Ihr Lieben, im Februar stehen bei uns im Rheinland nun wieder die tollen Tage vor der Tür und deswegen soll es heute mal um Teenager im Karneval gehen, denn ab einem gewissen Alter wollen sie ja auch selbst raus und feiern gehen. Und das ist gar nicht so leicht für Eltern, das weiß ich aus eigener Erfahrung!
Wenn du weißt, dass sie in der überfüllten Zülpicher Straße unterwegs sind und dich fragst, was bei einer Massenpanik dort geschähe, wenn du erklärst, dass alle in der Gruppe bleiben und auseinander aufpassen sollten, wenn du vom Edelgard Mobil erzählst, an das sich Frauen nach sexuellen Übergriffen wenden können.
Wenn du nochmal erklärst, dass niemand aus Gruppenzwang Kurze trinken muss, dass das Netz durch die vielen Leute oft überlastet ist und deswegen vorher ein Treffpunkt ausgemacht werden sollte, falls jemand verloren geht, wenn du auf die Rote Kreuz-Zelte hinweist, in denen es Hilfe gibt, wenn es jemandem schlecht geht, wenn du auf die Wasserspender hinweist, die dort für die Feiernden aufgebaut sind und du nochmal besprichst, dass alle sofort gehen, sobald die Stimmung aggro wird.
Ich liebe Karneval, das wisst ihr alle, aber ich geh (mittlerweile ;-)) einfach zu Straßenumzügen oder in meine Lieblingskneipe, das ist etwas anderes als mit Abertausenden von anderen zusammengequetscht in wenigen Straßen… Ich atme jedenfalls auch immer durch, wenn alle unsere mittlerweile auch selbst feiernden Jugendlichen nach den wilden Tagen wieder sicher daheim sind. So geht es auch unserer Leserin Marie.
Liebe Marie, deine Kinder sind 13 und 16 und in Köln steht im Februar wieder der Karneval vor der Tür, was genau macht dir da Sorge?
Meine Sorge ist z.B., dass sie unbemerkt etwas in ihr Glas bekommen, sich mit dem Alkoholkonsum verschätzen oder sonstwie nicht mehr so handeln können, wie sie das eigentlich tun würden. Und ganz grundsätzlich bietet dieses Thema natürlich auch herrliches Konfliktpotenzial, was das Autonomiebestreben auf der einen und den „Behütewunsch“ auf der anderen Seite angeht. Natürlich ist es wichtig, Diskussionen darüber zu führen und Unstimmigkeiten auch auszuhalten… Stressen tut es mich trotzdem.
Waren deine Kinder in den letzten Jahren schon ohne dich feiern?
Meine fast 14jährige Tochter ist noch nicht wirklich doll feiern gewesen. Sie hat aber von anderen in ihrem Alter schon einige Alkohol Stories indirekt mitbekommen, was ich dann als Anlass genommen habe, mit ihr über Alkohol etc. zu sprechen.
Grundsätzlich merke ich schon, dass das Thema Alkohol immer interessanter für sie wird. Mein 16jähriger Sohn war letztes Jahr das erste Mal Karneval feiern. Es hat soweit alles gut geklappt, ich war aber trotzdem irgendwie froh, als es dann um war. Nicht, weil ich Karneval nicht mag, sondern weil ich doch immer ziemlich angespannt war, bis er unversehrt zu Hause angekommen ist. Von ihm habe ich auch schon mitbekommen, dass eine Bekannte zum „Notfall-Zelt“ musste, weil sie zuviel getrunken hatte.
Was wäre deine Horrorvorstellung, was passieren könnte?
Das sie in Situationen kommen, in denen sie nicht mehr die Kontrolle haben. Sei es durch Alkohol etc., durch Gewalt…
Wie bereitest du deine Kinder auf die wilden Tage vor? Welche Aufklärungsarbeit leistest du?
Ich spreche über Alkohol, die Unterschiede Bier-Wodka etc., und der Wirkung, die ja nicht direkt, sondern gerne etwas zeitversetzt eintritt. Über die Wichtigkeit vom Wassertrinken und dass man in der Gruppe bleiben und aufeinander Acht geben sollte. Außerdem Getränke im Auge behalten und wenn die Stimmung kippt, auf Abstand gehen. Sich nicht aus Scham oder Ähnlichem davon abhalten lassen, Hilfe zu holen.
Worum gibt es jetzt schon im Vorfeld Diskussionen?
Die größten Diskussionen gibt es um das Thema „Wann muss ich zu Hause sein ?“ Und die Unlust, sich im Vorfeld auf eine bestimmte Uhrzeit festzulegen.
Welche Regeln setzt du für deine Teenager im Karneval durch, bei welchen lässt du mit dir reden?
Tatsächlich lasse ich bei der Nach-Hause-Komm-Uhrzeit mit mir reden, wenn der Weg nach Hause durch z.B Abholen gesichert ist. Falls es allerdings keinen „Fahr-Service“ gibt, gibt es keinen Verhandlungsspielraum bei der Uhrzeit.
Triffst du Vorkehrungen? Zum Beispiel, indem du selbst nicht feiern gehst, damit du jederzeit losfahren und sie irgendwo rausholen kannst?
Im letzten Jahr war immer mindestens einer von uns Eltern fahrbereit, für den Fall der Fälle.
Du tauschst dich sicherlich mit anderen Eltern aus: Wie sehen die das?
Einige haben neben der Angst vor Alkoholmissbrauch auch Sorge vor Gewalt in Form von Schlägereien etc. Für die meisten ist wichtig, dass die Jugendlichen in der Gruppe zusammen bleiben und sich so gekümmert wird. (Was ja auch ein super wichtiges Learning ist.)
Warum findest du es trotzdem toll, dass es den Karneval bei uns in Köln gibt? Bzw. Welche guten Erfahrungen wünschst du deinen Kindern?
Als Kölnerin liebe ich es einfach, mich zu verkleiden und kölsche Lieder zu singen. Und die Stimmung an Karneval ist einfach besonders.
Ich wünsche mir, dass meine Kinder dieses tolle Gefühl von Gemeinsamkeit in Form von gemeinsamem Singen, Feiern, Schunkeln erleben. Und natürlich den Spaß am Verkleiden!
