Ihr Lieben, heute stellen wir euch Linda Buchmüller vor, die wie wir als Freelancing Mom in der Arbeitswelt unterwegs ist. Sie arbeitet als selbstständige Marketing-Expertin und Interimsmanagerin und findet: „Elternschaft ist keine Pause oder Stillstand, sondern eine Weiterentwicklung.“
Sie sei in dieser Lebensphase selbständig, weil sie Care-Arbeit und berufliche Verantwortung gleichwertig leben will. Ihren Alltag nimmt sie als durchstrukturiert, herausfordernd und unglaublich bereichernd wahr Sie ist überzeugt: Flexibles Arbeiten ist kein Nice-to-have, sondern ein Zukunftsmodell und sagt Sätze wie: „Ich habe nicht weniger Kompetenz – ich habe nur mehr Verantwortung.“, „Ich habe mich nicht für Care oder Karriere entschieden, sondern für beides“, „Meine Lebensphase bestimmt mein Arbeitsmodell, nicht umgekehrt.“
Das Spannende: Sie organisiert sich über eine Recruiting-Plattform für familienfreundliches und freies Arbeiten, UPYU by FreeMOM heißt die. Sie bringt Fachkräfte mit Care-Verantwortung – darunter Mütter, Eltern oder pflegende Angehörige – in Unternehmen, die innovative Lösungen bei der Mitarbeitersuche und zur Bewältigung des Fachkräftemangels suchen. Im Fokus steht die Vermittlung von Freelancer:innen. Ist das nicht genial?
Liebe Linda, was ist deine berufliche Positionierung?
Ich arbeite als Interimsmanagerin im Marketing und bringe 18 Jahre Erfahrung in der Führung globaler Marken mit. Ich unterstütze Unternehmen nicht nur strategisch – sondern setze Projekte auch hands-on um: von Positionierung, Projektarbeit, Innovations- über Markenführung bis zu 360°-Kommunikation.
Neben meiner Tätigkeit im Interim Management betreue ich auch eigene Kund*innen – vom Start-up bis zum Mittelstand – und helfe ihnen, ihre Marke zukunftsfähig zu entwickeln und im Markt erfolgreich zu positionieren.
Welches Arbeitsmodell lebst du aktuell – und passt es zu deinem Alltag mit Care-Verantwortung?
Ich bin aktuell selbständig tätig. Ganz bewusst, weil mein Alltag mit einem fast fünfjährigen Sohn ein hohes Maß an Flexibilität erfordert. Die Care-Arbeit teilen wir uns als Eltern 50/50 auf, was für mich eine faire und partnerschaftliche Lösung ist.
Die Selbstständigkeit erlaubt mir, mein Arbeitspensum und meine Zeiten möglichst gut an diese Anforderungen anzupassen. In dieser Lebensphase hat die Care-Arbeit für mich eine große Bedeutung und deshalb muss sich die berufliche Struktur darum herum orientieren – nicht umgekehrt. Dieses Modell passt aktuell sehr gut zu meinem bzw. unserem Alltag.
Welche Strukturen in deinem Unternehmen haben dir ermöglicht, Care und Karriere zu vereinen – oder auch verhindert?
In meiner letzten Festanstellung habe ich leider die Erfahrung gemacht, dass die vorhandenen Strukturen wenig Raum für individuelle Lebensphasen gelassen haben. Es gab keine Möglichkeit, mein Arbeitspensum vorübergehend zu reduzieren oder feste Zeiten einzuhalten, die mit meiner Betreuungssituation vereinbar gewesen wären.
Zudem wurde eine Rückkehr ins Büro an mindestens drei Tagen pro Woche gefordert, was sich mit den Betreuungszeiten des Kindes schlicht nicht vereinbaren ließ. Diese starre Haltung hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, Arbeitsmodelle zu schaffen, die Care-Verantwortung ernst nehmen.
Genau deshalb habe ich mich zum jetzigen Zeitpunkt für die Selbstständigkeit entschieden – um meine Arbeit flexibler gestalten und meinen Alltag bedarfsgerecht organisieren zu können.
Was würde ein wirklich care-bewusstes Unternehmen für dich anders machen?
Ein wirklich care-bewusstes Unternehmen würde Care-Arbeit nicht als private Herausforderung einzelner sehen, sondern als gesellschaftliche Realität, die aktiv mitgedacht werden muss.
Es würde flexible Arbeitszeitmodelle ermöglichen, ohne dass dies zu Karriereeinbußen führt. Dazu gehören z. B. keine späten Meetings, verlässliche Zeitfenster für konzentriertes Arbeiten und ein Verständnis dafür, dass Care-Aufgaben auch tagsüber stattfinden.
Wichtig wäre eine offene Unternehmenskultur, in der Care-Verantwortung sichtbar und normal ist – unabhängig von Geschlecht, Hierarchiestufe oder Anstellungsform. Präsenzpflicht, starre Arbeitszeitmodelle oder unausgesprochene Erwartungen, „immer verfügbar“ zu sein, wären in einem solchen Unternehmen kein Thema mehr.
Was sind Deine Empfehlungen und Hacks, wie Unternehmen von Freelancer:innen profitieren können?
Freelancer:innen bieten Unternehmen große Chancen, nicht nur in klassischen Engpass-Situationen wie Hiring Freezes oder Projektüberhängen mit klaren Deadlines. Besonders wertvoll kann ihre Expertise sein, wenn es um Aufgaben geht, die intern (noch) nicht abgedeckt werden, wie etwa beim Aufbau neuer Funktionen, Prozesse oder Teams. Hier bringen erfahrene Interimsmanager:innen nicht nur Know-how, sondern auch Umsetzungsstärke mit.
Mein Tipp: Freelancer:innen nicht nur als „Lückenfüller“ sehen, sondern strategisch einsetzen, z. B. zur gezielten Kompetenz-Erweiterung oder als Impulsgeber:innen für neue Perspektiven. Wichtig sind ein klarer Scope, offene Kommunikation und die Bereitschaft, temporäre Rollen nicht als Ausnahme, sondern als integralen Teil moderner Arbeitsstrukturen zu verstehen
Was siehst du in dir, das andere übersehen, wenn sie nur „Mutter“ oder „Pflegende“ hören?
Dass ich trotz Care-Verantwortung eine kompetente, erfahrene und motivierte Fachkraft bin. Ich habe meinen Beruf nie abgelegt – ich habe nur zusätzliche Verantwortung übernommen. Elternschaft ist keine Pause oder Stillstand, sondern eine Weiterentwicklung. Wer das übersieht, unterschätzt nicht nur mich, sondern generell ein enormes Potenzial.
Was bedeutet „UPYU“ für dich persönlich?
Für mich steht „UPYU“ für eine längst überfällige Neudefinition von Arbeit und dem Annähern an die Lebenssituation vieler. Es ist die klare Botschaft: Arbeit kann sich auch an dein Leben anpassen.
„It’s up to you“ bedeutet für mich: Ich darf entscheiden, wie ich arbeite, wann ich arbeite und mit wem. Meine Care-Verantwortung ist kein Hindernis, sondern Teil meines Profils. Das wird hieranerkannt und schafft Räume, in denen Fachlichkeit, Selbstbestimmung und Lebensrealität nebeneinander existieren dürfen – ohne entweder/oder. Für mich ist das ein Systemwechsel mit Haltung und ich bin gerne Teil davon.
Infos zu, Freelancing Mom-Netzwerk UPYU (keine Werbung, sondern einfach Info für alle, für die das in Frage kommt):
Unternehmen finden für Projekte und unbesetzte Stellen über UPYU qualifizierte, sofort verfügbare Fachkräfte. Bereits über 6.000 Freischaffende und mehr als 600 Unternehmen sind Teil des Netzwerks. Die Plattform bietet ein KI-basiertes Matching sowie einen KI-basierten Jobposting-Assistenten und übernimmt die komplette administrative Abwicklung der Projekte.
UPYU wurde unter dem Namen FreeMOM 2023 durch Lena Pieper und Anika Schmidt gegründet. Die Mission: UPYU macht das bislang ungenutzte Potential von Menschen mit Care-Verantwortung für den Arbeitsmarkt sichtbar und zugänglich. Menschen mit Care-Aufgaben benötigen überdurchschnittlich viel Flexibilität – feste Bürozeiten oder Präsenzpflichten lassen sich oft schwer mit Kinderbetreuung oder Pflege vereinbaren.
Freelancing ist deshalb ein Arbeitsmodell, das echte Selbstbestimmung ermöglicht und eine realistische Erwerbsoption für diese Zielgruppe darstellt. Die Gründerinnen sind selbst Mütter und sagen: „UPYU löst ein gesellschaftlich relevantes Problem, indem wir sofort umsetzbare Möglichkeiten für eine Erwerbsbeteiligung von Müttern und weiteren Personen, die Sorgearbeit leisten, schaffen.“
3 comments
Also ich verwende sehr gerne Anglizismen und rede viel über Begriffe wie Mental Load, Care Time etc…ist dies nicht sehr individuell und zu tolerieren?
Ich finde Formulierungen wie „Freelancing Mom“ oder neulich „Mental Health“ ärgerlich. Sie bauen bei mir eine Distanz auf, die verhindert, dass ich mich auf den Artikel – der ja durchaus interessant sein könnte – einlasse. Solche Anglizismen wirken auf mich einerseits elitistisch und andererseits seltsam flach und nichtssagend.
Ernst gemeinte Frage: Entspricht das dem, wie ihr euch privat unterhaltet? Würdet ihr einen Satz sagen wie „Ich möchte mich jetzt mal mehr um meine mental health kümmern“ oder „Ich als freelancing mom…“?
Im Umfeld von BWLern kann ich mir das durchaus vorstellen, dass die so sprechen. Da ist oft nur noch die Grammatik deutsch.