„Opa werden ist tatsächlich Liebe“, sagt Kester Schlenz <3

Opa werden

Foto: pixabay

Ihr Lieben, tja, so weit sind wir hier im Alter schon vorangeschritten, dass es hier bereits um Themen wie das Opa werden geht 😉 Journalist und Autor Kester Schlenz ist uns da ein bisschen voraus und gibt uns schon mal einen schönen Einblick in das, was uns möglicherweise dann in den nächsten Jahren mit großen Kindern erwartet… dass sie selbst Eltern werden und uns zu Großeltern machen. Mit seinem Buch Mensch, Opa! macht er allen Mut, die zwar jung geblieben sind, deren Kinder aber eben jetzt selbst Kinder kriegen. Wie war das für ihn, als es so weit war?

Lieber Kester, vor 30 Jahren hast du ein Buch über das Papa-Werden geschrieben, nun eins übers Opa Werden. Wo liegen die Unterschiede?

Ich bin heute deutlich zerknitterter. Der Typ, der mich da morgens im Spiegel anguckt, ist optisch gewöhnungsbedürftig, um es mal vorsichtig auszudrücken. Für meine Tränensäcke brauche ich mittlerweile eine Schubkarre.

Ich meine natürlich im Buch-Schreiben… Wie anders funktioniert das Opa-Hirn als das Papa-Hirn beim Konzepten und Schreiben?

Das Opa-Hirn blickt mehr nostalgisch zurück, und freut sich, dass es noch mal das Leben mit Kindern erleben darf. Das Papa-Hirn grübelte damals noch mehr. So Gedanken wie „Krieg ich das hin? Bin ich reif genug, Vater zu werden?“ Um dann um so mehr zu jubeln, als es klappte und ich ein begeisterter Papa wurde.

Opa werden
Kester Schlenz. Foto: Isabela Pacini

Neulich auf einem 50. Geburtstag sagte mir jemand: Ach, dieses Alter ist so herrlich, man muss nix mehr erreichen und niemandem mehr etwas beweisen.

Na ja. Mit Fünfzig war ich noch im Job als Ressortleiter beim Stern. Da war zurücklehnen und locker lassen noch nicht so angesagt. Das kommt erst jetzt mit Mitte/Ende Sechzig.

Wie fühlt es sich für dich an, dich selbst als „Opa“ zu bezeichnen. Wir haben da ja direkt Bilder im Kopf.

Die hatte ich auch im Kopf. An die Bezeichnung Opa für meine Person musste ich mich erst gewöhnen. Wenn ich das Wort früher hörte, dachte ich immer sofort an alte Knacker mit Krückstock, Kaninchenzüchter, berstende Hüftgelenke, Kreuzworträtsel-Heavy-User oder einarmige, alte Zausel, die auf Familienfesten herum greinten. Aber jetzt finde ich es okay. Was soll das verkrampfte Suchen nach Alternativen? Ich ein Opa, und das ist auch gut so.

Wie sehr hast du dich in deinem vaterwerdenden Sohn wiedererkannt auf dem Weg bis zur Geburt?

Er war genauso aufgeregt wie ich. Und genauso begeistert, als das erste Kind da war. Herrlich!

Wo warst du, als du erfahren hast, dass das Baby da ist?

Mit meiner Frau zuhause. Es war schon ziemlich spät. Wir wussten, dass unsere Schwiegertochter im Krankenhaus ist und warteten auf den erlösenden Anruf. Der kam dann Gott sei dank irgendwann. Mann, waren wir erleichtert!

Cover Mensch Opa
Kester Schlenz: Mensch, Opa!

Wie war das Kennenlernen mit der kleinen Jonna? 

Großartig. Erst fand ich sie so zerbrechlich und war noch sehr vorsichtig, traute mich kaum, sie auf den Arm zu nehmen. Aber das änderte sich schnell. Heute sagt sie: „Opa komm toben!“

Wo liegen die Konfliktherde? Musst du dir manchmal auf die Zunge beißen, um nicht zu lebensweise rüberzukommen?

Die jungen Eltern kriegen das schon ganz gut hin. Opalichen Rat gibt es nur selten. Und wenn, dann dezent. Unser Motto ist: Bloß nicht übergriffig werden.

Mach die neue Generation Eltern „zu viel Geschisse“ rund ums Familie werden?

Nö. Ist ja auch eine Riesen-Aufgabe. Ich war auch sehr engagiert und oft übervorsichtig.

Kann man heute mehr falsch machen mit dem Kind als damals?

Ich glaube nicht. Man kann sich allerdings verrückt machen, wenn man zu viele Videos auf social media guckt. Da wird jede Menge Unsinn und Zweifelhaftes erzählt. Man sollte sich nie zu schnell von seiner inneren Stimme verabschieden. Ich denke, man spürt oft ganz gut, was richtig ist.

Wofür beneidest du die heutige Generation Eltern und wofür nicht?

Ich beneide die heutigen Eltern nicht um das ausufernde Angebot an Babybedarf-Artikeln. Da kommt keiner mehr mit. Es gibt z.B. Federwiegen mit Motor, die das Schaukeln übernehmen. Rotierende Krippen. Windeleimer mit eingebautem Geruchsschutz. Baby-Tragegestelle mit Sonnenschutz, Gurten und Handytaschen. Kinderwagen, die per Fernsteuerung hin und her fahren können.

Ganz zu schweigen von unzähligen Spielgeräten zur Förderung der kognitiven Entwicklung. Schade, dass es die in meiner Kindheit noch nicht gab. Dann hätte ich vielleicht nicht fünfzehn Jahre bis zum mäßigen Abitur gebraucht.

Wie würdest du das Verhältnis zwischen dir und deiner Enkelin beschreiben?

Tatsächlich Liebe!

Wenn ich bedenke, dass meine Große auch schon 20 wird, bin ich tatsächlich wohl näher dran am Oma-Werden als an meiner eigenen letzten Geburt vor 17 Jahren (no pressure, aber es liegt im biologisch möglichen Bereich). Was möchtest du also anderen werdenden Großeltern mit auf den Weg geben?

Freut Euch! Bringt Euch ein! Schenkt Zeit und Engagement! Was dann vom Enkelkind zurück kommt,  ist unfassbar schön und sinnstiftend. Und es hilft, nicht zu sehr mit dem Altern zu hadern. Enkel halten jung und sind auch noch ein wahnsinnig lustiges Unterhaltungsprogramm.

Wir lachen bei jedem Besuch über und mit Jonna. Besonders, wenn sie mich mit ihrem Arztkoffer „gesund“ macht. Dann klopft sie mir mit einem Plastikhammer auf den Kopf und ruft „Alles wieder gut!“ Ich bin gern in Dr. Jonnas Sprechstunde. Blutdruckmessen kann sie auch. Wenn die Anzeige auf ihrem Kindermessgerät sich im Kreis dreht, werde ich allerdings immer etwas unruhig. 400 zu 150 scheint mir eine Terz zu hoch zu sein. Aber ich krieg dann ja ein Pflaster von ihr aufs Auge.

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