Kinder und Finanzen: „Wer früh lernt, mit Geld umzugehen, gerät später seltener in Schulden!“

Geld

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Ihr Lieben, wie fit seid ihr selbst beim Thema Finanzen? Habt ihr Ahnung vom Aktienmarkt, ETFs, von Anlagen? Und wenn ihr fit in dem Bereich seid: Wann habt ihr begonnen, euch damit zu beschäftigen? „Wer früh lernt, mit Geld umzugehen, trifft im Erwachsenenleben deutlich bessere Finanzentscheidungen und gerät seltener in Schulden.“, sagt Andrea Schwendemann, Autorin des Buches „Vom Taschengeld zum ersten Sparziel: Von Geld, Gold und Guppys“, das bei Stiftung Warentest erschienen ist. Wir haben mit ihr über Kinder und Finanzen gesprochen:

Liebe Frau Schwendemann, warum ist Taschengeld für Kinder generell sinnvoll?

Lernt man Fahrradfahren, wenn man immer nur zuguckt? Nein. Genauso ist es mit Geld und Kindern: Man kann noch so viel darüber reden. Doch wirklich verstehen tun wir Geld erst, wenn wir es in den Händen halten, es ausgeben, es sparen und es manchmal auch für Unsinn verschwenden.

Taschengeld ist der Übungsplatz. Es gibt Kindern die Chance, selbst Entscheidungen zu treffen: Kaufe ich das Eis jetzt? Oder spare ich noch zwei Wochen für einen Comic? Studien zeigen: Kinder, die eigenständig über ihr Taschengeld entscheiden, sind messbar fitter im Umgang mit Geld – selbst wenn man Unterschiede in Einkommen und Bildung der Eltern mitdenkt. Taschengeld ist damit ein sehr wirksames Stück Finanzbildung im Alltag.

In meinem Buch „Von Geld, Gold und Guppys“, das im Verlag Stiftung Warentest erscheint, gibt’s eine Vorlage für einen Taschengeldvertrag: Kinder können gemeinsam mit den Eltern die Regeln rund ums Taschengeld vereinbaren – und jedes Jahr neu verhandeln. Tipps fürs gute Verhandeln gibt es übrigens auch.

Ab welchem Alter empfehlen Sie Taschengeld, und gibt es Richtwerte?

Mit dem Schuleintritt, also mit sechs, sieben Jahren. Das ist der Moment, in dem Kinder ein erstes mathematisches Verständnis von Preisen entwickeln, mehr Eigenverantwortung übernehmen und sich stärker außerhalb der Familie bewegen.

Ich empfehle – angelehnt an die neueste Studie des Deutschen Jugendinstituts – mit sechs bis sieben Jahren zwei bis drei Euro pro Woche, mit acht bis neun Jahren drei bis vier Euro pro Woche, ab zehn Jahren fünfzehn bis fünfundzwanzig Euro im Monat. Bis neun Jahre lieber wöchentlich zahlen, ein Monat ist für ein Achtjähriges Kind eine gefühlte Ewigkeit. Wichtiger als die Höhe ist die Verlässlichkeit: immer pünktlich, immer ohne Bitten.

Warum ist es wichtig, dass Kinder sich früh mit Finanzen und Geld auseinandersetzen?

Geld existiert für viele Kinder heute häufig nur noch als Zahl auf einem Bildschirm. Kein Griff ins Portemonnaie, kein Zählen von Münzen, kein Spüren, dass gerade etwas weggeht. Ein Wisch auf dem Tablet, ein Klick im Spiel, ein Abo, das sich still und leise jeden Monat verlängert. Die Frage ist, ob Kinder mit oder ohne Schutzausstattung in diese Welt hineingehen.

Studien zeigen: Wer früh lernt, mit Geld umzugehen, trifft im Erwachsenenleben deutlich bessere Finanzentscheidungen und gerät seltener in Schulden. Und die Studie Jugend in Deutschland 2025 macht klar, wie nötig das ist: Zwanzig Prozent der 14- bis 29-Jährigen haben aktuell Schulden –  ein Rekordhoch. Das ist kein Zufall. Denn das ist der Moment, in dem fehlendes Finanzwissen teuer wird. Frühe Finanzbildung ist Prävention.

Sollte man als Eltern mitbestimmen, wofür das Kind sein Taschengeld ausgibt?

Die kurze Antwort: Nein. Das Taschengeld steht zur freien Verfügung und sollte nicht an Bedingungen geknüpft werden. Wenn Kinder zwar ihr eigenes Geld haben, aber für jeden Kauf eine Genehmigung einholen müssen, ist der Lerneffekt weg.

Ich weiß, dass es Eltern nervt, wenn das Kind vier Packungen Gummibärchen vom Taschengeld kauft. Aber erinnern Sie sich noch, wofür Sie Taschengeld ausgegeben haben? Vermutlich nicht immer zur Freude der Erwachsenen. Kinder dürfen auch mal Geldfehler machen. Wir tätigen doch auch Fehlkäufe, oder? Wenn das Kind drei Wochen hintereinander das Taschengeld nur für Eis ausgegeben hat, merkt es selbst, dass es sich so keine anderen Wünsche erfüllen kann. Das ist Erfahrungslernen. Hier hilft das 3-Gläser-Experiment aus meinem Buch. Hinterher ruhig darüber reden, aber ohne Vorwurf, und dann als Gespräch, nie als Taschengeldentzug.

Eine Ausnahme gibt es natürlich: Gefährliche oder illegale Dinge darf der Nachwuchs nicht kaufen.

Was ist ein Tipp aus dem Buch, den Sie Kindern am liebsten mitgeben?

Ich würde ihnen gerne zwei Tipps mitgeben. Der erste: Lies und lerne viel zum Thema Finanzen. In meinem Buch geht es um Fragen wie: Wie funktionieren Zins und Zinseszins? Was ist der Unterschied zwischen Sparen und Investieren? Wer tappt in die Schuldenfalle? Was wird an der Börse gehandelt? Was ist ein Bitcoin? Was ist der Unterschied zwischen Wunsch und Bedürfnis? Das ist die Basis. Nur so lernen sie, kluge Finanzentscheidungen zu treffen.

Und der zweite: Führe ein paar Tage eine Lächelliste. Schreib jeden Abend drei Dinge oder Erlebnisse auf, die dich glücklich gemacht haben. Male ein Geldstück daneben, wenn es etwas war, das Geld gekostet hat. Male ein Herz daneben, wenn es etwas war, was kein Geld gekostet hat. Zähle nach einer Woche: Was hat dich öfter glücklich gemacht, Sachen und Erlebnisse mit oder ohne Geldstücke? Na, überrascht, wie viele schöne Dinge nichts kosten?

Ein Kapitel im Buch heißt „Macht Geld glücklich?“ Wie ist Ihre Antwort?

Lottogewinner sind nach ein bis zwei Jahren nicht glücklicher als vorher, das belegen Studien. Ernüchternd. Und irgendwie befreiend. Natürlich, wir leben in einer Gesellschaft, in der kaum etwas ohne Geld funktioniert. Miete, Lebensmittel, Kitabeitrag, Klassenfahrt, die Liste ist lang. Geld schafft Sicherheit, und Sicherheit ist eine echte Grundlage für Wohlbefinden. Aber ab einem Jahreseinkommen von etwa 100.000 Euro bringt mehr Geld kaum noch mehr Glück. Schon klar, 100.000 Euro ist viel Geld, so viel verdienen die wenigsten. Und dennoch: Was uns wirklich trägt, sind Dinge ohne Preisschild, stabile Beziehungen, Zugehörigkeit, Sinn.

Was die Kinder in meinem Buch entdecken und was ich selbst immer wieder neu lerne: Jeder hat seine eigene Glücksformel. Die Frage lautet nicht: „Wie viel Geld brauche ich?“ Sondern: „Was sind meine Zutaten zum Glück?“ Treffen mit der besten Freundin, ein spontaner Spieleabend, ein gutes Buch. Gemeinsames Kochen, Freunde um den Tisch, ein Wochenende ohne Programm. Wer seine Formel kennt, weiß auch besser, wofür Geld sich lohnt und wofür nicht. Das Allerbeste im Leben hat meistens keinen Preis, den man mit Geld bezahlen kann.

HIER könnt ihr das Buch bestellen

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