Ihr Lieben, manchmal verstehen wir unsere Kinder in ihren Wutanfällen nicht… und wisst ihr was? Oft geht es ihnen genauso! Sie verstehen sich selbst nicht. Deswegen ist es so toll, wenn wir uns dem Thema über Kinderbücher nähern können, wenn die Kinder sich darin wiedererkennen und wir als Eltern dabei auch noch so viel lernen können wie in Ups, ich bin wütend von Christopher End. Wie er es geschafft hat, sich als Erwachsener (mit schon großen Kindern) in die Wut bei Kindern hineinzuversetzen und welche Tipps er für uns Eltern hat, wenn die Lage mal wieder eskaliert.
Lieber Christopher, du hast ein Buch zu kindlicher Wut geschrieben, bist du selbst ein wütender Typ?
Im Auto werde ich schnell wütend. Das ist mein Trainingsfeld. Aber grundsätzlich ist Wut für mich ein vergleichsweise neues Gefühl. Lange konnte ich sie gar nicht richtig spüren – geschweige denn ausdrücken. Von meiner Prägung her neige ich eher Richtung People Pleasing. Harmonie sichern, es allen recht machen.
Meine Wut zu zeigen, musste ich lernen. Zu sagen: „Bis hierhin und nicht weiter.“ Manche sind heute noch überrascht, wenn ich klar werde. Und ich merke: Ich darf meine Wut oft noch früher wahrnehmen. Meine Grenze früher zeigen – nicht erst, wenn es innerlich schon kocht.
Wie hast du es geschafft, dich in die kindliche Lage zu versetzen, um wirklich die Perspektive zu wechseln, damit sich die Kinder in deinen Geschichten wiedererkennen?
Das fiel mir tatsächlich leicht. Zum einen kann ich mich gut in Kinder einfühlen. Zum anderen habe ich über viele Jahre Familien begleitet. Ich weiß, wie Kinder ticken – wie schnell sie fühlen, wie groß ihre Fantasie ist. Bei Mattis (der Protagonist aus dem Buch) ist auch ein Stück von mir drin. Er träumt viel, erlebt in Gedanken Abenteuer – und bekommt darüber manchmal nicht mit, was Mama gerade möchte. Und schwups entsteht ein Konflikt. Das kenne ich. Und genau diese Mischung aus Fantasie, Intensität und Missverständnis wollte ich erzählen.
Wie bist du denn als Vater mit der Wut deiner Kinder umgegangen, hat sie dich anfangs vielleicht sogar überrascht?
Unser erstes Kind war sehr regulationsstark. Da dachte ich ehrlich: Ich mache alles richtig. Dann kam das zweite. Gefühlsstark. Intensiv. Das hat mich Demut gelehrt. Ich hatte einen Moment, der mir sehr klar in Erinnerung ist. Ich war in einem Konflikt mit meinem Kind – und plötzlich dachte ich: „Mist. So wollte ich nie sein als Vater.“ Das war ein Wendepunkt. Nicht, weil ich es ab da perfekt gemacht habe. Sondern weil ich Verantwortung übernommen habe.
Wie hast du dann gelernt, als Elternteil besser damit umzugehen?
Ich habe konsequent angewendet, was ich in meinen therapeutischen und Coaching-Ausbildungen gelernt habe: Den anderen annehmen. Gefühlen Halt geben. Mich selbst regulieren. Und meine eigenen inneren Muster anschauen und verändern. Das war der Game Changer. Nicht Technik. Sondern innere Arbeit. Und genau das vermittle ich heute weiter.
Viele Eltern geraten selbst sehr in Stress, wenn das Kind ausrastet. Vor allem, wenn andere Menschen dabei sind, da ist es ihnen dann auch schnell peinlich. Hast du einen Tipp für solche SItuationen?
Zuerst: Es ist verständlich, wenn dich das stresst. Du bist damit nicht allein. Wut ist das Gefühl, bei dem die meisten Eltern beginnen, an sich zu zweifeln. Und dann kommen noch die Blicke von außen dazu. Die Kassiererin. Der Schwiegervater. Kommentare. Erwartungen. Das erhöht den Druck enorm – und mit steigendem Druck sinkt unsere eigene Regulation.
Ein konkreter Tipp: Geh mental einen Schritt zurück. Eine Klientin hat sich vorgestellt, sie sitzt mit ihrem Kind unter einer Glasglocke. Geschützt vor Blicken, Kommentaren und Bewertungen. Das klingt simpel – aber es hilft dem Nervensystem, sich nicht zusätzlich angegriffen zu fühlen. Erst wenn du dich sicher fühlst, kannst du Sicherheit geben.
Wie schaffen Mütter und Väter es, die Wut bei Kindern nicht persönlich zu nehmen (auch wenn sie explizit gegen sie gerichtet ist in der Situation), sondern zu sehen: Mein Kind ist hier grad in Not und da muss was raus?
Es gibt drei Ebenen. Erstens: Verständnis. Zu wissen: Mein Kind ist in emotionaler Not. Es richtet sich nicht gegen mich. Zweitens: Regulation. Ich lerne Techniken, um mich selbst in diesem Moment zu beruhigen. Und drittens: Innere Arbeit. Warum fühle ich mich eigentlich so schnell angegriffen? Was wird da in mir berührt? Wenn wir diese Ebene anschauen, verändert sich etwas Grundsätzliches.
Du sagst, Wut ist an sich etwas Gutes. Wie meinst du das? Und wie kriegt man die entstehende Energie dann in die richtige Richtung gelenkt?
Wut ist unsere Grenzwächterin. Sie zeigt an, wenn etwas Wichtiges berührt wird. Sie gibt uns die Energie, für uns einzustehen. Wenn ein Kleinkind „Nein!“ schreit, dann ist das Entwicklung. Es lernt, sich zu behaupten. Wenn wir Kindern Wut abtrainieren, nehmen wir ihnen auch diese Kraft.
Ich wünsche mir, dass meine Kinder später Nein sagen können. Wenn ihnen etwas aufgedrängt wird, ein Glas Schnaps, das sie nicht mehr trinken wollen. Wenn sie unter Druck geraten – zum Beispiel in einer Partnerschaft. Wenn sie spüren: Das will ich nicht.
Dann hoffe ich, dass sie ihre Wut bei sich haben. Nicht als ungebremsten Ausbruch – sondern als klare, bewusste Grenze. Und dahin kommen wir, indem wir das Nein unserer Kinder ernst nehmen. Das heißt nicht, dass es immer nach ihnen geht. Aber ihre Wut darf da sein. Und Konflikte werden in Beziehung gelöst. So lernt das Kind: Meine Wut ist wichtig – und ich bleibe trotzdem verbunden.
Was hilft dir selbst und ganz persönlich, wenn du wütend wirst?
Ich übe, meine Wut früher zu spüren. Früher Nein zu sagen. Oder Ja. Klar. Ohne zu verletzen. Ich habe meine Wut lange genug unterdrückt. Heute möchte ich sie führen – nicht sie mich.
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Ups, ich bin wütend. Eine Vorlesegeschichte, die deinem Kind und dir hilft, mit großer Wut umzugehen. Um kindliche Wut zu verstehen und zu begleiten – starke Gefühle anzunehmen, zu benennen und sicher ausdrücken zu lernen. Um Wutausbrüche zu begleiten, festgefahrene Verhaltensmuster zu verändern und Streit zu schlichten. Vorlesegeschichte und Elternratgeber in einem Buch!
Worum es geht? Mattis hat einen richtig miesen Tag. Erst unterbricht Mama seine Raumschiff-Schlacht, dann gibt es in der Kita Zoff mit Zara. Das ist DOOF! Wenn alles so dermaßen drunter und drüber geht, kann Mattis richtig wütend werden – so wütend, dass er selbst nicht weiß, wohin mit sich. Aber zum Glück gibt es Antonia, die kluge Erzieherin, Mathilda, die yogabegeisterte Nachbarin mit einem echten Geheimtrick – und Eltern, die sich trauen, Fehler einzugestehen.
Wut gehört zu den stärksten Gefühlen im Kindesalter und manchmal wird sie so groß, dass Kinder sie kaum aushalten können. Stampfen, schreien oder weinen, weil alles zu viel wird – das stellt Familien vor große Herausforderungen. „Ups, ich bin wütend“ erzählt eine kindgerechte Vorlesegeschichte, die zeigt, wie sich Wut anfühlt und warum sie da ist. Kinder erleben, dass ihr Gefühl ernst genommen wird und nicht „falsch“ ist.
Die Geschichte begleitet ein Kind durch typische Situationen, in denen Wut entsteht, und macht deutlich: Wut ist ein Signal und darf da sein. Kinder lernen, ihre Gefühle wiederzuerkennen, Worte dafür zu finden und zu erleben, dass sie mit ihrer Wut nicht allein sind. Das schafft Entlastung, Identifikation und erste Schritte zur Selbstregulation.
Mit einfühlsamen Gesprächsanregungen unterstützt dich das Buch dabei, die Wut deines Kindes zu verstehen, gelassen zu bleiben und gemeinsam Wege zu finden, wie sich starke Gefühle wieder beruhigen. Du bekommst alltagstaugliche Strategien, um liebevoll Grenzen zu setzen und gleichzeitig Beziehung und Sicherheit zu bewahren.
„Ups, ich bin wütend“ richtet sich an Familien mit Kindern im Kita- und Vorschulalter, die den Umgang mit starken Gefühlen beziehungsorientiert und alltagsnah gestalten möchten – für mehr Verständnis, weniger Eskalation und einen gesunden Umgang mit Wut.

4 comments
C.: puh, was für eine negative Einstellung und Sichtweise. Und dann eventuell auch gleich eine sich selbsterfüllende Prophezeiung, wenn das die zugrundeliegende Einstellung ist.
Liebe andere S.,
Vielleicht ist es die zugrunde liegende Erfahrung, die C. gemacht hat…
Liebe Jule: in der beschriebenen Ausschließlichkeit? Keiner, niemand, alle, immer?
Schöne Idee – und dann kommt das Kind in die Schule. Spätestens auf der weiterführenden Schule wird keiner mehr deine Gefühle ernst nehmen. Es wird auch niemand deine Grenzen akzeptieren. Entweder du passt dich an, erträgst die Ungerechtigkeiten. Kollektivstrafen, schlechte Noten. Lehrer die ihre Macht missbrauchen, dich vor der ganzen Klasse bloßstellen und dein Selbstwertgefühl rauben. Die dir ständig das Gefühl geben nicht gut genug zu sein. Zu still, zu laut, zu schlecht, zu dies, zu das… und immer wird dir die Schuld gegeben. Die Lehrer kontrolliert NIEMAND. Sie sind immer alleine im Klassenzimmer und können machen was sie wollen. Und niemand interessiert sich dafür. Ich möchte ausdrücklich erwähnen, dass es sehr viele gute Lehrer gibt, aber die schlechten machen leider vieles kaputt und niemand hält sie auf.