Zurück zum Ich: Und plötzlich bin ich als Mama wieder dran

Zurück zum Ich

Foto: pixabay

Ihr Lieben, der Beitrag Freiheit schmeckt mit 45 anders als mit 25 wurde von euch ganz gut diskutiert, regte auch einige zum Widerspruch an, was ja zeigt, dass da irgendwie ein Nerv getroffen wurde. Nina Müller-Peltzer, psychologischer Coach aus Berlin nimmt uns heute mal mit ins Wiederfinden der eigenen Identität, zurück zum Ich. Mal schauen, ob ihr euch hier auch wiederfindet.

Es fängt oft ganz leise an. Das Haus ist am Nachmittag ungewohnt still, der Esstisch bleibt länger leer, die Wäschekörbe sind halbvoll. Früher war dieser Moment unbezahlbar: endlich Ruhe! Heute fühlt er sich manchmal… seltsam an. Nicht traurig, eher wie eine Pause, die zu lang geraten ist. Und irgendwo zwischen dem Vormittagseinkauf und dem Nachmittagskaffee taucht die Frage auf: Wo bin ich eigentlich geblieben?

Die Zeit danach muss kein Loch sein, sie will gefüllt werden

Nina Müller-Peltzer
Nina Müller-Peltzer

Viele Eltern erleben nach Jahren der permanenten Fürsorge eine Art „Identitäts-Echo“. Die Rollen, in denen sie sich jahrelang bewegt haben – Manager, Mutter/Vater, Partner, Kümmernde – werden leiser. Was bleibt, ist der Mensch dahinter und der ist oft schwer greifbar, weil er lange funktioniert hat, statt zu fühlen.

Psychologisch gesehen markiert diese Phase den Übergang von Fremdbestimmung zu Selbstdefinition. Das ist also kein Verlust, sondern ein Neubeginn. Es ist der Moment, in dem du dein Leben nicht mehr von außen managen, sondern von innen gestalten darfst.

Zurück zum Ich

Die ersten Schritte zur Selbstdefinition fühlen sich oft ungewohnt an. Vor lauter neugewonnener Freiheit und Zeit bleibst du vielleicht erstmal wie paralysiert auf der Couch sitzen. Doch wenn du darauf vertraust, darfst du schon bald eine ganze Flut an Ideen empfangen. Alte Leidenschaften, lang vertagte Bedürfnisse, einst gesteckte, noch unerreichte Ziele melden sich zurück. Garantiert.

Endlich wieder schauspielern oder mit den Freundinnen um die Häuser ziehen, wieder mehr Sport machen oder raus in die Natur gehen, einfach mal ausgiebig shoppen oder das Buch schreiben, das man schon so lange im Kopf hat… was verschüttet war, meldet sich zurück, und Neues meldet sich an.

Es dauert vielleicht noch einen Moment, bevor du dich ganz auf deine neugewonnene Freiheiten einlassen kannst. Gerade am Anfang erschrickst du vielleicht ab und zu noch und fragst dich, ob du nicht irgendwas oder irgendwen vergessen hast. Aber schon bald gewöhnst du dich an die neue Freiheit und genießt, niemanden mehr von der Musikschule abholen oder zum Sportverein fahren zu müssen.

Dein Leben wird voller, nicht leerer

Auszeiten
Foto: pixabay

Das Schönste daran ist, heute kannst du auf ein Fundament an Erfahrungen und Erkenntnissen zurückgreifen. Denn anders als noch mit Mitte 20 weißt du heute ganz genau, was du willst und was du nicht mehr brauchst in deinem Leben. So wählst du, fast schon automatisch, genau das aus, was dich erfüllt.

Und falls du dich fragst, wie du anfangen könntest: Diese kleinen Coaching-Impulse sind wie Wegweiser. Sie können dir helfen, den Blick wieder nach innen zu richten und den ersten Schritt ganz intuitiv zu gehen. Nicht, weil du musst, sondern weil du es willst.

Mini-Coaching: „Ich bin wieder dran“

  1. Der Ich-Check
    Schreib dir drei Momente der letzten Wochen auf, in denen du dich wirklich wie du gefühlt hast – nicht produktiv, nicht gebraucht, sondern einfach du. Was macht aus dir du, was macht dich aus?

  2. Wünsche flüstern:
    Beende den Satz: Ich will mehr… und bemerke, was dich wirklich ruft. Was wartet da auf dich, was möchte, dass du es hörst. Versuche, den Satz so ehrlich wie möglich zu beenden und hab keine Angst vor deinen innigsten Wünschen und Bedürfnissen, sie leiten dich in eine neue, selbstbestimmte Phase deines Lebens.

  3. Mini-Experiment:
    Tu in den nächsten Tagen etwas, das du früher geliebt hast – nur für dich. Feiere es nicht als „Auszeit“, sondern als „Rückkehr“, wie ein Klassentreffen mit deinem vergangenen Ich.

Was du dabei lernst: Dein altes Ich ist nicht verloren. Es hat nur geduldig auf dich gewartet.

Wie geht es dir jetzt? Schreib uns in den Kommentaren, wie dir die Übungen geholfen haben, ob du mehr, oder was du stattdessen brauchst. Welche Themen treiben dich um, teile sie mit uns und wir greifen sie in den nächsten Coaching-Impulsen auf.

2855ad1c6d9842c8bb50220b6117a4a1


13 comments

  1. Mein „altes Ich“ will ich auf keinen Fall zurück! Das Einzige was ich mir zurückgeholt habe von dem „Ich“ ist das Zocken vom MMORPG. (Mama zockt, was für ein Schock!!! 😉 )
    All die Entwicklung, die ich gemacht habe und machen musste, geb ich nicht auf! Das stille, kleine, gehorsame Mäuschen, das Spielball anderer ist – NIE MEHR!

    1. Oh ja, das kenn ich 😉 bei uns läuft die Konsole auch wieder, mittlerweile werden auch die Kids eingeführt. „Gaming mit Verantwortung“ nennt mein Mann das, bevor sie gemeinsam in ihre Welten abtauchen. War deine Entwicklung denn eher schleichend oder hattest du so einen Schaltermoment, wo dir klar wurde „hey, ich mach es jetzt anders und das ist gut so?“

      Danke dir für dein Feedback, Nina

      1. Ich habe schon längers mit mir gerungen, ob ich wirklich wieder in die gesamte Welt eintauchen möchte und auch das richtige Maß finde. Man kennt ja das Suchtpotential der großen Spiele… (und die Vorurteile der Gesellschaft).
        Und dann kam der Punkt, ich probier es einfach mal 30 Tage aus (gab damals so ein Wiedereinstiegsbonus durch nen Freund) und bis heute habe ich es nicht bereut. Auch die großen Kinder schnuppern rein, in ausgewählte Bereiche natürlich nur, aber wir haben damit Lesen geübt zum Beispiel.

  2. Mein „altes Ich“(?) ist mit entsprechendem Alter der Kinder ja einfach wieder normal auf Vollzeit-Arbeit zurück gegangen…
    Überlegungen ob ich dann lieber mit der Freundin shoppen gehe oder Me-Time Pflege haben sich dann auch erledigt….

    1. Hallo Petra,
      Danke dir fürs Teilen deiner Perspektive ❤️
      Das klingt nach sehr viel Verantwortung. Ich denke, es geht vielen unter den Leserinnen ähnlich. Vielleicht kannst du hier ein bisschen mehr darüber erzählen, wie du deinen Weg zurück in den Vollzeit-Alltag erlebt hast? Solche Erfahrungen bringen immer wertvolle Facetten in die Gespräche – und oft erkennen sich andere genau darin wieder.
      Liebe Grüße
      Nina

  3. Habt ihr die Kommentare unter dem anderen Artikel nicht gelesen?🙃 Das hat ja vor allem den Nerv getroffen, dass einige Leserinnen es über sind, dass alles ein Problem ist und eines Coachings bedarf. Nicht aber den Nerv, dass viele sich im Inhalt des Beitrags wiedergefunden hätten

    1. Hallo Laura,
      du hast natürlich recht, nicht jede*r fühlt sich in meinen Texten angesprochen. Gerade in den Kommentaren melden sich vor allem die Menschen, die sehr klar für sich sprechen und den Austausch nicht scheuen. Die leiseren Leserinnen tauchen in den Kommentaren nicht so häufig auf, nehmen die Impulse aber trotzdem mit. Mein Wunsch ist, anderen Frauen mit meinen Erfahrungen und Coachingmethoden zu helfen, wenn das nur bei einer Leserin heute geklappt hat, ist das doch etwas gutes, oder?

      Liebe Grüße Nina

  4. Stelle mir den Artikel unter der Rubrik „Väter“ vor: „Zurück zum Ich: Und plötzlich bin ich als Papa wieder dran“.
    Befremdlich? Finde es unter der Mütter Rubrikgenauso befremdlich. Immer ist alles so problematisch. Wird der Kinderwunsch nicht erfüllt ist es schlimm. Erfüllt sich der Kinderwunsch, istMuttern permanent kurz vorm Burnout und hat zuwenig Me Time,obwohl man ja denken könnte es sei das allergrößte Glück auf Erden (und so gewünscht). Werden die Kinder größer sind die Mütter anscheinend massiv damit überfordert weiterhin ein sinnerfülltes Leben zu führen, wenn sie weniger gebraucht werden, was aber vorher noch ein Riesenproblem war. Und für alles wird ein Coachingbbdarf + Coaching vermarktet.
    Überspitzt, ja. Vielleicht auch zynisch.
    Aber manchmal wundert es mich nicht, dass das von außen mit Befremden gesehen wird und Mütter hier und da struggeln als ernstzunehmende Erwachsene und souveräne Führungspersönlichkeiten wahrgenommen zu werden.

      1. @me: na, Du hast das mit den Ich-Botschaften auch noch nicht verinnerlicht, oder?
        Wer entscheidet denn, was ein unnötig kritisch Kommentar ist? Du?

    1. Hallo die andere S,

      ich glaube, du triffst die Sache genau auf den Punkt! Es gibt Menschen, die leiden unter einem nicht erfüllten Kinderwunsch und es gibt Menschen, die leiden unter dem Stress, der mit Kindern einhergeht. Nur sind das meist nicht die selben Menschen. Wir haben alle ganz unterschiedliche Herausforderungen und dafür gibt es ganz unterschiedliche Lösungen, zum Beispiel mit Freunden oder Familie sprechen, ein Buch lesen oder einen Blog, der das Thema behandelt. Auch Coaching kann eine Lösung sein – muss es aber nicht. Es ist kein Problemvergrößerer, sondern eine bewährte Hilfe, für die, die es für sich wählen. Ganz aktiv, freiwillig, selbstbestimmt und selbstwirksam.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert