Ihr Lieben, über Finn und seine Mama Viki haben wir hier schon zweimal berichtet. Nach einem „banalen“ grippalen Infekt eskalierte Anfang 2023 die Situation im Krankenhaus, Finn hatte einen Herzstillstand. Er konnte reanimiert werden, ist sei dem in einem Zustand, der sich „Minimales Bewusstsein“ nennt (Hier das erste Interview). Im Februar 2024 hat uns Viki dann in einem Interview erzählt, wie sich nach endlosen Monaten im Krankenhaus die ersten Tage und Wochen zu Hause angefühlt haben und wie es Finni ein Jahr später geht (Hier alles nachzulesen).
Nun war Viki mit ihrem Mann und den beiden großen Söhnen das erste Mal wieder im Urlaub, ohne Finn. Kein leichter, aber ein wichtiger Schritt, wie sie uns im Interview erzählt:
Liebe Viki, ihr wart das erste Mal seit den Vorfällen mit Finni im Urlaub – allerdings ohne Finni. Wann habt ihr beschlossen, dass ihr eine Auszeit braucht?
Unser ganzes Umfeld, einschließlich unseres Ärzte-Teams, haben uns schon länger immer wieder zart den Vorschlag unterbreitet, dass wir mal wegfahren sollten. Wirklich gereift ist die Idee dann zu Beginn des Sommers. Lange wussten wir nicht so recht, ob wir es wirklich machen sollen, aber die Reaktion der beiden großen Brüder, als wir ihnen von unseren Überlegungen erzählt haben, war ausschlaggebend. Die beiden Jungs waren total begeistert und das hat uns Eltern dann den letzten Schubs versetzt.
Habt ihr auch darüber nachgedacht, den Urlaub mit Finni zu machen?
Ehrlich gesagt: Nein. Ein Urlaub mit Finn in seinem aktuellen Zustand wäre vieles gewesen, aber kein Urlaub. Der Sinn eines Urlaubes ist, sich zu erholen, abzuschalten, mal durchzuatmen. Das wäre mit Finn nicht möglich gewesen. Für den Aufwand, den ein Urlaub mit einem so schwer erkrankten Kind, mit sich bringt, fühle und fühlte ich mich noch nicht gewachsen.
Dir folgen auf Instagram mittlerweile ja auch echt viele Menschen. Du hast ganz bewusst entschieden, nicht zu sagen, wo Finni in dieser Zeit war. Warum?
Die Frage, wo Finn ist, war die meist gestellte Frage im Zusammenhang mit unserem Urlaub. Ich habe mich entschlossen, dazu keine Details zu nennen, weil es da draußen nicht nur gute Menschen gibt und weil ich nicht da gewesen wäre, eventuelle Konsequenzen der Nennung des Ortes abzufangen.
Man stelle sich zum Beispiel vor, jemand hätte Finn dann besuchen wollen und ich bin nicht da. Ich wollte das einfach nicht. Was ich aber sagen kann: Er war bestens und liebevollst umsorgt und ich habe mir zu keinem Zeitpunkt Sorgen darum gemacht, es könne ihm dort nicht gut gehen.
Wie ging es euch dann in diesem Urlaub?
Die ersten Tage waren schon schlimm, de Vermissung war unendlich groß. Abends, wenn wir den Tag und das Erlebte Revue passieren ließen, haben wir einfach wieder und wieder festgestellt: einer fehlt. Wie hätte Finn diesen Urlaub wohl erlebt, was für Sachen hätten wir mit ihm unternommen, was hätte ihm am Besten gefallen. Und natürlich kamen auch Erinnerungen an Urlaube hoch, in denen Finn noch gesund war.
Das war alles sehr schmerzlich, mit den Tagen wurde es aber etwas „leichter“, wenn man das so sagen darf. Vermisst haben wir ihn jedoch alle immer.
Was war für dich das Schönste an dem Urlaub?
Um ehrlich zu sein: das Gefühl, mal ein paar Tage raus aus diesem ganzen Irrsinn und sich mal ums nichts kümmern zu müssen. Keine Papiere, keine Behörden, kein Gezanke mit sonst wem…. einfach mal ein paar Tage wir sein. Fast wie früher. Nur mit einem geliebten Teil weniger.
Mit welchen Gefühlen bist du dann nach Hause gekommen?
Ich hatte eigentlich nur einen Gedanken: Ich bin zurück bei Finni. Ihn abholen, ihn halten, ihn küssen, an ihm schnuppern. Ich habe mich so unendlich gefreut, diesen kleinen Wunder-Mann wieder zu sehen, dass die ersten Tränen schon flossen, bevor ich in seinem Zimmer war.
Wie hat Finni auf euch reagiert, als ihr wieder da wart?
Ich habe ihn alleine abgeholt, Finni war gerade am Eingeschlafen. Ich habe ihn begrüßt und ihn abgeknutscht und geknuddelt . Und das hat er mit einem riesengroßen „Finni-Lachen“ beantwortet ;-)))
Hast du eigentlich auch Unverständnis a la „Ich könnte ja nicht ohne mein Kind weg?“ bekommen?
Absolut nicht, keine einzige Nachricht in diese Richtung, ganz im Gegenteil. Die Menschen um uns herum haben gesehen, dass es wichtig und richtig für uns ist. Aber ich muss auch sagen, dass ich eh nicht viel darum gebe, was andere Menschen denken. Wir hätten es auch ohne Rückhalt von außen gemacht. Es ist unsere Familie, unsere Situation und in der stecken nur wir drin.
Was möchtest du anderen Familien sagen, die sich vielleicht noch nicht trauen, einen Urlaub ohne das pflegebedürftige Kind zu machen?
Es kostet Überwindung, keine Frage. Es kostet Tränen, auch keine Frage. Es wird schmerzhaft sein, ebenso keine Frage. Aber es tut gut. Gerade, wenn Geschwister mit in der Familie leben. Unsere beiden Großen haben es so genossen und auch verdient. Sofern man also einen Platz für sein Kind hat, der vertrauenswürdig und liebevoll ist, würde ich jeden ermutigen, es wenigstens einmal zu versuchen.
Was sind die nächsten Schritte, die bei euch mit Finni anstehen?
Mitte Oktober steht der nochmalige Eingriff für den Einbau der Tiefenhirnstimulation an. Im Mai hatte Finni diesen knapp neunstündigen Eingriff bereits bravourös gemeistert – bis sich eine der Wunden mit einem Keim infiziert hat, der eine Not-OP und den vollständigen Ausbau des gesamten Systems zu Folge hat. Übler Rückschlag. Aber: Aufgeben ist und bleibe keine Option. Also packen wir es nochmal an. Und dann sehen wir, was die Zukunft bringt!
Wer mehr über die Familie erfahren mag, kann dies auf Instagram : https://www.instagram.com/vickyzettel/





