Blick zurück: So haben meine Eltern mich geprägt

Eltern

Foto: Pixabay

Ihr Lieben, natürlich prägen wir Eltern unsere Kinder. Zum einen natürlich wie wir mit ihnen umgehen, aber auch durch unseren Charakter selbst. Auch wie wir aufgewachsen sind, welches Rollenbild wir selbst als Kinder erlebt haben und wie die Beziehung zum Partner*in läuft, spielt eine große Rolle. Gabrieles Vater war immer recht streng und dominant, ihre Mutter war wesentlich jünger. Wie sie das als Kind erlebt hat und wie sie heute über die Beziehung ihrer Eltern denkt, erzählt sie hier.

Liebe Gabriele, deine Eltern haben einen großen Altersunterschied. Wie alt waren deine Eltern, als du geboren wurdest und wie würdest du ihre Beziehung beschreiben?

Da ich das erste von 4 Kindern bin, ware beide noch relativ „jung“. Meine Muter war 20 und mein Vater 33. Bei meinem Bruder (Kind Nr. 4) war meine Mutter 35 und mein Vater 48. Ich habe es immer so empfunden, als würden alle Entscheidungen von meinem Vater getroffen werden. Meine Mutter war irgendwie wie ein weiteres Kind bei vielen Sachen. Sie hatten wie in den 80igern noch oft üblich die klare Arbeitsteilung „Mann verdient Geld / Frau macht Kinder und Haushalt“. Mein Vater ist ein sehr starker Charakter und ich glaube meiner Mutter ist es einfach aufgrund fehlender Lebenserfahrung auch nicht einfach gefallen „sich mal durchzusetzen“.

Beschreib mal deine Eltern charakterlich und welche Rolle sie dir gegenüber eingenommen haben. 

Mein Vater kommt vom Bauernhof und ist als Nachkriegskind mit viel schwerer körperlicher Arbeit aufgewachsen. Er hatte bei uns schon die Rolle des Patriarchachen inne. Was Papa sagt zählt. Gleichzeitig war er aber auch sehr liebevoll, was man vielleicht von jemandem aus dieser Generation nicht erwartet. Dafür verlangte er aber auch, dass wir mitarbeiten. Das fing ganz früh an mit Fugen sauber machen im Hof… später Holz hacken… jeden Samstag Straße kehren…usw.

Meine Mutter kommt aus einem Elternhaus in dem Alkohol und häusliche Gewalt an der Tagesordnung waren (bis sie 12 war und die Eltern sich getrennt haben). Sie wollte, glaube ich, immer eigne Kinder um eine eigene „heile“ Familie zu haben. Als ältestes Kind kenne ich meine Mama gar nicht ohne Säugling oder Kleinkind auf dem Arm… das war ihr Ding. Sie hat mit uns gebastelt und war in Kindergruppen (Krabbelgruppe, Kinderturnen) aktiv. 

Hast du als Kind gespürt, dass dein Papa älter ist? Wie fandest du das?

In der Grundschule war das zum ersten Mal ein Thema. Ich hatte immer den ältesten Papa und die jüngste Mama, das war was besonderes und eigentlich gar nicht schlimm. Als meine Eltern das 4. Kind bekommen habe, war ich ja schon 14 und da war es mir irgendwie peinlich, dass ich so einen alten Papa habe, der jetzt nochmal Nachwuchs bekommt.

War dein Vater anders als die Väter deiner Freundinnen?

Als Kind hatte ich nie das Gefühl, dass mein Vater wegen seines Alters etwas nicht mir machen kann, was andere Väter machen. Aber wenn ich ihn dann mit den Vätern meiner Freundinnen verglichen habe, war das schon so, dass er einfach von seiner Art her anders war. Es musste immer was gemacht werden (Garten, Haus, Schule), es war selten mal Zeit fürs Nichts-Tun. Meine Freundinnen hatten nicht so viele oder kaum Aufgaben zu Hause.

Hattest du das Gefühl, dass deine Eltern dich als Kind verstehen?

Lustigerweise hatte ich manchmal das Gefühl, mein Vater versteht mich besser als meine Mutter (oder hatte mehr Zeit für mich). Meine Mutter war immer sehr mit den kleinen Kindern beschäftigt, deshalb habe ich viel mit mir alleine ausgemacht… aber wenn es zum Beispiel um Hilfe bei der Schule ging, bin ich immer zu meinem Vater. 

Wie war die Beziehung zu deinen Eltern als Teenie?

Meine Teenie-Zeit an sich war glaube ich für alle Beteiligten eine schwierige Zeit. Mein Vater war schon immer sehr streng und wir mussten viel mithelfen. Und als Teenie kann man sich natürlich nichts besseres vorstellen, als Samstags morgens die Straße zu kehren, nachdem man freitags abends unterwegs war. Da hatte ich immer das Gefühl, mein Vater gönnt mir den Spaß nicht. Ich schätze aber, dass er das einfach nicht anders kannte. Das war der größte Unterschied zu meinen Freunden… die durften ausschlafen und waren maximal für ihr Zimmer verantwortlich. Ich hatte mit 15 bereits sehr viel mehr Aufgaben. 

Als Teenager ist mir auch das erste Mal aufgefallen, wie die Beziehung meiner Eltern manchmal gar nicht gut funktionierte. Meine Mutter war dann inzwischen Mitte/Ende 30 und hatte auch mal eigene Ideen, Wünsche und Vorstellungen und das kam bei meinem Vater nicht immer gut an. Er war es ja gewöhnt, dass alles nach seinen Wünschen läuft. 

Und wie siehst du das alles heute es als Erwachsene?

Als Erwachsene weiß ich, dass ich einerseits davon profitiere, dass ich so viele Aufgaben hatte, weil ich einfach viel kann (Baum fällen, Lampe anschließen, Fundamente graben, Rasen mähen, …) andererseits weiß ich heute, dass das ständige „etwas tun“ auch dazu geführt hat, dass ich nur sehr schwer zur Ruhe komme. Wenn ich auf dem Sofa sitze, habe ich ein schlechtes Gewissen… 

Als ich Ende 20 war ist mein Vater schon (frühzeitig) in Rente gegangen. Meine Mutter hatte zu dem Zeitpunkt gerade das erste Mal in Ihrem Leben wieder einen Job angefangen (an der Rezeption im Fitnessstudio). Da wurde es sehr deutlich, dass sie an unterschiedlichen Punkten im Leben sind.

Meine Mutter hat durch den Job andere Frauen im gleichen Alter kennengelernt und war dann auch mal unterwegs, während mein Vater zu Hause den Gemüsegarten betreut hat. Und so ist das eigentlich bis heute. Mein Vater ist inzwischen 75 und man merkt ihm das Alter an. Meine Mutter ist jetzt kurz vor der Rente und möchte eigentlich reisen und was erleben. Mein Vater ist dafür aber nicht mehr zu begeistern… und das jetzt, wo alle Kinder aus dem Haus sind und sie ja Zeit hätten, können sie es nicht gemeinsam genießen.

Hast du je mit deiner Mutter über den Altersunterschied gesprochen, wie sie das empfunden hat?

Als Kind habe ich wohl mal gefragt… aber später nicht mehr. Wenn man die Historie meiner Mutter kennt, weiß man, dass die Hochzeit mit meinem Vater auch in bisschen die Rettung in ein besseres Leben war. Und als sie sich kennen gelernt haben war er ja mit Anfang 30 auch noch jung. Heute weiß ich, dass sie oft nicht mehr so happy ist. Aber das liegt auch nicht nur am Altersunterschied, sondern auch an den total unterschiedlichen Interessen. 

Könntest du dir eine Beziehung mit einem sehr viel älteren Mann vorstellen? 

Mein Ehemann ist ein halbes Jahr älter als ich und ich bin so happy, dass wir gleichzeitig „alt“ werden. Gleichzeitig in Rente gehen, gleichzeitig nicht mehr jedes Wochenende Party machen müssen. 

Deshalb NEIN, ich kann es mir nicht vorstellen. Aber es gibt auch Paare, bei denen funktioniert das wunderbar. Meine Klassenkameradin hat einen Mann geheiratet, der ist 17 Jahre älter und die beiden sind sehr glücklich.

Und als „Kind“ würde ich sagen, dass der Altersunterschied weniger Einfluss hat, als die Herkunft, die Erziehung der Eltern durch die Großeltern und die Beziehung zwischen den Eltern. Mein Bruder der ja 14 Jahre jünger ist, würde das ganze sicherlich total anders beschreiben, denn bei ihm war mein Vater ja dann schon wirklich alt…

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