Ihr Lieben, Antonia von Mamaalltag in stark schrieb uns an, als wir nach euren Erfolgserlebnissen im bisherigen Jahr 2026 fragten. Sie erzählte uns, sie habe endlich eine Therapie begonnen! Warum das für sie ein so großer Erfolg ist und was ihr dabei vor allem hilft.
Du Liebe, wir haben nach Erfolgserlebnissen gefragt und du schriebst: „Ich habe eine Therapie begonnen“. Was bedeutet dir, dass du jetzt Hilfe bekommst?
Ja das ist im Moment mein ganz persönliches Erfolgserlebnis. Überhaupt natürlich einen Platz bei einer Therapeutin bekommen zu haben. Aber auch, dass ich mich getraut habe den Weg zu gehen und Hilfe anzunehmen und mir auch einzugestehen, dass ich Unterstützung brauche.
Damit ich wieder gesund und stark und positiv meinen Mamaalltag und vor allem mich selbst leben kann. Ich bin am Anfang der Therapie und kann wahrscheinlich das Ausmaß bislang nur erahnen. Aber es ist definitiv einer meiner Erfolge in 2026,diesen Weg nun loszulaufen…
Du bist alleinerziehend mit zwei Kids, 11 und 14. Gibt es einen Kontakt zum Vater?
Nein, trotz gerichtlicher Umgangsregelung hat der Vater der Kinder sich 2019 entschieden, wenn überhaupt, dann nur das Wechselmodell zu akzeptieren oder eben keinerlei Umgang mehr wahrzunehmen. Da das Gericht das Wechselmodell aus verschiedenen Gründen abgelehnt hat, gibt es keinerlei Kontakt mehr seitdem.
Du hattest dann eine 8jährige Patchwork-Beziehung, die im Sommer letzten Jahres zerbrach… dadurch war auch dein Job weg. Beschreib mal deinen Zustand von damals.
Der war schlimm. Es ging mir die Wochen (Monate? Jahre?) zuvor schon nicht gut, ich wollte aber weitermachen. Funktionieren. Das war mir in dem Moment aber bei weitem nicht bewusst.
Ich war beruflich bei meinem Ex-Partner angestellt und in der Nacht der Trennung war bereits klar, dass mir auch gekündigt wird. Nachdem ich wochen-, ach was, monatelang versucht hatte, alles aufrechtzuhalten und für alles und jeden zu funktionieren außer für mich, fühlte ich mich wie die große Verliererin und Versagerin.
Mein Leben hatte drei Standbeine: meine Kinder, meine Beziehung, meinen Job. Plötzlich waren zwei davon weg. Geplatzt wie eine Seifenblase. Ich fand mich in einer absoluten Leere wieder. Weinte viel. Funktionierte zwar für meine Kinder (es waren Sommerferien!), aber war innerlich tot.
Wie äußerte sich das?
Ich hatte keinen Appetit, hatte Angst einzuschlafen. Wollte keine Gespräche führen. Nach einer Woche fing ich an, wie ferngesteuert Bewerbungen zu schreiben (weil man das doch so tut, wenn man seinen Job verloren hat!), bekam aber nur Absagen und fühlte mich mit jeder wertloser.
Ich konnte mich dann langsam einer Freundin öffnen und sie riet mir dringend, mich krankschreiben zu lassen und mich nun endlich mal nur um mich zu kümmern. Ich hatte abgesehen von zwei Monaten seit der Trennung vom Vater der Kinder fast zehn Jahre Vollzeit gearbeitet.
Die Krankschreibung fiel mir erstmal total schwer. Keine Aufgabe. Keine Beschäftigung. Ich hatte vom Hausarzt den dringenden Rat für eine Therapie bekommen. Auf dem Zettel stand: „mittelgradige depressive Episode“ – das wollte ich nicht glauben. Meine Muster saßen so tief, dass ich ja nur wieder einen Job bräuchte und alles wäre wieder ok. Depression? Das haben doch nur andere.
Du hättest dann einen Platz in einer Tagesklinik haben können, entschiedst dich aber für ein neues Jobangebot. Welche Gedanken hattest du da?
Ich machte mich auf die Suche nach therapeutischen Möglichkeiten. Bekam auch dort nur Absagen und maximal einen Platz für die Warteliste. Parallel bewarb ich mich weiter, weil man das ja so macht. Und dann wurde mir tatsächlich ein Job angeboten. Inhaltlich spannend und herausfordernd.
Und ich dachte wohl, dass das die Chance ist, allen zu zeigen, dass das mit der Depression mich nicht betrifft – und nahm den Job an. Am Tag der Vertragsunterzeichnung rief ich in der Tagesklinik an, die mir für drei Wochen später einen Platz in Aussicht gestellt hatte und sagte ab. Mein Gedanke „Anderen geht’s schlechter als mir“ bestätigte mich natürlich darin, dass ich das richtige tat.
Auch da gab es dann nach kurzer Zeit eine betriebsbedingte Kündigung. Gab es irgendwen, der oder die dich in dieser Zeit auffangen konnte?
Die Kündigung kam sehr überraschend. Ich fühlte mich dort zwar nie wohl, habe aber wirklich sehr viel gearbeitet, weil ich unbedingt beweisen wollte, das ich das dort schaffe. Da ich auch keine greifbaren Gründe für die Kündigung bekommen hatte, fiel ich in ein noch tieferes Loch als im Sommer zuvor.
Die Selbstzweifel und Existenzängste aus dem Sommer waren sofort wieder da, doppelt und dreifach. Für mich war diese Kündigung ein weiterer Beweis, dass ich eben versage. Meine Mutter und mein engster Freundeskreis waren intensiv für mich da. Hörten mir zu, holten mich zu Spaziergängen ab und weinten mit mir, womit ich teils nicht wirklich gut umgehen konnte. Schließlich fiel ich mit meinem Versagen nun auch noch anderen zur Last.
Mittlerweile bist du nach längerer Krankschreibung wieder in einem Job und parallel dazu in Therapie. Wie klappt das und was gibt dir das?
Ja, ich habe mich dann wieder krankschreiben lassen. Ich hatte eine wundervolle Ärztin, die mir sämtlichen Druck und vor allem das Gefühl, mich rechtfertigen zu müssen, nahm. Sie bestärkte mich sehr, dass ich mir nun jede Zeit und auch Hilfe holen solle, die ich möchte.
Erneut stand eine „mittelgradige Depression durch Burnout“ auf den Papieren. Es fiel mir nicht leicht, aber diesmal konnte ich das annehmen. Ich bekam einen Vermittlungscode und saß tatsächlich schon drei Wochen später bei einer Therapeutin zum Kennenlernen. Ein glücklicher Zufall wohl, dass es so schnell ging.
Wir lernten uns kennen und ich spürte sofort, wie gut es mir tat, dort nun einen Raum zu bekommen, in dem mich niemand bewerten oder beurteilen würde. Es flossen viele Tränen. Die ersten Termine waren wie ein Marathon und ich war danach immer sehr erschöpft.
Ich hatte auch immer wieder mit mir zu kämpfen. Ob ich es nun wert bin, diese Behandlung dort zu bekommen, ob es anderwn nicht schlechter geht usw. Aber meine Therapeutin holte mich jedes Mal ab. Nach den ersten Terminen hatte ich erneut ein Jobangebot auf dem Tisch. Durch die Bestärkung der Therapie ging ich den Schritt und nahm den Job an.
Was hast du zuletzt Erstaunliches herausgefunden durch die therapeutische Hilfe?
Wir sind sehr schnell auf das Thema gekommen, dass ich dieses starke Gefühl habe, nicht genug zu sein, dass ein Scheitern klar dafür steht, dass ich eben nicht genug bin. Oder nicht gut genug geleistet habe (Partnerschaft wie Job). Ebenso sprechen wir viel über meine Muster.
Dazu gehört, dass ich mich immer erst um andere kümmere und erst dann um mich. Und welch hohen Preis ich dafür die letzten Jahre gezahlt habe. Aktuell bearbeiten wir dieses Thema und gehen auf die Suche, woher das rührt. Die Beziehung zum Vater meiner Kinder hat mich hier wohl sehr geprägt.
In diesen 10 Jahren habe ich ein „normal“ gelernt, das eben keines ist. Plötzlich ploppten Erinnerungen aus meiner Kindheit auf (von denen ich wenige habe oder wenn, nur aus Fotos) , dass ich einem Streit meiner Mutter mit einem meiner Geschwister zuhörte und damals (ich denke ich war 11/12) für mich beschloss, dass ich niemals auf die Art meinen Eltern zur Last fallen werde.
Ich lerne gerade, dass ich niemandem die Schuld gebe oder geben werde für all das – eben auch mir selber nicht. Aber ich realisiere schmerzlich, dass ich selbstredend nicht mehr können kann, wenn ich mein Leben lang so gedacht habe. Und dass es gut ist, dass ich jetzt für mich Klärung finden kann.
Wie geht dein Weg nun weiter?
Ich merke bereits in kleinen Alltagssituationen, dass ich besser mit Gedanken und Gefühlen umgehen kann. Ich kann mich besser distanzieren und damit auch schützen, weiter auszubrennen. Ich baue mir gerade ein ganz neues Normal für mich auf. Und ich bin dankbar, dass ich diesen Raum der Therapie gefunden habe und für mich an meinen Themen arbeiten darf.
Ich bin jetzt seit zwei Monaten im neuen Job, gehe in den Inhalten voll und ganz auf und habe tolle Kollegen um mich. Dank flexibler Arbeitszeit kann ich die Therapie problemlos integrieren. Und wenn es mal enger wird, können wir die Stunde online machen. Ich habe mir eine feste Sportroutine aufgebaut, achte auf Auszeiten und lerne täglich mehr, dass ich entscheide, wer ich bin und nicht die vermeintlichen Erwartungen der anderen im Außen.
Was möchtest du anderen Müttern in schwierigen Lagen zurufen?
Es ist NICHT normal, sich als nicht genug oder nicht gut genug zu fühlen. Lasst euch das nicht einreden, weder von anderen noch von euch selbst! Ebenso wie ein „Du musst halt funktionieren!“ …
Sucht euch Hilfe in Form von Freundinnen, die euch aber nicht nur trösten (sehr wichtig!), sondern auch an der Hand nehmen oder vielleicht sogar einen Tritt geben, wieder aufzustehen! Nehmt Hilfe in Form einer Therapie an – dafür muss man sich nicht schämen! Niemals! Im Gegenteil! Ich glaube, die Welt wäre eine bessere, wenn wir endlich nicht mehr immer so tun würden, als sei alles bestens, wenn es in uns eigentlich ganz anders aussieht!
