Der Zauber der Großeltern – Gedanken von Katharina

Großeltern

Katharina als Baby mit Uroma, Oma und Mutter

Ihr Lieben, vor ein paar Tage war ich mit einer Freundin in dem Kinofilm „Ach, diese entsetzliche Lücke“. Vielleicht habt ihr schon davon gehört. Das großartige Buch von Joachim Meyerhoff ist mit Senta Berger und Bruno Alexander in den Hauptrollen verfilmt worden. Der Film zeigt die Suche eines jungen Mannes nach seinem eigenen Weg, es geht um Trauer und es geht vor allem auch um die Beziehung dieses jungen Mannes zu seinen Großeltern, bei denen er für sein Schauspielstudium einzieht.

Am Ende des Filmes sagt der junge Mann einige Jahre nach dem Tod seiner Großeltern (ich kann das jetzt nur aus dem Kopf wiedergeben), dass egal wie lange die Großeltern tot sind, seine Erinnerungen an sie nicht verblassen. Dass er nur die Augen schließen muss und schon kann er sie sich zurückholen.

Diese Sätze haben ich sehr berührt, denn bei mir ist es genauso. Ich hatte eine sehr enge Beziehung zu meinen Großeltern mütterlicherseits, der Todestag meiner Großmutter jährt sich demnächst zum neunten Mal – und trotzdem verblasst nichts.

Ich kann sie noch genau vor mir sehen, wie sie in leicht gestreiften Kittelschürzen Schnitzel für uns gebraten hat. Sie hat nie den Geschirrspüler benutzt, sondern immer von Hand abgewaschen. Wir Kinder durften dabei nicht helfen, sondern sollten uns lieber im Wohnzimmer hinlegen und ausruhen (was mit prall gefutterten Bäuchen natürlich sehr gerne getan haben).

In dem Kühlschrank meiner Oma gab es Sachen, die meine Mutter nie gekauft hätte (z.B. Babybel und Actimel), meine Oma liebte die Lindenstraße und später Sturm der Liebe. Sie konnte sensationell Rücken kraulen und Füße massieren und spannende Geschichten erzählen. Ich hätte ihr stundenlang zuhören können, wie sie nach dem Krieg vor den Russen geflohen ist, wie sie in Scheunen schlafen musste und bei Bauern um Brot betteln musste. Als die Flüchtlingskrise Deutschland erreichte, war sie tagelang völlig aufgelöst, weil sie so viel an früher denken musste.

Sie hat uns immer Geld zugesteckt und dann gesagt: „Mir tut´s nicht weh und dir tut´s gut.“ Als Kinder haben wir uns immer davor gegruselt, wenn sie abends ihr Gebiss rausgenommen hat und es in einem Glas neben dem Waschbecken schwamm.

Manchmal, wenn ich heute nicht schlafen kann, reise ich gedanklich durch die kleine Wohnung meiner Großeltern, in der bis zuletzt die Tapeten aus den 70er Jahren hingen, was sie eigenartig bunt machte. Ich kann mich an jedes kleine Detail erinnern, weiß genau, wie ich die Treppen zur Wohnung hochgehüpft bin. Sie stand nie in der Tür, sondern hat die Tür immer nur angelehnt, weil sie natürlich am Herd stand und Essen machte.

Für mich war die Beziehung zu meinen Großeltern eine völlig andere als die zu meinen Eltern. An Großeltern reibt man sich nicht, man findet sie eigentlich nicht blöd, man rebelliert nicht gegen sie. Genau wie meine Großeltern mich nie blöd fanden, mich nicht groß erzogen haben – da war immer nur ein Überschwall an Zuneigung.

Die Generation meiner Großeltern gibt es fast nicht mehr und manchmal habe ich auch Bammel, dass ihre Lebensgeschichten mit ihren sterben. Dabei hatten die meisten echt krasse Geschichten, die wir uns öfter anhören sollten.

Ich glaube, eins der größten Geschenke meiner Kindheit war, dass ich so eng mit meinen Großeltern aufwachsen konnte. Und es geht mir genau wie dem jungen Mann im Film: Wann immer ich sie vermisse, schließe ich die Augen und reise zu ihnen.

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8 comments

  1. Ich hatte auch so eine Oma und habe sie sehr geliebt. Den Opa dazu auch, aber er starb als ich 5 war und daher ist meine Erinnerung daran nicht mehr so präsent. Bei meiner Oma war ich alle 4 Wochen zum Übernachten und sie hat es mir immer sehr schön gemacht. Sie war eine sehr modische Frau und hatte tollen Schmuck. Ich durfte dann sonntagsmorgens immer auswählen, welche Ohrringe sie tragen sollte oder ähnliches. Danach ging es zum Bahnhof zum Kiosk, sie kaufte die BamS und ich bekam ein Malheft oder später die Mickey Maus. Sie war eine starke Frau und hat mich auch sehr geprägt. Und unsere Tochter ist nach ihr benannt. Leider starb sie als ich 10 war.
    Meine andere Oma war anders. Sie war immer beschäftigt, hatte ihre Routinen. Da hatte ich immer eher das Gefühl zu stören und gleichzeitig war es eine Pflicht dort zu sein.

    Bei unserer Tochter ist es nun ganz ähnlich. Meine Eltern sind die Bilderbuch-Großeltern, die jeden Quatsch mitmachen und alles für das Enkelkind tun. Sie meinte letztens Oma und Opa wären quasi Zweit-Mama und -Papa. Ich denke, das sagt schon sehr viel.
    Bei meinen Schwiegereltern ist eher eine Pflicht vorbeizuschauen. Sie hören nicht zu und andere Dinge sind wichtiger. Das tut mir immer leid – für beide Seiten. Aber ich kann es nicht ändern und bin froh, dass meine Eltern wenigstens so tolle Großeltern sind – und ein Vorbild, wie ich gerne einmal sein würde.

  2. Bei mir ist es so, dass ich selbst wenig Erlebnisse mit Großeltern in meiner Kindheit hatte. Die Eltern meines Vaters spielten keine Rolle, die Mutter meiner Mutter starb früh, wir lebten mit dem Vater meiner Mutter zusammen (er starb, als ich 10 war), er war aber schon sehr alt und gebrechlich. Die wenigen Male, als er sich um uns kümmerte, wenn meine Eltern mal weggingen, habe ich aber in schöner Erinnerung.
    Aber meine Kinder haben es richtig gut. Die haben vier Großeltern, denen sie wichtig sind, die bei ihrer Geburt auch noch jung waren und sich viel gekümmert haben, die Kinder haben Ferien dort verbracht, ihre Cousins dort getroffen, wurden verwöhnt. Das ist so eine wertvolle Erfahrung für das ganze Leben.

  3. Sehr schön geschrieben der Bericht ❤️ genau so geht es mir, wenn ich an meine Omas und meinen Opa zurück denke… der Schmerz des Vermissens bleibt

  4. Liebe Katharina,
    was du oben beschreibst, lässt auch bei mir die wunderschönen, warmherzigen Erinnerungen an meine Oma hoch kommen. Ich war damals als Kind und auch noch als Jugendliche und junge Erwachsene ein richtiges Oma-Kind. Sie steckte mir auch so oft „Eis-Geld“ zu, obwohl sie selbst nicht viel hatte. Ich erinner mich gerne an die Abendrituale mit Baden, gutem Essen, auf der Couch kuscheln und ein Märchen als Gutenachtgeschichte. Ihre Tür stand immer offen und sehr oft habe ich die Zeiten zwischen den Unterrichtsstunden oder später in der Ausbildung zwischen Spät- und Frühschicht bei ihr verbracht und mich rundum wohlgefühlt. Ich bin ihr sehr dankbar, dass sie immer für mich da war und konnte es ihr hoffentlich auch zeigen.
    Leider können oder wollen meine Schwiegereltern nicht so eine wunderbare Beziehung zu meinen Kindern aufbauen, obwohl sie nur 3km entfernt wohnen. Da wird nur kurz bei uns vorbeigeschaut, die neuesten Fotos auf dem Handy gezeigt oder sich über weiß nicht wen beschwert. Meine Eltern sind leider schon vor langer Zeit verstorben. Und so tut es mir wirklich weh zu wissen, dass meine Kinder in 25-30 Jahren nicht mit so einem warmen innigen Gefühl in der Brust und solch wunderschönen Gedanken im Kopf an ihre Kindheit mit Oma zurückdenken können…

  5. Ja, ich hatte und habe auch eine enge Beziehung zu meinen Großeltern mütterlicherseits und ich habe ihnen so viel zu verdanken. Sie werden immer ein Teil von mir sein und haben mich so sehr geprägt. Vermutlich sollte ich das meiner Oma noch einmal sagen, solange sie es noch verstehen kann. Mein Opa ist seit einem Jahr tot und meine Oma lebt seit dem in einem Pflegeheim nur 15 Minuten entfernt und trotzdem besuche ich sie kaum, wel mein Leben gerade so voll ist. Es ist schade, dass ich nicht die Zeit und die Kraft habe ihr zu zeigen wie wichtig sie mit ist.

  6. Ja solche Erinnerungen habe ich auch aber eher über die Mutter meines Vaters, sie lebte mit uns im Haus und ich wuchs die ersten Jahre bei ihr auf, was sie zu meiner Herz-Mama macht. Das leckere Essen, die kleinen Geheimnisse nur zwischen ihr und mir und das immer offene Ohr vermisse ich sehr. Als sie starb, starb ein Teil von mir mit ihr…als meine Mutter starb war die Trauer viel kürzer und einfach anders… Ich wurde durch meine Oma die Person die ich jetzt bin und bin ihr für so vieles dankbar. Meine Kinder haben keine solchen Großeltern gehabt leider…daher bekommen sie von uns allen und sicher zu viel
    .

  7. Ach ja ❤️ auch ich hatte solche Goldschätze, ohne die ich nicht wäre wer ich bin und denen ich so unendlich viel verdanke. Tatsächlich dachte ich immer, dass das normal sei und alle Großeltern so sind… Ach, was für ein Schreck, als ich dann selbst Kind bekam und die jetzt Urgroßeltern immer noch toll waren, die Großeltern aber nur mit Abwesenheit und Desinteresse glänzten. Gerade weil ich weiß wie unendlich wertvoll Großeltern sind, tut mir das für meine Kinder so leid, was sie verpassen. Ich hoffe, dass ich dann später anders sein werde, das ist mein fester Ziel.

  8. Hach ja,…meine Oma mütterlicherseits war für mich auch eine enorm wichtige Person. Die ersten 4 Jahre meines Lebens habe ich bei ihr verbracht, zusammen mit meiner Mutter. An sie, ihren Garten, ihre leckeren Mahlzeiten denke ich immer gerne. Unsere Kinder haben leider keine solche Oma. Beide leben zwar, aber haben anderes zu tun und wir wohnen leider auch weit auseinander. Also übernehme ich ein bisschen die Oma-Rolle. Deshalb gibt es in unserem Kühlschrank Actimel und Babybel 🙂 und auch eine Süßigkeitenschublade. Ich versuche großzügig zu sein mit meinen Kindern, damit sie sich später gerne an mich und unser Zuhause erinnern.

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