Ihr Lieben, hattet ihr Neujahrsvorsätze? Weniger Alkohol, mehr Bewegung, weniger Handykonsum? Ich glaube, jede von uns hat sich in der letzten Zeit gedacht: Ach, ein bisschen bewusster könnte ich hier und da schon mit einigen Dingen sein….Unsere Leserin Anja aber ist mittlerweile total genervt von all den überzogenen Neujahrsvorsätzen und hofft, dass sich bald alle wieder beruhigen…
Mich nerven all die Neujahrsvorsätze!
„Lust am Freitag auf Italiener?“, schrieb ich einer Freundin. „Lust schon, aber ich versuche jetzt drei Monate nach 17 Uhr nichts mehr zu essen. Daher kann ich leider nicht“ antwortete sie. Ich könnte schreien, wenn ich sowas lese. Meine Freundin hat Lust auf italienisches Essen, aber verbietet es sich selbst, weil sie denkt, es sei sinnvoll, nach 17 Uhr nichts mehr zu essen.
Meine andere Freundin ist jetzt ein Protein-Junkie und schleppt kostenweise körnigen Frischkäse nach Hause. Daraus macht sie alles – Pizza, Quiche, sie löffelt ihn pur oder auf Reiswaffeln. „Schmeckt dir das eigentlich?“, fragte ich sie. „Geht so. Ist aber ein mega Eiweislieferant“, sagte sie und es folgte eine halbstündige Aufklärung, wie wichtig Protein für uns sei.
Meine Kollegin macht jetzt keine Mittagspause mehr, sondern sammelt in der Zeit lieber Schritte. 10000 Schritte Challenge, you know? Meine Schwester wiegt morgens ihre Haferflocken fürs Müsli, denn es sollen nicht mehr als 40 Gramm sein wegen Kaloriendefizit. Wohin ich auch höre und schaue: Alle sind mit Selbstoptimierung beschäftigt.
Ich mache auch gerne Sport, ich futtere auch nicht jeden Abend eine Tüte Chips und wenn ich das Gefühl habe, dass ich ein bisschen zu oft am Rotweinglas nippe, dann reduziere ich das auch sofort. Aber: Ich esse gerne Pasta, ich faulenze mal nen ganzen Sonntag im Jogginganzug, es geht doch um gesunde Balance! Wer eine Pizza (diese göttliche Erfindung!) aus Hüttenkäse herstellt (und nicht, weil er allergisch auf etwas ist, sondern einfach, weil es weniger Kalorien hat!), dem ist doch nicht mehr zu helfen!
Mich nervt, dass alle dabei so verbissen sind. Hat das was damit zu tun, dass wir alle um die Vierzig sind und ein Problem damit haben, zu altern? Denken wir wirklich, wir müssten noch genauso straff sein wie mit 20? Nochmal: Es geht nicht darum, nonstop Chips zu futtern, sondern zu begreifen: Wir haben nur einen Körper, nur ein Leben. Alles Extreme schadet. Genuss ist wichtig, liebevoll mit sich zu sein ist wichtig. Dieser ganze Verzicht, die Selbstoptimierung – wo soll das hinführen?
Warum ziehen wir es vor, ab 17 Uhr hungrig zu sein, als einen geselligen Abend mit Freundinnen zu haben? Warum drehen sich fast alle Neujahrsvorsätze um Äußerlichkeiten (oft wird es jetzt als fit sein getarnt, aber meist geht es doch ums abnehmen)? Warum hören wir so wenig: 2026 möchte ich mehr lachen. Oder: Im neuen Jahr möchte ich mich sozial engagieren? Oder: Ich möchte eine gute Freundin sein. Oder: Ich gehe endlich zu einem Tanzkurs.
Ich glaube, unsere Generation ist immer noch so gefangen in dem Körperbild-Trauma, das wir alle von klein auf mitbekommen haben. Und das ist so verdammt schade.
Gut ist nur, dass all diese Vorsätze meist Ende Februar verschwunden sind und meine Freundinnen wieder zum Vorschein kommen. All diese tollen, lustigen Frauen, die diese Selbstoptimierung gar nicht nötig haben, weil sie schon längst ganz großartig sind.




5 comments
Neujahr nutze ich lieber zur Einkehr, zum Bedenken, Loslassen, Vorausschauen, Dankbarkeit und Freude.
Im christlich sozialisierten Umfeld wird es dafür ab Aschermittwoch anstrengend: Kein Fleisch, kein Alkohol, kein Zucker, keine Süßigkeiten… Ganz abgesehen davon, dass mir nie was fehlt ohne Fleisch und Alkohol, empfinde ich das wie ein wetteifern. Und auf was verzichtest du? Was fastest du?
Was wäre denn damit: Jeden Tag einem Fremden unerwartet ein Lächeln schenken? Dem Bettler doch einmal was in seinen Pappbecher geben?
Ich habe zwar schon im November damit angefangen, aber bin gerade auch auf einem Süßigkeiten-Verzicht. Mir gelingt es einfach nicht einen gesunden Umgang damit zu finden und ich rutsche immer wieder ins unkontrollierte Naschen ab. Klar wäre ein sinnvoller Umgang damit wünschenswerter, aber es fällt mir leichter, komplett darauf zu verzichten, als es in Maßen zu dosieren. Seit zwei Monaten bin ich endlich mal stolz auf meine Disziplin und fühle mich gut damit. Klar gehört zum eigenen Verzicht auch immer irgendwo eine Auswirkungen auf andere, aber vielleicht wäre es als gute Freundin eine Möglichkeit noch mal genauer hinzuschauen, warum das so gehandhabt wird. Meistens gibt es Hintergründe, die von außen gar nicht so leicht erkennbar sind.
Nicht jeder gute Vorsatz dient der Selbstoptimierung (die ich auch kritisch sehe). Manchmal ist Abnehmen gesundheitlich sinnvoll, wenn man die eigene Wahrscheinlichkeit für gesunde Jahre erhöhen will. Oder die Fitness steigern will, um Sportliches zu können, von dem man träumt. Oder man mit Sport und/oder Erholung etwas gegen den Alltagsstress tun will.
Hallo, ich finde es auch sehr lustig, dass es plötzlich wieder voll ist im Fitnessclub und die eine oder andere Freundin plötzlich auf die Ernährung schaut. Doch mich nervt es gar nicht, ich finds ja eher gut, denn ich habe schon seit März letzten Jahres mein Leben gesundheitsbewusster umgestellt und habe jetzt wieder motivierte Mitstreiter! Ich habe 17 kg abgenommen und fühle mich so viel besser und wohler und halte auch wieder konditionell mit meinen Teeniekindern mit und freue mich drauf, zu spüren, wie es im Skiurlaub jetzt laufen wird. Im Sommerurlaub bin ich schon so schnell und ausdauernd gewandert, dass mein Mann ganz erstaunt war. Mich nervt ja eher, warum gesellig sein so oft Alkohlkonsum voraussetzt und man komisch angeguckt wird, wenn man eben mal nicht mittrinkt. Oder warum die Proteinpizza belächelt wird, ich glaube ja eher ein Großteil der Gesellschaft frisst und säuft sich sehender Augen krank und tot. Ich liebe zum Beispiel auch Gesellschaft auf Spaziergängen und zum gemeinsamen Badminton spielen und plaudere danach ganz angeregt bei alkoholfreien Getränken und habe dann wenigstens auch erholsamen Schlaf und schnaufe nicht bei jeder Treppe! Also vielleicht findest Du mit Deinen Freundinnen einfach auch einen anderen Rahmen um gemeinsame Zeit zu verbringen! Und warum uns dieses Bewusstsein jetzt alle um die 40 ereilt, dazu ist meine Theorie, dass die Kinder aus dem Gröbsten raus sind, wir wieder mehr Zeit für uns selber haben und aber auch unsere Eltern altern sehen bzw. schon begraben mussten und so der Wert Gesundheit einfach steigt. Ich musste jetzt innerhalb von 4 Jahren beide Eltern beerdigen und habe seither den großen Lebenswunsch möglichst gesund alt zu werden und versuche so viele Risiken auszuschalten, die auf Krankheit im Alter einzahlen, dass mir blöde Sprüche echt egal geworden sind. Denn die Folgen des Raubbaus am eigenen Körper spüren wir Frauen meist erst in den Wechseljahren und danach und ich möchte auch in meinen 70 ern noch möglichst selbstständig und fit sein!
Ich finde bei den Neujahrsvorsätzen geht es oft darum aus Gewohnheiten auszubrechen und dabei herauszufinden: Was tut mir gut? Was brauche ich eigentlich wirklich? Was kann ich ändern, damit es mir besser geht?