Ihr Lieben, es sind so viele Themen, die uns als Midlifemom plötzlich beschäftigen: Was, wenn die Kinder groß sind, was ist mit dem Zyklus los, woher kommt die bleierne Müdigkeit, was brauch ich möglicherweise als Ergänzung zur Ernährung, wie halte ich mich fit und wie gehe ich mit plötzlichen Unsicherheiten um, obwohl ich doch sonst do selbstbewusst war. Unsere Leserin Katja gibt uns mal Einblicke in ihr Körperempfinden und Seelenleben.
Liebe Katja, du bist mitten drin in der Midlife, wie geht es dir derzeit?
Gute Frage! Eigentlich gut. Ich bin nur sehr nachdenklich geworden. Je nach Zyklusphase bin ich extrem unsicher. Und ich frage mich: liegt das jetzt am Zyklus, an den Hormonen, an meinem „Mid“-Alter oder generell an der weltpolitischen unsicheren Lage? Mir fällt es generell momentan schwer, meine Gefühle einzuordnen.
Ab welchem Moment hast du gemerkt: Ups, irgendwie verändert sich hier grad was in meinem Leben als Midlifemom (und das fühlt sich im ersten Moment vielleicht gar nicht sooo gut an)?
Einen Moment gab es nicht. Es war eher ein schleichender Prozess. Ich fand gefühlt ab 40 hat sich etwas verändert. Das ist mein Marker. Es gab viele Veränderungen bei mir. Mit 39 habe ich mein zweites Kind bekommen, mitten in der Corona-Zeit. Jobsituationen waren mehrmals schwierig und herausfordernd… es kam echt alles zusammen.
Und dazu kam noch das Körperliche: extreme Müdigkeit, extreme Blutungen, Erschöpfung hoch 1000. Und da war auch diese Unsicherheit und dieses Alles-in-Frage-stellen sehr präsent. Irgendwie hab ich ein neues Bewusstsein dafür entwickelt, dass unsere Zeit endlich ist. Was kann ich noch reißen? Soll ich nochmal etwas Neues anfangen? Oder mir ein zweites Standbein aufbauen?
Hast du das Gefühl, es liegt an deinem eigenen Alter, dass sich grad was verändert – oder liegt es auch am Alter der selbständiger werdenden Kinder. Weil die Fürsorge weniger wird und du dich vielleicht nicht mehr so gebraucht fühlst?
Noch sind die Kids kleiner (4 und 8), und klar, auch jetzt werde sie schon etwas selbstständiger, aber noch haben wir etwas zu tun 😉 Und es macht Spaß. Ich versuche, die Momente zu genießen, bin eher wehmütig und traurig, dass die Zeit so schnell rumgeht.
Ab 40 wurde mir wie gesagt erst so richtig bewusst, dass wir nur eine gewisse Zeit auf der Erde haben und dass die irgendwann vorbei ist. Klingt komisch, aber ich habe davor einfach nie so sehr darüber gegrübelt. Mich macht das traurig und klar stelle ich mir die Frage: Was will ich noch tun? Welche „Legacy“ will ich hinterlassen, was sollen meinen Kinder über mich sagen usw.. Manchmal stresst mich das total.
Welche Dinge unternimmst du, um was zu verändern: Gehst du zum Gyn und lässt deine Hormonwerte checken? Hast du eine Weiterbildung im Auge, überlegst, den Job nochmal zu wechseln – oder den Mann?
Alles! 😉
Zum Körper: Ja. ÄrztInnen. Aufgrund meiner starken Periode und nachdem ich sehr viele Dinge ausprobiert habe (Hormone, Naturheilkunde, Globuli, Hormone, Mönchspfeffer, Hirtentäscheltee usw.) –habe ich mich vor kurzem für eine OP entschieden. Es wurde ein Myom auf der Gebärmutter entfernt und eine Endometriumablation durchgeführt.
Hierbei wird die Schleimhaut der Gebärmutter verödet. Das soll dazu führen, dass ich nur noch wenig bis keine Periode mehr habe, aber das ist (noch) nicht der Fall. Der Körper muss sich wohl erst einstellen wieder nach der OP. Ich warte ab. Bis dato ist leider noch keine Besserung in Sicht.
Und ja, ich merke, ich lese gerade viel über Perimenopause, informiere mich, bestelle Bücher, meine Insta-Bubble schlägt mir auch so einiges vor in der Richtung. Ich nehme auch Supplements – aus verschiedensten Quellen empfohlen –, weil ich eben auch so starke PMS/Zyklusstörungen und starke Periode habe inklusive großer Erschöpfung. Das ist alles nicht normal.
Aber nachdem ich meine ganzen Nahrungsergänzungsmittel im Bad und in der Küche auf einem Haufen gesehen habe, dachte ich mir: Das kann es doch nicht sein! Was braucht mein Körper WIRKLICH? Und dann habe ich dieses fantastische kurze Buch von meiner Bekannten Merle Zink „Return to myself“ gelesen.
Daraufhin bin ich mit meinen ganzen Symptomen erstmal zum Hausarzt und wir haben eine Mikronährstoff-Analyse gemacht inklusive Hormonwerte. Herausgekommen ist: Ich habe totalen Eisenmangel. Das erklärt einiges. Die Müdigkeit, die Erschöpfung, der Leistungsabfall… Ich nehme jetzt ein Eisenpräparat, ansonsten fehlt mir nix. Mit der Frauenärztin kläre ich weitere Dinge nun ab.
Und wie sieht es mit Job oder Weiterbildungen aus?
Hier bin ich gerade im „Ich muss funktionieren und Geld verdienen“-Modus und nicht im Selbstverwirklichungs-Modus. Aber habe das immer im Hinterkopf. Was ich alles machen will! Ich weiß, ich möchte etwas tun mit Wirkung! Ich will was schaffen, wirken, gestalten – vielleicht sogar etwas „hinterlassen“. Der erste Schritt wäre, mir neben dem Job noch ein weiteres Standbein aufzubauen. Vielleicht wird ja daraus mehr?
Gerade arbeite ich in Digitalmarketing & Kommunikation und das ist auch gut. Aber ich will mich mehr rausbewegen, mehr Outdoor, aktiver sein. Überleg auf jeden Fall, irgendwann eine Outdoor-Guide-Ausbildung zu machen. Für Erwachsene, für Kinder, für Firmen… Ich hadere noch so, weil ich ja dafür Zeit und Kapazitäten brauche. Wie soll ich das neben meinem 30-Stunden-Job und all dem anderen Gedöns hinkriegen? (Tipps, Ratschläge, gute Gedanken gerne in die Kommentare;))
Ich bin halt ein Wassermann, brauche Abwechslung… Veränderung… Ich würde auch gerne mehr für Umwelt und Meeresschutz tun. Ich habe mir schon sämtliche Programme dazu angeschaut, aber noch nichts gemacht. Ich habe so viele tabs offen!! So viele Notizen und Links gespeichert! Ist das typisch Midlife? Ich hab auch noch viel Lust auf Natur in Form von Pflanzenkunde, Wildpflanzen und Pilzen inklusive Ernährung und Kochen. Also der Frage nachzugehen: Wie kann ich Dinge in der Natur finden und daraus gesund kochen?
Und wie steht es um deine Beziehung?
Den Mann wechseln? Haha, den Gedanken hatte ich sicher schon mehrmals. Allerdings habe ich gerade keine Zeit, mir darüber Gedanken zu machen. Aber im Ernst: Wir sind an sich ein sehr gutes Team und haben dieselben Werte und Vorlieben – das passt schon gut zusammen!!
Hast du das Gefühl, dass Männer ähnlich betroffen sind von dieser Sinnkrise in der Lebensmitte?
Nein! Haha. Gute Frage. In meiner Bubble fangen grad die ganzen Scheidungen an. Auch ein Midlife-Thema? Aber die Tendenz ist da nach meinem Eindruck eher, dass die Frauen die Reißleine gezogen haben, nicht die Männer. Mein Mann achtet noch mehr als früher auf Bewegung und Sport und dass er was für seinen Körper und sein Wohlbefinden machen muss. Vielleicht auch ein Zeichen?
Ja, ich denke schon, dass Männer auch struggeln, aber das nicht ganz so offensichtlich bzw. Männer reden da halt einfach nicht so drüber. Warten wir hier nochmal ein paar Jahre. Ist das bei Männern nicht eher so um die 50 rum? 😉
Wenn du dich fünf Jahre weiter beamen könntest: Wo würdest du da gern stehen, wie würdest du dich gern fühlen?
Leichter! Wieder mehr bei mir sein! Mehr MICH fühlen. Teilweise stehe ich so neben mir, ja richtig daneben, schaue mich von außen selbst an. Gerade bin ich noch sehr im Funktionsmodus, Pflicht erfüllend. Mir gefällt einiges nicht, aber gewisse Dinge muss man wohl einfach tun. Im Kindergarten, mit Eltern, in der Schule, Feste, Verpflichtungen… Da will ich dann freier sein. Und eben neben dem Job noch weitere Projekte umsetzen, wenn ich wieder mehr Luft habe.
Was möchtest du allen anderen Frauen in der Midlife gern noch zurufen?
Du bist nicht allein! Es geht so vielen so und das ist doch auch irgendwie gut zu wissen! Ja und: Rede darüber, sei offen – wozu schweigen? Ich habe teilweise das Gefühl, dass viele ihre Struggles nicht so zugeben wollen… dabei tut der ehrliche Austausch darüber so gut.

11 comments
Mich erwischt das Thema auch im Moment sehr stark, die extreme bleierne Müdigkeit, die krassen Gefühlsschwankungen. Bis man einen Arzt oder Ärztin findet, die einen ernst nimmt und es nicht als „ist halt Frau“ oder „ist halt Stress“ antut, dauert lange oder ist Glückssache, da fängt man durchaus an sich selbst zu belesen. Oder man findet sich damit ab und bleibt im Selbstmitleid stecken.
Und manche erwischt es echt übel und manche glücklicherweise gar nicht! Es gibt einfach krasse Unterschiede, nur das anzuerkennen, scheint aber schon schwierig zu sein.
@Sonja: die Wechseljahrssymptome körperlicher und seelischer Natur kann ich durchaus nachvollziehen. Mich hat im Ursprungsartikel vor allem diese pseudohippe Selbsbedeutungsbefindlichkeit gestört.
Ach, das kann schon wirklich heftig sein, was da manche in den Wechseljahren mitmacht. Nur ehrlich legacy, tab, bubble, struggle? Auf meiner Liste fehlt nur noch learning. Warum? Ich liebe Sprache und finde, weder Englisch noch Deutsch haben so einen gewollt lockeren Krampf verdient.
Würde mit dem Verwenden von barrierefreieren Sprache vielleicht klarer werden, dass es um das gute alte „hätte ich mal in echt mit meinen Ärzten gesprochen, statt meinem Algorithmus zu folgen“, geht, der peinlicherweise als Beleg für die Befindlichkeit zitiert wird.
Ich finde „midlifemom“ schon grauenvoll als Wortschöpfung. Wer denkt sich sowas aus?
Warum? Wir würdest du eine Mutter in der Mitte ihres Lebens nennen?
Zum Beispiel so, wie von Dir beschrieben. Wobei mir auch das zu plakativ ist. Klingt nach was wozu man dringend ein Coaching machen müsste. Eine weitere Schublade, fast eine „Diagnose“, die ihr in den Formulierungen verallgemeinernd verwendet, „wir als“…..
Vielleicht gibt es irgendwo ja auch einen Blogartikel über „uns als Midlifedads“, dann fänd ichs zumindest lustig.
Ich finde, die im Artikel gestellten Fragen sollten jeden Erwachsenen durchs Leben begleiten, man muss da auch nicht unbedingt etwas besonderes draus machen. Im Artikel sind mir auch einfach zu viele Wichtigkeiten mit Ausrufezeichen. „Etwas wichtiges machen“ „etwas hinterlassen“, da „struggle“ ich mit der Einstellung der Autorin zu ihrem bisherigen Leben.
„Den Mann wechseln“ als Option, aber keine Zeit drüber nachzudenken. Ehrlich, das finde ich für „midlife“ doch eher unreif.
Und so rein sachlich: niemand weiß, wann er die Mitte des Lebens erreicht hat.
Ich bin eine Frau in den Wechseljahren. Genau überleg mal wie „Mittellebenmutti“ klingt. Uaah. Das fand ich schon immer schlimm in den diversen Veranstaltungen mit jüngeren Kindern, bei denen alle mit Mamas und Papas angesprochen wurden. So nennen mich meine Kinder, sonst niemand.
Auf Englisch finde ich das weder hipper noch cooler. Keine möchte als Pubertätstochter oder Seitensprungvater oder sonst dergleichen angesprochen werden. Manche Umstände und Beschreibungen lassen sich eben nur ungut auf eine BILD-würdige Zeile kürzen… wer es mag – bitteschön.
Gegenfrage: Warum braucht es denn für Mütter in ihrer Lebensmitte überhaupt einen eigenen Begriff? Sind wir denn so spezielle Wesen, dass man eine eigene, neue Schublade für uns aufmachen sollte?
Mich wundert es etwas, dass man bei sehr starker Periode und Müdigkeit/Erschöpfung erst einen Ratgeber braucht um drauf zu kommen, dass ein Eisenmangel bestehen könnte. Wenn man selbst nicht drauf kommt, sollte doch zumindest der Ärztin einfallen, dass da ein Zusammenhang besteht.
Ich wünsche der Interviewten, dass sich diese Beschwerden durch die OP bessern und ihr Körper wieder mehr ins Gleichgewicht kommt.
Ansonsten klingt das für mich alles nach den „normalen“ Gedanken und Überlegungen, die man halt im Leben immer mal wieder anstellt. Wo steh ich, was will ich, was erwarte ich vom Leben.
Vielleicht hilft es, wenn nicht aus jeder Lebensphase und damit einhergehender Veränderung direkt eine „Krise“ konstruiert wird. Das beziehe ich gar nicht (nur) auf diesen Artikel, sondern auf eine allgemeine Haltung, die häufig deutlich wird. Da braucht jede Lebensphase und Veränderung direkt eine eingehende Reflexion, am besten verbunden mit einem Coaching, und man dreht sich unheimlich viel um jede kleine Unsicherheit. Ich glaube, oft sollten wir gar nicht so viel hinterfragen und analysieren, sondern einfach machen.
Firstworldproblems
Das stimmt schon. Aber dann dürfen wir uns auch nicht über hohe Preise an der Tanke oder ausgefallene Urlaubsflüge beschweren ( fände ich übrigens sympathisch, wenn das unterbliebe 😄). Ich fremdele bei dem Artikel oben auch etwas mit dem wording (auch so ein scheußlicher Begriff), kann aber die Grundproblematik durchaus nachvollziehen und finde es auch legitim, sich darüber auszutauschen. Ich empfinde meine Gedanken mit Anfang 40 jetzt auch als ziemlich anders und merke durchaus auch, dass mein Körper zyklusabhängig manchmal nicht mehr so zuverlässig funktioniert. Ich empfinde es aber gerade auch als große Befreiung da mal genauer hinzuschauen und dieses Funktionieren müssen auch öfter mal in Frage zu stellen. Aber klar, das ist ein Luxus, den andere Menschen auf der Welt nicht haben…