wünsche ich mir insgesamt ein Leben, das sich wieder nach „unserem“ Leben anfühlt: ruhig, stabil und getragen von Verlässlichkeit – mit Platz für schöne Momente, gemeinsame Erlebnisse und echte Freude im Alltag. Ein Leben, in dem die Vergangenheit ihren Platz hat, uns aber nicht mehr bestimmt, sondern wir mit einer gesunden emotionalen Distanz nach vorne blicken können.
Und für mich persönlich wünsche ich mir finanzielle Entlastung, mehr Zeit für mich selbst und die Möglichkeit, auch einmal durchzuatmen. Und vielleicht – irgendwann – wieder offen für etwas Neues zu sein, ohne Druck oder Erwartungen, sondern einfach dann, wenn es sich richtig und gut anfühlt.

2 comments
Danke für das Interview.
Frage an Stadtlandmama: auch wenn ich die Frage durchaus spannend fand, hättet ihr das: „Kannst du rückblickend Streits, Vorfälle oder Versäumnisse deinerseits sehen, die du damals vielleicht nicht wahrhaben wolltest und die zu der Trennung geführt haben?“
eine Frau in der gleichen Situation auch gefragt? Und wenn nein, warum nicht?
Lieber Sven,
herzlichen Dank für das Erzählen deiner Geschichte.