Sexualisierte Gewalt im eigenen Wohnzimmer: Die Scham wechselt die Seite

Sexualisierte Gewalt

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Ihr Lieben, als jetzt die Ulmen-Fernandes-Bombe platzte, konnten wohl viele von uns ihren Augen und Ohren nicht trauen. Es geht um sexualisierte Gewalt. Um heftige Vorwürfe der sexualisierten Gewalt. Und in diesem Fall soll sie in den eigenen vier Wänden passiert sein, im vertrauten Umfeld, initiiert von der Person, die die andere Person geliebt und der sie vertraut hat.

Der Fall Fernandes ist einer – das lässt sich schon jetzt erahnen – der uns noch länger beschäftigen wird. Die Fallhöhe ist riesig. Erfolgreicher, gehypter Promi, große Liebe mit ebenfalls erfolgreicher Moderatorin und Schauspielerin, SIE macht sogar Sendungen darüber, dass Deepfake Pornografie über sie kursiert, dass sie die Täter sucht und am Ende kommt raus: Der eigene Ehemann war´s anscheinend. Der Vater der gemeinsamen Tochter.

Ich saß grad wartend im Auto, als mir das Reel auf der Instaseite des Spiegel ausgespielt wurde und in dem es um die Recherchen zum Fall geht. Ich wollte mich kurz drauf auf den Weg zu einer Trauerbegleitung machen. Katharina schrieb mir „Oh, mein Gott… Schau sofort auf das Profil von Collien Ulmen Fernandes.“

Ich glaube, viele von uns werden sich an den Moment erinnern, als sie von diesem mutmaßlichen Verbrechen* erfahren haben, das in einem herkömmlichen Gehirn einfach undenkbar ist. „Unfassbar“ war das Wort, das wir in den ersten fünf Stunden nach der Veröffentlichung am häufigsten gelesen haben. Wir teilten die Spiegel-Recherche auch in unseren Instastories, die Reaktionen waren vor allem von Fassungslosigkeit geprägt.

Wut
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Eine Leserin schrieb uns gar, sie habe den Mann, dem all nun also vorgeworfen wird, vor einigen Jahren mal mit der Tochter in einem Freizeitpark gesehen. Das fühlt sich dann direkt nochmal näher an. Und unfassbarer. wenn man hört, dass er nicht nur Deepfake Pornografie seiner Frau produziert hat, dass er sie geschlagen haben und Fake Accounts eröffnet haben soll, über die er in ihrem Namen mit Männern flirtete und später auch sehr echt aussehende pornografische Bilder von ihr verschickt haben soll.

Ich selbst habe Collien mal als Journalistin interviewen dürfen, auch da sprachen wir schon über Deepfakes von ihr, die im Netz kursieren, da tappte sie selbst aber noch im Dunkeln, was den oder die Täter anging. Eine Frau, mit der ich schnell ins Gespräch kam, eine, die sagte, dass sie gern Bier trinkt und die Kinderbücher zu Gleichberechtigung von Jungen und Mädchen schreibt. (Wie wäre es übrigens, das Buch jetzt mal in Massen zu kaufen? Als Solidaritäts- und Unterstützungsbekundung für ihren Mut, damit an die Öffentlichkeit zu gehen?)

Derzeit lese ich „Eine Hymne an das Leben: Die Scham muss die Seite wechseln“ von Gisèle Pelicot, deren Mann sie über Jahrzehnte nachts betäubt und fremden Männern zur Vergewaltigung „angeboten“ hat. Ich hab auch das Buch ihrer Tochter gelesen. Ich habe die Enthüllungen zu den Epstein Files verfolgt und ich frage mich, wie uns da vor lauter fassungslosem Kopfschütteln nicht schwindelig werden soll.

Sexualisierte Gewalt öffentlich machen

Collien selbst sagt, es sei wie eine Todesnachricht gewesen, als ihr Ex-Mann ihr am ersten Weihnachtstag 2024 gebeichtet habe, dass er hinter den Fake-Accounts stecke. Sie habe wie im Schock reagiert. Und jetzt geht sie raus aus der Ohnmacht und rein in die Handlungsfähigkeit. Sie hat ihn angezeigt, sie geht damit an die Öffentlichkeit. Und die? Reagiert mit tausenden von rührenden Solidaritätsbekundungen.

Und das, ihr Lieben, ist etwas, das wir hoffentlich aus dieser grauenhaften Geschichte mitnehmen dürfen. Dass die Scham die Seite wechseln muss. Dass wir laut werden gegen sexualisierte Gewalt, gegen Deepfakes und Internet-Verbrechen. Dass Betroffene damit nicht allein bleiben müssen, dass sie sich rauswagen können, wenn ihnen Unrecht passiert. Es verlangt so viel Mut, aber es darf sich dann ein weiches Netz der Unterstützung um sie spannen!

Ich wünsche Collien, ihrer Tochter und allen direkt oder indirekt Betroffenen von sexualisierter und häuslicher Gewalt einfach nur eine riesige Hängematte an ehrlichem menschlichen Aufgefangenwerden. Und die volle gesetzlich mögliche Gerechtigkeit bei gleichzeitig guter Aufarbeitung, um zurück ins Vertrauen zu kommen. Alle Kraft der Welt euch!

Und an alle anderen: Haltet die Augen und Ohren offen und helft, wenn Hilfe gebraucht wird. Alle gemeinsam müssen wir schauen, wie es möglich werden kann, dass so etwas künftig keine Frau der Welt mehr erleben muss. Es braucht Präventionsprogramme, Therapieplätze, Aufmerksamkeit. Strukturen müssen aufgebrochen und Themen nicht mehr unter den Teppich gekehrt werden. Mehr Sicherheit im Netz braucht es, mehr Gelder für die Ahndung und ach… so vieles mehr. Ich eröffne die Diskussion hier gern: Was haltet ihr für am wichtigsten?

*bis zur Verurteilung gilt ja die Unschuldsvermutung, die Faktenlage sieht allerdings erdrückend aus

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5 comments

  1. Was wir alle machen können: unsere Söhne zu guten Männern erziehen und unsere Töchter zu mutigen Frauen.

    Dabei ist der Medienkonsum und die Freunde echt wichtig kritisch zu hinterfragen.
    Das ist nich übergriffig, sondern Fürsorge.

  2. Puh, also für mich ist das die schmutzige Trennung von zwei C-Promis. Ich werde mir ganz bestimmt nicht merken, wo ich war, „als diese Bombe platzte“. Ich finde es gut, dass die Justizministerin nun endlich einen Gesetzentwurf zu digitaler Gewalt vorstellen will, das war schon lange geplant. Abgesehen davon finde ich den medialen Aufschrei überzogen, erst mal schauen, was die spanische Justiz herausbekommt. Man denke an den Fall Ofarim, wo auch alle sich direkt mit ihm solidarisiert haben, am Ende war alles ganz anders. Man wird sehen.

    1. Vielleicht erst mal abwarten. Dieser Blog ist ja gleich immer gern vorn dabei. ich warte gern ab. Kachelmann, Ofarim etc. alles ähnlich inszeniert. Jugendtreff Neukölln. Dem Mädel schenkt niemand Mitgefühl und Aufmerksamkeit. Promi egal ob C D F muss man sein

  3. Für am Wichtigsten halte ich, den Opfern/Überlebenden zu glauben, unsere Kinder aufzuklären, zu sensiblisieren, Prävention zu betreiben, strukturelle Gewalt sichtbar zu machen, sie nicht mehr zu ignorieren, den Mund aufzumachen, wenn man glaubt, etwas stimmt nicht. Schweigen schützt Täter. Und das gilt vor allem für jeden Mann: Macht den Mund auf, wenn eure Kumpels sexuelle Witze reißen, Frsuen erniedrigen, sie klein halten, ihnrn Gewalt in jeder Form antun; schweigt nicht, sehr nicht tatenlos zu, SAGT ETWAS! Jeder, der schweigt, ist Mittäter!

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