Ihr Lieben, wenn man von einem unerfüllten Kinderwunsch hört, denkt man meistens an Frauen oder Männer, die noch keine Eltern sind, es aber gerne wären. Aber es gibt natürlich auch die Fälle, in denen bereits ein Kind da ist, die Eltern sich weitere Kinder wünschen, aber es einfach nicht klappt. Oder bei denen die Eltern unterschiedliche Vorstellungen dazu haben. Genau so ist das bei Marion, die uns davon erzählt hat.
Liebe Marion, Du hast dich nach dem Artikel „Unerfüllter Kinderwunsch“ bei uns gemeldet und uns geschrieben, dass du dich auch nach einem Baby sehnst – allerdings wäre das nicht dein erstes Kind, richtig?
Ja, richtig. Ich habe bereits ein fünfjähriges Kind. Ich bin 39 Jahre alt, da höre ich so langsam die biologische Uhr ticken. Der Wunsch nach einem zweiten Kind ist gerade sehr präsent bei mir.
Kannst du uns ein bisschen mehr über eure Familie erzählen?
Mein Mann und ich sind mittlerweile seit über 17 Jahren zusammen, seit 6 Jahren verheiratet. Wir sind beide berufstätig – ich teilzeit, mein Mann vollzeit. Wir wohnen ziemlich ländlich, was wir ganz toll finden. Unser Kind ist sehr aufgeweckt und braucht Action, es kann aber auch ganz ruhig stundenlang Geschichten zuhören und selbst erfinden.
Seit wann spürst du wieder einen Kinderwunsch und wie sähe deine Traumfamilie aus?
Ich habe mir schon immer zwei Kinder gewünscht. Nach der Geburt es ersten Kindes habe ich lange damit gehadert, doch in den letzten zwei Jahren kam der Wunsch wieder hervor. Ganz akut ist es seit Anfang 2025.
Wie steht dein Partner zu dem erneuten Kinderwunsch?
Mein Mann war ziemlich überrascht, als ich ihm von meinem Wunsch erzählt habe. Er hatte ein zweites Kind so gar nicht auf dem Schirm. Er hat dann lange überlegt und es sich auch echt nicht leicht gemacht – schlussendlich hat er dann aber gesagt, dass er kein zweites Kind möchte. Er möchte nicht nochmal von vorne anfangen und traut sich einfach nicht noch ein Baby zu.
Kann er deinen Wunsch auch nachvollziehen und was macht das mir dir, dass ihr da so unterschiedliche Wünsche habt?
Er kann meine Beweggründe sehr gut verstehen. Ich glaube, es tut ihm auch sehr leid, dass er mich da enttäuschen muss, vor allem, wenn er sieht, wie traurig ich oft bin. Trotzdem bleibt er klar bei seiner Entscheidung.
Mir macht es sehr zu schaffen, dass wir da so unterschiedliche Wünsche und Vorstellungen haben. Bisher waren wir uns bei allen großen Entscheidungen immer einig und in diesem Fall gibt es ja auch keinen Kompromiss – sondern nur ein dafür oder dagegen.
Ich bin einerseits sehr wütend auf ihn und enttäuscht darüber, dass er mir so einen Lebenswunsch „verwehrt“. Andererseits verstehe ich auch seine Beweggründe und es ist ja richtig, sich nicht einfach blauäugig darauf einzulassen, wenn man selbst so große Zweifel hat.
Generell bin ich oft sehr traurig, viele Situationen triggern mich sehr – z.B. wenn ich andere Mamas mit Kleinkind und Babyschale sehe oder wenn ich Klamotten, die unserem Kind zu klein sind, aussortieren muss…
Glaubst du, du kannst deinen Kinderwunsch aufgeben?
Momentan fühlt es sich so an, als wenn der Schmerz über den unerfüllten Wunsch und der Wunsch nach einem zweiten Kind nie ganz weggehen werden. Ich denke, dass ich es irgendwann bereuen werde, nicht noch ein Kind bekommen zu haben. Da es jedoch keine Alternativen für mich und uns gibt, werde ich es wohl akzeptieren müssen.
Hätte dein erstes Kind auch gerne ein Geschwisterchen?
Das weiß ich tatsächlich nicht.
Hast du das Gefühl, du darfst weniger traurig sein über den unerfüllten Kinderwunsch, als Frauen die gar kein Kind haben?
Ja, auch wenn ich mir nicht anmaßen möchte das zu vergleichen. Ich kann mir nur ungefähr vorstellen, wie es sein muss, wenn sich der Kinderwunsch gar nicht erfüllt. Ich bin sehr dankbar und glücklich, dass wir ein gesundes, fröhliches Kind haben, das wir beide über alles lieben.
Ich würde mir nur insgesamt mehr Verständnis und Sichtbarkeit wünschen, auch dafür, dass es ähnlich traurig und belastend ist, wenn sich der Wunsch nach einem weiteren Kind nicht erfüllt, aus welchem Grund auch immer.
Oft hört man Sätze wie „Wenn man schon so ein gesundes, tolles Kind hat, dann kann man sich doch glücklich schätzen. Viel schlimmer ist es doch, wenn sich der Wunsch gar nicht erfüllt!“ oder „Oh ja, das ist natürlich nicht schön, wenn dein Mann kann zweites Kind mehr will. Sowas haben wir ja VOR der Hochzeit geklärt, weil es ja essentiell ist.“ Blöd sind auch alle Leute um einen herum, die automatisch davon ausgehen, dass man kein zweites Kind mehr will…




10 comments
Ich kann dich sehr gut verstehen, ich hatte dasselbe beim vierten Kind aus anderen Gründen und es fühlt sich einfach grässlich an. Wichtig war mir und meiner Freundin, die vor dem gleichen Problem stand, dass dein Ja nicht weniger zählt als sein Nein. Es ist eine verzwickte Sache und was uns geholfen hat ist reden, reden, reden und zur Not Hilfe holen. Letztlich stellt sich irgendwann heraus, wer ein bisschen leichter bereit ist auf seinen Wunsch zu verzichten. Bei uns war es tatsächlich mein Mann und mittlerweile ist er sehr glücklich mit unserem vierten Mäuschen. Kann auch anders herum sein und du merkst dass du ihm zu Liebe gemeinsam mit ihm deinen Wunsch betrauern kannst. Aber dann ist es wenigstens eine aktiv als Paar getroffene Entscheidung und keine Ohnmacht mehr. Und solange ist das Thema eben auf dem Tisch, auch wenn das sehr anstrengend für alle ist. Liebe Grüße und Alles Gute ☺️
@Isabelle: „generell bin ich oft sehr traurig“?
Glaube nicht, dass ein Kind das nicht spürt
Wie gesagt: Man ist ja nicht 24/7 mit dem Kind zusammen. Ich kann nur aus Erfahrung sagen, dass die Zeit mit dem Kind die wundervollste und sehr bewusst gelebte sein kann und dass man trotzdem auch in den Zeiten ohne Kind traurig über verschiedenste Umstände sein kann.
Liebe Marion,
deinen Schmerz kann dir ja keiner absprechen, er ist ja deiner. Letztendlich ist es ja der Schmerz, dass du mit deinem Mann keine gemeinsam getragene Entscheidung entwickeln kannst und hier müsst ihr Beiden sicherlich einen Weg finden, damit ihr das als Paar gut zusammen übersteht.
Ob andere jetzt mehr oder weniger Verständnis für deinen Wunsch haben, wird dir vielleicht kurzfristig helfen, aber nicht langfristig. Wenn alle sagen würden „Oh, Marion, das ist wirklich unendlich schwer“, würdest du dich durch Frauen mit Babys ja nicht weniger getriggert fühlen.
Letztendlich ist es dem Menschen eigen, sein Leid höher zu bewerten als das der anderen und das ist auch nicht verwerflich, denn man ist ja selbst sehr nah dran. Was die anderen denken, ist hier aber gar nicht entscheidend, klärt das zusammen als Paar, sprecht über euren Schmerz, vielleicht müsst ihr euch auch externe Unterstützung suchen. Den Gedanken, das der andere den eigenen Lebenstraum zerstört, hält eine Beziehung auf Dauer nicht aus.
Alles Gute für euch
Jo-Jo
Ein sehr kluger Beitrag! Den Rat mit der externen Unterstützung würde ich auch nochmal unterstreichen wollen. Solche für die Beziehung und die Familie tiefgehenden Themen sollten gemeinsam aufgearbeitet werden, damit irgendwann bestenfalls ein Abschluss, zumindest aber ein Stadium der Akzeptanz erreicht wird.( Egal wer letztendlich „nachgibt“. ) Da du so getriggert wirst von Zwei- Kind Familien / Babys etc. und immer wieder traurig bist (völlig verständlicherweise) denke ich, dass Begleitung auf deinem/ eurem Weg sicher sehr gut tun würde. Und: natürlich ist ein zweiter/ Dritter/ … Kinderwunsch genauso legitim wie ein erster. Nur weil andere sich besser trösten können, da ja schon ein Kind da ist, muss das nicht für dich gelten. Lass dir da nichts absprechen.
Ich kann dich sehr gut verstehen. Ich hatte vor allen drei Kindern einen sehr intensiven Kinderwunsch. Zum Glück ist mein Parter da mitgegangen. Ich fürchte ein Nein zum zweiten und dritten Kind hätte ich nicht akzeptieren können. Jetzt ist der Kleinste 2 Jahre alt und ich bin nach den letzten 8 intensiven Jahren mit drei Kinder kriegen, im Job etablieren und Hauskauf so ausgebrannt, dass mein Kinderwunsch endlich Ruhe gibt. Hätte ich nur ein oder zwei Kinder wäre das für meine Gesundheit bestimmt besser gewesen. Immerhin weiß ich jetzt ganz Sicher, dass 3 Kinder genug sind und träume nicht von noch einer Schwangerschaft. Ganz Sicher: Nie wieder!!!
Das tut mir sehr leid für dich/euch! Ich kann dich gut verstehen und hoffe, du findest deinen Frieden mit der Situation! Viele liebe Grüße
In erster Linie finde ich es für Dich und Deinen Sohn schade, dass ihr durch dein Hadern und Traurigsein weniger unbeschwerte Zeit miteinander habt. Denn er ist da.
Das glaube ich nicht. Es liest sich nicht so, als wäre die gemeinsame Zeit mit dem Sohn durch Hadern und Traurigkeit geprägt. Im Gegenteil, es ist oft ein ganz bewusstes Genießen und große Dankbarkeit und dennoch bleibt dieser innige Wunsch und wird immer wieder durch Momente im Außen getriggert.
Ich kann die Autorin sehr gut verstehen, wenn auch aus anderen Gründen.
Ich kann sie so gut verstehen. Bei uns ist es ähnlich, nur mit Nr. 3. Langsam sind für Jungs so groß, dass mein Wunsch geringer wird. Aber wenn ich Mamas mit Bauch, Vdbys oder Familien mit drei Kindern sehe, ist der Wunsch doch noch da.