Trennung: Nach langem Zögern hab ich meinen Mann verlassen

Trennung

Foto: pixabay

Ihr Lieben, vor einigen Monaten hat uns Britta diese Sätze geschrieben: „Wieso redet nie jemand über den Prozess, der einer Trennung vorangeht? Ich quäle mich seit Monaten, ach was, seit Jahren (!) mit der Unfähigkeit herum, mich zu entscheiden zwischen Gehen oder Bleiben. Eigentlich weiß ich, dass unsere Beziehung mich nicht glücklich macht.“ Als wir den Artikel veröffentlicht haben, gab es viele Reaktionen, weil viele von euch total nachvollziehen konnten, wie es Britta geht. Nun haben wir Britta um ein Update gebeten und es gibt sich tatsächlich eine Entscheidung:

Liebe Britta, in deinem letztem Artikel, der im Juli 2025 bei uns erschienen ist, wusstest du einfach nicht, ob du dich trennen sollst oder nicht. Kannst du rückblickend nochmal sagen, was damals deine größten Ängste waren?

Ich glaube, das größte Hemmnis war für mich, meinem Partner weh zu tun. Weil ich das einfach nicht gut aushalte. Außerdem hat es mich unglaublich geschmerzt, die Familienbande, den gewohnten Alltag, das Gefüge vermeintlich zerstören zu müssen. Und letztendlich auch mir selbst diesen Halt zu nehmen. Immer wieder gab es auch sehr idyllische und harmonische Momente, die mich zurückgehalten haben. Ich wollte kein Drama, keinen riesen Bruch verursachen. Ich wusste zwar tief in mir, dass es ohne nicht gehen würde, habe aber trotzdem nach Wegen gesucht, diesen Spagat irgendwie hinzubekommen.

Wie ist denn nun der aktuelle Stand?

Vor ca. 3-4 Wochen hatten wir einen schlimmen Streit, ich war sehr emotional, und plötzlich brach aus mir heraus, dass ich ja eigentlich schon lange die Trennung will und er mich nicht gehen lässt. (Wir umschiffen dieses Problem ja wirklich seit Jahren. ICH war nicht klar und konsequent und ER wollte es lieber nicht so genau wissen und hat das Thema selbst nicht angerührt.) Er war erst einmal tief verletzt durch meine krassen Worte. Aber im Nachhinein war es gut, weil es ein Wendepunkt war – ihm ist seitdem auch wirklich klar, wie ernst ich es meine und wie verzweifelt ich war. 

Gab es den einen Punkt, an dem du dir klar warst: Ich will das nicht mehr! Oder war es einfach ein langer Prozess?

Beides. Ich hatte schon früher Momente, in denen ich gezweifelt habe. Meistens war das nach Streits, ausgelöst durch banale Dinge oder Missverständnisse. Wir haben es noch nie geschafft, mit der nötigen Reife mit solchen Situationen umzugehen. Ich will jetzt nicht alles auf ihn schieben, aber ich habe mich im Prinzip nicht respektiert gefühlt. Sobald ich eine andere Meinung habe als er oder etwas anspreche, das ich nicht gut finde oder ihm nur einen Rat geben will, streiten wir.

Je mehr ich insistiere, für mich einstehe, desto schwieriger wird es. Ich weiß schon lange, da stimmt was Grundlegendes nicht, da fehlt die Augenhöhe. Und nachdem auch das Arbeiten daran (mittels Paarberatung, Gesprächen, allen möglichen Strategien) nichts daran geändert hat, wusste ich: es bringt nichts mehr. Es macht mich kaputt. Es geht auf Kosten MEINER Energie.

Aber ich war trotzdem sehr lange hin- und hergerissen und habe mich eingeigelt und gescheut, offen über meine Zweifel zu sprechen und die Konsequenzen zu akzeptieren. 

Wir waren kurz vor dem Streit bei einer Erziehungsberatung, weil uns auch viele Konflikte mit den Kindern belasten. Nach dem Streit war ich alleine nochmal da und im Gespräch mit dem Berater wurde mir klar, wie sehr unsere destruktive Energie und Kommunikation auf die Kinder abfärbt und dass wir ihnen zuliebe für Klarheit sorgen müssen. Das war zwar nicht wirklich überraschend, aber es hat mich nochmal darin bestärkt, die Trennung jetzt endlich ernsthaft und „erwachsen“ anzugehen.

Wie hat dein Mann die Entscheidung aufgenommen?

Die Art und Weise, wie es nochmal zur Sprache kam, hat ihn erst einmal sehr verletzt. Aber eigentlich war es auch nichts absolut Neues für ihn und wir konnten nach ein paar Tagen gut reden. Wir waren dann auch bei einer Paarberaterin und haben gemerkt, wie viele Themen in uns vergraben liegen, die wir nie richtig geklärt haben. Wir sind uns einig, dass wir miteinander daran arbeiten wollen uns besser zu verstehen. Wir wollen nicht im Schlechten auseinander gehen, damit wir weiter ein Team sein können.

Wie werdet ihr die Wohnsituation lösen?

Zunächst versuchen wir irgendwie provisorisch Abstand zu gewinnen und uns abzuwechseln mit dem Kinder-Alltag. Ich werde ein paar Tage die Woche bei einer Freundin schlafen, die ein Zimmer frei hat, weil ihr Sohn auszieht.

Und er wird versuchen viel weg zu sein, wenn ich zu Hause bin. Das kann er mit seinem Job gut vereinbaren, für den er auch viele Dienstreisen machen kann/muss. Wir suchen eine kleine Zweit-Wohnung, um das Abwechseln mittelfristig etwas stabiler zu gestalten. Aber konkreter und langfristiger haben wir noch nicht geplant. Durch die hohen Mietpreise ist es zur Zeit nicht einfach.

Wir hoffen, dass das Nestmodell auf irgendeine Art für uns funktioniert, um es den Kindern möglichst leicht zu machen.

Wie geht es den Kindern mit der neuen Situation?

Sie wissen es noch nicht. Erst, wenn wir eine Zweitwohnung gefunden haben und einen getrennten Kinder-Alltag so richtig planen können, wollen wir ihnen sagen, dass wir getrennt sind. Natürlich merken und spüren sie viel und haben ja auch oft Streits mitbekommen. Deswegen haben wir ihnen schon gesagt, das wir sie immer lieb haben und als Eltern immer für sie da sind.

Manchmal sagen sie selbst, dass es besser funktioniert, wenn ich oder Papa, alleine mit ihnen zu Hause sind. Natürlich finden sie den Gedanken trotzdem sehr traurig. Aber ich denke, wir werden ihnen das so erklären wie es ist: dass wir glauben, mit mehr Abstand und klaren Mama- und Papatagen gibt es weniger Streit und es geht allen besser. Wir wollen auch hier und da gemeinsame Familienzeiten einplanen.

Kannst du beschreiben, wie du dich fühlst, seitdem klar ist, dass ihr euch trennt?

Ich bin erleichtert. Auch manchmal traurig und ängstlich, aber ich spüre mich endlich wieder. Ich bin außerdem sehr dankbar, dass wir (plötzlich!) so gut miteinander reden können und weiterhin zusammenhalten. Mir fällt eine große Last von den Schultern, weil ich es all die Jahre versucht habe alleine zu lösen. Irgendwann, nach dem zweiten Kind, habe ich die Energie verloren, Probleme anzusprechen und das war der Anfang vom Ende. Ich bin froh, dass ich es jetzt geschafft habe, nur so können wir was verbessern.

Wir haben auf deinen Artikel viele Zuschriften von anderen Frauen bekommen, die in der gleichen Situation wie du steckten. Was möchtest du diesen Frauen sagen?

Es hilft nur: Miteinander reden. Ich selbst bin so gestrickt, dass ich keine Probleme machen möchte und versuche, alles mit mir selbst auszumachen. Das war nicht hilfreich. So hat sich alles nur angestaut und wurde echt unschön. Wir müssen über unseren Schatten springen und einen Weg finden, ein offenes Gespräch zu führen. Die Zweifel aussprechen. Und: Hilfe suchen. Uns hat es sehr geholfen, ab und zu mit einer Fach-Person zu reden, die vermittelt, übersetzt, den Fokus hält und in unserem emotionalen Wirrwarr die problematische Dynamik erkennt.

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