24/7 Fürsorge – Elternschaft ist einfach so krass

24/7 Fürsorge

Foto: Freepik

Ihr Lieben, man kann sich kaum vorstellen, wie krass anstrengend 24/7 (also 24 Stunden, 7 Tage pro Woche) Fürsorge für kleine Kinder ist, wenn man es nicht selbst erlebt hat. Wenn die Tage sich wie Kaugummi ziehen und man den Abend herbeisehnt, weil man dann vielleicht mal eine halbe Stunde für sich hat… Unsere Leserin Caro hat zwei Kinder, eineinhalb und vier Jahre alt – und steckt ganz ganz tief in der Fürsorge drin. Wir haben sie dazu befragt:

Liebe Caro, hast du geahnt, dass Elternschaft und die 24/7- Fürsorge manchmal so fordernd sein können?

Nein, never. Man denkt ja, bevor man Kinder hat, dass man einfach so sein Leben weiterleben kann und die Kinder schlichtweg integriert. Wie lebensverändernd Kinder sind, hätte ich wirklich nie gedacht. Und zwar in allen Bereichen. Ich wusste nicht, dass man so sehr lieben kann, dass man sich so sehr Sorgen machen kann – aber auch, dass man so erschöpft sein kann.

Was ist gerade für dich das, was dich am meisten erschöpft?

Der Große ist gerade vier geworden und geht in die Kita, die Kleine ist noch zu Hause bei mir, sie kommt mit zwei in den Kindergarten. Die Kinder sind keine besonders guten Schläfer, so dass ich eigentlich nie erholt aufwache. Und ab der Sekunde, in der man die Augen aufschlägt, ist man ja schon im Einsatz. Frühstück machen, Windeln wechseln, Anziehen, Kitarucksack packen, die ersten Wutanfälle schichten, den Frust aushalten, warum die Schuhe nicht grün, sondern blau sind.

Sobald der Große in der Kita ist, mache ich Einkäufe und die ganzen Erledigungen, gehe mit der Kleinen zum Arzt, mache die Wäsche, bereite Mittagessen vor. „Nebenbei“ halte ich die Kleine in guter Stimmung, spiele mit ihr, dann lege ich sie zum Mittagsschlaf hin. In dieser Stunde mache ich die Küche sauber, trinke einen Kaffee, danach ist sie schon wieder wach.

Dann holen wir den Großen, wir gehen auf den Spielplatz oder spazieren, machen noch Erledigungen, Abendbrot, Spielen, Badewanne, Einschlafbegleitung. Und natürlich all die Care-Arbeit, das Vorausplanen, die Erziehung, Grenzen setzen, Liebe geben, Geschwisterstreit schichten – es ist einfach echt verdammt viel. Wie oft ich „Maaaamaaa“ am Tag höre, kann ich gar nicht zählen. Die Kinder sind ja noch recht klein und brauchen bei fast allem Hilfe. Das ist einfach krass.

Wo ist der Vater der Kinder?

Ja, das werde ich oft gefragt. Warum der Papa nicht mehr unterstützt und übernimmt. Mein Mann ist Dachdecker und oft mehrere Tage am Stück, manchmal die ganze Woche, auf Montage. Ja, es ist ein familienunfreundlicher Job und er könnte sicher umschulen und eine andere Arbeit machen. Aber: Jammern wir alle nicht ständig, dass es zu wenige Handwerker gibt? Wer soll denn dann die Häuser bauen, die Straßen reparieren, die Heizungen installieren, wenn es keine Handwerker mehr gibt?

Mein Mann hat sich von ganz unten hochgearbeitet, er liebt seinen Beruf und wir sind auch auf das Gehalt angewiesen. Wann immer er zu Hause ist, tut er, was er kann. Aber das Problem ist einfach: Er ist weniger zu Hause als andere Papas.

Hast du denn sonst Unterstützung?

Leider nein. Wir haben keine Großeltern in der Nähe und teilweise auch keinen Kontakt mehr zu ihnen. Babysitter sind zu teuer, das können wir uns von einem Gehalt nicht leisten. Ich könnte andere Mamas um Hilfe bitten, aber da habe ich ein schlechtes Gewissen. Ich glaube, es sind fast alle Mamas an ihren Grenzen – zumindest kenne ich keine, die sagt: „Ich hab so wenig zu tun, dass ich dir gerne die Kinder abnehme.“ Ich möchte niemandem zur Last fallen.

Nach was sehnst du dich?

Gute Frage. Das kann ich so spontan gar nicht beantworten, weil meine Bedürfnisse gerade echt eine kleine Rolle spielen. Nach einer Bedenkzeit antworte ich das: Kurzfristig sehne ich mich nach Ruhe. Längerfristig nach einem Weg, wie es beruflich für mich weitergehen soll. In einem halben Jahr gehe ich zurück in meinen Job, aber ich weiß gar nicht, wie ich das mit zwei Kindern machen soll. Vielleicht muss ich mich beruflich umorientieren, aber ich hab gerade keine Kraft, mich damit auseinanderzusetzen.

Stichwort Ruhe – ich kenne das gut, dass man abends einfach so ausgelaugt ist, dass man gar nicht mehr reden kann und mag.

Ja, total. Den ganzen Tag höre ich „Maaaamaaaa“ und die Kleine weint und schreit viel, wenn sie etwas will oder nicht will. Der Große hat nach der Kita ein Redebedürfnis und die Kinder streiten auch viel. Ich hab immer Lautstärke um mich herum und ich merke abends einfach, dass ich nur noch Ruhe will. Deshalb schaffe ich zum Beispiel auch kein Telefonat abends mit Freundinnen. Ich will nicht mehr zuhören und reden, ich will nur noch meine Ruhe.

Wie geht´s dir damit, wenn andere sagen: Genieß doch die Zeit, die Kinder werden sooo schnell groß!

Ich genieße die Zeit mit den Kindern auch. Darum geht´s gar nicht. Wir haben auch viele richtig schöne Tage und Momente. Ich bin gerne mit ihnen zusammen. Und trotzdem ist es anstrengend. Die Fremdbestimmung und die Tatsache, dass man für zwei Kinder komplett verantwortlich ist. Dass sie genug essen, dass die Sandalen passen, dass die Impfungen nicht vergessen werden, dass sie sich geliebt fühlen, sauber ins Bett gehen, nachts keine Angst haben müssen, dass die Anmeldung zur Sportgruppe rechtzeitig abgeben wird, dass sie sich nicht verletzen beim Fahrrad fahren – das ist doch Wahnsinn.

Mich nervt, dass all diese Aufgaben oft kleingeredet werden. Gerade für Mütter, die keine Hilfe von außen haben, ist das einfach ein 24/7 Job ohne Pause. Das ist krass. Und es ist wichtig, das anzuerkennen!

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25 comments

  1. Die beschriebene „Erschöpfung“ erlebe ich auch so, obwohl ich generell ein Mensch mit viel Energie bin, eine positive Einstellung habe und das Kleinkindalter meiner Kinder sehr genieße. Ich habe deshalb z.B. den Haushalt auf ein Minimum zurückgefahren, abends gibt es meistens kaltes Abendbrot und ich fordere mir von meinem Partner, dem Vater der Kinder, inzwischen freie Zeit für mich ein. In dieser Zeit putze/koche/arbeite etc. ich bewusst nicht, sondern mache nur Dinge, dir mir Freude bereiten, mir gut tun. Dadurch kann ich gegenüber den Kindern wieder präsenter, energiegeladener und geduldiger sein.

  2. Mich stimmen solche Artikel / Aussagen sehr nachdenklich. Natürlich bin ich auch zwischendurch erschöpft und ausgelaugt aber es geht mir um den allgemeinen Blick auf die Elternschaft, der doch schon sehr oft sehr negativ dargestellt wird. Ich habe eine ganz andere Einstellung dazu und empfinde es einfach nur als riesengrosses Glück, dass ich als gesunde Mama zwei gesunde Kinder begleiten darf und das in einem sicheren Umfeld, in dem es möglich ist, dass alle Grundbedürfnisse abgedeckt sind. Das bedeutet nicht, dass ich jeden Tag mit der Sonne um die Wette strahlen muss und beim Bestreichen der Pausenbrote vor Freude immer Luftsprünge mache und alle Konflikte lösungsorientiert und geduldig kläre aber es heisst für mich, dass ich mit einem dankbaren Blick auf mein Familienleben blicke.
    Eine Bekannte von mir ist vor einigen Jahren verstorben und hinterliesse Kinder, die im Alter meiner Kinder sind. Immer wieder denke ich daran, wie glücklich sie wäre, sich mit meinen Alltagsproblemen herumzuschlagen. Meine beste Freundin hat einen Sohn mit diversen Beeinträchtigungen und kämpft täglich für jedes Stück Normalität. Als mein Sohn ganz klein war, mussten wir eine Woche im Kinderkrankenhaus verbringen. Die Begegnungen dort werde ich nie vergessen. Eltern, für die das Krankenhaus das zweite Zuhause geworden ist. Wir durften nach einer Woche wieder nach Hause gehen und uns dann mit schlaflosen Nächten und dem alltäglichen Wahnsinn auseinandersetzen.
    Ich plädiere für einen dankbaren und wertschätzenden Blick auf die Elternschaft, ganz gemäss dem Motto: If you’re able to tuck a healthy child into a warm bed with a full belly in a safe home, you’ve won the lottery of life.

    1. Da bin ich deiner Meinung, Familienleben kann manchmal anstrengend sein, aber wir sollten vor allem dankbar sein, es zu haben.
      Die Zeit mit (kleinen) Kindern vergeht eh so schnell…

    2. Als persönlicher Erfahrungsbericht ist dein Kommentar natürlich plausibel. Aber Caro sagt explizit: „Ich genieße die Zeit mit den Kindern auch. Darum geht’s gar nicht. Wir haben auch viele richtig schöne Tage.“ Sie fordert also keine negative Sicht auf Elternschaft, sondern Anerkennung für strukturelle Probleme/Überforderung. Dein Kommentar antwortet also auf eine Position, die Caro gar nicht vertritt. Und dass andere Menschen schwerere Lasten tragen, macht Caros Situation doch nicht weniger real oder weniger erschöpfend. Nach der Logik dürfte ja niemand erschöpft sein, der nicht gerade das schlimmstmögliche Schicksal trägt. Das ist kein echtes Argument, sondern ein Vergleich, der Empfindungen delegitimiert.
      Individuelle Haltungsänderung ist außerdem keine Lösung für ein strukturelles Problem.

      1. Was genau ist denn Caros „strukturelles Problem“? Dass ihr Mann oft auf Montage ist? Dass sie kein gutes Verhältnis zu den Großeltern hat bzw. diese nicht vor Ort sind? Dass sie anderen Müttern/ Freundinnen nicht gegenseitige Unterstützung vorschlagen will und schon gar nicht um Hilfe bitten? Das sind keine strukturellen Probleme sondern individuelle Gegebenheiten, die für Caro leider nicht sehr günstig sind.
        Außerdem hat ihr, glaube ich, niemand abgesprochen zwischendurch fix und fertig oder genervt oder erschöpft zu sein. Die Kommentare beziehen sich auf Caros Bericht als Teil von vielen Berichten hier und in anderen Medien, die immer wieder darauf abheben, wie superkrass, schwierig, anstrengend etc. Kinderhaben ist. So dass man sich fragt, warum die Leute eigentlich Kinder kriegen – und dann auch noch mehr als eins?!

        1. Frag dich doch mal eins: Wie viele Mütter befinden sich in ähnlichen Konstellationen? Dann fällt dir nämlich auf, dass diese „individuellen“ Merkmale verdächtig häufig zusammen auftreten:

          Väter, die durch Berufsstruktur oder Norm wenig Fürsorgearbeit übernehmen, Großfamilien, die räumlich zersplittert sind (Arbeitsmobilität, Urbanisierung), Soziale Hemmung, Hilfe anzunehmen oder einzufordern – besonders bei Müttern, Mangel an bezahlbarer externer Betreuung

          Wenn dasselbe „individuelle Problem“ millionenfach auftritt, ist das ein Hinweis, dass es eben keine rein persönliche Pechsträhne ist, sondern dass gesellschaftliche Verhältnisse diese Konstellationen systematisch produzieren. Die Einzelsituation ist individuell, das Muster dahinter ist strukturell. Wenn tausende Menschen bei Regen nass werden, weil sie kein Dach über dem Kopf haben, ist das Nasswerden individuell, aber die Frage, warum so viele kein Dach haben, ist eine strukturelle.

          Dein Framingwechsel, die Sorge, solche Berichte könnten Menschen vom Kinderkriegen abhalten, ist ein gesellschaftspolitisches Argument, das Caros persönliche Aussage instrumentalisiert. Framing-Wechsel: die Sorge, solche Berichte könnten Menschen vom Kinderkriegen abhalten – das ist ein gesellschaftspolitisches Argument, das Caros persönliche Aussage instrumentalisiert. Sie soll also gefälligst den Mund halten?

          In deiner Argumentation wird Caro eine Verantwortung zugeschrieben, die sie gar nicht beansprucht hat. Sie hat keinen Ratgeber geschrieben, keine Empfehlung ausgesprochen. Sie hat ihre Erfahrung geschildert. Dass daraus eine gesellschaftliche Wirkung abgeleitet wird, für die sie sich rechtfertigen müsste, ist eine Verschiebung der Beweislast. Zweitens enthält die Frage eine implizite Forderung: Persönliche Berichte sollen gefälligst so formuliert sein, dass sie keine „falschen“ gesellschaftlichen Signale senden. Das ist eine Form von Zensurlogik. Nicht im rechtlichen Sinn, aber im rhetorischen. Authentische Erfahrungen werden daran gemessen, ob sie demografisch nützlich sind. Ich hatte bisher nicht den Eindruck, dass das Sinn oder Wirkung dieses Blogs sei.

          Caro muss plötzlich nicht mehr nur ihre Erschöpfung rechtfertigen, sondern auch noch ihre gesellschaftliche Nützlichkeit. Das ist eine erhebliche, und letztlich unfaire, Verschiebung des Maßstabs.

          Obendrein ist deine Prämisse selbst fragwürdig. Ob ehrliche Berichte über Erschöpfung die Geburtenrate senken, ist empirisch unklar. Glaubst du im Ernst irgendjemand von den Bloglesern ausgerechnet hier würde sich wegen eines solchen Eintrages vom Kinderkriegen abschrecken lassen? Man könnte genauso gut argumentieren, dass unrealistische Idealisierung von Elternschaft Menschen schlechter vorbereitet und langfristig mehr Schaden anrichtet. Dann zusätzlich auch bei Kindern, die schon geboren wurden.

          Und wie ich in einem anderen Kommentar bereits schrieb: Die ersten 5 bis 8 Jahre sind nun mal extrem. Dass es später besser wird, kann nicht mehr unbedingt den Schaden reparieren, den Körper und Nerven bis dahin erlitten haben. Wenn du einen Motor eine längere Zeit auf Hochtouren mit zu wenig Öl laufen lässt, wird der auch nicht wieder besser, wenn du ihn danach 10 Jahre lang schonst. Der Schaden ist angerichtet. Das ist Teil des Elternproblems.

          1. @Ute: die realistische Einschätzung von Eltern- Mutterschaft ist tatsächlich der eine Punkt, bei dem ich denke, dass silche Artikel doch wichtig sind. Ich finde, viele gehen sehr blauäugig in diese Aufgabe hinein und wenn zusätzlich die strukturellen Bedingungen aus verwandtschaftlicher Unterstützung, sozialem Netzwerk, Arbeitsbedingungen, suboptimal sind, und außerdem keinerlei Vorerfahrungen vorliegen wie anstrengend und herausfordernd das Leben mit Kindern (wirklich) ist, dann wäre es vielleicht wirklich nochmal nach, ob man unter den Voraussetzungen und Rahmenbedingungen zu diesem Zeitpunkt Kinder bekommen möchte.

          2. Danke, hatte schon gedanklich eine ähnliche E-Mail formuliert☺️. Strukturelle Probleme sind z.B. auch: Die ungerechte Rente für Mütter im Vergleich zu Kinderlosen, die Verantwortung für Kinder immer nur bei Müttern zu suchen, „Kinder sind ein persönliches Problem“-Mentalität, etc. Ich finde es so wichtig das immer wieder gezeigt wird, wie krass Elternschaft sein kann, um bessere Strukturen zu schaffen. Dabei liebe ich es Mutter zu sein, bin jeden Tag dankbar für meine vier Schätze hier und würde niemals meine Entscheidung für sie rückgängig machen wollen. Ich fühle mich vom Leben reich beschenkt und bin trotzdem sauer auf die Umstände, die dazu führen dass soo viele Mütter alleine weinen und an der Last der ersten Jahre zusammen klappen, wie ich auch manche Tage. Warum soll für viele nicht beides nebeneinander stehen?

          3. @ „die andere S“ Wie wir den jüngsten Statistiken entnehmen können, geht die Bereitschaft zum Kinderkriegen ja ohnehin drastisch zurück. Die Meldung, dass wir wieder auf dem Geburtenstand von 1946 angelang sind, ging ja diese Woche erst durch die Presse. Die Gründe dafür werden tatsächlich nicht in abschreckenden Blogposts verortet, sondern vielmehr hier:

            – Demografie: Der kleine 1990er-Jahrgang kommt ins Alter fürs Kinderkriegen.
            – Krisen/Kriege weltweit.
            -Wirtschaftliche Unsicherheit, immer teurer werdender Wohnraum, steigende Lebenshaltungskosten
            – Benachteiligung von Familien in der Politik
            – Mangelnde Vereinbarkeit von Beruf und Familie, bzw. mangelnde gute und bezahlbare Betreuungsmöglichkeiten
            – Realisierung von Frauen, dass sie ihre finanzielle Autonomie lieber nicht aufs Spiel setzen sollten und auch nicht mehr müssen. Die Zeiten, wo Ehe und Familie _die_ Absicherung für die Frau waren, haben sich ins genaue Gegenteil verkehrt. Ehe und Familie sind zunehmend zum Risiko für Frauen geworden.

            @ alle: Um so wichtiger ist es doch, denen, die sich tatsächlich noch für Kinder entscheiden, unter die Arme zu greifen, statt ihnen sinngemäß zu sagen:
            Sei doch ruhig! Dein Gejammer verdirbt anderen die Lust aufs Kinderkriegen!
            oder
            Die jungen Frauen von heute sind nicht mehr belastbar! *)
            oder
            Statt öffentlich zu jammern, hättest du auch in Ruhe einen Kaffee trinken können!
            wie man es hier in den Kommentaren vorfand.

            Das macht’s doch nur noch schwerer, um Aufmerksamkeit, Verständnis, Hilfe oder gar Veränderungen zu bitten. Und dann wundern wir uns, dass psychische Erkrankungen immer noch mit einem Stigma belegt sind?
            Können wir den Anspruch „zäh wie Leder, hart wie Kruppstahl“ bei Müttern mal langsam ad acta legen?

            *) Das Müttergenesungswerk wurde übrigens 1950 gegründet. Sicher nicht aus Jux …

          4. PS: Bevor sich jemand wundert: Meine jüngstens Kind macht gerade Abitur. Ich stecke schon lange nicht mehr im Alltagswahnsinn mit zwei kleinen Kindern (18 Monate Altersabstand) drin. Aber ich erinnere mich gut an die Zeit, und ich merke, dass das Ganze mental und körperlich Spuren hinterlassen hat, die man eben nicht mal eben weg-urlauben oder mit ein bisschen Achtsamkeitsdingsbums + Yoga ungeschehen machen kann.

      2. Danke für den spannenden Denkanstoss. Eine vielleicht ein wenig provokative Frage: Haben wir vielleicht ein wenig verlernt, uns echte Erholungspausen zu gönnen und sind Eltern heute vielleicht auch weniger belastbar als früher?
        In dem Moment, in dem ich über das strenge Leben nachdenke, oder mich beklage (ich beziehe mich hier nicht explizit nur auf diesen Bericht, sondern auf das allgemeine kollektive Beklagen der Umstände) habe ich vielleicht schon eine Seite in einem Buch gelesen mit einer warmen Tasse Tee in der Hand. Das Austauschen über die strenge Mutterschaft (in den sozialen Medien, im Alltag) braucht viel Kraft und man dreht sich damit im Kreis. Ich empfinde es einfach so (auch unabhängig von diesem Artikel), dass es relativ en vogue ist, die Elternschaft vor allem als anstrengend, auslaugend und wie in diesem Artikel „so krass“ darzustellen.
        Und doch, ich glaube tatsächlich, dass ein anderer Blickwinkel auf gewisse Themen ganz viel bewirken kann, davon bin ich überzeugt.

    3. Caro du hast es noch gut. Ich finde die Elternzeit auch anstrengend, meine Kinder sind 1,5 und 4, leider können wir uns keine Kita leisten da wir in der Schweiz leben und ich ohne Gehalt daheim bin. Kindergarten startet auch erst mit 5 und ich bin alle Tage mit den beiden Kindern zuhause außer an 2 Vormittage wo der Große 2 Std in eine Spielgruppe geht.
      Da ist nie Pause außer die Zimmerstunde und auch das 1,5 schläft tagsüber nicht mehr. Das fordert mich echt heraus, den das wird noch so weitergehen bis ich arbeiten gehe und beide Kinder dann an meinen Arbeitstagen in der Kita sind.

      1. Ich wohne ebenfalls in der Schweiz.
        Empfindest du es nicht als grosses Privileg, deine Zeit mit den Kindern so frei einteilen zu können? Du musst noch nicht arbeiten, kannst also die Tage relativ frei und in einem Rhythmus gestalten, der für euch als Familie stimmt.
        Wenn draussen die Sonne scheint und keine Termine anstehen, einfach mit den Kindern in den Wald spazieren zu können und dort zu picknicken, ich habe das jeweils enorm genossen. Oder auf einem Spielplatz / im Garten sitzen und dabei zuschauen, wie die Kinder die Welt um sie herum entdecken, ihre Neugierde und Entdeckerfreude begleiten, diese uneingeschränkte Lust auf das Leben und auf das Entdecken durch die Kinder noch einmal mitzuerleben. Gemeinsam zum Einkaufen zu schlendern und dabei für die kurze Wegstrecke eine Ewigkeit zu brauchen, weil unterwegs Schnecken beobachtet und Steine gesammelt werden müssen und das ohne Zeitdruck.
        Sobald die Kinder in der Schule sind, ist diese Spontaneität nur noch viel eingeschränkter möglich. Und natürlich ist man dabei manchmal einfach nur müde oder erschöpft aber ich liebte es einfach, die Welt durch die Augen meiner Kinder noch einmal neu zu entdecken.

      2. Liebe Josi
        Hier in der Schweiz: Spielgruppe möglichst schnell für beide gleichzeitig und einen freien Vormittag für dich.
        Und: active fitness hat Kinderbetreuung, gerade für die Kleinen. Einmal pro Woche vormittags dorthin und bissi sporteln, Sauna, Lesen, Dusche …nur für dich. Kleine Inseln.
        Ich kenne das so gut, drück dich.
        Kat
        Solomama by circumstances

  3. Es ist wirklich krass. Meine Kinder sind inzwischen 11 und 5 Jahre alt, und entsprechend ist vieles schon viel, viel leichter. Dennoch merke ich immer noch, wie sehr es mich erschöpft, jeden Tag die Bedürfnisse und Termine meiner Kinder im Blick zu haben und — vor allem abends und am Wochendende — ständig angesprochen und um irgend etwas gebeten zu werden. Als introvertierter Mensch bringt mich das regelmäßig an den Punkt der völligen Erschöpfung und ich freue mich dann jedes Mal wieder, wenn ich zur Arbeit gehen darf. Die ist zwar auch sehr anspruchsvoll, zumal ich eine Führungsposition habe und Hauptverdienerin bin, aber wenigstens kann ich sie selbstbestimmt ausüben und vor allem sind auch häufig ruhiger Momente (d.h. lesen und schreiben ohne Ablenkung) damit verbunden.

    Ich habe tatsächlich häufig ein schlechtes Gewissen, dass meine Kinder mich so erschöpfen, obwohl ich sie natürlich sehr liebe und wir auch wirklich viele schöne Momente miteinander verbringen. Dabei teilen mein Mann und ich uns die Care-Arbeit schon sehr fair auf — tatsächlich bin ich sogar jede Woche für 2-3 Tage an meinem Dienstort und genieße dort die Ruhe meiner kleinen Dienstwohnung. Dafür übernehme ich aber an den Tagen, an denen ich zuhause bin, umso mehr — einerseits, um ihn zu entlasten und andererseits, weil ich natürlich auch intensiv am Leben meiner Kinder teilhaben will. Die Große ist auch schon sehr selbstständig, aber der Fünfjährige ist eben doch noch sehr fordernd und braucht auch viel Unterstützung, vor allem bei der Emotionsregulation. Nach dem Wochenende bin ich dann immer fix und fertig und freue mich wieder auf den Montag…

    1. Das ist halt das Problem: In den ersten 5 bis 8 Jahren ist es eine Dauerbelastung. Dass es mit steigendem Alter der Kinder einfacher wird, macht das nicht wieder wett, denn man kann ja keinen „Durchschnitt“ bilden und nachträglich auf alle Jahre verteilen.

      1. Ich freue mich einfach, wenn es bei diesem Erfahrungsaustausch eben nicht nur die Stimmen der Mütter gibt, die Mutterschaft in den ersten Jahren in erster Linie als anstrengend, belastend und auslaugend empfinden. Es darf ja, wie das Wort bereits sagt, ein Austausch sein und braucht auch nicht immer eine Untermalung mit Studien, Daten, Recherchen, da es auch einfach um ein persönliches Empfinden geht. Tatsächlich habe ich die ersten 5-8 Jahre überhaupt nicht als Dauerbelastung empfunden und ich habe es wirklich die meiste Zeit über einfach enorm genossen, den Alltag mit meinen Kindern zu erleben und tue das heute noch von ganzem Herzen.

        1. Mir geht es genauso wie Mi. Ich hab grad die ersten Jahre sehr genossen und insgesamt nicht als so sehr anstrengend empfunden. Klar gibts Tage, da hängt man echt drin, grad wenn die Kids krank sind, schlecht schlafen usw. Aber zum Großteil fand ich grad die ersten sechs Jahre bis zum schulanfang doch sehr entspannt. Noch keine großen Verpflichtungen, nicht viele Termine… Das finde ich mit Schulkinder teils herausfordernde, obwohl das alter natürlich auch schöne Dinge mit sich bringt.
          Mir hilft es, manche Dinge als Mama einfach etwas leichter zu nehmen, die Ansprüche an mich selber etwas zurückschrauben, und ich finde schon, dass die Einstellung doch auch viel macht. Aber Einstellung ist natürlich nicht alles, das ist klar. Aber einfach das Bewusstsein, dass es diese paar Jahre gibt, in denen ich für meine Kinder die wichtigste Person bin, die ins Leben begleiten darf, sie prägen darf und mit ihnen so viel erleben kann. Es ist schon bei aller Anstrengung doch so ein riesiges Geschenk und für mich die schönste erfüllendste Berufung meines Lebens!

  4. Oh, ich fühle das gerade total. Meine Kinder sind genau gleich alt – mein Mann ist gerade auf Dienstreise, beide Mäuse sind erkältet, husten sich nachts abwechselnd wach und die Kleine macht gerade einen kognitiven Schub und schläft generell noch schlechter als sonst.
    Ich wünsch Dir alles Gute, halte durch – es wird einfacher, sagt man. 🙂

  5. Ja, Elternschaften ist schon sehr krass. Was man da alles leistet und jongliert…
    Und gerade in den ersten Jahren ist es noch heftiger – Für einige Monate hatte ich 3 Kinder unter 3 Jahren, der Abstand bleibt ja auch wenn sie größer sind, sehr eng 😉
    Sie sind jetzt alle 3 im Kindergarten, und wenn dir andere Mütter anbieten, deinen 4-Jährigen für einen Mittag mitzunehmen (oder länger auf dem Spielplatz zu bleiben) – nimm es an! Natürlich darfst du dich genauso einbringen, und dann einen Mittag das andere Kind dazu nehmen. Das schafft gegenseitig Luft und Verbindung.

    Wenn du jetzt aus dem Ort hier wärst, hätte ich gesagt, meld dich gerne bei mir.

    1. Das kann ich nur unterschreiben! Hol dir Unterstützung, wo es sie gibt! Ohne schlechtes Gewissen! Gerade wenn du keine Großeltern hast, ist das auch für später Gold wert!
      Ich habe mit 3-4 Müttern einen Ferienplan, so dass ich (und sie natürlich auch) sich sicher an die 10 Urlaubstage im Jahr sparen, weil wir unsere Kinder in den Ferien gegenseitig betreuen. Sie sind jetzt 7-9 Jahre alt und es ist meist total unkompliziert alle drei zu haben. Ich profitiere aber immens davon, dass meiner eben auch viele Tage dann bei seinen Freunden untergebracht ist.
      Seit das mit der Kleinen auch geht, ist auch der Friseurtermin oder ein dringender Arzttermin kein Riesending mehr, sondern es findet sich immer einer, wo das andere Kind hin kann. Wir haben keine Großeltern – ich wüsste gar nicht, wie es anders gehen soll?!
      Nächstes Projekt ist, dass die Kinder bei ihren Freunden gemeinsam übernachten und immer ein Elternpärchen auch mal gemeinsam ausgehen kann 🙂

      1. Es gab von einigen Organisationen wie Kinderschutzbund oder Caritas?/Malteser-Hilfsdienst? schon Projekte wie „Leihoma“ oder „Wunschgroßeltern“ oder sowas. Vielleicht existieren die ja im Umfeld der Autorin noch?
        „Mütterpflege“ könnte auch eine Recherche wert sein.

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