IN WÜRDE ELTERN: Ihr seid Zauberkünstler, Alleskönner, Superhelden!

In Würde Eltern

Ihr Lieben, gemeinsam gelacht ist besser als alleine verzweifelt, oder?! Deswegen möchten wir euch hier und heute DAS ultimative Entspannungs-Buch für Eltern präsentieren. Es heißt „In Würde Eltern“ und stammt aus der Feder von Matthias Jung, den ihr vermutlich eigentlich als Pubertäts-Experten kennt.

Nun geht er mit diesem Werk aber nochmal ganz an die Anfänge. Lehnt euch zurück, das tut auch jetzt mit größeren Kinder noch sehr, sehr gut. Danke für deinen Gastbeitrag, Matthias!

IN WÜRDE ELTERN

Babykleidung
Foto: pixabay

Glückwunsch, ihr seid Eltern! Und damit Zauberkünstler, Alleskönner, Superhelden. Es gelingt euch problemlos über Jahre auf kleinstem Raum in krassen Stellungen zu schlafen, endlose hohe Wäscheberge zu bezwingen, und ihr hört einer Stille an, ob sie friedlich oder gefährlich ist. Wahnsinn!

Wir sind „Millionenfüssler“, immer am Rennen, Machen und Tun. Wir sind körperlich stark (Einkäufe, Kind und Maxi Cosi alles auf einer Hand, vier Stockwerke hoch, kein Problem! Wir schaffen es einen vollgestopften Buggy am Strand durch den Sand ziehen.)

Wir halten fest: Wir könnten als Survival Trainer arbeiten. Egal, welcher Ausflug ein Jochen Schweizer anbietet, Eltern schaffen ihn mit links. Rafting, Bungee-Jumping. Da lachen wir nur. Magen-Darm-Infekt nachts um 3 Uhr beim Übernachtungskind. Da werden Helden geboren.

Rafting
Foto: pixabay

Allerdings merken wir auch: Wir sind als Eltern ständig zuhause, bekommen aber Heimweh nach unserer wundervollen, vergangenen Vergangenheit. Nach der Freiheit, der Selbstbestimmtheit, nach Luft zum Atmen, und nach heißem Kaffee und genau, ihr wisst es jetzt, einem ungestörten Duscherlebnis. Man muss die Tropfen feiern, wie sie fallen. Manchmal wäre ein wenig Entspannung wünschenswert.

Als ich mal auf Toilette saß, kam meine Tochter reingerannt und hat die Tür von innen zugeschlossen. Dazu meinte sie gönnerhaft: „Damit du mal ein wenig Ruhe hast, Papa!“ Danke sehr, liebe Tochter.

Ich schicke jeder Mama eine Umarmung, die öfter heimlich weint, als lacht. Die mehrmals am Tag ein Ventil als Pause benötigt und laut wurde, obwohl sie es nie wollte. Die gerne mal wieder das „Leise“ so richtig aufdrehen möchte. Ich habe meinem Sohn gestern gesagt: „Du bist gut so, wie du bist!“ Dann dachte ich: ‚Das dürfen wir uns als Eltern ebenfalls sagen.

Und dies gerne glauben, verinnerlichen und mit Leben füllen. Denn erst dann ist dieser Satz für uns und für unsere Kinder maximal wertvoll. Wie können wir nun entspannen? Als ich einmal kurzen Moment für mich hatte und an Sport dachte, hat sich meine Couch schützend unter mich geworfen. Danke dafür. Wir Eltern suchen oft besondere Wege zum Entspannen.

Wir dürfen Dinge feiern, nämlich diese ruhigen Momente, die kinderlose Menschen nie im Leben feiern würden. MRT (20 Minuten Ruhe), Zahnreinigung (30 min Ruhe), Wartezimmer ohne Termin (90 Minuten). Es gab Eltern, die haben sogar verschwiegen, dass sie Privatpatienten sind, nur um die Annehmlichkeiten eines Wartezimmers zu genießen.

Unsere Kinder dürfen uns mit Gefühlen, Fehlern und Ungeduld erleben. Solange dies die Ausnahme bleibt und das „big picture“ ein fürsorgliches, liebevolles, zugewandtes Elternbild ist, ist alles im grünen Bereich. Also: In erster Linie braucht es Nachsicht mit uns selbst, weil wir als Eltern nicht perfekt sein können und sollen.

Alltag
Foto: pixabay

Wir können nicht perfekt sein: Wir werden vergessen, Kinder aus der Kita abzuholen, ihnen Regenklamotten einzupacken, Apfelreste in die Brotdose legen, wir werden Wechselwäsche niemals austauschen, den Fahrradhelm in der Haut unseres Kindes einklemmen (Autsch), und die Wäsche liegt auf einmal zwei Tage in der Waschmaschine. Und der Partner und die Care Arbeit? Who cares?

Übrigens „Elternzeit“ heißt auch für Männer und auch für alle anderen Menschen, dass dies keine freie Zeit für Eltern ist. Der Begriff „Kinderzeit“ würde besser passen. Wer diesen Begriff „Elternzeit“ eingeführt hat, hatte mit Sicherheit keine Kinder. Das führt nur zur Verwirrung. Wahrscheinlich derselbe, der im Wort Lispeln ein „S“ reingesetzt hat. Oder das Wort „BoxSPRINGbett“ erfunden hat.

Aber nochmal für Alle: Wir haben Elternzeit, nicht frei! Letztlich scheint es, wenn man es runterbricht, so einfach zu sein: Zwei erwachsene Menschen treffen gemeinsam eine Vereinbarung, wie sie sich die Zeit aufteilen. Und das braucht auch niemand von außen kommunizieren.

Auch wenn die Frau dann mal in der Freizeit ausgeht, kommen Sätze wie: „Oh, hütet der Papa die Kinder?“ Nein! Das ist kein Babysitter, er bekommt kein Geld dafür. Er ist einfach nur ein Vater, der bei seinen Kindern ist. Und die anderen Eltern? Wir dürfen begreifen, dass was andere über mich denken, ist losgelöst von dem, was ich kann, mache, tue und denke. Das Denken der anderen läuft auf einem anderen Sender. Den hören wir uns nicht mehr an.

Unsere Erziehung hat immer einen Wert, aber sie muss nicht von anderen bewertet werden. Diese Familie macht es so, wir machen es so. Ja, auch jede Familie hat ihr eigenes alleiniges Sorgerecht. Für sich. Und da lassen wir uns nicht reinreden. Kurz um: Viele Eltern, die du triffst, führt gerade einen Kampf, von dem du nichts weißt. Gar nichts. Mit sich, mit dem Partner, mit dem Alltag, mit dem Kind…? Bitte. Sei einfach nett. Immer. 

Mutmacher
IN WÜRDE ELTERN

Mein Buch „In Würde Eltern“ ist absolut NICHTS für Mütter und Väter, bei denen alles immer super war und super ist. Genau, die gibt es nämlich nicht. Wo soll der eitle Sonnenschein sein? Es ist für Mütter und Väter, die an sich und der Welt zweifeln und verzweifeln. Die am Ende wissen, dieses Buch ist mein Buch. Das ist ein Buch – über mich. Ich hätte es auch genauso schreiben können.

Bedenke immer: Du bist immer eine normale Mutter. Du bist immer ein normaler Vater. Und du hast immer ein normales Kind.

ab8cc34ec96e483b8b2a0712bd8d4424


5 comments

  1. Am besten fand ich die beschriebene „Ruhezeit“ beim MRT oder der Zahnreinigung: genauso empfinde ich das auch! Dachte nur bisher, ich wäre die Einzige, die diese Pause „genießen“ kann und daher seltsam 😀….

  2. Ich finde es auch richtig gut und witzig.
    Humor hilft ja meist weiter aals das Jammertal.
    Wie Grönemeyer sang: „lache, wenn es nicht zum Weinen reicht“

  3. Hihi ich musste richtig schmunzeln. Zu den Momenten der Entspannung fällt mir sofort auch ein Beispiel ein: Vollsperrung auf der Autobahn. Nur mein Mann und ich im Auto. Herrlich 😊

  4. wow was für win toller Text und das von einem Mann. wirklich Balsam für dir Seele!! kann man sich öfter durchlesen und gaanz tieg verinnerlichen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert