Keine Freunde: Andere Kinder sind von meiner Tochter genervt

Freunde

Foto: by Petra from Pixabay

Ihr Lieben, wir haben auf unserem Instagram-Account gefragt, wessen Kind wenige oder gar keine Freunde hat – und haben sehr sehr viele Nachrichten bekommen. Natürlich wünscht man sich für sein Kind echte und stabile Freundschaften – und leidet mit, wenn das eben nicht klappt. Wir haben mit Svea genau über dieses Thema gesprochen.

Liebe Svea, es geht um deine 10-jährige Tochter, die nicht so viele Freunde hat. Was für ein Kind ist deine Tochter?

Unsere Tochter ist ein Adoptivkind und hat keine weiteren Geschwister. Sie hat eine Tendenz zur Hochsensibilität, was den Alltag oft anstrengend macht, weil ihre Stimmungen sehr schnell wechseln. Sie ist aber gleichzeitig ein sehr liebevolles und einfühlsames Mädchen, das auch anderen Menschen recht aufgeschlossen gegenüber ist.

Interessanterweise findet sie im Urlaub zum Beispiel immer recht schnell Anschluss, aber das sind dann eben immer nur kurze Freundschaften. Obwohl sie viele Hobbies (Leichtathletik, Tanzen, Feuerwehr) und dort viel Kontakt zu anderen Kindern hat, beschränken sich diese Kontakte eben nur auf das Hobby und gehen nie ins „Private“ über.

Wie war das denn im Kindergarten? Hatte sie da Freunde?

Unsere Tochter ist mit 2,5 Jahren in den Kindergarten gekommen. Die Eingewöhnung war schnell abgeschlossen und sie ist bis zum Schluss immer gerne gegangen. Dort hatte sie 2-3 Freundinnen, mit denen sie immer mal wieder verabredet war, aber eine richtig enge Freundin war nicht dabei.

Was meinst du, warum sie Probleme hat, richtig gute Freunde zu finden?

Sie ist oft sehr bestimmend und es soll am besten immer nur das gespielt werden, was unsere Tochter möchte. Sie ist da selten kompromissbereit, das fällt ihr sehr schwer. Davon sind die anderen Kinder dann natürlich genervt und haben irgendwann keine Lust mehr…

Ist ihr das bewusst? Was macht das mit ihr?

Ich glaube nicht, dass es ihr so richtig bewusst ist, dass die anderen Kinder aufgrund ihres Verhaltens oft genervt sind. Aber sie merkt die Folgen: Sie hat nicht so viele Verabredungen, wird selten auf Geburtstage eingeladen, in der Schule wird sie oft spät in Gruppen gewählt wird und bei Gruppenarbeiten in der Klasse muss sie fast immer mit den Jungs machen, weil die Mädchen sie nicht dazunehmen.

Es gibt Tage und Momente, da ist sie richtig traurig darüber und weint. Aber die meiste Zeit möchte sie nicht darüber reden. Wenn man sie drauf anspricht, tut sie so, als wäre nichts und alles wäre okay.

Und wie geht es dir damit?

Ich finde es ganz schwierig und bin auch oft traurig über diese Situation. Ich würde mir wünschen, dass sie leichter Freunde findet und die anderen Kinder ihr noch eine Chance geben würden. Wenn sie sich verabreden möchte, dann möchte entweder keiner oder er „hat keine Zeit“ oder man muss einen Termin 2-3 Wochen vorher planen. Da ist nichts mehr spontan und leicht, das finde ich schade.

Wie verbringt deine Tochter ihre freie Zeit? 

Sie hat ja ihre Hobbys, ansonsten verbringt sie ihre Zeit mit uns, ihren Großeltern oder ihrem Onkel. Im Sommer ergibt es sich dann doch manchmal, dass die Kinder aus der Nachbarschaft sich treffen und sie dabei sein kann, das genießt sie sehr. Ansonsten unternehme ich viel mit ihr oder sie spielt auch alleine in ihrem Zimmer.

Welche Erfahrungen würdest du ihr in Bezug auf Freundschaft wünschen?

Ich wünsche ihr 1-2 Freundinnen, mit denen sie eine tolle Zeit verbringen könnte und mit denen sie ganz viel Spaß hat. Und dass sie dort einfach so sein kann, wie sie ist und respektiert wird.

Auf unseren Aufruf auf Insta haben sich sehr viele Eltern gemeldet – ist es heute schwerer Freunde zu finden als noch zu unserer Zeit?  

Manchmal denke ich ja. Wahrscheinlich liegt es daran, dass die Kinder heute so viele Hobbys haben und länger in der Betreuung sind. Viele Kinder wollen in ihrer freien Zeit dann auch gerne am Tablet sein, was zocken oder TV schauen. Und dann habe ich hin und wieder das Gefühl, dass die Eltern auch steuern, wann und mit wem sich ihr Kind treffen kann/darf.

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14 comments

  1. Ich finde den letzten Satz schwierig. Wenn die Tochter von Svea schwierig ist und sich nicht integrieren kann, ist es nicht Aufgabe der anderen, sich ihr unterzuordnen.
    Und ja, ich unterbinde zwar bisher keine Freundschaften, habe aber schon ein Auge darauf, mit wem meine Kinder sich umgeben. Manche Sätze und Verhaltensweisen, die sie laut eigener Aussage von 1-2 anderen Kindern aus der Kita vorgelebt bekommen, gefallen mir nicht. Noch reicht ein Satz, und sie machen den Quatsch nicht mehr nach, aber wenn ich merken würde, das geht in eine ungute Richtung oder die Freundschaft tut meinen Kindern nicht gut, würde ich auch mehr intervenieren.
    Ich kann aus dem Text nicht herauslesen, was Svea macht, damit ihrer Tochter das nicht mehr passiert. Da würde ich ansetzen, denn zuzuschauen und zu erwarten, dass die anderen Kinder sich ändern, ist der falsche Ansatz.

  2. Ich bin selbst Mama eines Pflegesohnes und dreier leiblicher Kinder.
    außerdem habe ich einige Freundinnen, die adoptiert haben oder Pflegemütter sind.
    Dieses Muster, das hier beschrieben wird ist häufig.
    Auch wenn Kinder sehr jung adoptiert wurden ist der erste große Bindungsabbruch zur leiblichen Mutter eine zumindest unterbewusste Erfahrung.
    Viele Kinder, die sich dominant geben, leisen unter großer Unsicherheit, versuchen die Kontrolle zu behalten, aus Angst, die Situation könnte ihnen entgleiten.
    Letztlich passiert dann genau das Befürchtete, weil die anderen Kinder das nicht mitmachen.
    Habt ihr schon eine Psychotherapie in Erwägung gezogen?
    alles Gute

    1. @Gästin: ich könnte mir auch vorstellen, dass zu dem frühen Bindungsabbruch noch hinzukommt, dass es vielleicht emotional schwierig ist, einem adoptierten oder Pflegekind mit Kritik zu begegnen. Nachvollziehbar: sehr gewünscht und eventuell bereits schlimmes erlebt.
      Abet vermutlich brauchen gerade diese Kinder mehr Sicherheit und Orientierung durch die Eltern. Wie siehst Du das?

      1. @ andere S.
        das ist ein wichtiger Punkt. ich möchte die Erfahrung, die ich mit meinen leiblichen Kindern gemacht habe, nicht missen, um unseren Pflegesohn großzuziehen. meine Kinder sind für mich alle gleich, egal ob aus meinem Bauch oder nicht. aber ich habe es auch schon anders erlebt, es gibt Leute, die sagen, diese Kinder brauchen besonders viel Liebe. Aber Liebe bedeutet gerade auch Grenzen zu setzen.
        Das ist ja mit manchen Überzeugungen bezüglich Pädagogik heutzutage schon schwierig, da einen Konsens zu finden. Wenn es dann noch ein Kind mit Vorgeschichte ist und Eltern, die sich darüber den Kinderwunsch erfüllen, ist der Druck bestimmt größer, alles besonders liebevoll und richtig zu machen.

        1. @Gästin: Danke für Dein Feedback, ich sehe es ganz genauso, habe im Bekanntenkreis schon erlebt, dass in ähnlichem Kontext grenzenlose Liebe fatale Folgen haben kann. Schlimm für alle Beteiligten.
          Als Verhaltensbiologin kann ich noch ergänzen, dass auch gerade unsichere Hunde und Pferde eine besonders souveräne und konsequente Führung (nicht zu verwechseln mit liebloser Strenge)brauchen um den Mut fassen zu können zu Vertrauen und sich anzuschließen. Ich denke, da sind wir Menschen ethologisch nicht so weit weg von.

          1. lustig, ich musste bei der Thematik auch an den Bindungsspaziergang mit meinem Hund denken. Ein Hund ist kein Kind. Aber Liebe zu zeigen durch Grenzen hat Parallelen.

        2. @Gästin: absolut. Und souveräne Führungspersonen müssen weder laut noch streng sein, sondern überzeugend vermitteln, dass sie die Kompetenz haben, gute Entscheidungen zu treffen. Das ist bei sämtlichen „Rudeltieren“ inklusive Homo sapiens, vermutlich ähnlich.

  3. Hast du mal überlegt, ob deine Tochter eine Autismusspektrumsstörung haben könnte? Meine Kinder sind auch betroffen und tun sich schwer mit Freundschaften. Wenn das bei ihr so wäre, hättet ihr vielleicht neue Möglichkeiten, wie man helfen könnte. Autismus bleibt bei vielen und gerade bei Mädchen oft unbemerkt, weil sie es z.T. wahnsinnig gut überspielen. Ich meine das als lieb gemeinten Hinweis. Auch AutistInnen sind toll und wertvoll, sie haben nur etwas andere Stärken und Schwächen als andere. Ob mit oder ohne Autismus ist deine Tochter bestimmt ein toller Mensch und ihr scheint sie gut zu unterstützen. Ich drücke die Daumen, dass das noch kommt mit den Freundschaften.
    liebe Grüsse

  4. Ich finde die Aussage, dass es nur noch 2 Jahre Erziehungsfenster gibt recht krass, außerdem impliziert es, dass alles Erziehung sei und gerade das stimmt nicht. Die Kinder bringen auch viel mit und nicht alles kann man nach seinen Wünschen hinerziehen.

    Ich habe auch so ein Kind (mittlerweile 15) das schon immer wenig Freunde/Einladungen hat und früher auch immer alles bestimmen wollte. Nicht mal seine Geschwister wollten noch mit ihm spielen.

    Das ist nicht schön und als Mutter schwer auszuhalten, versucht man doch andauernd dem gegenzusteuern…

    Heute ist mein Kind älter, gereift, kompromissbereiter. Er hat unschöne Erfahrungen gemacht, Ausschluss erlebt, ja. Alles nicht schön aber letztendlich waren es seine eigenen Erfahrungen, die ihn haben erkennen lassen, dass er wenigstens etwas kompromissbereiter im Leben sein muss.

    Er ist immer noch kein Magnet für Freundschaften, aber er hat inzwischen Kumpels gefunden mit denen er sich gut versteht, die seinen Humor teilen etc.

    Ich würde weiter offen, wertschätzend mit ihr reden (das letztere ist mir leider nicht immer gelungen) und sie Erfahrungen machen lassen. Für sie da sein. Sie ist noch klein und die Sozialkompetenz ist einfach nicht gleich verteilt bei den Kindern.

    Dafür weiß sie sicher auch genau was sie möchte, ist kein Mitläufer und Ja-Sager, das sind schon auch Qualitäten die man sehen darf. Nicht immer nur das Negative sehen.

    Ich finde wenn es keine Diagnose gibt, dann muss man auch nicht therapieren. Wenn es eine gibt sollte man ihr eine empfohlene Therapie schon zukommen lassen (wenn sie dafür bereit ist).

    1. @Xenaka: klar gibt es individuelle gegebene charakterliche Unterschiede.
      Im Ausgangsartikel klang es nur so, als sei der erzieherische Ansatz noch gar nicht versucht worden

    2. Liebe Xenaka,
      prima, dass dein Sohn jetzt Freunde hat und sich mit ihnen wohlfühlt. Allerdings funktionieren männliche Gruppen auch ein bisschen anders als weibliche: die Jungs sind oft direkter, üben auch mal sehr offene Kritik. Bossy sein ist anerkannter als in Gruppen von Mädchen, Wettbewerb wird als normal empfunden.
      Reine Mädchengruppen in dem Alter tarieren sich indirekter aus, Freundin ist man, wenn man ähnlich sein will oder ist. Wettbewerb gilt nicht als erstrebenswert.
      Bei gemischten Gruppen nivelliert sich das übrigens aus.
      Bei der Erstellerin verstehe ich nicht, warum sie mit ihrer Tochter nicht klärt, wie sie ihr Verhalten anpassen kann. Ob sie das möchte entscheidet das Mädchen natürlich selbst.

  5. Mir tut das Kind unheimlich Leid!

    Sozialverhalten ist aus meiner Sicht mindestens genau so wichtig wie Bildung.

    Menschen mit Hochsensibilität haben sehr gute Antennen für Gefühle anderer. Das sollte eigentlich eher zu kooperativem Verhalten führen.

    Grundsätzlich stimme ich zu, ich achte sehr auf Freunde meiner Kinder. Ich hatte als Kind selbst eine toxische Freundschaft und würde diese bei meinen Kindern auf gar keinen Fall so zulassen.
    Meine Kinder hätte ich bestärkt in diesem Fall ebenfalls eher auf Abstand zu gehen.

    Mit 10 Jahren sind Kinder wirklich schon weit, es bleiben eigentlich nur noch 2 Jahre Erziehungsfenster.

    Ich würde mir die Situation nicht schön reden, sondern wirklich handeln.

    Alles Gute und viel Kraft!

  6. Die Frage hier ist natürlich, wie groß der Leidensdruck der Tochter ist. Manchmal weint sie deshalb, wie Du geschrieben hast, jedoch scheint sie sich die meiste Zeit damit doch irgendwie zu arrangieren.

    Ich kenne einige Menschen, die einfach vom Charakter her „Lone Wolves“ sind und tatsächlich garnicht so viel Sozialkontakt brauchen. Wenn sie so ein Mensch sein sollte, dann ist das auch okay.

    Wenn sie allerdings tatsächlich häufiger darunter leidet, würde ich das auch offen ansprechen und ihr auch die Gründe dafür sagen, beispielsweise ihr sagen „wenn Du immer bestimmen willst, was gespielt wird, dann haben die Anderen irgendwann keine Lust mehr“. Ich finde es durchaus angemessen und sinnvoll, einer 10jährigen eine solche offene Kritik mal mitzuteilen.

    Falls sie wirklich großen Leidensdruck hätte, könnte vielleicht auch eine Verhaltenstherapie helfen, was allerdings nur etwas nützt, wenn sie selbst bereit ist sich darauf einzulassen.

    Ich verstehe zwar den Wunsch, dass andere Deine Tochter so akzeptieren sollen wie sie ist, aber wenn Deine Tochter selbst andere nicht so sein lässt wie sie sind und immer bestimmen will was andere machen, dann wird daraus nichts.

  7. Wenn die Ursache dafür klar ist, dass die anderen Kinder genervt sind und den Kontakt meiden, dann wäre es doch eigentlich wichtig für das Kind und auch fair ihr das zu spiegeln und ihr dabei zu helfen, ihr Sozialverhalten zu ändern?

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