Ihr Lieben, es ist so schön, wenn Menschen ehrlich sind. Unsere Leserin liest unsere Artikel zur Teen Time so gern, weil sie nicht nur zwei jugendliche Kinder hat, sondern damals auch selbst in der Pubertät nicht die einfachste für ihre Eltern war! Hier gibt sie ehrliche Einblicke in ihre eigene Pubertät und wie es nun mit ihren Teenagern läuft.
Du Liebe, wir haben eine Gemeinsamkeit. Wir haben beide in der Kindheit mal eine Tür so zugeknallt, bis das Glas darin zersprang. Wie kam es bei dir dazu?
Ich hatte eigentlich in der Zeit zwischen 13 und 17 Jahren permanent Reibung mit meinen Eltern. Ganz besonders mit meiner Mutter. Ich fühlte mich ständig kontrolliert, bevormundet und überwacht (was vielleicht gar nicht so krass war, ich aber so empfand). Daher gab es bei uns täglich Streit, unsere Kommunikation war eine ewige Diskussion. Und aus diesen Diskussionen entzog ich mich dramatisch mit Geschrei und Türengeknalle und einmal gings halt schief.
Wie haben deine Eltern damals darauf reagiert? Bei mir war ein Elternteil sauer, das andere setzte mich in die Badewanne und tröstete mich (ich war noch kein Teenager, sondern kleiner)…
Meine Mutter war stinksauer, ich total erschrocken. Mein Vater, der Gutmütige, hat einfach nichts dazu gesagt…
Deine eigene Pubertät war wild. Du hast auch Nudeln an die Wand geklatscht, wie alt warst du da und wie kam es dazu?
Ich schätze, ich war so 14 Jahre alt. Ich hatte mir gegen den Willen meiner Mutter die Haare blauschwarz gefärbt. Die klassische „Solange du deine Füße unter meinen Tisch“-Arie endete dann mit den Nudeln an der Wand. Ich war schon immer dramatisch… Im Gegensatz zu meiner jüngeren Schwester, die schon immer sehr angepasst war.
Auch deine Mutter hast du beschimpft, sie sei die besch… Mutter der Welt. War sie verletzt oder wütend und gab es Entschuldigungen?
Oh ja. Sie war sehr verletzt und hat geweint und zwei Tage meine Nähe vermieden. Mir tat es schon in dem Moment schon leid, als ich es sagte, aber ich war zu stolz, es zuzugeben. Nach zwei Tagen lagen wir uns weinend in den Armen und sagten uns, wie sehr wir uns doch lieben.
Du bist auch mal nachts von zu Hause abgehauen und deine Eltern mussten doch dann nachts mitten in der Walachei an einer Bushaltstelle wieder abholen, welche Gespräche habt ihr da auf der Rückfahrt geführt?
Meine Eltern waren erst einmal froh, dass mir nichts passiert ist. Im Endeffekt war das immer ihre größte Sorge. Ich war teilweise unberechenbar, hatte mich über meine Aktion dann doch selbst erschrocken. Mein Vater hat mir eine Predigt gehalten, meine Mutter nur meine Hand gehalten. Ich habe geheult wie eine Schlosshund. Große Strafen gab es aber bei uns nie.
Wie hast du dich in dieser Phase selbst gefühlt? Im Recht? Oder dachtest du auch manchmal: Mist…
Natürlich immer im Recht ;-). Mir fehlten manchmal einfach die Grenzen. Und dadurch, dass meine Eltern sehr inkonsequent waren, habe ich mir eben welche gesucht.
Wie redet deine Mutter heute von dieser Phase?
Heute können wir darüber lachen und sie erinnert mich regelmäßig daran, wenn ich „Stress“ mit meinen Kindern habe.
Genau, nun bist du selbst Mutter und hast Teenager. Sind sie ähnlich drauf wie du damals?
Ich habe einen 17jährigen Sohn und eine 15jährige Tochter. Meine Kids sind (genau wie ich) sehr temperamentvoll und emotional. Wir sind uns sehr nah, haben ein enges Verhältnis, aber es geht auch ins andere Extrem. Dazu kommt, dass meine 15Jährige extrem schlau ist und uns rhetorisch komplett auseinandernimmt.
Gib uns mal ein Beispiel.
Meine Tochter sagte mal als 2Jährige zu mir in einer Kleinkindwutphase: „Ich wollte gar nicht geboren werden und schon gar nicht von dir“. Das sitzt bis heute, auch wenn wir darüber lachen. Als 6Jährige meinte sie zu mir: „Mama, ich bin wie eine Stift, ich will mein Leben bunt und wild malen und du bist der Anspitzer, an dem ich mich schärfe“… als Argument, wenn es mal wieder Diskussionen gab.
Mein Sohn ist sehr sensibel und hat einen langen Geduldsfaden, aber es flogen und fliegen bei uns die Geschwisterfetzen. Wenn es drauf ankommt, halten sie aber zusammen, auch gegen uns Eltern.
Hilft dir deine eigene Geschichte, sie in ihrem Rebellentum besser zu verstehen?
Oh ja, sehr. Ich verstehe ihre Gefühle so gut. Die Hilflosigkeit, das Verlorensein – und sich erst finden wollen/müssen. Das Eingesperrtsein in der Gesellschaft, das Funktionierenmüssen. Einfach das Leben als Teenager. Man ist ein bisschen verloren.
Ansonsten läuft es aber super bei euch, oder?
Ja absolut, meine Kinder sind absolute Musterschüler. Gut in der Schule, sozialkompetent, haben viele Freunde, sind beliebt und erfolgreich in ihren Hobbies. Mein Sohn spielt wie deine Jungs sehr hoch Fussball. Durch den Sport ist er total verantwortlich was das Thema Alkohol, Drogen etc. angeht.
Er ist absolut verlässlich und hält sich immer an Verabredungen. Meine Tochter hat neben ihrer Reitbeteiligung einige Ehrenämter, gibt Nachhilfe. Ich weiß, dass hört sich fast perfekt an. Als Ausgelich haben wir ja dafür die Gefühlsorkane daheim. Ich würde sagen, mein Sohn ist mit seinen 17 Jahren schon durch mit dem Schlimmsten. Bei meiner Tochter stecken wir mittendrin.
Was möchtest du anderen Eltern von Pubertierenden noch mutmachend mit auf den Weg geben?
Sie dürfen Dinge ausprobieren, ihre eigenen Erfahrungen machen. Ich sag mir immer, das Gehirn lernt durch Erleben und nicht durch Unterdrücken oder nur Zuhören. Teenager dürfen Fehler machen, denn Fehler sind der Dünger für Resilienz. Es stärkt ihre Selbstwirksamkeit. Und wichtig zu verstehen, dass man in dieser spannenden und anstrengenden Zeit vom „Manager“ zum „Berater“ oder „Coach“ wird.
Das tut manchmal weh, aber es hilft. Denn die Abgrenzung wird zur Pflichtaufgabe der Heranwachesenden, auch wenn sie mit Drama und Diskussionen einhergeht. Zusammenfassend: Stellt euch ein auf kontrollierten Kontrollverlust. Nehmt es nicht persönlich. Vertraut. Und seid das sichere Netz und die Leitplanken im Leben eurer Kinder.

2 comments
Sehr schön geschrieben. Mir fällt dieses Teenie-Ding jetzt bei meinem Jüngsten (13) am schwersten. Die beiden Großen (jetzt 21 und 18) sind im Rückblick recht unkompliziert durch die Teenie-Jahre gesegelt, ich war da wohl etwas verwöhnt. Der Jüngste jetzt ist ein anderes Kaliber und hat den größten Freiheitsdrang. Schon jetzt will er eigentlich gar nichts mehr mit uns Eltern machen sondern am liebsten nur noch mit seinen Kumpels rumhängen. Dafür fährt er auch 20 km mit dem Fahrrad über die Landstraße oder treibt sich in lost places rum, war schon auf seiner ersten Party. Kein Vergleich mit den Geschwistern, die vor 5-6 Jahren coronabedingt ja nur zuhause saßen.
Spannender Artikel, Danke. Ich glaube, zwischen den Zeilen steht etwas sehr Wahres drin: Du hast die Grenzen gesucht und provoziert, weil Deine Eltern Dir keine gegeben haben.
Liebevolle Konsequenz, von klein auf, könnte also der Schlüssel zum Erfolg sein.