Ihr Lieben, Inges Tochter hatte Probleme beim Lesenlernen und verlor schnell die Freude an Büchern. Weil Inge das nicht einfach so hinnehmen wollte, beschloss sie, Bücher zu erschaffen, die Kindern mit Lese-Rechtschreibschwäche entgegen kommen.
Vor 3 Jahren gründete Inge also in Eigeninitiative den LAUTER VERLAG und hat bisher mehrere Bücher für Erstleser bzw. Kinder mit Lese-Rechtschreibschwäche herausgebracht. Ihr einzigartiges Leselernkonzept: Ihre Bücher bestehen allesamt aus sehr kurzen Wörtern mit maximal 5 Buchstaben, wodurch der Inhalt eines Buches natürlich leichter und zügiger erfasst werden kann als bei Büchern mit längeren Wörtern.
Außerdem markiert sie nicht die einzelnen Wortsilben farblich (wie es sonst in den Erstlesebüchern gehandhabt wird), sondern Diphthonge (ei, ie, au, eu etc.) und Konsonanten-Verbindungen (ch, sp etc.) – also jene Buchstabenverbindungen, die anders ausgesprochen werden müssen. Durch dieses neue Konzept des Lauter Verlags erzielen Kinder viel schneller Leseerfolge, als mit den sonst üblichen Erstlesebüchern – insbesondere jene, denen der Einstieg ins Lesen schwer fällt oder die auch mit zunehmendem Alter noch Probleme haben, sogenannte Bücher für „1. Klässler“ zu lesen.
Uns hat diese tolle Idee der alleinerziehenden Vierfachmama so begeistert, dass wir sie zum Interview gebeten haben. Hier kommt ihre ganze Geschichte:
Liebe Inge, wie so oft entstehen die besten Ideen, wenn man selbst für ein „Problem“ eine Lösung finden muss. Bei dir ging alles los, als deine Tochter Schwierigkeiten beim Lesen hatte. Erzähl mal mehr
Als Mutter von vier Kindern, war mir früh aufgefallen, dass meiner Jüngsten das Lesen leider nicht gerade zufiel. Als sie eines Tages meinte, sie sei dumm, weil sie nicht lesen könne, bekam ich richtig Herzschmerz. So konnte es nicht weitergehen! Wir übten das Lesen immer wieder, aber selbst zum Ende der zweiten Klasse fand sie sogar noch die Bücher für die erste Klasse viel zu schwer. Sie gab sich wirklich große Mühe, aber sie schaffte die vielen langen Wörter nicht.
Mein Kind war frustriert, dass das Lesen bei ihren Mitschüler*innen klappte und bei ihr nicht. Sie strengte sich wirklich an, dass konnte man an ihrer Körperspannung sehen. Vor langen Wörtern holte sie tief Luft und buchstabierte los. Doch mehr als 4 Buchstaben blieben ihr einfach nicht im Gedächtnis. Sie hatte mit ihren Fähigkeiten keine Chance, die Bücher alleine zu lesen. Auch die Arbeitsblätter aus der Schule gaben ihr die Rückmeldung: Du kannst das nicht, du musst noch üben. Doch ich wusste: Sie will lesen!
Wann hast du gedacht: Ich finde da selbst eine Lösung und wie waren deine ersten Schritte?
Es fing an mit „du liest die kurzen, ich die langen Wörter“ – wir Mütter sind ja findig. Doch nun diskutierten wir über die Wortlänge und wer folglich welches Wort zu lesen hatte. In diesem Moment wünschte ich mir Bücher, in denen die Wörter maximal 4 Buchstaben lang waren, dann würde sie alle Wörter mit etwas Anstrengung ganz ALLEIN (!) schaffen. Doch diese gab es nicht. Also schrieb ich ihr Geschichten, in denen jedes einzelne Wort aus maximal 4 Buchstaben bestand – und merkte: ja, das geht! Plötzlich fand sie wieder Gefallen am Lesen und war abends nicht mehr zu müde, um selbstständig zu üben.
Und aus diesen Geschichten sind Bücher entstanden. Was unterscheidet deine Bücher von anderen?
Sie sind wirklich leseleicht und schaffen schnell Leseerfolge! Die Bücher bringen ausschließlich kurze Wörtern mit. Je nach Reihe sind die Wörter 2 Buchstaben, maximal 3, maximal 4 oder maximal 5 Buchstaben lang. Kurze Wörter sind sogar die häufigsten: 48 % der 100 häufigsten Wörter der deutschen Sprache sind maximal 3 Buchstaben lang, 78% maximal 4 und 92% maximal 5 Buchstaben lang. Es ergibt absolut Sinn, Leseanfänger*innen mit kurzen Wörtern ans Lesen heranzuführen. Sie sind leichter zu erfassen und häufiger!
Eine weitere Besonderheit in unseren Büchern sind die Lautmarkierungen. Wir markieren in allen Buchstaben-Büchern Lautverbindungen wie „ei“, „ie“, „au“. So werden jüngste Leser*innen an die Zusammengehörigkeit und besondere Aussprache erinnert. Wir berücksichtigen so auch die altersbedingt geringe Konzentrationsfähigkeit: Die Kinder müssen beispielsweise nicht erst „K-A-U-M“ lesen, um festzustellen, dass sie die Lautverindung vergessen haben, sondern sehen gleich: „K-AU-M“.
So trainieren wir auch die visuelle Wahrnehmung dieser Einheit. DaZ (Deutsch als Zweitsprache) und DaF (Deutsch als Fremdsprache) feiern diese Methode, die m.E. nicht im Widerspruch zur sonst gängigen Silbeneinfärbung steht. Kinder nehmen die Hilfe an, die Sie brauchen: zu Beginn die Lautmarkierung, später, wenn die Laute und Buchstaben sicher sitzen, die Silbeneinfärbung.
Als spielerischen Anzeiz haben wir in jedem Buch ein langes Wort versteckt. Als selbstständige Grafikerin illustriere ich übrigens jedes Buch selbst und übernehme den gesamten Prozess von der Entwicklung jeder einzelnen Geschichte bis hin zum Vertrieb. Ich biete nicht nur Bücher – ich biete ein neuartiges Konzept, welches Kinder über die Wortkürze entspannt und mit Freude ins Lesen führt.
Auf was legst du besonderen Wert?
- Charmante Geschichten für Klein und Groß. Leseleichte Texte ohne eine tolle Geschichte sind kein Motivator. Diese sollte auch der Begleitperson gefallen, andernsfalls spürt das das Kind und wird in seinem Eifer gebremst.
- motivierendes Bild-Textverhältnis für jedes Leselevel: so bleiben die Kinder motiviert und sind nicht überfordert. Die 2BBs (Buchstaben-Bücher) haben t.w. nur ein Wort pro Seite bis hin zu den 5BBs hier kommt auf ca. fünf Sätze eine illustrierte Doppelseite
- leseleichte Schrift (viele Erstlesebücher beachten das nicht): das „kleine L“ und das „große i“ sind unterscheidbar, das „a“ und das „g“ wird wie in der Grundschrift gedruckt und ich verwende einen großen Zeilenabstand. Drei Buchreihen des Verlags gibt es zusätzlich auch nur mit Großbuchstaben.
- moderne Illustrationen: so greifen auch größere Kids zu den Büchern, da sie cool und frech wirken
- reduzierte Gestaltung: die Illustrationen sollen soweit neugierig machen, dürfen aber nicht ablenken (!)
- Hardcover: damit es „ein richtiges, echtes Buch“ ist, nutze ich Hardcover-Einbände (!!!, außer das für Teens). Diese müssen auch eine gute Haptik haben, damit die Kinder ihre Bücher gern in die Hand nehmen
- gedruckt in Deutschland: bei meiner Lieblingsdruckerei im Ort, diese druckt nicht nur sehr hingebungsvoll, sondern auch CO2-kompensiert und mit Naturstrom
- Freude! Das Lesen soll Klein und Groß Freude bereiten. Auch wir haben viel Freude in die Bücher gesteckt. Ich denke, das spüren die Kids und danken es, indem sie sich anstrengen.
Wie sind die Rückmeldungen zu deinen Büchern?
Meine Tochter feiert die Bücher und liest auch nur darin. Sie weiß, die kann sie schaffen. Für mich ist das schönste Kompliment!
Die Rückmeldungen, die mich erreichen sind fantastisch: Eltern sind froh, ihr Kind endlich lesen zu sehen, jüngste Kinder lieben die Bücher und lesen sie allen vor, Förderschullehrkräfte sind begeistert, weil sie endlich Material für ihre Kids haben, und auch die Grundschullehrer*innen feiern das Konzept. Es muss nur noch bekannter werden, damit wir jedes Kind mitnehmen können. Lesen ist so wichtig und schön!
Dream big: Wohin willst du noch mit deinem Verlag?
Okay, ihr wollt es wirklich wissen? Ich will das Lesenlernen revolutionieren und unter die 10 wichtigsten Kinder- und Jugendbuchverlage kommen. Ein paar Preise wie der Jugendliteraturpreis oder Verlagspreis wären natürlich auch toll!
Wer also jetzt Inges tollen Verlag unterstützen will und vielleicht auch ein Kind mit Leseschwäche zu Hause hat: HIER könnt ihr die großartigen Bücher bestellen. Auch ideal für alle, die nächstes Schuljahr ein Kind einschulen und noch nach sinnvollen Geschenken suchen!!!!

2 comments
Die Bücher sind wirklich toll – nicht nur für Kinder mit Leseschwierigkeiten. Wir sind durch einen Beitrag des RBB darauf gestoßen, fanden das Konzept spannend, haben es ausprobiert, waren erfolgreich, hatten Spaß beim Lesen und verschenken sie seitdem gerne zu Einschulungen.
Klingt großartig!
Ich habe gleich bestellt.