Ihr Lieben, 15 (!). Ausgeschrieben: Fünfzehn. Meine große Tochter wird in dieser Woche 15 Jahre alt. Oft denke ich: Wo ist die Zeit hin – was natürlich Quatsch ist. Denn wenn ich mir Fotos als frischgebackene, gerade mal 29-jährige Mama ansehe, dann weiß ich, dass da ganz viel Zeit zwischen damals und heute liegt. Und dass in dieser Zeit wirklich sehr viel passiert ist.
Zum Beispiel ist passiert, dass aus dem zartesten und kleinsten meiner Babys (2500 Gramm, 49 Zentimeter) ein Teenager geworden ist. Wer dieses Mini-Baby damals auf dem Arm hatte, konnte sich nicht vorstellen, dass jemals ein großer Mensch daraus werden würde. Heute ist sie das: Ein großer Mensch, ein großartiger Mensch.
Es ist bestimmt nicht ganz einfach, die Älteste von vier Kindern zu sein. Gerade in der letzten Zeit habe ich oft zu ihr gesagt: „Kannst du mal kurz…, Hilfst du mir mal eben…“ Immer stürmt jemand bei ihr ins Zimmer, immer quatscht jemand rein – da braucht es abends dann eine feste Zeit auf dem Sofa, wo wir in Ruhe miteinander sprechen können.
Meine Große war ein unkompliziertes Baby, ein unkompliziertes Kleinkind. Sie war fröhlich, hat gut geschlafen, hatte keine Wutanfälle im Supermarkt – und trotzdem war ich unfassbar unsicher. Ich wollte alles besonders gut machen, bin mal eineinhalb Stunden durch das Viertel gerannt auf der Suche nach zuckerfreiem Zwieback, weil ich mir geschworen hatte, dass das Kind vor dem 1. Geburtstag keinen Zucker bekommt. Sie hatte eine teure Babyausstattung, von allem nur das Beste, weil ich damals noch dachte, das hätte einen Einfluss auf ihre Entwicklung.
Ich hatte Angst, dass sie sich entthront fühlt, als der kleine Bruder kam und bin deshalb wenige Tage nach der Geburt mit ihr zur musikalischen Früherziehung, wo ich wirklich dachte, dass ich gleich umkippe. Apropos musikalische Früherziehung: Sie war die Einzige, die in den „Genuss“ der ganzen Babyangebote kam. Babyschwimmen, Babymassage, PEKiP, musikalische Früherziehung, Kleinkindturnen – haben wir alles gemacht. Bei den Geschwistern hatte ich dafür keine Zeit und keine Nerven mehr. Und nur mal so: Meine Tochter ist heute weder besonders musikalisch oder sportlich, die Kurse waren also wenig nachhaltig 🙂
15 Jahre alt und großartig
Viele Menschen haben mich gewarnt. Wenn das Kind als Kleinkind easy ist, dann wird es später umso krasser. Und sowieso: die Pubertät ist mit einem Mädchen echt hart. Das wird bestimmt viel Gezicke. Und auf ein Mädchen müsst ihr ja besonders doll aufpassen. Bisher kann ich sagen: Es ist Null Komma Null schlimm. Ich finde es ganz wunderbar, ihr beim Wachsen zu zusehen. Ihre Welt wird größer, ich bin nicht mehr überall dabei, Freunde werden wichtiger, die Klamotten auch. Ich finde, sie kann bisher ganz großartig auf sich selbst aufpassen und sie weiß, dass wir immer da sind, um ihr zu helfen, wenn´s brenzlig wird.
Es ist ein Geschenk, dieser neuen Generation Frauen zuzuschauen. Wie sie viele Fehler, die wir noch gemacht haben, nicht mehr machen. Wie sie selbstbewusst und klug in ihre Zukunft starten. Ich bin so dankbar, dass sie sich noch ab und zu abends zu mir kuschelt, mir von sich erzählt und mich um Rat fragt. Ich kann mich auf sie verlassen und sie sich auf mich.
Ich bin so stolz auf sie, wie sie ihren Weg bisher geht. Und wie sie zu Hause mit ihren Geschwistern ist. Ich würde nichts an ihr ändern, ich lieb sie wie verrückt. 15 zu sein war für mich echt herausfordernd – sie ist so viel gelassener. Ich wünsche ihr einfach, dass sie so bei sich bleibt und immer Menschen an ihrer Seite hat, die für sie da sind und auf die sie zählen kann. Sie hat alles, was man braucht, um diese Welt zu erobern.




1 comment
Was für ein wunderschöner Text! Ich bin ganz gerührt!