Ihr Lieben, fühlt ihr euch auch manchmal verantwortlich für alles Emotionale in der Familie? Mental Load Expertin Laura Fröhlich hat genug davon! In ihrem neuen Buch sagt sie es schon auf dem Titel: „Ich bin nicht eure Feelgood-Managerin„. Hier erklärt sie, wie sie als berufstätige Dreifachmutter Schluss machte mit dem Gefühlsmanagement für alle… und wie sie ihr „Good-girl-Syndrom“ endlich loswurde.
Bin ich eure Feelgood-Managerin?
Bin ich denn hier überall die Feelgood-Managerin? Diese Frage stellte sich mir in den letzten Jahren immer wieder. Besonders drastisch war mein Eindruck nach einem Abend, an dem ich mit einem alten Freund zusammensaß. Ich wusste nach unserem Gespräch alles über ihn, hatte ihm viele Fragen gestellt und wirklich interessiert zugehört. Aber mir fiel auf, dass er nichts über mich wusste. Ich hatte das Gespräch durchmoderiert und jede kleine Pause mit einer erneuten Frage gefüllt. Aber er hat mich auch nie unterbrochen, um mal nach meinem Leben zu fragen.
Die unsichtbare Elfenarbeit des Alltags
Das war aber nicht der einzige Moment. Wie viel emotionale Arbeit ich in allen Bereichen meines Lebens leistete, wurde mir nach und nach klar. Ich war auch die fleißige Elfe zu Hause. Dort bereitete ich Geburtstage vor, suchte Gespräche, wenn ich Sorgen und Nöte spürte, dekorierte das Haus mit Blumen und Kerzen oder streute sonstigen Glitzer in den Alltag. Ich war Zahnfee, Osterhase, Psychologin vom Dienst und Gesprächsmoderatorin in einer Person. Ich managte sämtliche WhatsApp-Gruppen und hatte alle Emotionen im Blick – nur nicht meine eigenen.
Harmonie um jeden Preis
Typisches People Pleasing eben. Das ist ein erlerntes Anpassungsprogramm: Harmonie sichern, Konflikte vermeiden, eigene Bedürfnisse später klären. Spoiler: „Später“ kommt selten. Und es zeichnet sich dadurch aus, dass ich mich ständig entschuldige. Bei jedem Anruf frage ich erst einmal „Oh sorry, stör ich gerade?“ und beim Friseur fällt es mir schwer, bei der Haarwäsche um wärmeres Wasser zu bitten. Immer öfter wurde mir klar, dass nicht nur ich unter diesem Phänomen litt.
Es gibt zwar auch Männer, aber besonders Frauen werden zu People Pleaserinnen, leisten überdurchschnittlich viel emotionale Arbeit im Familien- und Freundeskreis und sind auch im beruflichen Kontext die gute Seele. Geschenke für die Kolleg:innen besorgen, eine Betriebsfeier organisieren oder noch eben die Kaffeeküche aufräumen – Frauen wissen, dass solche Aufgaben eher von ihnen erwartet wird als von Männern und übernehmen diese dann auch.
Warum emotionale Arbeit vor allem Frauen trifft
Wir Frauen zahlen damit eine Zeit-Steuer und die emotionale Arbeit kostet auf Dauer viel Kraft, und auch wenn ich gerne Zahnfee spiele: ich muss jedes Mal daran denken, eine Münze parat zu haben und sie unters Kissen legen, wenn mein Kind eingeschlafen ist. Es wäre schön, wenn ich solche Aufgaben auch mal aus meinem Kopf streichen könnte.
Mental Load, ein Phänomen, über das ich in Vorträgen spreche und das in Büchern beschreibe, kennen wir alle: die Last, an alles denken zu müssen, was den Alltag erst möglich macht. Diese Last macht die To-do Listen voll, und auch die emotionale Arbeit kann belastend sein, wenn sie zu viel wird.
Und es geht schon früh los, denn kleine Mädchen werden eher in emotionale Arbeit eingebunden als Jungen. In der Schule hören Mädchen manchmal Sätze wie „Setz dich doch mal neben Noah, der ist immer so unruhig und kann besser lernen, wenn du dabei bist“. Mädchen und junge Frauen werden eher dazu animiert, für eine gute und positive Atmosphäre zu sorgen, anstelle in den Wettbewerb zu treten oder sich aus der Gefühlsarbeit rauszuziehen.
Als Gesellschaft erwarten wir von Frauen, dass sie häuslich sind, sich für Kinder interessieren, Wert auf ihr Äußeres legen und ihre Qualifikation oder ihr Können nicht in den Mittelpunkt stellen. Kein Wunder, dass wir uns eher wie das Veilchen im Mose geben, statt eine stolze Rose zu sein. Dieser blöde Spruch stand früher in meinem Poesiealbum, und auch wenn ich schon als junges Mädchen wusste, was das für ein Quatsch ist, so hat diese Leitlinie doch Spuren hinterlassen. Über meine Leistungen zu sprechen, stolz auf mich zu sein oder mehr Präsenz einzufordern, und sei es im Gespräch mit einem guten Freund, fühlt sich für mich als Frau komisch an.
Wege raus aus der Feelgood-Falle
Damit muss Schluss sein! Das dachte ich mir auch, als meine Tochter auf YouTube Videos von einer Mom-Influencerin sah, die frühmorgens Pausendosen mit gebackenen Muffins füllte und sie, je nach Motto „Feuerwehr“ oder „Polizei“, samt sonstigem selbstgemachtem Knabber-Schnickschnack in die Schultaschen packte. Meine Tochter fand das faszinierend, und ich war erschrocken.
Auf Social Media wird sie konfrontiert mit der fürsorglichen Mutterrolle und hineingedrängt in die Schublade der ewig sorgenden Frau. Dabei möchte ich unbedingt, dass meine Tochter „Nein“ sagen kann, dass sie über ihre Qualifikation sprechen darf, dass sie sich kümmert – oder eben nicht. Dass sie die Wohnung hübsch macht, wenn sie es will, und Chaos zulässt, wenn sie keine Lust zum Aufräumen hat. Und dass sie sich nicht selbst unter Druck setzt.
Denn die Erwartungshaltung der Gesellschaft hat in mir als Mutter einen Perfektionismus ausgelöst, der dazu führte, dass ich von außen betrachtet wie ein Schwan durchs Wasser glitt, aber darunter wie verrückt strampelte, um nicht unterzugehen. In meinem neuen Buch „Ich bin nicht eure Feelgood-Managerin“ habe ich geschrieben, wie perfide der Mutter-Mythos ist. Wie wir Frauen ins Fürsorgliche gedrängt werden und uns kaum davon befreien können, weil sofort das schlechte Gewissen droht.
Was hilft: darüber zu sprechen, sich auszutauschen und zu merken, dass wir damit nicht allein sind. Dass Fürsorgearbeit und emotionale Arbeit wichtige Teile unseres Lebens sind, wir aber nicht darauf reduziert werden möchten. Denn es nervt, wenn die unbezahlte Arbeit von uns erwartet wird.
Ich hab ein paar Veränderungen vorgenommen, die mir helfen, meine innere People Pleaserin in Schach zu halten. Ich achte auf meine Wortwahl und lasse jedes „Gerne“ und jedes „Entschuldigung“, das nicht nötig ist, weg. Ich überlege in Konfliktsituation mit meiner Familie oder im Freundeskreis genau, ob ich für die Emotionen der anderen verantwortlich bin. Fast immer bin ich es nämlich nicht.
In Gesprächen mit Männern nehme ich mir den Raum, denn auch ich habe Interessantes zu erzählen. Immer mal wieder traue ich mich aber auch nicht, für mich einzustehen. Aber für meine Tochter und für meine Patentöchter, denen ich mein neues Buch gewidmet habe, möchte ich so gut es geht ein Vorbild sein. Eine Frau, die mal auf den Tisch schaut und sagt: nicht mit mir. Ich bin eben nicht eure Feelgood-Managerin!
Laura Fröhlich: Ich bin nicht eure Feelgood-Managerin. Endlich aufhören, sich für die Gefühle anderer verantwortlich zu fühlen, Kösel Verlag. Erscheinungsdatum: 25. Februar 2026

2 comments
Ich hab eine etwas andere Sichtweise auf das thema. Viele Dinge, die die Autorin als Problem bezeichnet, sehe ich als ein Privileg. Ich sehe es als ein Privileg an, Kinder aufziehen zu dürfen, natürlich mit meinem Mann gemeinsam. Aber doch finde ich die mütterliche Seite in der Erziehung ist etwas Besonderes. Männer bringen sich auf ihre Weise ein und Frauen auch auf ihre Art. Darin liegt für mich eine Schönheit. Ich erfreue mich daran, meinen Kindern schöne besondere Momente zu schenken und finde es schön, wenn ich ihnen wohlfuhlkmomente schenken kann. Ich darf ihre Kindheit prägen wie kaum ein anderer und darin sehe ich jetzt erstmal kein Problem. Dass man Prioritäten setzt, abwägen muss, was einem wichtig usw. Das ist völlig klar. Dem einen ist es vielleicht eher wichtig, den Kindern mit der brotdose eine Freude zu machen, der andere liest eine halbe stunde vor. Ich freue mich, wenn andere so etwas gern für ihre Kinder machen! Wichtig ist, dass man es aus eigener Motivation macht und nicht, weil man denkt, man müsste es machen „als gute Mutter“. Aber das muss ja jeder für sich reflektieren.
Sind das wirklich gesellschaftliche Probleme oder eher normale Themen des Erwachsenseins? Also, Verantwortung zu übernehmen, sich zu hinterfragen: Möchte ich da Energie reinstecken? Wie wichtig ist mir die Sache? Wird die Sache mir gedankt, bewege ich damit wirklich etwas oder läuft meine Energie da letztlich ins Leere? Ich persönlich habe nicht den Eindruck, dass irgendjemand von mir erwartet, dass ich zu Hause dekoriere, bei der Arbeit Pflanzen gieße oder mir maximal viel Mühe für mein Äußeres mache.