Ihr Lieben, ab wann dürfen Kinder Ohrringe haben? Und ist egal, ob das Kind ein Mädchen oder Junge ist? Genau diese Fragen stellt sich unsere Leserin Lara, denn zu Hause gibt es gerade heftige Diskussionen zum Thema Ohrringe bei Jungs:
Ich finde Ohrringe bei Jungs blöd!
Mein Name ist Lara, ich habe zwei Kinder, ein Mädchen (7) und einen Jungen (9). Unsere Tochter wünscht sich schon lange Ohrringe und zum Geburtstag haben wir ihr nun einen Gutschein zum Ohrloch-Stechen geschenkt. Seit ein paar Wochen will nun plötzlich auch unser Sohn Ohrringe haben, weil das die großen Jungs in seinem Basketball-Verein auch haben.
Am liebsten hätte er ganz dicke „Brillis“ auf beiden Seiten – eine Vorstellung, die ich ganz gruselig finde. Denn ich mag einfach keine Ohrringe bei Jungs, weder nur an einem Ohr, noch an beiden. Ich finde es einfach prollig.
Nun ist mein Sohn nicht auf den Mund gefallen und hat mir gesagt, ich sei sexistisch. Wenn Farben für alle da sind, dann sind auch Ohrringe für alle da – und wenn der einzige Grund, dass ich ihm Ohrringe verbieten würde, sein Geschlecht sei, dann sei das schlicht sexistisch. Ich verstehe diese Argumentation total und trotzdem ändert sie nichts an meiner Meinung.
Als es angesagt war, sich Blitze in die Frisur rasieren zu lassen, habe ich auch mein Veto eingelegt. Und Ohrringe sind ja nochmal etwas Bleibenderes, was er vielleicht irgendwann auch blöd findet. Irgendwie sind Ohrringe bei Mädchen doch was anderes, oder?
Wie steht ihr dazu? Was denkt ihr zu diesem Thema?

30 comments
Zusammen
Ich persönlich finde Ohrringe unästhetisch und unpraktisch. Bei Männern erniedrigen sie sogar die gesellschaftliche Schicht, weshalb viele Männer, die früher Ohrringe trugen, sie später herausnehmen. Es gibt nämlich nicht viele Rechtsanwälte, Juristen oder Spitzenpolitiker, die Ohrringe tragen.
Ein Verbot kann allerdings gefährlich sein. Besser ist es, mit dem Kind einen Dialog zu führen und zu fragen, was hinter dem Wunsch steckt.
Ich würde sagen, dein Sohn hat recht. Wenn die jüngere Schwester welche bekommt, der (ältere!) Sohn aber nicht, ist das sexistisch. Lass doch deinen Sohn auch welche machen und gut ist’s… Du kannst ihm ja auch erst andere Ohrstecker reinmachen und die Brillies gibt es dann später… Oder du vereinbarst mit beiden Kindern, dass sie z.B. zur Schule nur bestimmte Arten von Ohrringen tragen dürfen… Da gibt es ja viele Möglichkeiten.
Ja, es ist sexistisch wenn die( jüngere) Schwester Ohrringe haben darf, und ihr Bruder nicht. Das ist ein Paradebeispiel von Sexismus.
Mal ein anderer Aspekt, der für Jungs wie Mädchen gleichermaßen gilt: Die Infektionsgefahr, für mich sind aus diesem Grund beide Kinder zu jung. Ich habe sie letztes Jahr mit elf erlaubt und wir hatten ewig Stress damit, im Sommer hatte sich schlussendlich Richtung Hals ein Abzess gebildet und wir mussten die Löcher zu wachsen lassen. Mein Kind hat jetzt ein vernarbtes Ohrläppchen… das tut mir sehr leid und ich beiße mich in den…, dass ich nicht länger gewartet habe.
Dein Sohn hat absolut recht! Sexistisch und Vorurteile plus Schubladendenken und – so wie ich finde – nicht über den eigenen Tellerrand hinaus. Trotzdem darfst du natürlich deine Meinung haben und Ohrringe bei Jungs sowie Brillies doof finden. Du musst sowieso nicht alles gut finden was deine Kinder machen. Du musst dir nur überlegen was du ihnen erlaubst und verbietest und warum…..welche Werte du vermitteln willst. Ist deine persönliche Meinung wichtiger als die Selbstbestimmung deines Kindes über den eigenen Körper? Wo ist die Grenze? Gibt es Kompromisse? Darf deine Tochter denn eigentlich einen Kurzhaarschnitt haben?
Ich habe 2 Jungs und fände es einfach nur unfair ihnen Ohrringe zu verbieten weil sie Jungs sind.
Ich finde Ohrringe bei Jungs sind auch etwas anderes, als Ohrringe bei einem Mädchen, aber das hätte bei mir kein Einfluss darauf, ob mein Sohn welche haben dürfte oder nicht.
Deshalb, wenn ich einen Sohn hätte, und er Ohrlöcher haben wollen würde, würde ich sie ihm erlauben, egal, wie alt er ist.
Sollte er sie eines Tages nicht mehr mögen, dann nimmt er sie einfach raus und gut ist.
Sexistisch sind wir alle. Mehr oder weniger. Das liegt an unserem Lernverhalten und der Gesellschaft, in der wir leben, aber wir sollten uns bemühen, dass er unser Handeln nicht destruktiv beeinflusst.
Meine Töchter dürfen alles tun, tragen, was jungentypisch ist und wenn ich einen Sohn hätte, dürfte er auch alles was mädchentypisch ist. Ohrringe, Kleider tragen, lange Haare, schminken…
Was Ohrlöcher angeht, so werden diese in meiner Familie traditionell im Babyalter gestochen und so, habe ich es auch bei meinen Töchtern gehalten. Ich bereue es nicht, sie finden es richtig toll die Ohrlöcher schon so früh bekommen zu haben und ich würde es wieder so machen. Ob ich es bei einem Sohn auch so machen würde weiß ich nicht. Es gibt da so viele gesellschaftliche Faktoren zu bedenken. Ich habe auch irgendwie das Gefühl, dass wenn ich das mache, ich den Sexismus auf den Schultern meines Sohnes bekämpfe.
Aber egal wie es kommt, ich würde ihm bei all seinen Entscheidungen unterstützen und ihm Mut machen für sich selbst einzustehen.
Ich würde weder meinem Sohn noch meiner Tochter Ohrringe erlauben bis sie mindestens 14 sind. Ich persönlich finde es bei Kindern einfach nicht schön und sie können die Entscheidung dazu nicht überblicken ( mit 14 vermutlich auch noch nicht so).
Aber einen Unterschied zwischen Jungen und Mädchen zu machen ist sexistisch. Mein Sohn liebt alles was glitzert und trägt gerne Pailletten, Glitzerschuhe etc. Mein Filter zur Entscheidung ist nicht, ob „es für einen Jungen geht“ sondern ob mein Geschmack es aushält, es für ein Kind (bzw meine Tochter) okay wäre. Ich finde dein Sohn hat recht.
Ich schreibe hier kaum, aber bei diesem Text möchte ich mich äußern. Meine Tochter wollte Ohrringe, mein Sohn auch. Beide haben Ohrringe. Es gibt für mich KEINEN Grund, hier Unterschiede zu machen. Für mich Sexismus in Reinform!
Ich finde Ohrringe bei Jungs auch prollig. Und bei Mädchen tussig.
Zudem eine unnötige Körperverletzung mit Infektionsrisiko grundsätzlich.
Ich hätte sie somit weder dem Sohn noch der Tochter erlaubt.
Ich finde, die Körperverletzung hält sich bei Ohrringen doch in Grenzen. Man kann sie wieder rausnehmen und es bleibt eine minimale Narbe.
Daher würde ich sagen: Sein Körper, seine Entscheidung. Wenn er es irgendwann blöd findet, nimmt er sie raus. Und was ist schon was passiert?
Kann es sein, dass du mit Ohrringen bei Jungs eine gewisse Haltung verbindest?
Das ist aber doch nicht an Ohrringe geknüpft und lässt sich nicht mit einem Verbot verhindern.
Mal davon abgesehen, dass es schon etwas generalisiert.
Sehe es doch mal so, vielleicht kann dein Junge der Welt zeigen, dass man Ohrringe haben kann, ohne ein Proll zu sein.
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Ich kann Lara gut verstehen. Für mich wäre es auch nicht das gleiche.
Ich kann mit den gesellschaftlichen Debatten, dass alles genau gleich sein muss, insgesamt einfach nicht viel anfangen. Ich bin sehr für Gleichberechtigung / Gleichwertigkeit, finde es aber sehr schön und wichtig, zu sehen, dass es Männer und Frauen gibt und das Männer und Frauen eben nicht komplett gleich sind, sondern jedes Geschlecht sich durch seine Einzigartigkeit auszeichnet.
Liebe Linda,
zwischen gleich sein müssen und gleich sein dürfen besteht ein sehr großer Unterschied. Wenn dem Jungen die Ohrringe verboten werden, ist es ein „gleich sein müssen“ zu den Geschlechtsvorstellungen eines Jungen des Umfelds.
Wird ihm der Wunsch nach Ohrringen erfüllt, ist es ein „gleich sein dürfen“.
Er gibt eben nicht bloß die Einzigartigkeit der Geschlechter, sondern auch jedes einzelnen Individuums.
Und es ist gut, das es nicht nur eine Person auf der Welt mit Ohrringen gibt. Also „dürfen“ potentiell alle. Wenn man es jedoch danach entscheidet welches Geschlechtsorgan jemand hat, so entspricht das der Definition von sexistisch.
Ohrringe sind für mich ein Statement: ich bin bereit Schmerzen auszuhalten, um hübscher zu sein. Das ist ja unter Mädchen und Frauen weit verbreitet: Bügel BHs, hohe Schuhe, enge Kleidung, Haarentfernung, etc.
Bisher habe ich unseren Kindern vermitteln können, dass sie auch ohne schmerzhafte Prozeduren wunderschöne Menschen sind.
Wenn sie das dann mit 16 anders sehen, werde ich das aushalten müssen…
Hm, ich sag jetzt mal was ganz Provokantes, aber alle Eltern verbieten ihren Kindern ab und zu aus nicht vollständig nachvollziehbaren Gründen Dinge. Ich habe Kinder gesehen, die bei 30 Grad im Sommer auf dem Wasserspielplatz Matschhose und Gummistiefel anziehen sollten und nicht barfuß sein „durften“. Aber dann ist es eben so. Irgendeiner hat immer eine Meinung dazu, wie Eltern ihre Kinder erziehen. Und losgelöst von Geschlechtsfragen möchte ich einfach mal sagen, dass es okay ist, wenn Eltern ihre Sicht auf die Welt an ihre Kinder weitergeben wollen. Das werden die Kinder mit ihren Kindern ja auch nicht anders machen. *Achselzuck*
da du es seiner jüngeren Schwester erlaubt hast, ist es schwierig, ihm das zu verbieten. ich würde mit ihm ins GEspräch gehen: Warum will er Ohrringe haben und welche Möglichkeiten es gäbe, seine Bedürfnisse (Gruppenzugehörigkeit, cool sein) evt. anders zu erfüllen. Auch würde ich mit ihm klar über die Vor- und Nachteile / Risiken reden und auch darüber, dass seine Schwester auch länger auf die Erfüllung ihres Wunsches warten musste, weil ihr wissen wolltet, ob ihr das WIKRLICH wichtig ist. Im Anschluss könntest du ihm einen Kompromiss vorschlagen: wir kaufen dir erst einmal magnetische denen man das gar nicht so anmerkt, dann kannst du mal testen, wie das aussieht, was andere dazu sagen (finden das wirklich alle cool oder gibt es auch blöde Kommentare? ) – und wenn du in XX monaten immer noch welche möchtest, kriegst du „kleine echte“.
Und noch ein zusätzlicher, bis dato unerwähnter, Punkt: wenn die anderen Kinder anfangen ihn dafür zu verspotten, gibt er die Ohrringe möglicherweise freiwillig wieder raus. (Je nachdem, wie angesagt der Trend bei euch ist, natürlich.)
Ja, es schaut bei Jungs und Männern lächerlich aus, aber man soll ja alle ihre eigenen Erfahrungen machen lassen…no matter what…
@ snowy: Wow, wenn man es etwas überspitzt, bedeutet das also, dass Lara darauf warten/hoffen soll, dass andere Kinder ihren Sohn auslachen um dann sagen zu können „hab ich doch gleich gewusst“ und sich drüber zu freuen, dass er die Ohrringe wieder raus macht?
Dann hätte er viel gelernt. Nämlich dass es ok ist, wenn andere einen wegen der individuellen Erscheinung, die nicht ins Bild passt, auslachen und dass seine Mutter ihn in dem Fall nicht unterstützt.
Besser wäre es eigentlich, wenn er lernen könnte, dass jeder und jede so rumlaufen kann, wie es ihm/ihr gefällt und im Zweifelsfall zumindest die Familie den Rücken stärkt, wenn andere/“die Gesellschaft“ noch nicht so weit sind, Individualität anzuerkennen.
Wie andere schon geschrieben haben: wenn wir wollen, dass sich etwas ändert hinsichtlich der Gleichstellung der Geschlechter, müssen wir doch unsere Kinder entsprechend stärken. Und grundsätzlich sollte „andere lachen dann“ nie das Argument sein um etwas nicht zu tun, was einem selbst wichtig ist!
Da hast du mich missverstanden. Ich habe nichts von „darüber freuen“ oder „nicht unterstützen“ gesagt.
Tatsache ist aber trotzdem, dass Kinder zu anderen gemeiner sein können als wir Erwachsenen uns das vorstellen wollen/können und er dann, durch die selbst gemachte Erfahrung eher nachvollziehen kann, welche Gedanken, Sorgen, etc. die Mutter hat.
Und ich befürchte sehr, dass das mit dem Wunsch nach „wir sind alle gleich“ ein unerfüllbarer Wunsch bleiben wird. Realistisch betrachtet, nicht pessimistisch.
Oh ich finde: gleiche Rechte für alle! Warum sollte es für Mädchen was anderes sein?!
Hey Lara
Sicherlich müssen wir nicht alles erlauben, was wir selbst aus diversen Gründen nicht gut finden. Hier geht es aber um viel mehr: Identität. Die kleine Schwester darf, der Grosse nicht- weil er ein Junge ist letztendlich. Zum Glück leben wir aktuell (und hoffentlich noch recht recht lange!) in Zeiten, wo sich Kinder unabhängig von ihrem Geschlecht entwickeln und verwirklichen dürfen. Das ist so sehr wichtig und richtig und wir sollten vieles dafür machen, dass es so bleibt- und dies den Kindern vorleben. In dem Sinne: Prollig und Gruppenzugehörig nein, aber gleich wie die Schwester- ja!! Und andersherum. Ich bin sicher, ihr findet den Kompromiss. Sei stolz auf deinen Sohn, der sich politisch selbstbewusst verteidigen kann! 🙂
Lieber Gruss
Kat
Wenn du deiner Tochter mit 7 Jahren Ohrringe erlaubst, gibt es keinen Grund es deinem 9-jährigen Sohn zu verbieten. Anders sähe es aus, wenn du von vornherein gesagt hättest, dass es Ohrlöcher z.B. erst ab einem bestimmten Alter gibt. Dann beträfe das Verbot beide. So aber ist es eine Ungleichbehandlung nur des Geschlechts wegen und damit hat dein Sohn wohl nicht ganz Unrecht mit seinen Vorwürfen.
Meine Meinung dazu ist: wenn deine Tochter es darf, musst du es deinem Sohn auch erlauben. Auch wenn er nur die fetten Brillis möchte… Es ist sein Geschmack und nicht deiner. Und Ohrringe kann man problemlos einfach wieder rausnehmen, wenn man sie irgendwann nicht mehr mag. Ich würde da jetzt nicht so ein Problem draus machen.
Ich kann Lara schon verstehen. Einerseits ist es eine klare Ungleichbehandlung aufgrund des Geschlechts. Andererseits, ganz ehrlich, wird ein Junge so eine Entscheidung tendenziell häufiger bereuen als ein Mädchen, schlicht und einfach aufgrund der gesellschaftlichen Situation. Zudem bestand der Wunsch der Tochter schon länger, der des Sohnes erst seit ein paar Wochen. Etwas abzuwarten finde ich da durchaus angebracht.
Und genau mit solchen Argumenten verstärkt man gesellschaftliche Vorurteile etc. ewig weiter. Sollte es nicht in unserem Interesse liegen, der nächsten Generation genau solche negativen Vorurteile im Bezug auf Mädchen und Junge nicht weiterzugeben?
Glaub mir. Mit 9 Jahren wird der Sohn sich der Normen, Vorurteile etc. bereits bewusst sein, allein schon aus den schulischen Umfeld.
Es ist doch bewundernswert, dass er sich trotzdem Ohrringe wünscht. Gesellschaftlicher Wandel braucht immer Mut und Ausdauer und ein paar, die ihrer Zeit etwas voraus sind.
Früher waren Hosen für Frauen erst verboten, dann verpönt – und als immer mehr Frauen trotzdem Hosen trugen, wurde es irgendwann normal.
Wollen wir unseren Kindern wirklich beibringen, dass die Meinung von irgendeiner Tante Inge (was sollen die Nachbarn denken!) und anderen verstockten Leuten wichtiger ist, als ihre eigene Persönlichkeit und Identität?
Sexistisch UND klassistisch.
Ich gebe deinem Sohn vollkommen recht! Wenn du es ihm nur nicht erlaubst, weil er ein Junge ist, ist das sexistisch.
Und wie Clara auch schon schreibt: es muss nicht dir gefallen, sondern ihm.
Vielleicht wäre ein Kompromiss, dass es nicht die fetten Brillis sein müssen, sondern erstmal „normale“ Ohrringe? Brillis sind ja auch ein gewisses Statement und vielleicht einfach nicht altersgemäß -unabhängig vom Geschlecht.
Evas Kompromissvorschlag finde ich gut und du als Mutter kannst das ganz elegant durchsetzen, indem du die medizinischen Ohrstecker in „schlicht“ kaufst. Die müssen sowieso erstmal 2 Monate drin bleiben (je nach Heilungsprozess auch länger) und bis dahin hat dein Sohn vllt sogar Gefallen an schlichten Steckern gefunden.
Es ist grauenvoll ständig gesagt zu bekommen, dass die eigenen Wünsche und Talente zum anderen Geschlecht gehören und man sich bitte anpassen soll.
Nun weiß ich nicht, wie groß das Fass bei euch es. Wenn es „nur“ um Ohrringe geht, freut es mich schonmal. Trotzdem gebe ich dem Sohn völlig recht, dass es sexistisch ist, ihn von Geschlechtswegen bei einem Thema, was nichts mit Geschlechtsorganen zu tun hat, anders zu behandeln als die Tochter.
Die Erschütterung der Vorurteile der Mutter scheint mir schwerwiegender als die Narben, die zugewachsene Ohrlöcher hinterlassen.
Hallo,
die Frage ist ja – warum sind Ohrringe bei Jungs „etwas ganz anderes“ oder gar „Prollig“? Es mag nicht angenehm sein, aber – manchmal sollte man mal sehr ehrlich die eigenen Ansichten betrachten und hinterfragen.
An solchen Fragen wie bei dir zeigt sich oft, wie weit man in Sachen Gleichbehandlung Junge/ Mädchen wirklich ist.
Auch das Argument, dass Ohrringe ja was bleibendes sind, würde ja auch auf deine Tochter zutreffen. (Aber Ohrlöcher können auch einfach wieder zugehen, wenn sie lange nicht genutzt werden. Soo permanent sind sie also nicht.)
Warum also sind Ohrringe bei kleinen Mädchen „süß/ hübsch“, bei Jungs aber „prollig“? Würdest du deiner Tochter verbieten, wenn sie z. B sehr kurze Haare („typisch junge“) möchte. Oder nur noch Traktor Dino Shirts tragen würde?
So harsch es klingt – dein Sohn hat in gewisser Art irgendwie recht: Die Ungleichbehandlung beruht allein darauf, dass er ein Junge ist.!
Selbst wenn du persönlich Ohrringe bei Jungs nicht so schön findest (es muss ja nicht der ganz fette Brilli sein), wäre es für ihn nicht besser zu lernen, dass Jungs und Mädchen wirklich gleichberechtigt alles dürfen? Wenn Kinder lernen, dass Jungs manche Dinge nicht dürfen weil sie Jungs sind, dann erlaubt diese Logik auch, dass Mädchen manche Dinge nicht „dürfen“.
Kinder merken sehr deutlich solche Loginfehler – da können wir noch so sehr behaupten „Mädchen dürfen alles wie Jungs“. Wenn wir ihnen nicht vorleben, dass Jungs und Mädchen wirklich beides dürfen, können wir uns hinterher nicht wundern, warum Frauen/Mädchen trotz noch ungleich behandelt und bewertet werden!
Warum applaudieren alle, wenn Mädchen etwas „untypisches“ machen, Zucken aber zusammen, wenn Jungs etwas „untypisches“ wollen?
So ungerne man sich selber mal harsch reflektiert: da zeigt sich doch, dass immer noch veraltete Stereotype in den Köpfen existieren.
Ich würde klar sagen: Wenn es nur um die Tatsache geht, dass er ein Junge ist und du nicht per se gegen Ohrringe bei Kindern bist: Es ist seine Wahl! – lass ihn seinen eigenen Stil und Identität finden. Es muss nicht dir gefallen! (In altersgerechtem Rahmen). Kinder sollten nicht den Eltern „gefallen“ müssen, sie sollten ermutigt werden, selbstbewusst sich selber zu finden!
Infern sollte es bei Mädchen denn anders sein? Die können doch auch ihre Meinung ändern. Die Frage bei jedem Kind wäre für mich, wie hartnäckig und langanhaltend der Wunsch ist.
Ich selbst habe Ohrringe erst mit 15 Jahren erlaubt u.a. aus diesem Grund.