Unsere Midlife zum Abschütteln nutzen! Von Müttern in der Teen Time

Midlife

Ihr Lieben, wenn wir über die Teen-Time unserer Kinder sprechen, reden wir auch über unsere eigene Midlife-Zeit. Der Begriff Perimenopause wird mir grad übermäßig in die Timeline gespült, oft leider auch mit irgendwelchen Kaufempfehlungen, denn mit der Unsicherheit der Frau lässt sich natürlich gehörig Geld verdienen.

Ich lese, dass die Midlife „geil“ ist, weil „der Stinkefinger wächst“, ich lese, dass die Midlife furchtbar ist, weil Hitzewallungen und Schlafstörungen die Lebensqualität verschlechtern. Ich lese von veränderter Verdauung, von Gewichtszunahme, obwohl nicht mehr gegessen wird, von – ja! – fast dem Zwang, dass jede Frau jetzt aber dringend und unbedingt Krafttraining braucht.

(Zwischenruf: Haben eure Mütter Fitnessstudios besucht? Also meine nicht. Und klar, wir können dazulernen, aber ich mag diesen übergestülpten, fast hysterischen „Du musst, du musst“-Move nur einfach nicht, der bewirkt bei mir das Gegenteil, ich will dann immer ne Tüte Chips aufreißen, wenn das jemand sagt oder zur Currywurstbude.)

Autistisches Kind
Vielleicht habt ihr auch einen neuen Sport entdeckt, den ihr liebt. Foto: pixabay

Ich denke darüber nach, wie auch in unserem Alter unsere Körper noch bewertet werden, unsere Haut, unser Hintern, unser Outfit, ich rechne im Kopf zusammen, was Frauen für Nahrungsergänzungsmittel und Gesichts- und Nagelbehandlungen ausgeben und fühle mich als Teil einer Industrie. Einer Industrie der Verunsicherung und Optimierung. Und ich sehe hier keine Gleichberechtigung und sehr viel mehr industrielle Beautygewichtung bei Frauen als bei Männern.

Ich sehe Männer, die nach außen rausposaunen, wie wichtig Gleichberechtigung ist und die derweil Tag und Nacht für den Job unterwegs sind, indem sie weibliche Ideen für ihre eigenen verkaufen, aktiv andere Mitarbeitende vor Kolleginnen warnt, die ihnen ihre Job-Posten strittig machen könnten… und das alles, während ihre Frau die Kinder und den Haushalt hütet (die will das so!). Uns fällt das jetzt auf. Vielleicht sprechen wir es sogar an (das macht schön, Ungerechtigkeiten zu benennen)!

Ich sehe Töchter, die schlau und wunderschön sind und die aber nun glauben, sie hätten ein Lipödem oder ADHS, weil Extravaganz viel zu oft als Schwäche, Diagnose oder Krankheit verkauft wird (ich spreche nicht von der wahren Erkrankung Lipödem oder von der wahren Diagnose ADHS, natürlich gehören die ernstgenommen, ich rede von Vermutungen, die verunsichern). Ich sehe viele junge Männer Proteinshakes trinken und Muskeln stählen.

Schelchte Hausfrau
Lachen und Leichtigkeit gehören zu den schönsten Beautygeheimnissen. Foto: pixabay

Ich höre von Hormongels, die Ehen retten, weil die neue weibliche Wut nun wieder in Schach gehalten wird (eigene Aussage einer Freundin, sicher nicht repräsentativ). Und ich merke während des Schreibens, wie melancholisch dieser Text wird, obwohl das gar nicht der Plan war. Vielleicht bin ich müde von alldem? Vielleicht hab ich Glück, auf dem Land zu wohnen mit viel Wald drumherum. Bäume akzeptieren mich so wie ich bin.

Wenn ich Gesprächen zu Microneedeling oder Kältekammern oder CO2-Behandlungen lausche, dann wünsch ich mir manchmal, es ginge in all der Optimierung öfter auch um die Schönheit von innen, um Gehirntrainings statt Mucki- oder Beautybuden. Um Fort- oder Weiterbildungen, die uns erfüllen, damit unser Kopf schöner wird. Unser Innerstes. Damit wir strahlen können. Ins Äußere.

Ich fänd das auch so schön als Vorbild für unsere Teens (denn wow, ich höre von 8Jährigen, die Gesichtsmasken und Haarpackungen im Drogeriemarkt kaufen)! Du hast Summe X, investierst du das Geld in die eigene Körperoptimierung oder in ein tolles soziales Projekt? In eine sinnstiftende Aufgabe? Vielleicht geht ja sogar beides, aber seit eine Tankfüllung so viel kostet wie mein erstes Auto, gehe ich nicht mehr davon aus, dass bei den meisten beides funktionieren kann. Vielleicht dann doch lieber die Gesellschaft unterstützen oder ins Hobby investieren als die Pharmabranche mit Botox und Co.?

Unsere Midlife nutzen

Mich interessiert die Falte auf deiner Stirn nicht, aber was hast du jüngst gelernt? Bist du weise geworden? Kannst du das Leben aus einem neuen Blickwinkel betrachten? Wie hast du dich verändert? Welche Weggabelung hast du genommen? Was gibt dir Tiefe, bei all der Oberflächlichkeit der Welt? Geht es im Leben wirklich um die glatteste Haut oder vielleicht doch um ein Glücksgefühl von innen? Sind Lachen und Leichtigkeit nicht die schönsten Beautygeheimnisse?

Und ja, verdammt, die Midlife setzt uns auf den Pott. Sie schont uns nicht, sie darf uns zeigen, was wir wirklich wollen, sie darf uns kündigen lassen, weil wir keinen Bock mehr haben, für ne doofe Chefin zu arbeiten, sie darf uns zweifeln lassen über Weggabelungen, sie darf Freundschaften verändern und Partnerschaften. Die Midlife ist ein Durchschütteln.

Wir schütteln ab und schauen, was dennoch bei uns bleibt, ein bisschen wie ein Schnitzel in Paniermehl, das beim Abklopfen nochmal Semmelbrösel verliert. Und natürlich dürfen wir dann sagen: Hey, ich tu jetzt mehr für mich. Vielleicht sogar mehr für Haut und Schenkel, aber möglicherweise nicht nur. Vielleicht auch für was Größeres, was Veränderndes, was Bleibendes.

Wir haben jetzt Lebenserfahrung, wir sehen jetzt klarer, wir dürfen aus- und einsortieren, wer oder was noch zu uns passt. Wir dürfen Neues entdecken und uns auch selbst nochmal neu kennenlernen. Wir selbst setzen da die Prioritäten, lasst euch von mir, die hier grad einfach mal ungefiltert Gedanken raushaut, überhaupt nicht beeinflussen, denn auch das darf Teil der Midlife sein: Dass wir uns von Wellen nicht mehr zwingend mitreißen lassen, dass wir auch sicher stehen, wenn´s andere anders machen. Auf dem Weg zu mehr innerem Frieden, wie auch immer wir dahinkommen mögen…

Was hat sich bei euch verändert in der Midlife? Habt ihr Freunde aussortiert, die nicht mehr passen? Seid ihr zu einem neuen Hobby gekommen oder habt ein altes wieder aufleben lassen? Habt ihr nochmal den Job gewechselt oder eine Weiterbildung gemacht? Ernährt ihr euch anders oder merkt, dass ihr klarer seid in euren Entscheidungen? Fällt euch auch mittlerweile auf, wenn sich ein Mann im Job vor euch drängelt? Wie hat sich euer Verhältnis zum eigenen Äußeren verändert? Fühlt ihr euch verunsichert oder bestärkt von all den Empfehlungen für Frauen in der Perimenopause? Erzählt doch mal.

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3 comments

  1. Die Nahrungergänzungsmittel Industrie ist wirklich krass, und durch massive Werbung glauben die Leute, sie würden sich etwas unglaublich Gutes tun, so viel wie möglich zu schlucken. Ich habe mal für meine Schwägerin recherchiert, die eine ganze Kiste voll Supplements hat, was davon wirklich wissenschaftlich einen Nutzen bringt. Das Ergebnis war: nichts davon! Eventuell Vitamin D im Winter, aber der Nutzen ist tatsächlich auch nicht eindeutig bewiesen. Und was viele nicht wissen: Nahrungergänzungsmittel haben nicht denselben aufwendigen Zulassungsprozess wie Arzneimittel! Das heißt, die Wirksamkeit muss für NEM nicht belegt werden. Schaut euch mal die Produkte genau an, die ihr kauft. Oft sind auch Laborzertifikate beigefügt, die Laien suggerieren, dass das Produkt ausreichend getestet und sicher ist. Es wird aber lediglich untersucht, ob das Produkt frei von Schadstoffen (z.B. Arsen, Blei, Quecksilber, Bakterien, Schimmelpilze) ist. Die Wirksamkeit und vor allem auch die Unbedenklichkeit muss NICHT belegt werden und wird demnach auch nicht untersucht, da dieser Prozess mit immensen Kosten (wissenschaftliche Studien) verbunden wäre.

    1. @Chris: ich stimme Dir zu, und mochte auch den Ausgangsartikel, möchte aber noch ergänzen, dass das für Produkte für die „innere“ Schönheit (Kurse, Coachings) genauso gilt und die werden hier auf dem Blog doch recht häufig dargestellt und (ich weiß, nicht im rechtlichen Sinne) beworben.
      Auch da gibt es oft keinerlei Nachweis von Kompetenz, Wirksamkeit oder Schadensfreiheit und eine Menge Kosten tut es auch.

  2. Liebe Lisa,
    die Midlife bei uns Frauen ist ein Thema, das gehört werden möchte. Ich bin jetzt 45 Jahre alt, habe 2 Töchter in der Pupertät und wieder mehr Zeit für mich. Ich laufe 2 Mal wöchentlich jeweils 5 km und fühle mich dadurch lebendig und selbstbestimmt. Ich mag es wieder mehr Zeit für meinen Körper und meine psychischen Befindlichkeiten zu haben. Ich tanze auch in einer Faschingstanzgruppe für Frauen, obwohl ich noch nie im Leben getanzt habe.
    Mehr Zeit für mich selbst hilft mir auch beim Umgang mit den Töchtern in der Pupertät.
    Ich mag die Lebensphase, ohne Fokussierung auf Beautyprodukte für die Frau ab 40+.

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