Zu viel Streit! Meine Tochter lebt jetzt beim Papa

Tochter

Foto: pixabay

Ihr Lieben, noch immer ist es ein Tabu-Thema, wenn die Kinder nach der Trennung statt bei der Mutter beim Vater leben. „Die Kinder gehören doch zur Mutter“, ist so ein Glaubenssatz, den man dann oft zu hören bekommt. Doch natürlich gibt es immer wieder auch Situationen, in denen es einfach besser ist, wenn das Kind (vorübergehend) beim Papa lebt. Bei Svea ist das genauso: Das Verhältnis zwischen ihr und ihrer Tochter war eine Zeit lang so angespannt, dass es für alle die beste Lösung war, dass die Tochter zum Papa zieht. Hier gibts die ganze Geschichte.

Liebe Svea, lass uns mal über deine heute 15-jährige Tochter sprechen. Wann begann euer Verhältnis schwierig zu werden?

Ich habe mich von meinem Mann vor 11 Jahren getrennt, da war meine Tochter also 4 Jahre alt. Wir waren noch ein paar Jahre verheiratet, hatten eigentlich nach der Trennung auch ein gutes Verhältnis zueinander. Es gab keine Streitigkeiten über den Unterhalt oder Betreuungszeiten. Als wir uns dann haben scheiden lassen, haben wir sogar „zur Feier des Tages“ noch nen Kaffee zusammen getrunken und waren erleichtert, dass der bürokratische Akt jetzt auch erledigt ist. 

Meiner Tochter habe ich das dann so „nebenbei“ erzählt, und das hat sie sehr getroffen. Ich habe das zu diesem Zeitpunkt aber gar nicht bemerkt, sie hat mir das erst vor kurzem gesagt.

Mein neuer Partner, den ich recht schnell nach der Trennung getroffen habe, und ich sind nach etwa einem Jahr Beziehung zusammen gezogen. Meine Tochter hatte immer ein gutes Verhältnis zu ihm, er war wie ein „Halb-Papa“ (so hat sie ihn immer genannt). Schwierig wurde unser Verhältnis nach der Geburt meines Sohnes. Die Kinder sind 9 Jahre auseinander.

Was waren damals die häufigsten Streitpunkte und wie liefen die Streits ab?

Sie war eifersüchtig auf den kleinen Bruder und hat versucht, Mama Nr. 2 zu sein, d.h. sie hat versucht ihn zu erziehen. Aber nach völlig falschen Maßstäben – er sollte also genau die gleichen Pflichten (Zimmer aufräumen usw) haben wie sie, obwohl er viel jünger war.

Ich hatte dann auch teilweise den Eindruck, sie behandelt ihren kleinen Bruder wie einen Hund: Wenn er eine Sache so erledigt hat, wie sie es wollte, hat sie ihn gelobt und wenn es nicht gut lief, hat sie richtig nieder gemacht. Natürlich habe ich viel mit ihr gesprochen und ihr auch klar gesagt, dass ich das nicht gut finde.

Meine Tochter hat dann immer gemeint, dass wir ungerecht seien und den Bruder bevorzugen würden. Es wurde dann teilweise leider sehr laut. Meine Tochter und ich sind uns da sehr ähnlich, wir können richtige Dickköpfe sein.

Was haben diese Streits mit dir gemacht?

Ich habe mich anschließend immer sehr erschöpft gefühlt und mich immer wieder gefragt, was ich falsch mache. Irgendwann habe ich dann auch noch meinen Job gewechselt. Ich war unausgelastet auf meiner vorherigen Stelle und hab eine tolle berufliche Chance in einem anderen Unternehmen bekommen. Ich hab mich total gefreut, aber vorher mit meiner Tochter darüber gesprochen, denn der neue Job brachte auch mit sich, dass ein oder zweimal im Monat auf Dienstreise gehen musste.

Meine Tochter hat damals gesagt: „Klar Mama, mach das, ist doch ne tolle Chance“. Später hat sie es mir den Jobwechsel vorgeworfen, ich hätte ja noch weniger Zeit für sie gehabt. Das hat mich traurig gemacht, weil ich einfach beides gerne und gut machen wollte: Arbeiten gehen und Mutter sein.

Im November 2024 habt ihr dann eine große Entscheidung getroffen. Erzähl mal, wie das abgelaufen ist. 

Im ersten Schritt war das leider keine gemeinsame Entscheidung, sondern meine Tochter ist eines abends, als ich auf einer Dienstreise war, ausgezogen und hat mir das per Sprachnachricht mitgeteilt. Es hatte zuvor einen Streit zwischen meinem Partner und meiner Tochter gegeben. Mein Ex, also ihr Papa wohnt in der gleichen Stadt und sie hatte ihn angerufen und er hat ihr dann angeboten, dass sie erstmal zu ihm kommen konnte.

Kannst du dich an deine Gefühle erinnern, die du in der ersten Nacht nach dem Auszug hattest?

Für mich war das einfach nur schwierig, ich habe versucht mit meinem Ex-Mann Kontakt aufzunehmen, um zu verstehen, was da jetzt gerade in 400km Entfernung passiert. Leider war er nicht wirklich bereit mit mir zu sprechen und hat mich abgeblockt mit einem „Ich regel das schon, mach du mal dein Seminar“. Ich habe in der Nacht dann viel mit meinem Partner telefoniert, schlecht geschlafen und viele Tränen vergossen.

Dass ein Kind von der Mama wegzieht, ist immer noch ungewöhnlich. Hattest du seltsame Reaktionen im Umfeld?

Ja, auf jeden Fall. Am Anfang war der Auszug nur auf Probe und ich habe vielfach gehört: Du musst dich ändern! Schau, dass sie wieder bei dir wohnt, so geht das nicht. Ein Kind gehört doch zur Mama!

Und als meine Tochter dann nach der Probezeit beschlossen hatte, dass sie beim Papa bleibt und ich ehrlich gesagt erleichtert war, hat mich mein Umfeld schlichtweg nicht verstanden. Ich wurde auffordert, das nicht zu akzeptieren, sondern alles dafür zu tun, sie zurück zu holen.

Ich aber wollte mehr Ruhe und Frieden für uns alle und vor allem, dass es meiner Tochter gut geht. Und es war klar zu sehen, dass es ihr beim Vater momentan besser ging.

Wie ist die Situation heute?

Es hat eine Weile gedauert, bis wir wieder richtigen Kontakt hatten. Am Anfang haben wir uns in einem Café getroffen oder mal telefoniert und sie hat mir erzählt, wie es ihr ergangen ist. Da hab ich dann auch das erste Mal gehört, dass das mit der Scheidung so ein Schock für sie war. 

Sie hat uns dann, als wir länger im Urlaub waren, für eine Woche besucht und das erste Mal nach 8 Monaten wieder die Nächte mit uns verbracht. Das hat mich sehr gefreut.

Jetzt ist es so, dass sie uns immer mal wieder besucht, wir haben aber keine festen Mama-Wochenenden, sondern meistens frage ich sie: „Hey, haste Zeit vorbeizukommen? Wir wollen essen gehen…“ Oder ich sag ihr bescheid, wenn wir zur Eisdiele gehen, dann kommt sie gern mit. In den Ferien hat sie auch mal ein paar Tage am Stück bei uns verbracht, das habe ich sehr genossen. Wir saßen dann abends lange zusammen und haben geredet und ich hatte endlich wieder das Gefühl, dass da wieder eine gute Verbindung zwischen uns ist.

Hast du einen Wunsch, wie es weitergeht?

Ich würde mich freuen, wenn sie öfter mal über Nacht bleibt am Wochenende. Oder sich von sich aus meldet und uns sehen möchte. Wobei ich auch verstehen kann, dass ihre Freunde einfach gerade wichtiger sind.

Sie ist jetzt in der 10. Klasse der Realschule und muss sich auf die Prüfungen vorbereiten, das geht beim Papa besser, weil er keine weiteren Kinder hat und es dort einfach sehr ruhig ist. Ich glaube also wirklich, dass es weiterhin gut ist, dass sie beim Vater lebt.

Wie ist denn dein Verhältnis zu deinem Ex?

Wir haben ein recht gutes Verhältnis. Wir treffen uns alle paar Wochen zu einem sogenannten „Elternabend“ und besprechen, wie es läuft, ob irgendwelche finanziellen Fragen anstehen (wie Klassenfahrt), was so in der Schule passiert.

Es gibt natürlich Gründe, warum wir nicht mehr zusammen sind, aber wir haben uns von Beginn an vorgenommen, als Eltern gut zusammen zu arbeiten. Wir sind zwar nicht immer einer Meinung und hatten auch schon hitzige Diskussionen über Themen wie Medienzeit und Taschengeld, aber das ist wohl in den meisten Familien so. Wir kommen gut miteinander klar und er macht als Vater einen richtig guten Job!

Gibt es noch etwas, was dir ganz wichtig ist bei dem Thema? 

Ich würde mir wünschen, dass mein Umfeld akzeptiert, dass die aktuelle Wohnsituation für uns alle gerade das Beste ist und wir das aktuell gar nicht ändern wollen. Dass ich ihren Wunsch nach einem anderen Wohnsitz Ort akzeptiert und respektiert habe, war super wichtig für unsere Beziehung.

Ich kann zudem nur empfehlen, sich Unterstützung und Austausch zu suchen. Ich war und bin bei der Caritas und das hilft mir sehr. Man muss schwere Phasen nicht allein durchstehen als Mama/Papa/Familie! Und es ist auch durchaus sinnvoll, wenn jemand Neutrales einen Blick aus der anderen Perspektive vermittelt.

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