Ihr Lieben, gerade hat das Statistische Bundesamt die neuen Zahlen zum Bruttojahresverdienst in Deutschland herausgegeben. Demnach ist der mittlere Bruttoverdienst in Deutschland 54.066 Euro im Jahr – das heißt: Die eine Hälfte der Beschäftigten verdient mehr als diese Summe, die andere weniger.
Zu den Top 10 Prozent der Verdiener gehören Menschen, die mehr als 100.719 Euro im Jahr verdienen, zu den Top 1 Prozent die, die mehr als 219.110 Euro verdienen. Die unteren 10 Prozent verdienen weniger als 33.828 brutto im Jahr. Diese Tabelle haben wir auf unserem Instagram-Account geteilt und gefragt: Wer gehört zu den oberen Top 10 und wer zu den unteren 10 Prozent und würde uns ein paar Fragen beantworten.
Die Führungskraft
Ich heiße Melanie, ich bin in einer Führungsposition bei einem Markenartikelhersteller und verantworte hier die Absatzplanung. Ich verdiene im Jahr 106.000€ Euro und habe einen Sohn, den ich getrennt erziehe. Dass ich mehr finanziellen Spielraum als viele andere Menschen habe, merke ich daran, dass ich mir eine Wohnung in einer deutschen Großstadt, mehrere Urlaube im Jahr und regelmäßig essen gehen leisten kann.
Beim Einkaufen achte ich zwar schon auf Angebote, aber ich kann auch Fleisch beim Metzger oder Gemüse bei kleineren regionalen Gemüsehändlern kaufen. Ich verdiene so viel, dass ich finanziell für meinen Sohn und mich vorsorgen kann (ich habe eine Riesterrente, eine Lebensversicherung und eine Pensionskasse meines Unternehmens.)
Als richtig reich würde ich mich selbst nicht bezeichnen, da selbst mein Gehalt nicht reicht, um mir in der Großstadt, in der ich lebe, ein Eigenheim leisten zu können. Aber ich bin finanziell in einer sehr guten Lage, viel viel besser als viele andere und das ist mir sehr bewusst. Ich spreche immer wieder mit meinem Sohn über diese Themen, damit auch ihm klar ist, dass wir privilegiert leben!
Die Integrationshelferin
Ich heiße Natalie und ich arbeite als Integrationshelferin in einer Förderschule. Ich verdiene netto 1090 Euro für 20 Stunden/Woche. Da ich bei einer kirchlichen Stiftung angestellt bin, ist das Gehalt tariflich geregelt, was ich nicht immer fair finde. Denn es spielt dabei keine Rolle, ob du ein Kind „nur“ betreust und z. B. bei einem Kind mit Diabetes den Blutzuckerwert kontrollierst, ob du pflegerisch tätig bist oder an einer Förderschule mit anderen Variablen (Gewalt, massive Lautstärke, etc.) arbeitest.
Einfach mal so zum Frisör gehen oder eine neue Hose kaufen, ist nicht drin. Solche Ausgaben plane ich wochenlang voraus. Generell kaufe ich sowohl Kleidung als auch Möbel oft gebraucht.
Ich bin verheiratet, mein Mann verdient besser als ich. Es gibt nicht „Mein Geld“ und „Sein Geld“, aber mir ist bewusst, dass ich alleine nicht in der Lage wäre, meine Familie zu ernähren. Ich könnte auch die Wohnung definitiv nicht alleine bezahlen. Das ist ein Fakt, der mich sehr traurig macht und ich zweifele auch oft an meinen Fähigkeiten.
Momentan müssen wir sehr aufs Geld achten. Denn vor ein paar Jahren war ich noch selbstständig, doch dieses Business hat nicht geklappt und ich habe viel Geld verloren. Mein Mann ist ohne Zögern eingesprungen, aber das bedeutet auch, dass es noch ein paar Jahre echt knapp ist und wir auch finanziell nicht vorsorgen können.
Wenn Geld gar keine Rolle spielen würde, würde ich uns ein kleines Domizil auf Borkum kaufen, um jederzeit dort eine kleine Auszeit nehmen zu können. Das wäre mein absoluter Traum.

17 comments
Guten Morgen,
Das ist doch keine wissenschaftliche Abhandlung, sondern ein kleines Schlaglicht auf zwei Frauen, die sich über Insta gemeldet haben und ihre Selbstwahrnehmung teilen. Dass sich die Führungskraft nicht als „wirklich reich“ empfindet, weil sie sich keine Eigentumswohnung in ihrer Stadt finanzieren kann, finde ich schlüssig argumentiert und lese darin überhaupt keine „Gier“.
Ich nehme aus dem Vergleich mit, dass der Unterschied zwischen den finanziellen Situationen der beiden Frauen vor allem darin besteht, dass die Gutverdienerin bei Urlaub, Essen, Friseur etc sich nicht so einen Kopf machen muss und die andere rechnen und auch mal verzichten muss.
Klar gibt es reichere und ärmere Leute (insbesondere Letztere, da die zweite Erzählerin ja gemeinsam mit ihrem Mann wirtschaftet), aber das ist trotzdem eine gute Erkenntnis, die auch viele Menschen teilen: sich reich fühlen besteht wesentlich aus dem Freiraum, nicht ständig rechnen zu müssen.
LG
Ein reines Einkommen sagt tatsächlich wenig aus. Wir haben im Bekanntenkreis einige Familien, die eher an der unteren Skala verdienen, aber sich doch deutlich mehr leisten können als wir in der Mitte (z .B. Urlaub…). Fakt ist nämlich, der Posten Wohnkosten, Betreuung, Mobilität wird durch Erbe/Eltern/Familie abgedeckt. Das sind Mal locker 1000-2000€ die man gar nicht erst als Lebensgrundlage ausgeben muss.
Der Link zum statistischen Bundesamt ist sehr unglücklich gesetzt. Es gibt verschiedene mathematische Methoden Mittelwerte zu bilden, die im Text angegeben Daten entstammen dem Median, im Link dürfte das arithmetische Mittel drunterliegen.
Danke trotzdem sehr für den Text.
Die Aussage, dass die Führungskraft sich nicht als reich empfindet, amüsiert mich . Mal unter der Hypothese, dass ihres ein Bruttogehalt ist, gehört sie zu den reichsten 10% des Landes. Aber weil noch Luft nach oben ist oder Wünsche unerfüllt bleiben, weist sie das Etikett „reich“ von sich. Die Gier hört auch mit hohem Einkommen nicht auf.
@a: Definiere reich. Für mich fängt das erst bei mehreren Millionen VERMÖGEN an.
Einkommen ist demgegenüber noch etwas anderes.
@Anna: In finanzieller Hinsicht fängt reich bei mir da an, wo man sich problemlos eine neue Waschmaschine kaufen kann, wenn die alte kaputt geht. Wo man sich ab und zu einen Restaurantbesuch leisten kann oder einen Urlaub (eine Stunde Anfahrt mit dem Zug reicht aus um mal „raus zu kommen“) oder ein Schälchen Erdbeeren zum Naschen. Weder ein Eigenheim noch ein schickes Auto ist meiner Meinung nach dafür nötig. Damit sind wir noch weit unter dem Gehalt der Führungskraft.
Neben dem Finanziellen führen auch ein Leben in Frieden, Beine zum Laufen, Zeit für Erholung/ ein Hobby und Freundschaften, eine sinnvolle Beschäftigung, ein paar bunte Blumen auf dem Balkon oder ein freundliches Gemüt zu reichhaltigem Leben. (Nach ein paar Jahren Arbeit im Finanzsektor unterschreibe ich den Satz „Manche sind so arm, dass sie nur Geld haben.“ sofort.)
Naja, „Gier“ ist als Bezeichnung schon hart. Ich finde, wenn man sich kein Wohneigentum leisten kann, ist man wirklich nicht reich. Mein Mann und ich haben zusammen auch ein hohes Einkommen, es ist aber auch schnell weg jeden Monat bei hohen Steuern und Abgaben (die Frau im Text mit den 100 000 brutto muss sicherlich 40 000 Steuern und Sozialabgaben zahlen, dann bleiben netto 5000, wenn Du dann 2000 Miete zahlst bleibt zwar immer noch gut was übrig, aber reich ist sie nicht und es kommt ja nun immer drauf an, wie viel man an Vermögen hat, das ist viel entscheidender. Und dafür muss sie halt sehr viel arbeiten. Zeit zu haben ist ja auch eine Art von Reichtum.
Das hängt von den eigenen Ansprüchen ab, ob man 5000 netto als reich empfindet.
Wie die anderen schon schreiben, schlechter Vergleich. Brutto/Netto und Führungskraft vs. ungelernte Quereinsteigerin? Welche Steuerklasse hat die zweite Dame? Wenn es Steuerklasse 5 ist, gibt die Angabe überhaupt nicht ihr reales Gehalt wieder.
Was will der Artikel uns damit sagen? Ich, Akademikerin mit sehr gutem Gehalt, könnte mich auch entscheiden, einen schlecht bezahlten Teilzeitjob als Schulbegleitung o.ä. anzunehmen. Schon sähe unser Leben ganz anders aus als jetzt.
Überhaupt nicht vergleichbar.
Wenn verglichen werden soll, dann müssten die Bruttogehälter verglichen werden, da Nettogehalt ja je nach (in Ehen oft bewußt so gewählter) Steuerklasse und ggf. noch Kirchensteuer bei gleichem Bruttogehalt unterschiedlich ausfällt.
Zudem müsste zum Vergleich beider Einkommen jeweils auf den Stundenlohn brutto gerechnet werden, bei der ersten Dame steht ja nicht, wie viele Stunden diese arbeitet.
Vielleicht hat die erste Dame ja auch ein deutlich längere Ausbildung/ Studium absolviert als die zweite Dame?
Kann oder möchte die zweite Dame nicht Vollzeit arbeiten? Habe etliche Freunde und Bekannte die auch mit Teenager Kindern nicht mehr als Teilzeit arbeiten möchten und sich wundern, dass das Geld knapp ist.
Das setzt aber die Möglichkeit der freien Entscheidung voraus – dies scheint bei der Autorin nicht der Fall zu sein.
Ich finde das Thema total wichtig… Es gibt viele Menschen, die in total prekären Jobs feststecken, zum Beispiel Lieferanten, in denen Rechte wie Kündigungsschutz mit Füßen getreten werden und die trotz hohen Arbeitspensums keinen Überstundenausgleich nehmen dürfen…und deren Familien leben dennoch an der Armutsgrenze.
Das ist die Ungerechtigkeit! Die kann ich hier gerade nicht erkennen… aber vielleicht fehlen dafür auch Hintergrundinfos!
Liebe Grüße!
Ich finde es allgemein ärgerlich, wie hier auch schon andere bemerkten, dass immer nur Vollzeit als Referenz angegeben wird in den Statistiken. Mich interessiert ja nicht, was Frauen verdienen würden, wenn sie Vollzeit arbeiteten (hätte, hätte, Fahrradkette) – sondern was sie tatsächlich verdienen! Dazu findet man schwer Statistiken. Mal wieder wird da vor allem nach Männern geguckt, da arbeiten ja fast alle Vollzeit.
Ich habe irgendwann mal gelesen, dass tatsächlich nur etwa 10 Prozent der Frauen netto mehr als 2000 Euro im Monat verdienen, weiß aber nicht, ob das noch aktuell ist.
Ich bin mir diesmal gar nicht sicher, was uns der Artikel überhaupt mitteilen möchte?
Es wird alles in einen Topf geworfen: Brutto- und Nettoeinkommen, Vollzeit- und Teilzeittätigkeit, Führungskraft und Fachkraft. Dies müsste erstmal alles bereinigt werden, bevor sich überhaupt etwas vergleichen lässt. Dann wäre noch die Frage nach weiteren Einkommensquellen (Depots, Immobilien, Kindesunterhalt, etc.) Und selbst wenn sich zwei vergleichbare Werte ergeben würden, was sagt uns das?
Hallo!
ich finde es etwas unglücklich auf die Ich-bin-Arm- Seite eine Angestellte mit 20h zu nehmen, die verheiratet ist und deren Mann besser verdient. „Nur“ das Bewusst sein, dass sie alleine ihre Familie nicht ernähren könnte, reicht wohl auch nicht, um arm zu sein…
Hier wird das Bruttogehalt pro Jahr bei Vollzeit angegeben. Und im Vergleich dazu dann das Nettogehalt (welche Lohnsteuerklasse?) pro Monat (gibt es zusätzlich Weihnachts-/Urlaubsgeld?) bei Teilzeit.
Ich bin mir sicher, dass der Unterschied auch bei wirklich vergleichbaren Daten groß ist, aber so ist es nur schwer einschätzbar.
Ich finde den Vergleich schwierig zu ziehen. Denn eine Person, die eine 20 h Stelle pro Woche hat, verdient in der Natur der Sache einfach weniger. Wenn man dieses Gehalt auf eine Vollzeitstelle hochrechnet, empfinde ich es nicht als so wenig. Aber natürlich deutlich weniger, als eine Führungskraft.
Finde auch, dass hier Äpfel mit Birnen verglichen werden.
Die Überschrift mit „arm“ und „reich“ mag ich auch nicht, das ist mir zu reißerisch und schwarzweißdenkendfördernd.
Und völlig unabhängig vom „objektiven“ Einkommen ist der Vergleich mit anderen der sicherste Weg zu Unzufriedenheit.