Ihr Lieben, wenn die Kinder klein sind und man 24/7 in der Fürsorge, wenn die Familie uns nonstop braucht, dann wünschen wir uns oft, einfach unsichtbar zu sein. Unsichtbar, damit niemand was von uns will, niemand nach uns rufen kann – aber wie es sich ein paar Jahre später anfühlt, wirklich „unsichtbar“ zu sein, erzählt uns Vanessa heute…
Hilfe! Sieht mich irgendjemand aus dieser Familie eigentlich noch?
Mein Name Vanessa, ich habe zwei Kinder, sie sind 10 und 13 Jahre alt. Ich bin seit 14 Jahren verheiratet und arbeite Teilzeit als Bürokauffrau. Mein Mann arbeitet Vollzeit und hat mit seinem Motorrad ein sehr zeitaufwändiges Hobby. Die Kids sind ebenfalls beide sportlich sehr eingebunden und haben viele Freunde.
Ich kann mich gut daran erinnern, dass mein Mann und ich, als die Kinder klein waren, oder darüber gesprochen haben, was wir machen, wenn sie größer sind. Wir wollten zusammen ins Gebirge fahren und wandern gehen. Wir wollten ins Kino, wir wollten vielleicht eine neue Sprache zusammen lernen. Nun ist es soweit – die Kinder sind größer und wir machen NICHTS davon.
Wenn mein Mann nicht arbeitet, schraubt er in der Garage rum. Und da ich einfach nicht gerne Motorrad fahre, unternimmt er oft alleine stundenlange Ausfahrten. Wenn ich vorschlage, einen Spaziergang zu machen, ein Eis essen zu gehen, haben die Kinder keinen Bock und mein Mann keine Zeit. „Machen wir bald“, sagt er. Aber wir machen es nie.
Mir ist klar, dass die Kinder sich abnabeln, das ist auch völlig ok, aber es verletzt mich schon, dass ich für sie momentan nur noch diejenige bin, die ihre Trikots wäscht und Essen macht. Auch mein Mann scheint das Interesse an mir als Person verloren zu haben. Ich hab ihn schon mal gefragt, ob er eine Andere hat, da hat er mich völlig verdutzt angeschaut. „Wieso? Ist doch alles gut bei uns!“ Als ich daraufhin sagte, dass ich mich manchmal echt alleine fühle, sagte er, dann solle ich mich doch mit meinen Freundinnen treffen.
Das mache ich auch. Ich gehe zum Sport, wir gehen zusammen ins Kino, aber als Familie machen wir so gut wie nichts zusammen. Ich habe wirklich das Gefühl, dass ich unsichtbar bin, dass sich keiner für mich interessiert. Es kracht nicht laut, ich mache den Alltag einfach weiter, alles läuft – aber innerlich verwelke ich. Wie kann das sein, dass mich niemand sieht und auch nicht richtig wertschätzt – nach all dem, was ich seit Jahren tue? Wie kann es sein, dass mein Mann auch körperlich das Interesse an mir verloren hat?
Ist das der Lauf der Zeit? Ist das bei vielen so? Oder ist es dann besser, getrennte Wege zu gehen? Ich freue mich über Austausch.


3 comments
Liebe Autorin,
du schreibst mehrfach, dass dich niemand sieht. Klingt für mich, dass du nicht auf dich selbst schaust, sondern von anderen erwartest, dass sie das tun. Die Verantwortung für deine Bedürfnisse trägst aber du und nicht die anderen.
Daneben: wer interessiert sich schon ernsthaft für Dienstleistungspersonal? Wäsche waschen ist nichts, was Interesse weckt. Mit den Kids in den Kletterpark gehen schon eher. Oder was Spannendes erzählen, was man erlebt hat.
ich verstehe was du meinst und kann das gut nachvollziehen. Ich glaube ,dass es Zeit ist, aktiv und liebevoll mit deinem Ehemann zu kommunizieren . Hobbys ja ,doch ihm deine Gefühle und Wünsche auszudrücken ,sowie er seine und neu und auch abenteuerlich zueinander und miteinander eure Liebes und Paarbeziehung neu zu entdecken und zu entfalten. Hab dich eine ,,verrückte ,,..Dur fällt sicher etwas ein ….und dran bleiben . Es ist viel Liebesluft nach oben . Männer ticken anders ,so dass Frauen die Beziehungsebenen anders erleben ,im allgemeinen . Ihr schafft das .Alles Liebe
Hey, kommuniziere offen und Ehrlichkeit (nach Gewaltfreier Kommunikation nach M.Rosenberg) deine Bedürfnisse und Grenzen an deinen Mann. Stehe für dich und deine Wünsche ein (auch wenn es vorerst Reibungen erzeugen könnte). Ein Familiensystem auf Kosten einer Person zu haben ist meist für die anderen zwar toll, aber für die eigene Psyche und Gesundheit ist es wichtig, dass auch du glücklich bist!
Meiner Erfahrung nach hilft es auch gleich konkrete Vorschläge zu machen, wie man/frau sich Veränderung vorstellt. bspw. einmal in der Woche eine Familienkonferenz, wo wir planen, was diese Woche als Familie unternommen wird. Ich schicke dir ganz viel Kraft und alles Liebe für deinen und euren Weg!
PS: auch wenn es in manchen Familien so ist, finde ich es als persönlichen Gradmesser, ob Veränderung angesagt ist, wenn eine Person einen Leidensdruck hat.