Unterhalt: Ich habe seit 8 Jahren keinen Cent von meinem Ex bekommen

Unterhalt

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Ihr Lieben, eigentlich müsste klar sein, dass beide Elternteile auch nach einer Trennung all ihren Pflichten nachkommen – also sich kümmern und ggf. auch Unterhalt zahlen. Doch leider gibt es immer wieder Fälle, in denen die Väter nicht zahlen und die Frauen den Unterhalt gerichtlich einfordern müssen. Julia hat sich vor acht Jahren getrennt und ihr Ex hat bis heute noch keinen Cent bezahlt…

Liebe Julia, wie lange bist du schon vom Vater deiner Kinder getrennt und warum hat die Beziehung nicht gehalten?

Ich habe mich im Februar 2018 getrennt, nach einer schweren OP an der Halswirbelsäule. Der Arzt im Krankenhaus hatte mich gefragt, was für einen emotionalen Rucksack ich auf meinen Schultern tragen würde. Ein so schwerer, doppelter Bandscheibenvorfall an der HWS sei selten für mein Alter und weise auf psychische Belastungen hin. Ich war 32 Jahre alt zu der Zeit, relativ sportlich und habe gesund gelebt. Man muss dazu sagen, dass die Klinik, in der ich operiert wurde, anthroposophische Ansätze hat und erst war ich auch über die Aussage verwundert, es hat mich aber zum Nachdenken gebracht.

Ich war schon viele Jahre unglücklich. Mein Ex-Mann hat mich über Jahre immer wieder betrogen. Eine Dame, seine Arbeitskollegin, hat mir kurz nach der Geburt unserer zweiten Tochter auch Kleidung von ihm per Post geschickt. Ich habe auch diverse Liebesbriefe von einer anderen Kollegin zu Hause in seinem Rucksack gefunden.

Ich habe mich schlichtweg nicht getraut, mich zu trennen. Ich bin selbst ein Scheidungskind, wollte das für meine Kinder nicht und habe ihm immer wieder Chancen gegeben. Er war auch überwiegend ein guter Papa, meine große Tochter hatte eine ganz enge Bindung zu ihm. Allerdings hat er schon immer gerne getrunken… Es wurde aber immer mehr Alkohol, es war schleichend, aber ich habe es mir auch schön geredet, habe Begründungen gesucht (ich war schon längst in einer Co- Abhängigkeit) , warum er auch in der Woche jeden Abend Energy-Wodka trinkt.

Irgendwann hat er wegen des Alkohols auch seinen Job verloren, was ich erst Monate später von einer Bekannten erfahren habe. Ich habe dann trotz Studiums einen Job im Schichtdienst mit 30 Stunden angenommen, was echt anstrengend war und mich nicht glücklich gemacht hat.

Als ich dann im Schlafzimmer meiner kleinen Tochter eine leere Wodka Flasche gefunden habe (sie hatte diese aus der Sockenschublade gezogen) und unser Geld immer weniger wurde (obwohl er einen neuen Job hatte), er seine Therapie nach drei Sitzungen abgebrochen hatte (er sagte, er hätte alles geklärt und seine Probleme verstanden), war mir klar, dass er sich nicht ändert. Seine Nerven wurden dünner, er wurde lauter und strenger zu den Kindern.

Ich bin dann mal mit einer Freundin nach langer Zeit wieder tanzen gegangen und hab da gemerkt, dass ich durchaus noch Chancen bei Männern hätte. Dann kam die OP und die Bemerkung des Arztes. Das hat das Fass zum Überlaufen gebracht und ich habe mich getrennt.

Wie verlief die Trennung dann?

Er wollte das nicht akzeptieren, ich hatte es ja auch vorher schon oft angedroht und doch nicht gemacht. Ich habe ihn gebeten, auszuziehen und bei Pro Familia einen gemeinsamen Termin zur Trennungsberatung gemacht. Er wollte es nicht wahrhaben und hat sich einfach keinen Millimeter bewegt.

In der Wut habe ich dann gesagt, dass ich übrigens auch mal fremdgeflirtet habe. Dieser eine Satz hat alles verändert, mein Ex-Mann ist sehr wütend geworden. Er wollte mein Handy haben, alles lesen und ist auch handgreiflich geworden. Es musste die Polizei kommen und er durfte sich mir 10 Tage nicht mehr nähern…

Das ist ja echt schrecklich…

Ja, er hat dann auch mehrfach mit Suizid gedroht, Freunde von uns haben ihn sogar in eine Klinik gebracht. Da hat er dann gesagt: „Hätte sich meine Frau nicht getrennt, wäre ich nicht gewalttätig geworden.“ Er hat also mir die Schuld an seinem Ausbruch gegeben.

Ich habe eine Wohnung gesucht, die in der Nähe meiner Mama liegt. So konnte sie mich unterstützen, weil ich nicht wollte, dass die Kinder von ihrem Vater betreut werden, der so instabil ist.

Und dann ging es natürlich ums Geld.

Geld war natürlich schnell ein Thema. Er hat immer wieder erklärt, er würde für seine Kinder nur dann bezahlen, wenn wir zusammenleben würden. Er war so stur, dass alle Beratungsstellen und auch das Jugendamt irgendwann ratlos waren. Er ist dann auch zu keinem Gespräch mehr erschienen, sobald es um seine Verantwortung ging.

Ich habe mir dann eine Anwältin gesucht, die hat mir dann geholfen, Verfahrenskostenhilfe zu beantragen, da ich für die Anwältin überhaupt kein Geld hatte. Sie hat dann versucht, den Unterhalt einzuklagen bis hin zum Unterhaltstitel (Ein Unterhaltstitel ist eine Urkunde, die einen Unterhaltsanspruch rechtsverbindlich festlegt. Er ermöglicht dem Empfänger, bei Nichtzahlung ohne erneutes Gerichtsverfahren direkt in das Gehalt oder Vermögen des Schuldners zu vollstrecken). So konnte ich dann wenigstens Unterhaltsvorschuss beantragen, das Ganze hat sich über viele Monate gezogen und man bekommt den Vorschuss rückwirkend. Aber das hilft einem zu Beginn nicht, wenn man seine Rechnungen irgendwann nicht mehr zahlen kann.

Wie ging es den Kindern mit der Trennung?

Meine kleine Tochter hat sehr schnell psychosomatisch reagiert, viel mit Bauchschmerzen und dann irgendwann mit Panik und Erbrechen. Sie hatten immer wieder auch noch Kontakt zu ihm, jedoch begann die Kleine dann nach Besuchen immer zu erbrechen, oft noch direkt beim Abholen bei ihm vor der Tür.

Da war für mich der Punkt, als ich ihr gesagt habe, dass sie ihn nicht treffen muss, wenn sie das nicht möchte. Vorher dachte ich, ich muss einen Umgang ermöglichen, wobei ich nie ein gutes Gefühl hatte. Ich bin in der Nähe geblieben, auch aus Angst, dass er die Kinder verletzt oder im Kurzschluss ihnen etwas antut. Jetzt denken vielleicht viele: „Wieso hast du sie überhaupt beim Vater gelassen?“ Das frage ich mich heute, nach acht Jahren Therapie, auch. Ich mache mir große Vorwürfe deshalb. Für die Kleine habe ich einen Therapieplatz gefunden.

Die Große hat das alles verdrängt, wollte auch nicht über die Trennung sprechen, keine Therapie machen. Die hat ihren Vater oft in Schutz genommen, hatte Mitleid und hat gar nicht darauf gehört, was ihr Körper ihr sagen will. Denn nach und nach kamen immer mehr Ängste hoch und ich wusste, dass sie auch Hilfe braucht. Ich habe sie wirklich zur Therapie geschleift, heute sagt sie, es war die beste Entscheidung überhaupt.

Sieht der Vater die Kinder denn jetzt noch?

Die Kleine hat vor knapp 2 Jahren den Kontakt auf eigenen Wunsch abgebrochen. Zuvor gab es Termine mit dem Vater bei der Therapeutin, wo auch über begleitete Besuchskontakte gesprochen wurde. Das aber wollte der Vater nicht.

Die Große hat im November den Kontakt abgebrochen. Bei einer ihrer Therapiesitzungen hat sie ausgesprochen, was wir alle vermutet haben: Sie habe nur noch Kontakt, weil sie Angst habe, dass er sich sonst umbringt.

Dabei hatte ihr der Kontrakt längst nicht mehr gut getan. Er hat immer wieder erzählt, wie schlecht es ihm ginge, wie sehr er mich hasse. Und er hat sie auch betrunken angerufen und ihr von Frauengeschichten erzählt – Themen, die für eine Jugendliche ganz sicher nichts sind…

Was würde dir denn an Unterhalt zustehen? Und wieviel Geld hast du bisher vom Vater erhalten?

Ich habe bis heute keinen Cent bekommen, mir würden für die Kleine etwa 600-700€ zustehen, für die Große 600-800€, je nach Einkommen.

Wie begründet er es, dass er nicht zahlt? Was hast du schon getan, damit er zahlt?

Ich war bei der Anwältin, habe Unterhaltstitel erwirkt, das Jugendamt weiß Bescheid. Die Anwältin hat mir irgendwann gesagt, dass ich überlegen soll, ob ich mir und meiner seelischen Gesundheit diesen Kampf weiter antun möchte. Ich habe mich gegen den Kampf entschieden, da ich irgendwann nicht mehr konnte.

Ich bekomme nun den Unterhaltsvorschuss, dieser entfällt aber, wenn meine große Tochter im Sommer 2027 18 Jahre alt wird, obwohl ich weiter voll für sie aufkommen muss. Sie hat ja dann noch nicht einmal die Schule beendet. 

Ich habe gerade den Fahrschulvertrag unterschreiben müssen, hier hätte ich seine Unterschrift benötigt – habe aber keine Antwort dazu von ihm bekommen. Das Jugendamt hat mir von einer Vollmacht berichtet, die er mir geben kann. Dann kann ich nicht nur alles für meine Kinder bezahlen, sondern auch ohne sein Einverständnis unterschreiben. Fahrschule 2500€, kieferorthopädische Behandlung 1300€. Zahlen darf ich, aber noch kann ich nichts ohne sein Go entscheiden. Das ist doch verrückt.

Er sagt, er habe keinen Job. Ich weiß aber, dass er immer wieder Jobs hat/hatte. Ich denke, dass er auch viel „schwarz“ macht oder gemacht hat.

Welchen Eindruck hast du von seinem aktuellen Lebensstil?

Aktuell keinen guten, er hat sich offiziell wohl wohnungslos gemeldet, schläft aber bei seiner Mutter. Ich gehe davon aus, dass er diesen Schritt gegangen ist, um staatliche Leistungen zu beziehen. Jetzt gerade kann er wahrscheinlich wirklich keinen Unterhalt zahlen, viele Jahre davor aber schon.

Er hat der großen Tochter schöne Urlaubsfotos aus der Türkei geschickt, hatte plötzlich viele neue Tattoos und coole Markensneaker. Er hat sich auch einen Hund gekauft und ein Hund ist ja auch eine finanzielle Belastung.

Wie ist deine aktuelle finanzielle Situation?

Ich habe mich beruflich verbessert und arbeite aktuell 35 Stunden und verdiene 3200€. Außerdem bin ich in einer neuen Beziehung, dieser Mann macht keinen Unterschied zwischen „mein“ und „dein“ – so dass wir finanziell keine Sorgen haben. Das weiß ich sehr zu schätzen.

Was meinst du, warum verhält sich dein Ex so?

Erst dachte ich, er sei vielleicht krank, aber durch all die Termine und Jahre habe ich gemerkt, dass er mich schlicht bestrafen und schikanieren will, weil ich mich getrennt habe. Er macht mich für alles verantwortlich und sein Ego ist ihm wichtiger als seine Kinder.

Er hat nach der Trennung in der Wut mal gesagt: Du wirst mich nie los, ich bleibe immer der Vater dieser Kinder und Teil deines Lebens, ob du willst oder nicht.

Hättest du vor der Trennung geglaubt, dass so ein Verhalten in Deutschland möglich ist?

Niemals! Klar ist: Es gibt sicher Väter, die sind liebevoll für ihre Kinder da, können aber aufgrund von Erkrankung oder Arbeitslosigkeit nicht zahlen. Aber das trifft nicht auf meinen Ex zu. So wie er sich verhalten hat, hat er meiner Meinung nach jedes Recht auf die Kinder verloren.

Das Sorgerecht steht in Deutschland über allem, Männer üben damit Macht aus. Mir geht es finanziell gut, auch weil ich beruflich die Chance hatte, mehr zu arbeiten und heute einen neuen Partner an meiner Seite habe, der uns unterstützt. Es gab aber Zeiten, da habe ich Nächte lang wach gelegen und hatte Angst vor den nächsten Rechnungen….

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2 comments

  1. Du hast in den 8 Jahren seit der Trennung so viel Stärke gewonnen, dafür bewundere ich dich.
    Es freut mich, dass ihr euer Leben jetzt so gestalten könnt, wie es für euch passt.
    Dir und deinen Töchtern wünsche ich alles Gute und viel Kraft!

  2. Oh man, dass kommt nur alles so bekannt vor… Ich habe 2 Kinder aus erster Ehe, sie sind inzwischen 28 Jahre alt. Der Vater hat als die Beiden 6 Jahre alt wurden, den Unterhalt eingestellt. Immer mit fadenscheinigen Ausreden. Er hatte allerdings noch ein Kind aus einer weiteren Beziehung, für die hat er bezahlt. Wir haben alles versucht. Die Unterhaltsschulden betragen fast 60.000 Euro. Das Gericht hat das Verfahren irgendwann einfach eingestellt. Das JA hat gar nichts gemacht. Unterhaltsvorschuss gab es nicht, da ich neu verheiratet bin. Mein Mann musste alles mit wuppen. Kaum wurden die Zwillinge 18, konnte man wie durch ein Wunder wieder arbeiten gehen… Unglaubliche Menschen gibt es… Die Mädchen haben heute auch keinen Kontakt mehr zu dem Erzeuger. Er ist es ehrlich gesagt auch nicht wert. Schade nur, dass man vom Staat so alleine gelassen wird. Euch wünsche ich allea Gute!

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