Große Sorgen mit großen Kindern: Unsere 3 Töchter

Große Sorgen

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Ihr Lieben, unsere Leserin meldete sich neulich auf eine Teen Time Jugendkolumne von uns, in der es darum gibt, dass große Kinder nicht zwingend große Sorgen bedeuten müssen. Bei ihr ist das aber so. Alle drei Töchter bringen so ihre eigenen Herausforderungen mit sich und von denen erzählt uns die Mama heute.

Mit größeren Kindern, die keine Rundumbetreuung mehr benötigen und vieles ohne die Eltern können und wollen wird vieles einfacher. Und ja, wenn die Kinder klein sind, denkt man doch oft an genau diese Phase, weil man dann als Eltern wieder freier und selbstbestimmter wird. 

Aber an die emotionale Belastung und die Herausforderungen der Teenie Phase habe ich damals keine Gedanken verschwendet und auch überhaupt keine Ahnung gehabt, was da auf uns zukommen kann und das auch viele Sachen nicht einfach so von alleine laufen können.

Aber erstmal zu meiner tollen Familie. Mein Mann und ich haben drei Töchter, die 16, 14 und 10 sind. Ich wollte immer gerne Mädchen haben und auch wenn das letzte Kind nicht geplant war, sind wir sehr froh, dass sie sich stark wie sie ist durchgesetzt und „reingemogelt“ hat. 

Das Mädchen eine schwierigere Pubertät haben können als Jungs war mir auch immer bewusst, aber ich kannte ja auch nur mich in dem Alter und ich war glaube ich harmlos 😉.

Wenn ich auf die letzten fünf Jahre zurückblicke war das eine wirklich schwere, emotional anstrengende und herausfordernde Zeit für mich als Mutter. Unsere drei Töchter haben alle ihre Themen, mit denen sie kämpfen und die natürlich auch mich als Mutter belasten und emotional und zeitlich beschäftigen.

Unser Sorgenkind ist aber unsere Älteste. Vor einigen Jahren wurde es insofern schwierig, als dass wir oft aneinandergeraten sind und wir sehr viel gestritten haben. Wir fühlten uns provoziert und auch die Schwestern mussten von diesen „Launen“ einiges einstecken.

Vorerst schoben wir es auf die beginnende Pubertät doch es wurde schlimmer. Sie lehnte uns ab und sagte das auch ganz klar. Dazu kamen dann auch noch emotional belastende Ereignisse, so ging z.B. eine jahrelange Freundschaft auseinander (nicht von ihrer Seite), worunter sie sehr litt und woraus Selbstzweifel entstanden.

Zu den Selbstzweifeln kam eine regelmäßige Traurigkeit, und da sagte mir mein Gefühl, dass das nicht mehr nur die Pubertät ist, sondern möglicherweise depressive Verstimmungen, mit denen unsere Tochter mit damals 12 Jahren kämpfte.

Nachdem ich dann auch noch entdeckte, dass sie sich selbst verletzte, brach bei mir erstmal Panik aus. Gott sei Dank kam ich ganz gut mit ihr ins Gespräch und konnte meine grundsätzliche gute Verbindung zu ihr nutzen, um mit ihr zu sprechen. Darüber, wie sie sich fühlte und was wir nun machen können.

Sie fragte mich über den Sinn des Lebens aus und was denn am Leben noch schön sei!? Und daran hatte ich früher nie gedacht, dass ich solche Gespräche führen muss und meinem Kind gegenübersitze, das in diesem Moment das eigene Leben nur als anstrengend und schwer empfindet. Sollte sie in dem Alter und am liebsten sowieso doch nun wirklich solche Sorgen nicht haben.

Uns war klar: Wir benötigen Hilfe. Aber das ist leider nicht einfach. Und damit begannen wirklich schwere Jahre, in denen wir uns oft so hilflos fühlten. Einen Therapieplatz zu bekommen ist nach unserer Erfahrung kurzfristig quasi unmöglich.

Wir haben Jahre auf Wartelisten gestanden und waren erstmal uns selbst überlassen. Wir hatten zwar Erstgespräche, aber die führten zu nichts. Keine Ahnung, wie es mit einer stationären Aufnahme gelaufen wäre, aber das wollten wir nicht.

Wir wünschten uns eine Psychotherapeutin an unserer Seite, die ihr und uns hilft, sie zu stärken und sie unterstützt, aus ihren schlechten Gedanken wieder gute Gedanken werden zu lassen (einfach gesagt).

Denn leider haben wir gemerkt, dass sie ein schlechtes Bild von sich und ihrem Leben entwickelt hatte, kein starkes Selbstbewusstsein mitbrachte und dazu noch eine Art Sozialphobie bekam. Kontakt mit fremden Menschen wurde oft schwierig und stressig für sie.

Es gab dann die Möglichkeit, in der Zwischenzeit Gesprächstermine bei der Caritas wahrzunehmen, was wir auch genutzt haben, was aber nicht mit einer regelmäßigen Therapie zu vergleichen ist. Trotzdem waren wir sehr dankbar für diese Möglichkeit und nutzen sie recht lange.

Nur: Was, wenn dein Kind sich nicht öffnen kann, nicht über sich und seine Gefühle sprechen kann? Dann wird es schwer und das mitanzusehen als Mutter ist für mich kaum auszuhalten gewesen. Ich sah: Sie braucht Hilfe und leidet. Und bekommt doch keine adäquate Hilfe und steht sich dazu noch selbst im Weg!

Sie hat zwar sehr gute Freundinnen an ihrer Seite, mit denen spricht sie aber auch nicht viel darüber. Sie macht einfach vieles mit sich selbst aus. Es war wirklich ein Auf und Ab und die Stimmung in der kompletten Familie war abhängig davon, wie es ihr gerade ging. Dabei gab und gibt es ja noch zwei Schwestern und uns. 

Aktuell haben wir gerade einen Therapieplatz bekommen. Es ist noch ganz frisch und sie ist nicht wirklich offen dafür, weil sie einfach immer noch schlecht über sich sprechen kann. Ich begleite sie in der Hoffnung, dass sie sich eine Chance gibt und sich etwas für sie ändert. Drückt uns die Daumen!

Denn auch bei unseren weiteren Töchtern steht die Zeit nicht still. Unsere mittlere Tochter tut sich sehr schwer in der Schule und erlebt hier viel Frust und Misserfolg, den es erstmal auszuhalten gilt. Sie möchte aber auch nicht die Schule wechseln wegen ihrer Freundinnen.

Zuvor hatte es auch mal Zeiten gegeben, in denen sie nicht wirklich Freundinnen hatte und auch traurige Erfahrungen machte. Das nagt noch heute an ihrem Selbstwert. Und über das veraltete deutsche Schulsystem brauchen wir ja erst gar nicht diskutieren. Hier habe ich aus der Erfahrung natürlich auch Angst, dass sie das nicht verkraftet. Es gibt viele Gespräche mit Lehrern und Lehrerinnen und natürlich auch unangenehme Gespräche mit ihr. 

Unsere jüngste Tochter ist jetzt noch in der Grundschule. Aufgrund ihrer LRS und ADHS läuft auch das nicht einfach so von alleine. Lerntherapie, Diskussionen über Hausaufgaben und immer wieder die Versuche, sie zu motivieren und regulieren.

Große Kinder, große Sorgen

Toxische Beziehung
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Und das meinte ich mit „So hatte ich mir das nicht vorgestellt“. Jetzt sind die Kinder größer und ich bin immer noch sehr viel damit beschäftigt, sie zu begleiten, ihnen zu helfen durchs Leben zu kommen. Und bin vor allem viel damit beschäftigt, mir Sorgen zu machen.

Denn es geht nicht mehr darum: Wie verbringen wir unseren Nachmittag schön? Sondern es geht um viel mehr. Um die Psyche und den Selbstwert sowie den Blick auf sich und das Leben meiner Kinder. Ich mache das alles gerne und nehme es so wie es ist. Meine Kinder sind toll und machen sicher ihren Weg.

Aber das hätte ich nie gedacht, dass das mal so sein wird, wenn die Kinder „groß“ sind. Und aus diesem Grund habe ich manchmal meine Schwierigkeiten, Artikel über „typische“ Pubertätsthemen zu lesen, denn wir beschäftigen uns in unserer Familie mit ganz anderen Themen.

Chaotische Zimmer, keine Lust auf Schule und zu viel Social Media-Konsum sind Themen, die es bei uns auch gibt, aber dazu gibt es halt noch so viele so viel tiefergehende…

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3 comments

  1. Liebe Autorin,
    ich fühle das was Du in dem Artikel geschrieben hast.
    Auch ich habe mehrere Kinder zwischen 8 und 16 Jahren, eines davon mit ADHS und das Älteste mit selbstverletzendem Verhalten. Wir hatten Glück und haben sehr schnell eine tolle Therapeutin für den Großen gefunden. Obwohl ich weiß, dass meine Kinder ihren Weg gehen werden und die Bewältigung der aktuellen Krisen sie vielleicht sogar stärkt, bedrückt mich die Situation sehr. Die Begleitung meiner großen Kinder fordert mich definitiv mehr heraus als schlaflose Nächten in der Babyzeit.
    Liebe Grüße und viel Kraft!

  2. Ich kann Dich so gut verstehen. Unsere Tochter ist jetzt 11, aber schon viel weiter. Die Sorgen, die ich mir mache um Selbstwert, Freundinnen, etc sind ganz andere als bei Kleinkindern.

    Teenager Zeit ist wirklich sehr anstrengend.

    Grüße an alle Leidgenossinnen !

  3. Danke für diese Einblicke! Ich hatte als (frisch gebackene) Mutter keine Vorstellung darüber wie Kinder ab 8 Jahren aufwärts so sind und bin von den Herausforderungen der „größeren Kinder“ kalt erwischt worden. In der Presse und überall liest man viel über die Anfangszeit: Krippe, Kita, die vielen Infekte, Einschulung, aber die Begleitung von größeren Kindern ist mit viel Aufwand und vielen Emotionen verbunden! Es ist gut, wenn diese Zeit zwischen Ende der Grundschule und dem Schulabschluss sichtbarer und präsenter wird. Danke für die Offenheit dieses Artikels.

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