Ihr Lieben, unsere Leserin hat sich so sehr über ihre erste Schwangerschaft gefreut, dann gab´s plötzlich einen Artbesuch, den sie nie vergessen wird. Sie erlitt eine Fehlgeburt, danach folgten weitere, aber auch irgendwann das große Glück: Mit Zwillingen. Hier erzählen wir ihre berührende Geschichte.
Wer kennt es nicht, ab einem gewissen Alter denkt man darüber nach, Kinder zu bekommen, man spricht ganz locker darüber, als ob es das Einfachste auf der Welt wäre. So dachte auch ich es mir. Und so ist es auch eingetroffen.
Wir entschlossen uns, ein Kind zu bekommen und hatten auch große Freude, als das Glück dann tatsächlich gleich „eingeschlagen“ hat. Von Erzählungen und auch von ärztlicher Seite wurde ich darauf hingewiesen, dass es „normal“ sei, wenn man im ersten Jahr nicht schwanger wird und ich mir ruhig Zeit lassen könnte. Umso mehr die Freude, dass es bei uns gleich funktionierte.
Ich ging zur Frauenärztin, diese bestätigte mir die Schwangerschaft und meinte, ich solle in der 9. SSW wiederkommen, da erhielte ich dann auch meinen Mutterpass. Als ich diesen dann in den Händen hielt, konnte ich mein Glück kaum fassen, die Freude war riesig. Weihnachten wollten wir es dann auch unserer Familie mitteilen.
Meine Frauenärztin klärte uns schließlich auch auf, welche freiwilligen Zusatz-Untersuchungen es während der Schwangerschaft gebe. Da es unsere erste Schwangerschaft war und wir sehr neugierig waren, entschlossen wir uns für die Pränataldiagnostik. Ich bekam einen Termin am 23.12.23. „Das wird das schönste Weihnachtsgeschenk”, in meinen Gedanken.
Als wir dann im Wartezimmer saßen, hatte ich plötzlich so ein komisches Bauchgefühl und fragte meinen Freund: „Was ist, wenn was ist?“ „Was soll denn sein, wird schon alles passen”, war seine Antwort. Ich wurde aufgerufen und schon als mich der Arzt begrüßte, hatte ich Herzklopfen bzw. noch immer dieses Bauchgefühl.
Er meinte, wir sollten Platz nehmen, er würde mich vorerst über das Ergebnis meiner Blutuntersuchung aufklären, die ich vor einer Woche abgegeben hatte. Gewisse Werte würden nicht stimmen, was auf eine Schwangerschaftsvergiftung hinweisen könnte und auch, dass etwas mit unserem Baby (zu dem Zeitpunkt war es medizinisch gesehen zwar noch ein Fötus, für mich aber unser Baby) nicht in Ordnung war.
Ich nahm Platz für die Ultraschalluntersuchung. Innerhalb der ersten Minuten sagte der Arzt ganz klar, dass mit dem Baby etwas nicht in Ordnung sei und wir die Schwangerschaft sicher nicht bis zum 9. Monat überstehen würden bzw. das Herz des Fötus aufhören würde, zu schlagen.
Das Baby sei nicht überlebensfähig. Wenn wir doch die Schwangerschaft in der 40. SSW durch eine Geburt beenden könnten, wwürde das Baby nicht länger als eine Woche leben können – mit dieser Diagnostik.
Fehlgeburt: Eine Welt bricht zusammen
Für uns brach eine Welt zusammen. Ich dachte, ich sei im „falschen Film“. Warum passierte uns das? Was hatte ich verbrochen? Warum mussten wir das durchstehen? Ich konnte meine Tränen nicht zurückhalten, konnte auch nichts mehr sagen.
Der Arzt verwies uns noch an ein Klinikum, um eine Fruchtwasserbiopsie durchführen zu lassen für ein noch genaueres Ergebnis. Trotzdem wünschte er frohe Weihnachten. Ich fasste es nicht, wie konnte ich jetzt noch frohe Weihnachten feiern, wo wir doch unserer Familie mitteilen wollten, dass wir ein Baby bekommen. Und jetzt?
Meine Mama rief mich während der Autofahrt nach Hause an, da sie wusste, dass ich diese Untersuchung hatte. Und ich glaube, sie hatte auch dieses komische Bauchgefühl. Ich konnte nicht abheben, mein Freund rief sie dann zurück.
Nach den „Feiertagen“ hatten wir die Biopsie, die leider alles, was der Arzt meinte, bestätigte. Ich konnte nicht mehr. Ich hatte mir das Kind so sehr gewünscht, ich wurde so schnell schwanger und jetzt das. Die Warum-Frage ging mir nicht mehr aus dem Kopf.
Ich schloss mich ein. Ließ nur noch meinen Partner neben mir und bei mir sein. Meine Eltern waren immer da, telefonisch. Meine Tante brachte mal ein Essen vorbei, stellte es vor die Tür. Meine Freundin legte mir Blumen vor die Türe. Ich erfuhr so viel Liebe und Mitgefühl, dennoch hatte ich so ein Tal der Traurigkeit noch nie erlebt.
Ich wurde dann einige Tage nach der Diagnose – in SSW 16 – stationär aufgenommen. Das Krankenhauspersonal auf der Pränatalstation und mein Freund wichen nicht von meiner Seite. Ich bekam Wehen, die einen ganzen Tag andauerten, bis es endlich zur Geburt kam.
Ich hatte also einen ganzen Tag Zeit, mich von unserem Baby zu verabschieden. Geschlecht und Name standen für mich fest, das erleichterte mir das Abschied nehmen. Die Ärztin fragte, ob wir das Baby mitnehmen wollen für die Bestattung oder ob wir lieber das Kindergrab des Krankenhauses bevorzugen würden.
Da ich komplett überfordert war, entschieden wir uns für das Kindergrab. Ich hatte doch gerade noch einen positiven Schwangerschaftstest in den Händen, da kann ich mir doch jetzt nicht über eine Bestattung Gedanken machen. Wieder überkam mich die Traurigkeit.
Die letzte Wehe setzte ein, die Hebamme gratulierte mir zum Kind. Ich dachte nur, das Kind ist tot. Kein freudiger Anlass, also bitte auch keine Glückwünsche. Ich sang ein Lied, als ich alleine mit dem Baby im Zimmer war und verabschiedete mich.
Die Tage und Wochen vergingen – anfangs sehr langsam. Als ich jedoch immer offener über die Fehlgeburt sprach, wurde mir klar, dass es vielen Frauen so erging. Leider hatte ich dann im Laufe unserer Kinderwunschzeit noch zwei weitere Fehlgeburten, in der 8. SSW und in der 9. SSW. Danach machte ich den Schwangerschaftstest zwar noch, um zu wissen, ob ich gerade schwanger war, dachte mir aber im selben Zug immer wieder „Mal schauen, wie lange“ oder „Mal schauen, ob es diesmal gut geht”.
Komplett unromantisch, nicht so, wie es oft in Social Media suggeriert wird. Doch mit dem 4. Anlauf klappte es dann tatsächlich und das sogar mit Zwillingen. „Da hat jemand da oben bei den Sternen nachgeholfen und schenkt uns gleich zwei Herzen”, so mein Gedanke während der Schwangerschaft. Und dieser Gedanke bestärkte mich immer wieder, wenn es mir mal nicht so gut ging.
Es ist so wichtig, über dieses Tabuthema der Fehlgeburt zu reden. Zu wissen, dass wir damit nicht allein sind. Wir haben nichts falsch gemacht und die große Frage nach dem Warum kann wohl nur die Natur beantworten. In diesem Fall trifft der Körper die Entscheidung, ob die Schwangerschaft gut verläuft und wir haben darauf einfach null Einfluss.
Nun haben wir zwei gesunde Kids, die gerade fröhlich vor sich hin spielen und rutschen und ich bin so dankbar. Dankbar für meine Familie und Freunde, die mich da durchgetragen haben, dankbar für meine Kinder (insgesamt 5 an der Zahl, wobei 3 auf einem Stern sitzen) und dankbar für meinen Partner, meinen Herzensmenschen, der immer an meiner Seite war und mir gut zuredete, mich beruhigte und mir sagte, dass alles gut wird. Hätte ich das bloß vorher schon mal geglaubt. Fehlgeburten sind kein Tabuthema, sie passieren – einfach so. Redet drüber und unterstützt euch. Erfahrungsaustausch kann so heilsam sein.
Ein Text, der mich in diesem Zuge sehr berührt hat, ist dieser aus dem Buch „Flieg kleiner Schmetterling“ von Petra Hillebrand:
„Noch ehe du kamst, warteten wir auf dich,
noch ehe du kamst, haben wir dich schon geliebt.
Noch ehe du kamst, verloren wir dich wieder, nichts ist mehr so, wie es früher war.
Denn bevor du gegangen bist, hast du uns verändert.
Noch ehe du kamst, hast du unser Leben bereichert.
Nicht alles davon haben wir verloren.
Die Liebe zu dir wird bleiben“
