Von der Erzieherin zur Doula: „Frauen begleiten erfüllt mich“

Doula

Ihr Lieben, manchmal kann im Leben nur ein Berufswechsel helfen. Und wenn ihr dann wie Mandy Hänsel etwas findet, das euch so richtig erfüllt, dann ist das wie ein Sechser im Lotto. Mandy war Erzieherin und konnte einfach irgendwann nicht mehr. Heute begleitet sie als Doula für Dich in Berlin Frauen in der sensiblen Lebensphase der Schwangerschaft, Geburt und des Wochenbetts. Nicht medizinisch wie eine Hebamme, sondern wirklich als emotionale Stütze, die stärkt, trägt motiviert und auffängt. Und wie! (Vorsicht, nach dem Lesen wollt ihr selbst Doula werden…)

Liebe Mandy, du hast dich vor kurzem selbstständig gemacht, in welchem Job hast du zuvor gearbeitet? 

Ich habe davor viele Jahre als Erzieherin in verschiedenen Kitas gearbeitet, vorwiegend im U3-Bereich.

Wie kam es bei dir dazu, dass du gedacht hast: Schluss jetzt, ich kündige und fange etwas ganz Neues an?

Die Arbeitsbedingungen für ErzieherInnen wurden von Jahr zu Jahr immer schwieriger, ständiger Personalmangel, viele Überstunden, wenig Wertschätzung bei immer mehr Forderungen, ich war am Limit. Noch dazu war bei mir 2024 privat sehr viel los, es gab einige Schicksalsschläge in der Familie und ich konnte neben der Arbeit nicht so für meine Kinder da sein, wie ich es wollte. Ich hab einfach immer öfter gemerkt, dass ich das so nicht mehr kann und schaffe.

Nach einem Nervenzusammenbruch auf der Arbeit habe ich dann Ende 2024 entschieden, dass sich etwas ändern muss. Zur selben Zeit habe ich durch Zufall bei Instagram meine wundervolle Hebamme Klaudia Kadau, die mich in allen drei Schwangerschaften betreut hat, gefunden und gesehen, dass sie eine Akademie, die Doula+ Akademie, gegründet hat und Doulas ausbildet. Das hat mich direkt angesprochen.

Welche Sorgen und welche Vorfreuden schwangen da mit? 

Auf jeden Fall viel Erleichterung, nicht mehr in diesem Hamsterrad gefangen zu sein. Als ich die Kündigung ausgesprochen hatte, fiel ganz viel von mir ab und ich spürte, dass es die richtige Entscheidung war (auch wenn mein Abschied ein paar Monate später von den KollegInnen und Kindern auch sehr sehr schwer für mich war).

Ich freute mich am meisten darauf, wieder mehr für meine Kinder da sein und mir meine Arbeitszeiten selbst einteilen zu können. Und natürlich ganz doll darauf, Schwangere und ihre Familien in diesen so sensiblen und aufregenden Lebensphasen unterstützen zu dürfen und mir in der Ausbildung viel Neues Wissen anzueignen.

Sorgen waren und sind aber natürlich auch immer wieder mit dabei gewesen. Generell ist das Thema Selbständigkeit ein ganz Neues für mich gewesen und natürlich hatte/habe ich immer wieder Angst, dass ich auf Ablehnung stoße und mich niemand bucht. Aber ich denke mir, wenn nicht jetzt, wann dann? Wenn ich es nicht versuche werde ich auch nie herausfinden, ob es klappt :).

Du bist nun Doula geworden, erinnerst du dich noch daran, wann du den Begriff zum ersten Mal gehört hast? 

Ich hatte ihn immer mal irgendwo aufgeschnappt, aber so richtig wahrgenommen habe ich ihn wirklich erst, als ich wie vorher geschrieben auf meine frühere Hebamme gestoßen bin. Da habe ich mich dann intensiv mit dem Begriff auseinandergesetzt. Der Begriff kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet sowas wie „Dienerin der Frau“.

Du sagst, viele kennen die Möglichkeit gar nicht, sich von einer Doula begleiten zu lassen… 

Ja! Gerade jetzt, wo ich versuche mir als Doula einen Namen zu machen und mit vielen Menschen dazu ins Gespräch komme, ist mir aufgefallen, dass ganz viele Menschen gar nicht wissen, was eine Doula ist und dass es diesen Beruf überhaupt gibt. Da gibt es noch sehr viel Aufklärungsarbeit zu leisten.

Warum hältst du Doulas neben Hebammen noch für so wichtig? 

Equal Care
Foto: pixabay

Erstmal vorweg finde ich es noch ganz wichtig zu sagen, dass ich als Doula Hebammen sehr schätze und meine Arbeit die wichtige Arbeit einer Hebamme nicht ersetzen kann. Wir Doulas arbeiten niemals medizinisch, wir sind ergänzend zu Hebammen tätig und konzentrieren uns mehr auf die emotionale Unterstützung von Schwangeren und ihren Familien. Die Vorsorge kann und darf nur von einer Hebamme und/oder Frauenärztin durchgeführt werden. Auch Geburten begleiten wir Doulas auf keinen Fall alleine.

Hebammen haben meist eine begrenzte Zeit zur Verfügung und konzentrieren sich mehr auf die medizinischen Aspekte. Die Doula kann hier ergänzend dazu emotionale Unterstützung bieten und die Frau stärken und sich viel Zeit für ihre Sorgen und Ängste nehmen. Sie über den Zeitraum der Schwangerschaft, unter der Geburt, im Wochenbett und auch darüber hinaus kontinuierlich begleiten.

Je nachdem was die jeweilige Doula anbietet begleitet sie auch zu wichtigen Terminen in der Schwangerschaft, schafft durch Massagen und Entspannungsübungen einen stärkenden Raum für die Schwangere und unterstützt natürlich auch mit Wissen und Erfahrung. Auch für die PartnerInnen der schwangeren Person oder für Geschwisterkinder kann die Doula sich Zeit nehmen. Es gibt auch Doulas, die leckere Gerichte aus hochwertigen und gesunden Zutaten für die Schwangere zubereiten.

Diese Zeit der Schwangerschaft und Mutterwerdens bringt so viel Neues mit sich. Das ganze Leben ändert sich und ich finde junge Familien, vor allem Mütter, haben so viel mehr Unterstützung in dieser Zeit verdient. Eine Person die für sie da ist, ohne zu werten. Sie darin bestärkt, auf ihr Bauchgefühl zu hören. Sie zu halten, aufzufangen und ihr zu zeigen, dass alle Gefühle in Ordnung sind und gefühlt werden dürfen.

Kein „Da musst du halt durch“ oder „Du wolltest es doch so“. Sprachrohr für die Frau zu sein, wenn sie selbst nicht die Kraft hat, für sich einzustehen (gerade unter der Geburt).  Vor allem das Wochenbett wird auch wahnsinnig oft unterschätzt. Uns wird in der Werbung und im Umfeld suggeriert, dass wir als frisch gebackene Mütter immer glücklich sein müssen, wir haben ja schließlich ein Baby bekommen.

Aber diese Zeit ist so herausfordernd. Sie sollte da sein um zu ruhen, zu heilen, alles Erlebte zu verarbeiten und im eigenen Tempo in diese neue Rolle hineinzuwachsen. Meist stürzen sich in dieser Zeit alle auf das Neugeborene, aber wo bleibt die Mutter? Eine Doula kann diese Lücken füllen, Halt geben und einfach da sein.

Auch immer mehr Studien belegen, das eine kontinuierliche Begleitung durch eine Doula während der Schwangerschaft und unter der Geburt die Schmerz- und Bauchgeburtsraten (Kaiserschnitt) verringern und die Geburtsdauer verkürzen kann. Außerdem wird durch die Begleitung das emotionale Wohlbefinden der Frau gesteigert. Eine Doula ermuntert und unterstützt die Frau dabei, ihre Schwangerschaft und Geburt selbstbestimmt zu erleben was nachweislich positive Auswirkungen auf den Geburtsverlauf und die Zeit im Wochenbett haben kann.

Ich wünsche mir sehr, dass Hebammen und Doulas in Zukunft immer mehr Hand in Hand arbeiten und das auch Doula-Begleitungen von den Krankenkassen übernommen und anerkannt werden, damit junge Mütter und ihre Familien eine bessere Unterstützung und Versorgung in dieser sensiblen Zeit erfahren und bekommen.

Gibt es etwas, bei dem du in der Ausbildung so ein richtiges Aha-Erlebnis hattest? 

Die Doula Ausbildung in der Doula+ Akademie war eine der emotionalsten, schönsten und augenöffnendsten Erfahrungen in meinem Leben. Mal abgesehen von dem fundierten Wissen, was dort auch u. A. durch verschiedene DozentInnen aus den unterschiedlichsten Fachbereichen (Stillberatung, Trageberatung, stille Geburt, Erste Hilfe, Geburtsverlauf, Aromapraxis und vieles mehr) vermittelt wurde, hat diese Gemeinschaft von den vielen wunderbaren Frauen dort mich nachhaltig beeindruckt und beeinflusst.

Ich habe zum ersten Mal so richtig wahrgenommen, wie empowernd es sein kann, wenn sich Frauen gegenseitig unterstützen. Kein Konkurrenzkampf (wie ich es bis zu dem Zeitpunkt häufig in meinem Leben erlebt hatte), kein Neid. Einfach nur sein wie Frau ist, sich stärken und gemeinsam auf ein Ziel hinaus arbeiten, nämlich andere Frauen in der Schwangerschaft und darüber hinaus zu unterstützen und sie zu begleiten. Ich hätte nicht gedacht, wie viel mir das geben würde und ich bin wahnsinnig dankbar und stolz, dass ich diesen Weg gehen durfte und mich dafür entschieden habe.

Was gibt dir der Beruf, hast du schon Erfahrungen sammeln können, die du nie vergessen wirst? 

Geburt
Foto: pixabay

Ich habe mich schon immer gerne um andere Menschen gekümmert und sie unterstützt. Es macht mich glücklich, durch meine Arbeit in dieser sensiblen Phase des Lebens begleiten zu können. Wenn ich an meine eigenen drei Schwangerschaften zurückdenke hätte ich mir mehr Unterstützung gewünscht. So oft habe ich an mir gezweifelt und wusste nicht, dass diese Gefühle völlig normal sind.

Mutter zu werden und zu sein ist so so schwierig, aber da wurde so lange drüber geschwiegen. Ich möchte mit meiner Arbeit als Doula Frauen helfen, diesen Kreis aus Selbstzweifeln zu durchbrechen und ein Bewusstsein dafür schaffen, dass Frau da eben nicht alleine durch muss.

Als ich meine erste Schwangere begleitet habe, hat mir das direkt gezeigt, wie viel eine kontinuierliche Begleitung und das aktive Zuhören und Wahrnehmen ihrer Ängste und Sorgen schon helfen kann. Da sie sich Sorgen um das bevorstehende Wochenbett machte, habe ich mit ihr ein Visionboard erstellt. So konnte sie sich aktiv damit auseinandersetzen und für sich manifestieren, was ihr wichtig für die Zeit des Wochenbetts ist und was ihr Kraft gibt, wenn sie bestimmte Situationen erlebt.

Als ich dann zum nächsten Besuch kam, hatte sie sich das Visionboard so hingestellt, dass sie es immer im Blick hatte, das hat mich total gefreut. Sie konnte so einige ihrer Sorgen ablegen bzw. war gut vorbereitet. Sie dann auch nach ihrer Geburt im Wochenbett zu begleiten war so schön und sie und ihren Partner dabei zu beobachten, wie sie jedes Mal ein Stückchen selbstsicherer in ihrer neuen Rollen wurden. Wir haben uns auch häufig über WhatsApp ausgetauscht wenn sie Fragen hatte, ich war dadurch also auch zwischendurch an ihrer Seite. Die Arbeit als Doula hat einfach einen so großen Mehrwert und das macht mich sehr glücklich.

Diesen Februar geben meine Doula-Kollegin und ich unseren ersten Schwangeren-Retreat in Berlin- Lichterfelde. Auch eine ganz neue Erfahrung, darauf freue ich mich auch schon sehr. Außerdem darf ich, ebenfalls im Februar im Eltern-Kind- Zentrum in Berlin-Rüdersdorf einen Themennachmittag geben und den Familien dort den Beruf der Doula näherbringen.

Was möchtest du allen Frauen in dieser sensiblen Lebensphase rund um die Geburt ihres Kindes noch mitgeben?

Vor allem „Hört auf euer Bauchgefühl“. Gerade in diesen Zeiten der Schwangerschaft, der Geburt und des Wochenbetts kommen von allen Seiten die „lieb gemeinten“ Ratschläge. Handelt so, wie ihr es für richtig haltet, setzt Grenzen. Ihr entscheidet was ihr für euch und euer Baby möchtet und was nicht. Unabghängig davon, ob es z.B. um die Wahl des Geburtsortes oder das Thema Stillen geht. Und holt euch Unterstützung. Ihr müsst nicht alles alleine schaffen. 

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4 comments

  1. Für komplett auf sich allein gestellte, schwangere Frauen mag eine Dozla sinnvoll sein. Allerdings muss man sich das leisten können. Eine Doula wird von der GKV nicht bezahlt. Doula ist für mich genau wie Heilpraktiker keine geschützte Berufsbezeichnung. Kann sich im Prinzip jeder nennen. Ich für mich würde lieber ein Familienmitglied oder eine gute Freundin zur Geburtsunterstützung mitnehmen. Bitte auch mal darüber nachdenken was Hebammen mit der ganzen Verantwortung für Mutter und Kind finanziell gesehen abrechnen können und Doulas fürs Häbdchenhalten ohne medizinische Verantwortung 3 bis 4stellige Eurobeträge abkassieren

    1. hey liebe Fanny. Natürlich darf und kann jede ihre eigene Meinung zu dem Thema Doula-Begleitung haben und jede Frau muss für sich selbst entscheiden, ob sie das möchte und/oder kann bzw. was sie für sich und ihre Schwangerschaft/Geburt und die Zeit danach braucht. Wie wichtig ich die Arbeit der Hebammen finde und wie sehr ich diese schätze, habe ich im Interview ja schon gesagt. Was mir aber trotzdem nochmal wichtig ist zu sagen ist, dass wir Doulas eben nicht nur „Händchen halten“. Wir begleiten die Schwangere und ihre Familie meist über einen langen Zeitraum, wir unterstützen emotional und mental ohne Zeitdruck, ohne Wertung. Wenn wir zu Geburten begleiten sind wir über einen längeren Zeitraum in Rufbereitschaft und weichen der Schwangeren während der gesamten Geburt nicht von der Seite.
      Wir unterstützen mit Entspannungsübungen, Schreiben eines Geburtsplanes, begleiten zu Arztbesuchen, geben Halt und halten den Raum bei stillen Geburten, veranstalten Mother Blessings, entlasten die Frau durch Rebozo Übungen oder Closing-Bones Rituale. Und das sind nur einige Beispiele der Tätigkeiten einer Doula. Und ja, Du hast vollkommen recht, die Doula-Begleitung ist eine private Leistung und wird leider nicht von den Krankenkassen übernommen. Vielleicht schaffen wir es eines Tages, dass auch die Begleitung durch eine Doula von den Krankenkassen übernommen wird und Frauen noch effektiver und vor allem auch emotional in dieser aufregenden und alles verändernden Zeit Unterstüzung erfahren können. So können wir in Zukunft hoffentlich gemeinsam Hand in Hand mit dem medizinischen Personal die Geburtshilfe Stück für Stück besser machen. liebste Grüße Mandy

  2. Was ich beim Lesen die ganze Zeit gedacht habe: Dieses Begleiten ist eigentlich etwas total Unterschätztes. Nicht machen und nicht optimieren. Nicht schnell noch einen Tipp raushauen, sondern einfach da sein. Danke für diesen Einblick in deine Arbeit. Man spürt sehr, dass dich dieses Begleiten nicht nur erfüllt, sondern auch erdet.

    Liebe Grüße
    Carina

    1. Liebe Carina, vielen Dank! Genau das ist es, es wird total unterschätzt. Wenn ich an meine eigenen Schwangerschaften und Geburten zurückdenke, an die ganzen Unsicherheiten und Ängste die ich hatte. Wie wertvoll wäre eine Doula für mich gewesen die mir zuhört, mir mit ihrer Erfahrung zur Seite steht, mich unterstützt ohne zu werten… das hätte viel für mich zum positiven verändert, da bin ich mir sicher. Schwangere und ihre Familien werden einfach viel zu oft sich selbst überlassen, vor allem auch im Wochenbett. Je mehr Unterstützung es für sie gibt, vor allem auch emotional, desto besser. Liebste Grüße Mandy

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