Liebesbetrüger: Er nutzte mich nach dem Tod meines Mannes aus

Liebesbetrüger

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Ihr Lieben, leider ist unsere Leserin im letzten Jahr auf einen Liebesbetrüger reingefallen, der zwar nicht wie ein klassischer Lovescammer auf ihr Geld aus war (zumindest NOCH nicht, sie hat früh genug den Absprung geschafft), der sie aber von Anfang an belogen und sie später geghostet hat. Die Vorgeschichte: Ihr Mann war plötzlich verstorben und sie sehnte sich nach ein bisschen Liebe… der Typ nutzte diese emotionale Ausnahmesituation aus. Hier erzählt sie ihre Geschichte, um andere davor zu warnen.

Auf Liebesbetrüger reingefallen: Das passiert doch nur den anderen!

Wir alle kennen genug Geschichten über Frauen, die sich in einen Traummann verliebt haben und am Ende zumindest emotional, wenn nicht sogar finanziell verarmt aus der vermeintlich perfekten Romanze herausgekrochen sind. Das Fernsehen ist voll davon. Aber sowas passiert doch nur den anderen. Den dummen Hühnern. Oder?

Nun, ich bin eigentlich kein dummes Huhn. Aber ich hatte einen dummen-Huhn-Moment, und über den möchte ich euch heute berichten. Mein Mann verstarb vor gut einem Jahr und ließ mich mit zwei Kindern und einem Hund zurück. Relativ schnell fing ich an, zu daten.

Jede*r trauert anders… und mein Weg war es, mich mit Männern zu treffen, die mich emotional auffingen, die nichts mit dem Leben vor dem Tod meines Mannes zu tun hatten, und die mich als Frau sahen, nicht als Witwe mit Anfang 50.

Irgendwann sehnte ich mich nach einem neuen Partner

Onlinedating
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Ging es anfangs nur um lose Bindungen um eine gute Zeit miteinander zu verbringen, nahm meine Sehnsucht nach einer tieferen und engeren neuen Bindung nach einem Jahr merklich zu. Ich änderte mein Profil auf meinem Stamm-Online-Datingportal zu „Suche Partner“. Wenige Tage später schrieb mich Marcus an.

Er schrieb sauber, klar und wir kamen schnell und tief in Themen, die mich ihm nahebrachten. Er erzählte, er sei seit zwei Jahren Witwer, seine Frau sei einem Krebs erlegen, zwischen Diagnose und Tod hätten nur 7 Monate gelegen. Er gab vor, zu wissen, was der Verlust des Lebenspartners bedeutet, hatte Verständnis für mein gefühlsmäßiges Hin- und Herschwanken und ließ mich frei und offen reden bzw. schreiben, ohne Dinge zu hinterfragen oder zu versuchen, zu korrigieren.

Am Anfang konnte er alles noch gut begründen

Wir telefonierten schnell, die unbekannte Nummer erklärte er (ungefragt) damit, dass das sein Firmenhandy sei und er manchmal seine Nummer nicht an alle Handwerker herausgeben wolle. Rückwirkend gesehen war das das Erste, was mir hätte merkwürdig vorkommen können.

Er behauptete, Architekt zu sein und habe nur deshalb keine Website, weil er das Büro von seinem Vater übernommen hatte und er seine Kunden vor allem über Mundpropaganda erhielt. (Mein Cousin macht es genauso als Architekt, daher schöpfte ich hier keinen Verdacht.) Das erzählte er mir bei unserem ersten kurzen Treffen, er war unterwegs von seinem Büro zu einem Kundentermin nördlich meines Wohnortes. Er schaute mir wenig ins Gesicht, was mich irritierte.

Ich mochte ihn, er wirkte scheu und unsicher. Er sagte, ich sei sein erstes Date seit dem Tod seiner Frau. An dem Tag hatte ich blendende Laune, war glücklich und sicher nicht das Sinnbild einer trauernden Witwe. Nach dem Date war ich mir aber nicht sicher, ob er ein zweites Treffen wollte. Er wirkte zurückhaltender, als ich es mir gewünscht hätte.

Während seines Kundentreffens chatteten wir ein wenig, er erzählte, wie der Kontakt lief und dass er nach dem Treffen noch zu seiner Schwester gefahren sei auf einen Absacker. Die Schwester, die ihm während der Trauerphase seine wichtigste Stütze gewesen war.

Er fragte nie nach meinem Job

Marcus trug noch seinen Ehering. Ich sprach ihn darauf an, er erwiderte, er habe ihn noch nicht ablegen können, und fragte gleich, ob das ein Problem sei. Ich fand es wunderbar, ich selbst hatte mir die Initialen meines Mannes auf mein Handgelenk tätowieren lassen, um ihn immer bei mir zu haben. Es gibt auch rückwirkend betrachtet wenig Situationen, die mich heute an die Stirn greifen lassen. Das Auffälligste war wohl, dass Marcus wenig über meinen Job fragte. Ich dachte, es sei ihm einfach nicht wichtig.

Während wir eines Abends chatteten, es war drei Tage nach unserem kurzen Date, und ca. zwei Wochen nach dem ersten Kontakt und ich erzählte, dass ich noch nicht alle Chats mit anderen Männern abgebrochen hatte, schrieb Marcus, er könne das alles nicht mehr, es täte ihm leid. Ich konnte ihn noch überreden, mir „zuzuhören“, und schrieb ihm, wie stark meine Gefühle für ihn seien. Das wiederum ist nicht ungewöhnlich für mich. Ich verliebe mich zwischen dem ersten und dem zweiten Treffen.

Das ist immer so gewesen, auch bei meinem Mann, mit dem ich 25 Jahre eine, unterm Strich, sehr gute Ehe geführt hatte. Meinen Mann habe ich getroffen, wir wussten sofort, wir sind füreinander die Richtigen und es gab nie ein Zweifel daran. Für Freunde waren wir das Traumpaar, obwohl, oder auch vielleicht weil wir offen mit unseren Konflikten und unserem Miteinander umgingen.

Ich entwickelte schnell tiefe Gefühle

Also war es für mich nicht weiter erstaunlich, dass ich schnell so tiefe Gefühle für Marcus entwickelt hatte. Jedenfalls war es nicht neu für mich, ich gehe da gerne „all in“. Warum ausgerechnet bei Marcus, nicht bei einem der anderen definitiv besser aussehenden, weniger verletzlich wirkenden, finanziell besser aufgestellten, charmanteren Männern, das weiß ich nicht, aber so ist die Liebe halt.

Marcus verließ den Chat trotzdem und löschte ihn gleich für mich mit. Ich starrte auf mein Handy und konnte es nicht fassen. Die Nacht und der nächste Tag waren sehr schwer für mich. Ich hatte das Gefühl, gerade geheilte Wunden wieder voll aufgerissen zu haben. Ich hatte mich das erste Mal seit dem Tod meines Mannes ernsthaft verliebt. Und ich fragte mich nach der Funktion dieses Mannes in meiner Entwicklung. Ich glaube fest daran, dass jeder Mensch eine Funktion übernimmt, niemand kommt (und geht) ohne Grund, meiner Erfahrung nach.

Ist jetzt alles aus?

Um für mich die Sache abzuschließen, schrieb ich Marcus einen Brief. Schreiben bedeutet Verarbeitung für mich. Ich schrieb über meinen Schmerz und meine Sehnsucht und meine Suche nach Geborgenheit. Es war ein wunderschöner Brief, eine Liebeserklärung an ihn und an das Leben. Ich schickte den Brief auf der Dating-Plattform an sein Profil – und begann, Marcus zu vergessen.

Als er sich zwei Tage später wieder meldete, mit einer Antwort, die zu wunderschön war, um wahr zu sein, blieb ich misstrauisch. „Ach du,“ sagte mein bester Freund, „manche Männer können so schreiben, vermute nicht überall eine KI dahinter!“ Und auch meine Irritation, dass ich bis dato keine Traueranzeige von Marcus‘ Frau online gefunden hatte (nichts hatte ich von den beiden gefunden), wischte besagter Freund weg mit einem „Das ist nicht so ungewöhnlich.“

Wiederbeginn der „Beziehung“

Marcus und ich nahmen unsere „Beziehung“ wieder auf. Ich machte mir allerdings Screenshots von dem Chat und hielt meine Gefühle mit allen Kräften zurück. Ich wollte beim nächsten Treffen mit ihm über das Ghosting sprechen, auf das ich trotz aller „Es ist so viel zu tun am Ende des Jahres“-Bekundungen bestand.

So sehr, dass er nur zwei Tage später erneut den Chat löschte. Dieses Mal lachte ich laut auf und dachte nur: „Das ist sowas von lächerlich!“. Dann begann ich, seine Bilder zu googeln. Umso erstaunter war ich, als ich eines von Marcus‘ Bildern auf Facebook fand, gepostet von seinem Chef vor sechs Jahren („Aha, er arbeitet in einem Autohaus, nix mit Architekt.“).

Die Lügen kommen raus

Mein Marcus hat in echt einen deutschen Standardnamen, und so konnte ich neben seiner Arbeitsstelle nichts weiter von ihm eindeutig herausfinden. Zwischenzeitlich hatte ich ihn auf dem Onlineportal gemeldet, doch bevor das Kundencenter dort reagieren konnte, hatte er sein Profil bereits gelöscht.

Letztendlich hat Marcus nichts strafrechtlich Relevantes getan, moralisch sieht das natürlich ganz anders aus. Er hat bewusst ausgenutzt, dass ich mich in einer vermeintlich emotional schwachen Position befand. Vermutlich hat er nicht damit gerechnet, dass ich so schnell zurück auf die Beine komme.

Doch was wollte er eigentlich von mir? Ich habe keine Ahnung. Es ging nie um Geld. Ich vermute, dass er sich daran aufgeilte, dass er emotionale Macht über mich hatte. Dabei weiß ich nicht, wie weit er gegangen wäre. Vielleicht wollte er auch nur einen Online-Sex-Chat, auch das ist ja nicht so selten, aber dazu muss man ja nicht von vornherein lügen.

Ich wollte wissen: WARUM?

Mail schreiben
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Die Frage nach dem Warum habe ich ihm gestellt, als ich ihm eine Woche später eine Mail an seine Arbeitsstelle schrieb. Ich wartete bewusst ein paar Tage, um die Rachegelüste verstreichen zu lassen, die in mir auf niedriger Flamme brodelten, und um so wenig emotional wie möglich in die Sache reinzugehen. Ich bat ihn in dieser Mail, seiner Frau schöne Grüße auszurichten.

Er antwortete nie. Was für mich bedeutet, meine Mail ist entweder im Spamfilter gelandet oder ich habe den Nagel auf den Kopf getroffen. Was lerne ich aus der Situation? Was nehme ich für mich mit? Was war die Funktion von Marcus in meinem Leben?

Wie geht es jetzt weiter?

Ich habe verstanden, dass ich wieder fähig bin, mich zu verlieben. Das ist eine gute Entwicklung, denn ich habe oft gezweifelt, ob das nach der Liebe meines Lebens überhaupt gehen würde. Ich habe mir geschworen, mich nie mehr emotional abhängig von einem Menschen zu machen, und mich damit nie mehr so verletzbar zu machen. Diesen Wunsch hatte ich schon nach dem Tod meines Mannes, und ich merkte, dass es ein wichtiger Charakterzug meines künftigen Ichs werden soll.

Aber noch etwas anderes hat diese Geschichte in mir bewirkt. Ich habe gelernt, dass man kein dummes Huhn sein muss, um am Ende dumm dazustehen, sondern dass ein Ausnahmezustand reicht, um einen „Dummes-Huhn-Moment“ zu haben. Ich habe gelernt, wie perfide manche Typen vorgehen, oder wenigstens solche, die das nicht zum ersten Mal gemacht haben, wie eindeutig Marcus. Und ich habe entschieden, andere vor Menschen wie Marcus zu warnen.

Mädels und Frauen, haltet die Augen offen! Macht ab und zu einen Screenshot von euren Chats, redet mit euren Freund*innen und Angehörigen über die neue Beziehung, auch wenn sie noch am Anfang steht und verzeiht euch selber, wenn ihr mal ein dummes Huhn seid. Ich behaupte: Es kann jede*r passieren.

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1 comment

  1. Vielen Dank für den ehrlichen Bericht.
    Ja, diese Momente können jeden von uns treffen.
    Ich wünsche dir alles Gute weiterhin und irgendwann wirst du bestimmt einen tollen Partner finden.
    Liebe Grüße

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