Ihr Lieben, der Sohn unserer Leserin Sarah ist 15 und schwer pubertär. Den Jungen, der er vorher war, erkennt sie kaum noch wieder. Alles wirkt grad wie in einer Abwärtsspirale, das kann einem als Mutter schon mal Sorgen machen. Wer erkennt hier sein eigenes jugendliches Kind stellenweise wieder?
Liebe Sarah, dein Sohn ist 15 und miiiiitten drin in der Pubertät, sagst du. Wie äußert sich das grad vor allem?
Er ist 15. Was die Körperpflege angeht: Parfüm, gerne teuer, ersetzt jede Dusche. Sozialverhalten: „Ich red doch mit meinen Kumpels, das reicht doch“. Tageslicht nur auf dem Weg zur Schule und zurück. Hausaufgaben: „Hab keine“ (Spoiler: sehen die Lehrer anders). Sport: „Ich hab zwar gesagt, ich will ins Gym, aber es reicht ja, wenn du jetzt den Vertrag klargemacht hast“. So oder so ähnlich läuft es hier. Ich erkenne ihn kaum wieder, aber seine Generalantwort lautet nur: ist die Pubertät.
Gab es auch eine Phase, in der er sich einfach im Zimmer verbarrikadiert hat?
Ja, das ist schon seit über einem Jahr so und hält auch noch an. Rauskommen tut er nur, wenn er Hunger hat (und das hat er oft :-))
Wie ging es und geht es dir damit? Fühlst du dich irgendwie aussortiert und außen vor?
Es ist stellenweise schon schwierig. Auch im Hinblick auf die Tatsache, dass ich seit gut zwei Jahren mit den Kindern alleine lebe und mir einfach, gerade am Wochenende, wenn beide Kinder bei mir sind, auch mal ein gemütliches Familienfrühstück wünschen würde – wie früher.
Wie war dein Sohn, als er klein war? Was vermisst du da manchmal?
Als er klein war, war er fast immer der Ruhige, der selten aus sich rauskam, das ist bis heute tatsächlich noch immer so. Aber dieses Mal-etwas-gemeinsam-unternehmen, das fehlt.
Welche Respektlosigkeit hat dir zuletzt am meisten zu schaffen gemacht?
Das ist ein schwieriges Thema. Wo wir immer wieder aneinandergeraten ist beim Thema Computer. Er sitzt direkt nach der Schule dran und dann auch, bis abends der Router ausgemacht wird. Sage ich ihm, er soll sich etwas zügeln, sonst stelle ich ihm auch noch den Strom ab, dann kommt nur: „Das ist mein Computer, da darfst du gar nix machen“. Er versteht nicht, warum ich ihm Grenzen setzen muss und nimmt das alles total persönlich. Und wenn er einmal dicht gemacht hat, dann komm ich auch nicht mehr an ihn ran.
Ist er so schwer pubertär auch fies zur kleinen Schwester?
Das geht eigentlich. Das Einzige, das mir zu schaffen macht ist, dass meine Tochter ADHS hat und er immer darauf rumreitet, warum ich dieses oder jenes bei ihr durchgehen lassen muss.
Wenn du auf seine Motivation für die Schule blickst, was löst das in dir für ein Gefühl aus?
Erschrecken! Er hat in den letzten zwölf Monaten stark nachgelassen. Gestern hatten wir ein Elterngespräch in der Schule, er wollte eigentlich Abi machen. Aktuell würde er den Übergang in Klasse 11 nicht schaffen. Ich habe aber das Gefühl, dieses gemeinsame Gespräch mit den Lehrern und mir könnte ihm die Augen geöffnet haben. Wir müssen abwarten.
Geratet ihr offen aneinander oder entsteht eher viel Schweigen zwischen euch grad?
Wir streiten nahezu täglich über das Übliche: Klamotten liegen im Zimmer verstreut rum, Essen und Essensreste wie auch Geschirr stapeln sich, die Schulsachen liegen überall auf dem Boden und die eigentliche Holzfarbe der Möbel würde man nicht erahnen, würde ich nicht hin und wieder staubwischen. Ansonsten erzählt er von sich aus selber sehr wenig, leider.
Wie sprichst du mit ihm über Alkoholkonsum?
Da können wir tatsächlich sehr offen darüber reden, er hat auch, zumindest im Moment noch, keine Ambitionen, zum Trinker werden zu wollen. Er darf an meinem Getränk mal nippen, das reicht ihm dann aber auch immer schon.
War er schon verliebt? Teilt er da was mit euch oder bleibt alles im Wagen und ihr könnt nur hoffen, dass es ihm gut geht?
Dazu bekomme ich überhaupt keine Information, denke aber, da ist noch nichts 🙂
Hast du andere Menschen, mit denen du dich ehrlich darüber austauschen kannst, was die Gesamtsituation grad mit euch als Familie macht?
Ja, aus anderen Gründen bin ich gerade in Therapie, dort kann ich das auch mit ansprechen und ich habe Freundinnen, mit denen ich mich austauschen kann.
Was wünschst du dir für ihn und für dich?
Ich wünsche mir für uns beide, dass wir – im besten Fall gemeinsam – diese herausfordernde Zeit überstehen und er später erkennt, dass ich ihn zu keiner Zeit aufgegeben habe <3

2 comments
hallo!
das wird schon . Hört sich für mich alles im grünen Bereich an. noch kein Alkohol ist doch schon mal super. um das zimmer würde ich mich nur mehr sehr grob kümmern. essenreste geschirr, kleidung…irgenwann räumt er es von selbst auf z.b. wenn doch mal wieder ein Freund vorbei kommt oder er nix mehr zum anziehen hat.
nur geduld. wenn er dann später mal ne Freundin hat sieht die welt gleich anders aus. da bekommt man wieder umarmungen oder sogar mal ein überschwengliches Bussi auf die Bscke weil man ihn zur bahn bzw. freundin gefahren hat. und wenn die Ausgehzeit los geht spielt zwar der Alkohol evtl eine grössere Rolle dafür sitzt er dann nicht mehr soviel drinnen und vorm Pc.
Oh ja, trifft wohl alle Jungs Mamas.
Mein Mitgefühl!
Vielleicht wäre es eine Chance den Zustand des Zimmers ganz zu ignorieren, damit viel Streit wegfällt. Feste Duschtage vereinbaren und feste Sporttage, sonst Vertrag wieder kündigen. Grenzen bei Medien sind bei 15 notwendig, dass es „sein Computer“ ist, ist kein Argument. Wenn er „eigene Drogen“ hat, geht das ja auch nicht klar….
Viel Kraft!