Teilzeit-Falle: Komm ich da je wieder raus?

Psychisch erkrankt

Foto :Pixabay

Ihr Lieben, neulich gab es ja Diskussionen um Teilzeit-Arbeit. Dem Statistischen Bundesamt zufolge haben 2024 29 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland in Teilzeit gearbeitet – fast jede zweite Frau (49 Prozent) und zwölf Prozent der Männer. Als wir auf Instagram gefragt haben, warum ihr Teilzeit arbeitet, kam als häufigste Antwort: Wegen der Kinder.

Auch Susanne ist gerade nach der Geburt ihres zweiten Kindes nun wieder in Teilzeit eingestiegen, aber sie fragt sich auch: „Komme ich da je wieder raus?

Teilzeit-Falle: Komm ich da wieder raus?

Ich heiße Susanne, meine Tochter ist 3 und mein Sohn ist 1, seit ein paar Wochen gehe ich wieder in Teilzeit arbeiten. Ich arbeite in einer Zahnarztpraxis, mein Mann arbeitet auf dem Bau und oft unterwegs, er arbeitet Vollzeit. Mein Mann und ich haben oft überlegt, ob wir das irgendwie anders lösen können, aber er muss in Vollzeit arbeiten, damit wir unsere Fixkosten stemmen können.

Ich freue mich, dass ich wieder arbeiten gehe, ich habe das immer sehr gerne gemacht und brauche das auch. Aber: Ich merke schon, dass die Belastung echt knackig ist. Ich zerreise mich zwischen Job und Kindern, habe eigentlich null Zeit mehr für mich. Manchmal denke ich mir, es wäre leichter, ich würde gar nicht arbeiten gehen.

Und auf der anderen Seite denke ich: Komme ich je wieder aus dieser Teilzeit raus? Kann ich mich da überhaupt noch beruflich weiter entwickeln? Oder spielt sich das jetzt so ein, alle gewöhnen sich dran, dass Mama den Hauptteil der Carearbeit macht und es wird immer schwerer, daran nochmal was zu ändern?

Wichtig ist mir zu sagen, dass wir nicht aus reichen Familien stammen, wir haben also kein Erbe zu erwarten. Mein Mann und ich müssen arbeiten, damit wir über die Runden kommen. Wenn ich aufhören würde zu arbeiten, wäre wirklich kein Kinobesuch, Ausflug oder sonstiger „Luxus“ mehr drin. Und ich möchte ja auch nicht aufhören zu arbeiten, weil ich das brauche und für mich selbst (vor)sorgen möchte.

Ich weiß, dass ich nicht die Einzige bin, die solche Gedanken hat, aber ich habe trotzdem wenig Austausch dazu. Daher würde ich mich sehr freuen, wenn andere Mamas mir mal schreiben, wie ihre Familien das geregelt haben. Danke für eure Geschichten.

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17 comments

  1. Ich mag das Wort „Teilzeitfalle“ nicht, das Wort impliziert für mich eine schlechte Situation, die man irgendwie passiv selbst verschuldet hat. Außerdem suggeriert der Begriff, dass im Kontext von Familien eine Vollzeittätigkeit beider Eltern das Normale ist oder sein sollte. Ich persönlich würde meinem Kind nicht zumuten wollen, mit zwei voll und nicht im Homeoffice berufstätigen Eltern aufzuwachsen. In meiner jetzigen Situation mit einem 6-jährigen Kind identifiziere ich mich positiv mit meiner Teilzeittätigkeit. Blöde Sprüche an meinem Arbeitsplatz – vor allem von älteren Kollegen – über Teilzeit perlen an mir ab. Ich bin allerdings auch in der glücklichen Situation, als sehr gut qualifizierte Akademikerin nicht schlecht zu verdienen.

    1. @Mona: ich findedas Wort Falle in diesem Kontext auch nicht gut, es impliziert für mich, dass jemand anderes sie gestellt hat, zu meinem Schaden, und ich (sehenden Auges, oder unabsichtlich?) hineingetappt bin.

  2. Ob bzw. wann Vollzeit mit Kindern funktioniert ist immer eine individuelle Frage. Es hängt davon ab, was man selbst für wichtig erachtet, ob man die eigenen Eltern regelmäßig einspannen kann und auch möchte und wie allg. die Betreuungssituation ist.

    Bei uns ist zum Beispiel die Krippe ganz gut und mit einem super Personalschlüssel. Ich möchte aber trotzdem nicht ein Kleinkind den ganzen Tag abgeben. Die Qualität wird im Kindergarten etwas weniger und die Schulbetreuung ist dann endgültig nur noch „Aufbewahrung“ von Kindern mit wenig Individualität.
    Wir möchten unseren Kindern aber 2-3 Hobbys ermöglichen, die sie sich selbst aussuchen dürfen. Mit 3 Kindern ist man dann auch einfach am Organisieren. Wir Eltern möchten durch Ehrenämter der Gesellschaft auch noch was zurück geben und brauchen auch mal Luft für uns.

    Daher haben wir uns ganz bewusst dazu entschieden BEIDE in Teilzeit zu arbeiten. Momentan sind wir an der Grenze, dass wir es gerade so ohne Nachmittag im KiGa und ohne Hort schaffen. Wenn einer auch nur ein paar Stunden aufstocken würde, passt es nicht mehr und dann müsste man auch ordentlich aufstocken – 10 Stunden, damit es sich finanziell lohnt.

    In Vollzeit könnten wir beide jederzeit wechseln. Beide in Vollzeit wird es bei uns aber nicht geben bevor das jüngste Kind zumindest in der 6. Klasse ist und entsprechend den Sprung von der Grundschule zur weiterführenden geschafft hat.
    Vielleicht arbeiten wir dann aber auch beide noch in Teilzeit… Die jetzige Konstellstion wird noch gut 1,5-2 Jahre bleiben. K2 kommt nächstes Jahr in die Schule und den Übergang wollen wir wieder ganz entspannt gestalten können.

  3. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es kein Problem ist in Vollzeit wechseln.
    Jeder Arbeitgeber hat sich bisher eher schwer mit Teilzeit getan.
    Ich habe 12 Jahre lang 30h die Woche gearbeitet und es war wirklich sehr viele angenehmer als jetzt mit 40h. Ich würde sofort wieder reduzieren, wenn ich die Wahl hätte….

  4. Auch ich arbeite Teilzeit und studiere berufsbegleitend, außerdem bin ich alleinerziehend und muss sämtliche Ferientage alleine abdecken und für mich ist es keine Option die Kinder länger im Ganztag zu lassen oder in den Ferien in Betreuung zu stecken. Ich selbst arbeite an einer Schule und sehe was die Betreuung im Ganztag bedeutet und bin über jeden Tag dankbar denen ich das meinen Kindern ersparen kann.
    Auch, wenn sie Älter sind möchte ich nicht Vollzeit arbeiten, nicht, weil ich einen Beruf in dem ich viel verdiene, sondern weil ich leben möchte.
    Ich gehöre zu den Menschen mit wenig Geld und fühle mich überhaupt nicht arm, es ist auch eine Frage wie mit Geld umgegangen wird. Ich kann das Buch Mehr Geld für mehr Leben empfehlen. Manchmal ist einem gar nicht so präsent, wie viel Geld unnütz ausgegeben wird.
    Wir können trotz des wenigen Geldes ein gutes Leben führen und fahren in allen Ferien in den Urlaub, bestellen uns mal eine Pizza etc. natürlich verzichten wir dafür auf einige andere Dinge.
    Aber ich bin sehr dankbar dafür, dass mein Ziel nicht sein muss Vollzeit zu arbeiten um Dinge möglich zu machen und ich es meinen Kindern ersparen kann ständig in Fremdbetreuungen zu stecken und die Kindheit dadurch zu verlieren.
    Das Leben ist zu kurz, aber auch diese Erfahrung musste ich mehrmals machen um für mich das Fazit zu ziehen, nicht nur zu arbeiten, sondern zu leben.

  5. Viele schreiben hier, dass es einfacher wird, wenn die Kinder größer sind. Und ja klar, die Kinder werden selbstständiger.
    Wir haben 2 Schulkinder und 1 Kindergartenkind (9, 7 und 4) und ich habe tatsächlich vor 1 Jahr meine 50%-Stelle reduziert. (Auch wir haben den Luxus, dass das finanziell möglich ist und ich bin sehr dankbar darüber). Unsere 2 Großen haben immer öfter Wutanfälle bekommen und wir haben gemerkt, wir müssen etwas ändern. Und seid ich reduziert habe, habe ich natürlich mehr Zeit und bin weniger gestresst. Was sich auch positiv auf die Kinder auswirkt.
    Also, größere Kinder brauchen nicht automatisch weniger Aufmerksamkeit.
    Zumal ich bei uns auch festgestellt habe, dass die Qualität der Betreuung von Krippe über Kindergarten zu Nachmittagsbetreuung in der Schule deutlich abnimmt.
    Ich denke, es ist sehr wichtig, dass man mit dem Partner ständig im Gespräch und Gedankenaustausch bleibt: wer hat welche Wünsche und Erwartungen bzgl. Arbeit und Karriere und was ist zu welchem Zeitpunkt wie sinnvoll umsetzbar.
    Ansonsten kann es, denke ich, schnell passieren, dass sich alle an die Teilzeit und Care-Arbeit der Mutter gewöhnen und dann wird es schon immer schwieriger das zu ändern.
    Und natürlich sollten die Partner gemeinsam schauen, wie für den Elternteil in Teilzeit zusätzlich für die Rente vorgesorgt wird.

  6. Ich habe vor fast einem Jahr den Wiedereinstieg mit 23 Stunden nach meiner 2. Elternzeitphase gemacht. Ich war knapp 5 Jahre raus, habe in der Zeit 3 Kinder bekommen. Ich wurde herzlich wieder empfangen, trotz dass mein Team fast völlig neu besetzt war und auch einen neuen Chef habe. Es ist ok dass ich gerade noch nicht wieder so flexibel und mobil bin und meine Kollegen übernehmen die längeren Wegstrecken, die nicht auf meinen langen Tag fallen.
    Ich muss aber auch dazu sagen, dass ich inzwischen wahnsinnig im Hamsterrad gefangen bin. 3 Kitakinder, 2 Schulkinder, Haushalt, Mental Load, (Bonus derzeit Mann mit Krücken) und Arbeit mit ordentlich Verantwortung, das ist ein heftiger Lebensabschnitt.
    Aber auch mein Arbeitgeber sagt ganz klar: Wir brauchen dich möglichst schnell wieder in Vollzeit! Von seiten des AGs also null Problem 😉 und irgendwann sind die Kinder größer und ich bin nicht auf anderweitige Betreuung angewiesen (Herzliche Grüße an die Kita, die wieder eine Woche geschlossen war… Ich war dann mit 3 Kindern auf Arbeit).
    Karriere kann ich dann angehen – denn im Betrieb sehe ich gerade einige, deren Kinder Mitte Pubertät sind und die jetzt in die Chefetage aufsteigen. Die Weichen stelle ich jetzt dafür und die Schritte gehe ich dann, wenn ich es für richtig halte.

  7. Ich würde behaupten, als ZMA kommt man sehr schnell wieder aus der Teilzeitfalle raus. Vielleicht nicht in der selben Praxis, aber in einer anderen. Bei uns in der Stadt gibt es Zahnärzte wie Sand am Meer. Würde mich wundern, wenn man da nicht schnell eine andere Stelle findet.

    Die andere Frage ist die, ob man das will. Ich arbeite bewusst Vollzeit, habe um mich herum aber fast ausschließlich Mütter, die feiewillig in Teilzeit arbeiten. Jede von uns hat ihre Gründe dafür. Was ich aber sagen will: Vollzeit funktioniert. Vorausgesetzt, man hat das richtige Setting dafür. Wenn der Mann nicht kann, helfen längere Betreuungszeiten, oder ggf. Großeltern, Tagesmutter für die Randzeiten, Leihoma und ein gutes Netzwerk mit anderen Eltern. Nur Mut, man ist nicht für immer an Teilzeit gebunden, weil man Kinder hat 🙂

  8. Liebe Susanne,
    Es wird definitiv einfacher wenn die Kinder grösser und selbstständiger werden. Unsere Grossen haben einen Hausschlüssel seit sie 7 sind und können damit auch mal eine Weile alleine (bzw zu zweit) daheim sein wenn wir noch arbeiten. Schule ist bei weitem nicht so lange wie der Ganztagskindergarten hier bei uns.
    Jede Familie, jede Arbeit, jede Konstellation ist natürlich anders und bringt Vor- und Nachteile mit sich. Wir arbeiten beide Vollzeit, 40 Stunden. Allerdings sind wir beide flexibel und können auch am Abend mal noch zwei Stündchen Homeoffice machen wenn die Kids im Bett sind. Viel Zeit für Hobbys etc bleibt natürlich nicht, und wir würden es sicherlich auch nicht so machen wenn wir nicht beide gerne arbeiten würden.

  9. Liebe Susanne,
    meine drei Kinder sind etwas älter, als deine: 2, 5, 8. Seid alle drei in der Kita betreut werden bzw. zur Schule gehen, sind auch wir Eltern wieder arbeiten. Wir haben einige Modelle durch. Beim ersten Kind sind wir klassisch gestartet: Ich ein Jahr zuhause, mein Mann nur die obligatorischen 2 Monate. Danach bin ich wieder voll eingestiegen, da ich mein Referendariat beenden wollte. Beim zweiten Kind haben wir einen Kurswechsel durchgeführt. Ich war 1,5 Jahre voll zuhause, mein Mann ging Vollzeit arbeiten. Danach blieb er 1,5 Jahre voll zuhause und ich ging voll arbeiten. Als auch dieses Kind betreut wurde, sind wir beide wieder VZ arbeiten gegangen. So ganz zufrieden waren wir aber nie. Zu oft war man einfach platt. Eine volle Stelle und beide Eltern Vollzeit tätig…da musste nur ein Rädchen im Getriebe wackeln, dann brach alles zusammen. Beim dritten Kind haben wir uns dann gesagt, dass beide weniger arbeiten wollen. Meinem Mann war das auch zu stressig. Nun sind wir bei 32h/Woche (mein Mann) und ich bin 75%. Und endlich haben wir das Gefühl, angekommen zu sein. Wir sind deutlich flexibler in der Tagesgestaltung und insbesondere sehen wir uns als Eltern mehr und haben mehr Zeit für uns.
    Ich persönlich würde niemals unter 75% arbeiten, dafür sind mir meine Ausbildung, mein langes Studium und all die Energie, die ich in meine Karriere gesteckt habe, zu wichtig. Und ich will später auf gar keinen Fall finanziell von meinem Mann abhängig sein. Es tut mir SO weh, wenn ich in meiner Schwieger- und Elterngeneration, die jetzt so langsam in den Ruhestand gehen, sehe, dass die Frauen nur wenige hundert Euro oder 1.000€ als Rente ausgezahlt bekommen.
    Dazu vielleicht: Wir sind beide verbeamtet, ich verdiene zwei Gehaltsstufen mehr als mein Mann und wir beide können nicht im Homeoffice arbeiten.

    Wenn ich die Berichte hier lese und mitbekomme, dass viel Freiheit der Eltern in der Teenagerzeit zurück kommt, bin ich mir sicher, dass ich dann auch wieder auf VZ (oder nahezu VZ) aufstocke. Ich sehe das Geld nämlich auch als eine Art von Luxus, durch die wir uns tolle Reisen, hochwertiges Essen und auch einen späteren guten finanziellen Start unserer Kinder (Führerschein, Ausbildung/Studium, eigenen Wohnung…) leisten können und wollen.

    Aber auch hier: Das ist unser Weg. Und der wird regelmäßig angepasst und verändert. Er passt uns sehr gut, andere Familien haben andere Ansichten, Werte, Möglichkeiten und Vorstellungen.

  10. Hallo, ich kann die Gedanken der Autorin so gut nachvollziehen, wir haben auch 2 Kinder 2,5 Jahre auseinander und ich bin mit 75% Teilzeit nach dem ersten Kind und nach der Babypause wieder eingestiegen, seit beide in der Schule sind, arbeite ich 80%, auch jetzt noch, obwohl sie mit der Weile in der weiterführenden Schule sind. Und ich muss sagen, ich habe es immer als Geschenk empfunden, die Zeit mit meinen Kindern zu verbringen. Denn wenn ich Vollzeit arbeiten müsste, dann wäre ich 3 mal die Woche erst 19:00 Uhr zu Hause, so ist das nur einmal die Woche der Fall! Ja, die Zeit, als man pünktlich an der Kita sein musste war mitunter sehr stressig, aber auch das wächst sich aus, irgendwann gehen die Kinder ihre Wege alleine und es ist weniger Stress. Mit der Weile nutze ich auch Teile meiner Teilzeit für Sport für mich, da sind die Kinder trotzdem mal noch ein/ zwei Stunden schon alleine zu Hause. Ich habe dazu noch Gleitzeit und nutze das als Gleitzeittage in den Ferien um exclusive Zeit mit den Kindern zu verbringen. Auch als mein Vater sehr krank war, konnte ich ihn so viel begleiten und bin glücklich darüber, für ihn da gewesen zu sein, denn er starb dann leider viel zu früh! Auf Arbeit leidet mein Engagement nicht darunter und je älter die Kinder wurden, desto flexibler und dosierter setze ich meine Zeit auf Arbeit ein und das wird gewertschätzt! Wichtig ist auch, dass der Partner es wertschätzen kann, wie sehr man ihm mit der Prio 1 auf die Kinder den Rücken frei hält! Ich habe mit der Weile die Einstellung gewonnen, dass es für den Papa ja eigentlich schon schade ist, dass er eigentlich immer nur am Wochenende so bewusst Zeit mit uns für die Kinder hat und ja auch viel weniger Zeit für sich selbst! Was gut bei unserem Modell ist, dass mein langer Arbeitstag unverrückbar ist, da bin ich auf Arbeit voll verfügbar, mein Mann hat an diesem Tag sogar oft Kind krank Tage übernommen, wenn ein Kind krank war, damit ich auf Arbeit nichts canceln musste. Das nimmt mir den Stress und zeigt meinem Team auf Arbeit, dass mir die Arbeit wichtig ist! Und mein Mann hatte immer noch einen festen Nachmittag mit den Kindern! Ich weiß gar nicht, ob ich wirklich mal wieder diese 3 langen Tage die Woche arbeiten möchte, oder ob mir perspektivisch da nicht 2 genügen…

  11. Meine drei Kinder sind nun schon relativ groß, der Jüngste ist 13, deshalb ist meine Perspektive natürlich ein bisschen anders.
    Wir hatten und haben auch die „typisch deutsche“ Aufteilung, also mein Mann hat immer Vollzeit gearbeitet (trotzdem zuhause immer viel gemacht, also Einkauf und Kochen, Gartenarbeit und Renovierungen waren immer vor allem seins, während ich eher aufräume/putze/Wäsche mache) und ich Teilzeit mit ca. 70 Prozent, dadurch habe ich mehr die Organisation rund um die Familie übernommen (Kinder bringen/abholen, Musikschule, Schulkram…) und der mental Load blieb schon zum großen Teil an mir hängen, dafür hatte ich aber auch im Alltag mehr Zeit.
    Im Nachhinein fand ich das schon gut, wie das bei uns war, aber ein paar Gedanken dazu:
    1. An Teilzeit gewöhnt man sich sehr. Ich möchte auch jetzt, wo meine Kinder größer sind, nicht mehr Vollzeit arbeiten. Deshalb geht mir diese ganze Merz-Debatte auch tierisch auf den Keks. Mein Traum wäre es, dass Vollzeit einfach 30 Stunden für alle bedeutet, damit Mütter UND Väter einfach genug Zeit für Familie, Kinder und Hobbies haben und sich die Arbeit zuhause fair aufteilen können. Ich denke, das ist der Weg, um zu einer gleich berechtigten Partnerschaft zu kommen. Weiß echt nicht, warum 40+ Stunden immer noch als normal gelten. Das können vielleicht Kinderlose leisten, für Familien ist es zu viel. Leider fangen das in unserer Gesellschaft dann meistens die Frauen auf und stecken beruflich zurück.
    2. Macht bloß nicht den Fehler, ganz zuhause zu bleiben, weil sich „Arbeitengehen für Frauen ja nicht lohnt“ (danke Ehegattensplitting und kostenlose Krankenkassenmitversicherung, da könnte Merz sich endlich mal einbringen, diese unzeitgemäßen Dinge abzuschaffen!!). Es ist so wichtig, am Ball zu bleiben, um später, wenn die Kinder größer sind, noch echte Chancen zu haben und nicht bloss ein bißchen “ dazu zu verdienen“. Denkt auch an die Vorbildwirkung auf eure Kinder: ist Mutti bloß das Heimchen am Herd oder ist sie eine im Beruf erfolgreiche Frau? Vorbilder sind so wichtig für Kinder. Und die Auseinandersetzungen in der Partnerschaft um die Verteilung der Aufgaben ist zwar nervig und anstrengend aber tausend Mal besser, als wenn die Frau einfach alles erledigt (am besten noch still und leise) und die Kinder eben genau das verinnerlichen. So geben wir diese Rollen, die wir doch eigentlich verändern wollen, noch über Generationen weiter!

  12. Hallo Susanne, ich kann dich sehr gut verstehen, auch wenn die Situation bei uns etwas anders ist: Mein Mann verdient sehr gut, sodass ich aus finanzieller Sicht nicht arbeiten müsste (ich weiß, dass ist Luxus und absolut nicht selbstverständlich). Jetzt könnte man meinen, dass mich das Thema deswegen weniger stressen sollte, aber: ich habe studiert und hart für meine Ziele gearbeitet, ich bin richtig gut in meinem Job und bei uns in der Firma arbeitet so gut wie keiner in Teilzeit, sodass ich immer „hinterher hänge“ bei der Arbeit. Mein Mann arbeitet Vollzeit und ich 20 Stunden. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich meine berufliche Laufbahn durch die Teilzeit irgendwie in eine Art Wartemodus versetze und später auch nicht mehr unbedingt Karriere machen kann. Dann überlegen wir wieder, ob wir vielleicht mal tauschen, also ich Vollzeit und mein Mann Teilzeit. Das fühlt sich aber so an als würde man irgendwie beide Karrieren auf Eis legen. Dann wiederum kann ich mir auch nicht vorstellen die Kinder deutlich weniger zu sehen. Ich brauche die Arbeit definitiv als Ausgleich und liebe meinen Job, aber ich genieße auch die Zeit mit den Kindern. Ich wusste lange Zeit nicht was mir beruflich gesehen wichtig ist, aber mittlerweile glaube ich, dass mir eine große Karriere nicht wichtig ist, sondern dass mir die Arbeit gefällt und das berufliche Umfeld stimmt. So kann ich mich mit dem Teilzeit Gedanken arrangieren und gleichzeitig Zeit mit meinen Kindern verbringen. Manchmal falle ich jedoch wieder gedanklich zurück, wenn beispielsweise eine Kollegin eine Beförderung bekommt, obwohl sie deutlich nach mir im Team angefangen. Ich gönne es ihr dann, verspüre aber einen leichten Stich. An besonders stressigen Tagen (Überstunden , komplettes Abhetzen um pünktlich zur Kita zu kommen und dabei selbst auf Mittagessen etc verzichten) frage ich mich dann wieder, ob es nicht für unser Familienleben einfacher wäre, wenn ich nicht arbeite… Vielleicht klingt das jetzt nach Jammern auf hohem Niveau, da es bei uns aus finanzieller Sicht gut aussieht, aber dennoch wollte ich dir meine Gedanken und Gefühle wie es mit mit dem Thema geht, mitteilen. Beruflich wird es wohl nicht mehr so wie vor den Kindern, auch schon weil ich deutlich weniger flexibel bin was die Arbeitszeiten angeht. Aber auch vieles andere ist nicht mehr wie vor den Kindern und das muss man wahrscheinlich einfach akzeptieren und die Zeit so genießen und nutzen wie es zur Familie und zum Alter der Kinder passt. Arbeiten bis zur Rente sind noch viele viele Jahre, wer weiß welche Chancen noch für uns bereit stehen, wenn die Kinder älter werden und ob wir diese Chancen dann überhaupt noch ergreifen wollen oder auch so glücklich sind 🙂

  13. Hallo, mich würde interessieren wie viele Stunden Susannes Teilzeit umfasst. Sind es 15 oder 38h? Ich finde das wichtig für die Diskussion. Danke.

  14. Ich habe nicht vor, überhaupt wieder in Vollzeit arbeiten zu gehen. Mich stresst der Teilzeitjob schon genug. Vor allem wird jetzt schon genug abgezogen: weniger Netto in der Stunde, sobald ich mehr Stunden arbeiten gehe sehe ich überhaupt nicht ein, solange wir irgendwie über die Runden kommen!

  15. Liebe Susanne, zu deiner ersten Frage „komme ich da je wieder raus?“ kann ich dir sagen: Ja, es wird einfacher, wenn die Kinder größer sind. AAAABER das dauert und ist natürlich auch nicht völlig problemlos. Ich habe erst wieder angefangen Vollzeit zu arbeiten, als unser jüngstes Kind auf der weiterführenden Schule war. Und selbst dann war es manchmal noch eine Herausforderung! Auch in dem Alter können Kinder so krank sein, dass man sie nicht alleine zu Hause lassen kann/möchte. Die Ferien müssen überbrückt werden. Mein Mann kann (seit Corona) zum Glück bei Bedarf Homeoffice machen, das hat mich oft gerettet. Ich arbeite im Krankenhaus und kann überhaupt kein Homeoffice machen. Manchmal hat er aber auch Termine, dann muss ich zu Hause bleiben. Und im ganz seltenen Notfall sind die Großeltern eingesprungen. Man braucht auf jeden Fall immer einen Plan B und am besten noch einen Plan C. Als die Kinder noch kleiner waren, hätte ich nicht gewusst, wie ich das mit Vollzeit hätte stemmen sollen. Damals konnte mein Mann auch noch kein Homeoffice machen. Dann braucht es wahrscheinlich klare Absprachen und auch der Mann muss sich dann mal Kind krank melden, sodass es halbwegs ausgeglichen ist.

  16. Liebe Susanne,
    ich möchte dir als allererstes sagen, dass ich das, was du berichtest, komplett nachvollziehen kann. Leider ist aus dem Artikel nicht wirklich viel von dir ersichtlich. Bist du Zahnärztin, Zahnmedizinische Fachangestellte oder Praxismanagerin. Das macht schon auch einen Untetschied auch wenn es böse klingt. Was ist so schlimm an Teilzeit mit Baby und Kleinkind? Ich bin Apothekerin. Hab Studium und viele Jahre Vollzeittätigkeit hinter mir. Meine Tochter ist jetzt 12 Jahre. Ich hab nur ein Kind. Aber die ersten 3 Jahre wollte ich nicht Vollzeit arbeiten. Ich wollt mit meinem Kind so viel Zeit wie möglich haben. Mittlerweile arbeite ich wieder fast voll. Ich habe allerdings den Luxus einen Mann zu haben der mich unglaublich unterstützt und unsere Oma, die bei uns im Haus lebt. Es kommt viel auf die persönlichen Umstände an. Ich persönlich hatte nie ein Problem damit Teilzeit zu arbeiten. Alles Gute für dich

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