Ihr Lieben, die meisten, die hier mitlesen, sind in einem ähnlichen Alter wie wir, so ein bisschen in der Mitte des Lebens und da verändert sich bei uns Frauen einfach nochmal wahnsinnig viel, vor allem im Inneren. Bei einigen kommen die Auswirkungen der Perimenopause mit einem Wumms, bei den meisten aber sind es leise Veränderungen.
Wir haben mal Heilpraktikerin Eva-Maria Schwienheer gefragt, die viele Frauen durch diese Lebensphase begleitet, was sie in ihrer Praxis so erlebt und wie sich das auf ihre Beratungen auswirkt, wenn Hormone den Alltag „ihrer“ Frauen durcheinanderwirbeln. Sie verrät uns auch ihre Tipps.
Was brauchen Frauen in der Perimenopause?

Vor einigen Tagen kam eine 42-jährige Patientin zu mir, die sagte: „Ich funktioniere, aber irgendwas stimmt nicht.“ Sie erzählte, dass ihr als Erstes eine hartnäckige Gewichtszunahme aufgefallen war, vor allem an Stellen, an denen sie früher nie Probleme hatte. Dazu kamen nächtliche Schlafunterbrechungen. Sie wachte mehrfach auf, fühlte sich morgens wie gerädert und war tagsüber schnell erschöpft.
Auch ihre Konzentration ließ nach. „Ich gehe in einen Raum und weiß nicht mehr, warum ich da bin.“ Besonders irritierte sie, dass sie mehr Haare am Kopf verlor und gleichzeitig feine Härchen im Gesicht bemerkte. Und dann sprach sie etwas an, das viele Frauen erst spät aussprechen. Sie war deutlich gereizter als sonst, besonders im Alltag mit ihrer Tochter, die mitten in der Pubertät steckt. „Wir zwei sind momentan wie ein kleines Hormonkabinett, nur eben auf zwei Generationen verteilt.“
Doch was steckt hinter diesen Veränderungen? Viele Frauen gehen davon aus, dass die hormonelle Umstellung erst beginnt, wenn die Periode unregelmäßig wird. In Wirklichkeit startet dieser Prozess oft deutlich früher und macht sich zuerst im Alltag bemerkbar. Der Schlaf verändert sich, die Stimmung schwankt, die Energie lässt nach oder das Gewicht reagiert anders als gewohnt.
In medizinischen Lehrbüchern beginnt die Perimenopause durchschnittlich mit etwa 47,5 Jahren. In meiner Praxis sehe ich jedoch immer häufiger, dass Frauen früher Veränderungen wahrnehmen, manchmal schon Mitte 30 oder Anfang 40. Ein wesentlicher Grund dafür ist unser moderner Lebensstil und der damit verbundene Dauerstress.
Das Hormon, das sich als Erstes verändert, ist das Progesteron. Es sorgt für stabilen Schlaf, emotionale Belastbarkeit und eine ruhige zweite Zyklushälfte. Wenn es sinkt, geraten viele Frauen schneller aus der Balance, selbst wenn der Zyklus äußerlich noch regelmäßig erscheint. Stress verstärkt diesen Effekt. Der Körper nutzt ähnliche Bausteine, um sowohl Progesteron als auch Cortisol herzustellen. Wenn über längere Zeit viel Stress besteht, hat die Produktion von Cortisol Vorrang.
Viele Frauen formulieren es sehr treffend: „Der Stress frisst mein Progesteron.“ Daraus kann sich eine sogenannte relative Östrogendominanz entwickeln. Sie erklärt viele der typischen Beschwerden dieser Phase, zum Beispiel Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, zunehmendes Gewicht oder Veränderungen am Haarwachstum.
Wie kann man herausfinden, ob tatsächlich die Hormone dahinterstecken? Für viele meiner Patientinnen ist ein Zyklus- und Symptomtagebuch der erste Schritt. Es zeigt oft schnell, wie sich Beschwerden im Verlauf des Monats verändern. Wer es genauer wissen möchte, kann einen Hormonspeicheltest durchführen lassen. Er misst die freien, aktiven Hormone wie Cortisol (das Stresshormon), Progesteron, Östradiol und Testosteron. Welche Werte sinnvoll sind, richtet sich nach der individuellen Situation.
Eine weitere Möglichkeit ist ein Hormontest im Blut. Er ist sinnvoll, wenn zusätzlich Themen wie Schilddrüse oder Eisen überprüft werden sollen. Welche Methode passt, hängt immer vom jeweiligen Beschwerdebild ab. Am Ende zählt vor allem das Gefühl: „Jetzt weiß ich, was in meinem Körper passiert.“
Was dir in dieser Phase helfen kann
Viele Frauen merken, dass schon kleine Veränderungen im Alltag eine große Erleichterung bringen. Eine kurze Pause zwischendurch, ein Spaziergang an der frischen Luft oder eine bewusst ruhigere Abendroutine entlasten das Hormonsystem und können den Schlaf verbessern.
Auch die Ernährung spielt eine Rolle. Ballaststoffreiches Gemüse, Leinsamen, Hülsenfrüchte und regelmäßige Mahlzeiten stabilisieren den Blutzucker und unterstützen den Östrogenstoffwechsel. Pflanzliche Mittel wie Mönchspfeffer, Frauenmantel oder Schafgarbe können zusätzlich regulierend wirken.
Außerdem hilft es einigen „meiner“ Frauen auch, sich in dieser Phase sehr homöopathisch begleiten zu lassen, besonders wenn körperliche und emotionale Symptome gleichzeitig auftreten. Schlafprobleme, innere Unruhe, Reizbarkeit oder das Gefühl, nicht mehr so belastbar zu sein, lassen sich oft mit einem individuell passenden Mittel auffangen. Viele Frauen berichten, dass sie sich dadurch wieder stabiler fühlen und besser schlafen.
Am Ende geht es nicht darum, perfekt zu funktionieren, sondern den eigenen Körper wieder bewusster wahrzunehmen und zu verstehen, was er braucht. Und manchmal ist es hilfreich, sich begleiten zu lassen. Ob Ärztin, Therapeutin oder Heilpraktikerin mit Schwerpunkt Frauenheilkunde: Wichtig ist, sich gesehen und ernstgenommen zu fühlen.