Mein Sohn hat Tics und vielleicht Tourette – wer kann mir Tipps geben?

Tics

Foto: pixabay

Ihr Lieben, Luises Sohn hat verschiedene Tics und es steht auch eine Tourette-Diagnose im Raum. Luise ist verunsichert, was sie noch tun kann und was sie nicht tun sollte. Daher hofft sie hier auf Austausch mit anderen Müttern, deren Kinder betroffen sind.

Von Tics und Tourette

Mein Sohn (fast 11) ist ein sehr schlaues Kerlchen. Er ist einer der Besten der Klasse und vielfältig interessiert, macht Sport, liest gerne, ist kreativ und hört Musik. Er war schon immer aktiv, im Kindergarten war er noch sehr ausgeglichen, zur Einschulung gab es dann immer mehr Konflikte und auch Probleme mit der Impulskontrolle. Er hat einen sehr ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, ich dachte, die Konflikte legen sich, wenn er richtig in der Schule angekommen ist.

Ab der 2. Klasse habe ich mir dann aber doch langsam Gedanken gemacht. Er ist immer noch sehr gut in der Schule, ist in der Begabtenförderung und hat eine wahnsinnig schnelle Auffassungsgabe. Von Seiten der Schule hieß es, wir sollten ihn mal Richtung Hochbegabung testen lassen. Sein großer Bruder hat nämlich auch laut Testung eine hohe, in einigen Bereichen eine sehr hohe Intelligenz. Also sind wir zu einer Psychiaterin und sie hat tatsächlich erstmal die Diagnose ADHS gestellt, was uns durchaus überrascht hat.

Im Laufe des 3. Schuljahres kamen Tics dazu, zunächst war ich da recht entspannt. Ich weiß, dass viele Kinder mal Tics haben und viele davon auch einfach wieder weggehen. Mein Sohn hat als Tic gehustet, sich geräuspert, mal gequietscht, zusätzlich ist er viel in Bewegung, muss dann aufstehen und hibbeln. Leider schläft er auch schlecht und isst sehr wenig…

Mein Sohn nimmt derzeit ADHS-Medikamente, so richtig zufrieden sind wir mit der Medikation aber nicht. Er nimmt die Tics übrigens nicht bewusst wahr, sie stören ihn also (noch) nicht, wenn wir ihn drauf ansprechen, schiebt er alles auf ADHS. Er findet es total blöd, dass er ADHS hat und möchte auch nicht, dass alle davon wissen. Das respektiere ich und habe ihm gesagt, dass er alleine entscheiden darf, wem wir davon erzählen. Nur die Lehrer*innen und Therapeuten müssen natürlich Bescheid wissen.

Im vierten Schuljahr sagte ein Arzt zu uns, dass er den Verdacht habe, dass da noch mehr ist und empfahl uns, das abklären zu lassen. Eine Fachärztin meinte, dass sie Tendenzen zu Tourette sieht, aber da er noch keine Zwänge hat, möchte sie ihn vorerst nur beobachten.

Momentan ist mein Sohn in der fünften Klasse und kommt schulisch sehr gut mit. Seine Tics sind mal mehr, mal weniger, momentan singt und summt er vermehrt. Er har Ergotherapie und wir machen viele Entspannungstechniken. Ich bin manchmal verunsichert, ob ich etwas übersehe oder mehr machen könnte, um ihm zu helfen.

Ich weiß, dass unsere Gesellschaft hart mit Menschen mit ADHS und/oder Tourette umgeht. Die Menschen sehen nur: Das sind doch die, die immer schreien und Schimpfwörter rufen. Da ich selbst im medizinischen Bereich tätig bin, weiß ich, wie problem- und vorurteilbehaftet ADHS und Tourette sind.

Wenige setzen sich wirklich damit auseinander. Für mich ist es wichtig, dass mein Sohn weiß, dass er geliebt und wertvoll ist so wie er ist, aber ich habe schon ein bisschen Angst vor der Zukunft. Mein Sohn hat jetzt schon nicht so viele Freunde und solche Diagnosen machen es nicht einfacher. Daher werde ich alles tun, um mein Kind bestmöglich zu begleiten.

Ich würde mich sehr freuen, wenn hier Eltern von Kindern, die Tics oder Tourette haben, schreiben könnten, was ihnen geholfen hat und mir ein paar Ratschläge geben könnten.

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7 comments

  1. Hallo,
    ich habe mich beim Lesen an eine Folge des Podcasts „Familienrat mit Katja Saalfrank“ erinnert, in welcher ein Junge ein ähnliches Verhalten aufgrund einer Diagnose, die er selbst nicht nachvollziehen konnte und zudem nicht zugeschrieben bekommen wollte, entwickelt hat. Das hat mich sehr berührt und zum Nachdenken angeregt. Irgendwie erinnert mich dieser Artikel daran. Leider finde ich die Folge aber spontan nicht.
    Es erscheinen mir zudem sehr viele Arztbesuche und Therapietermine für einen eventuell sich ganz normal entwickelnden Jungen, der einfach zeitweise kleine Besonderheiten aufzeigt. Mein Bauchgefühl und meine Erfahrung (Mutter, Lehrerin) rät, dass es diesem Jungen besonders gut tun würde, einfach so akzeptiert zu werden wie er ist. Hochbegabt oder nicht etc. Und vor allem, ihn in seinem Selbstwert zu bestärken.

  2. Hallo,
    unser inzwischen erwachsener Sohn hat ADHS und Tourette. Er hat mit ca 10 Jahren sehr starke Tics entwickelt und dann ca 2 Jahre lang Medikamente genommen, die sie deutlich abgeschwächt haben. Dann haben wir die Medis langsam ausgeschlichen und die Tics blieben auf einem niedrigen Niveau.
    Er kann eigentlich ganz gut damit leben und sie stören ihn nur manchmal sehr, zB wenn er Phasen hat, in denen er stark mit dem Kopf tict und dadurch Kopfschmerzen bekommt.
    So lange die Tics euer Kind nicht stören, würde ich auch nichts unternehmen.
    Ansonsten weiß ich, dass es inzwischen schon vielversprechende andere – nicht medikamentöse – Ansätze gibt. Dazu solltet ihr euch dann ggf. mal von einem Facharzt beraten lassen.
    Ich weiß genau, wie du dich fühlst und welche Sorgen du dir machst. Lass dich von unserer Geschichte überzeugen, dass man auch mit diesen Diagnosen ein gutes, unbeschwertes Leben führen kann. <3

  3. Ich weiß, das hat jetzt nichts mit dem Thema zu tun, aber in letzter Zeit ist die Rechtschreibung und auch der Stil Eurer Beiträge recht durchwachsen. Mir ist klar, dass dieser Beitrag von einer Leserin verfasst wurde. Aber einmal durchlesen und die freundliche Bitte, die Abschnitte von Wiederholungen zu befreien, ist ja nicht viel Arbeit… aber auch Eure eigenen Beiträge sind voller Fehler. Ich bin da eigentlich recht tolerant, habe aber im Gedächtnis, das Ihr in Beiträgen in den letzten Monaten geschrieben habt, dass Aufträge wegbleiben. Vielleicht könnte Euch da mehr Sorgfalt und das Bemühen um besseren Ausdruck weiterhelfen.
    Nix für ungut…

  4. Hallo Luise, mein Sohn ist fast 13 und hat ein diagnostiziertes Tourette Syndrom. Wir haben sehr viele Tiefschläge erlebt, leben aber derzeit einigermaßen gut damit. Es gibt verschiedene Therapien und mein Sohn wurde auf Medikamente (leider mit starken Nebenwirkungen) eingestellt. Falls du dich austauschen möchtest, können wir uns gerne mal unterhalten. LG Evelyn

  5. Habt ihr schon mal von Reflexintegration (nicht integrierter frühkindlicher Reflexe) gehört? Vielleicht würde euch das helfen? Bei meinem Sohn machen wir das zwar nicht wegen Tics aber da die Auswirkungen ganz unterschiedlich sein können und Unruhe ja ein Thema ist, wäre es vielleicht einen Versuch wert?

  6. Aber in Richtung Autimus könnte die Diagnose nicht gehen? Konnte dies ausgeschlossen werden? Autismus hat ja eine große Bandbreite und könnte auch mit solchen Tics und hoher Reizempfindlichkeit verbunden sein… (?)

  7. Könnten die Tics eine Nebenwirkung der ADHS Medikamente sein? Ich habe bei Instagram von einer Mutter gelesen, die das bei ihrem Sohn im Nachhinein vermutet. LG und alles Gute für euch!

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