Gastkind: Ein Familienmitglied auf Zeit in der Teen-Time

Gastkind

Ihr Lieben, ein Gastkind bei sich in der Familie aufzunehmen birgt ja immer auch ein gewisses Risiko – und zwar ganz gleich, ob das Kind für eine Woche zum Austausch vorbeikommt, für mehrere Monate oder gar ein Jahr. Da spielt ja sooo viel mit rein!

Wie ist der Umgang in der eigenen Familie zu Hause, gibt es dort viele oder eher wenige Regeln, wie ist das Kind selbst aufgewachsen, gibt es möglicherweise Personal, dass sich um den Haushalt kümmert, dürfen Kinder dort mitkochen, gibt es Geschwisterkinder etc.

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Meine Schuluniform damals im Austausch

Dann hat es natürlich auch großen Einfluss, wie gut es in der Klassengemeinschaft ankommt, ob es direkt mit ein paar Leuten andockt und viel unterwegs sein möchte oder ob es sich eher schwertut und deswegen viel Zeit im eigenen Zimmer verbringt.

Ganz wichtig ist auch zu schauen, wie das mit dem Handykonsum gehandhabt wird, ob es nonstop in Kontakt mit der Heimat ist und dadurch kaum ankommen kann im neuen Land oder ob es sich offen zeigt und direkt einlebt und den Kontakt nach Hause gar nicht so braucht.

Dann spielt natürlich auch der Charakter eine große Rolle: Welche Rolle spielt Humor? Gibt es eine große mitgebrachte Schüchternheit oder wenig Gefahrenbewusstsein bei zu viel Übermut. Wie sind die Essgewohnheiten, was wird mit den Gasteltern geteilt, was nicht, schreibt es in der Schule Klausuren mit und muss Hausaufgaben machen oder wird es außen vorgehalten.

Viele Faktoren für einen gelungenen Austausch

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Welcome to Germany

Ihr hört schon, es gibt unheimlich viele Faktoren, die reinspielen, wenn ein Kind ins Ausland geht. Bei mir selbst war es so, dass ich zu einer alleinerziehenden Mutter mit zwei Gastschwestern ging – ich selbst war 15, die Schwestern 17 und 20.

Die Mutter war regelmäßig auf Dienstreise, weshalb wir wirklich viel allein waren. Wie eine kleine Mädels-WG. Ich fand das damals genial, weil ich dadurch so superselbständig wurde, wir kauften selbst ein, kochten selbst, feierten Sturmfreipartys.

Anders würde ich das jetzt als Mutter wahrnehmen, wenn ich hören würde, dass mein Kind dauernd im Ausland allein ist 😉 So ändern sich die Zeiten. Auch unsere große Tochter fühlte sich in ihrem Auslandsaufenthalt in der 10. Klasse von der ersten Familie zu viel alleingelassen.

Sie konnte – das war damals leider noch corona-bedingt – die ersten zwei Wochen im Ausland noch nicht zur Schule gehen, die Familie war aber ganztags weg und ließ sie schlicht allein. Sie lag also auf ihrem Bett und als sie mal versuchte, zum Supermarkt zwei Straßen weiterzulaufen, hupten so viele Männer in Lieferwagen sie an, dass sie auch das direkt wieder sein ließ.

Wenn es mit der Gastfamilie nicht passt

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Hier sah unser Gastkind zum 1. Mal Schnee

Das ist natürlich kein guter Start und irgendwann wechselten sie dann auch die Familie und es wurde viel besser, aber das wollten mir mit unserem Gastkind natürlich anders machen. Wir wollten ihr möglichst viel zeigen, hatten auch das Gefühl, dass eine 15jährige Latina natürlich auch mal mit unseren 17jährigen Zwillingen um die Häuser ziehen könnte.

Bist du selbst auch mit Gastgeschwistern aufgewachsen?

Meine Eltern nahmen selbst in meiner Kindheit und Jugend immer wieder Gastkinder auf, wir hatten die unterschiedlichsten Menschen bei uns wohnen, aus Amerika, aus Dänemark, einmal sogar aus Grönland. Ich fühlte mich also nicht gänzlich neu in dem Business 😉 War dann aber trotzdem aufgeregt, als es so weit war.

So ein Gastkind im eigenen Haushalt heißt ja zumindest für den Anfang erstmal: Vielleicht ein bisschen aufgeräumter unterwegs sein als sonst, Gläser schneller wegstellen, das eine Mal mehr staubsaugen und erstmal nicht mehr im Pyjama auf der Couch gammeln. Auch mittags und abends was Gekochtes auf dem Tisch zu haben, statt nur Toasts hinzuschieben, gehört für mich einfach dazu.

Und natürlich wollten wir unserem Gastkind auch ein paar Sachen zeigen, fuhren mit ihm auf den Weihnachtsmarkt am Schokomuseum und setzten uns ins Riesenrad, organisierten ihr Moulin Rouge Karten für den Kölner Musical Dome, verbrachten ihren 15. Geburtstag im Kölner Weihnachtscircus, fuhren rund um Silvester für einen Tag ins Phantasialand.

Ich nahm es mit zu meinen Lesungen und Chor-Auftritten, zum Pferd in den Stall. Die anfängliche Zurückhaltung schoben wir auf die Sprachbarriere, aber die blieb dann doch auch bis zum Schluss, was gerade in einer dauerkommunizierenden Familie wie der unseren schon auffällt – und natürlich auch verunsichert.

Was es bedeutet, Gastfamilie zu sein

Aus der Heimat bekamen wir aber die Rückmeldung: Ihr geht’s super bei euch, sie fühlt sich wie zu Hause. Auch wenn sie viel Zeit im Zimmer verbrachte, nicht auf Partys ging oder sich verabredete. Am Ende durfte sie mit den anderen Austauschschülern aus ihrer Heimatschule (fast alle aus ihrer Klasse waren zu der Zeit in Deutschland) noch zwei kleinere Reisen unternehmen, die ihr viel Spaß gemacht haben. Mit Menschen, die sie schon lang kennt, blühte sie auf.

Und dann waren die fünf Monate tatsächlich irgendwann wieder rum. Es waren schon auch herausfordernde Zeiten dabei, die unsere Kernfamilie in dem gemeinsamen Erleben aber auch nochmal zusammenwachsen ließ. In einem Brief, den uns unser Gastkind hinterließ, schrieb es schließlich über all das, was ihm in der Zeit hier wohl eben durch den Kopf ging.

Es war ein Liebesbrief, in dem sie jedem von uns einzeln und individuell dankte. Wir hatten all das geahnt, aber es dann nochmal ausformuliert und in Schönschrift vor sich liegen zu haben, ging dann doch ans Eingemachte. Ein Herz aus Gold, das seinen Weg nach draußen dann doch noch fand.

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5 comments

  1. Natürlich ist es Typsache, ob ein Auslandsaufenthalt gefällt, gut tut und wachsen lässt – gute Organisationen achten da auch drauf und führen entsprechend Auswahlen durch. Und natürlich überlegt man sich das gut, ist doch selbstverständlich!
    Aber auch für schüchterne und eher introvertierte Jugendliche kann ein Auslandsjahr genau das richtige sein, so wie bei mir damals.
    Gerade das Leben in einer Gastfamilie war mit allen Höhen und Tiefen besonders bereichernd, weil man einen ganz besonderen und individuelle Einblick in das Gastland bekommt. Die Familie bleibt ja nicht lange fremd!
    Gerade jung und offen und ohne Druck durch Studium/Beruf kann man sich ganz anders auf die neue Umgebung einlassen und auch schneller die Sprache lernen als bei späteren Auslandsaufenthalten.
    Und wenn das nichts für einen ist, ist das auch gut! Für mich war es trotz oder auch wegen Schwierigkeiten fantastisch, für meine Kinder wäre ein Auslandsaufenthalt als Jugendliche nichts. Unabhängig davon finde ich toll, dass es diese Möglichkeiten gibt und glaube auch, dass der internationale Austausch uns gesellschaftlich gut tut.

  2. Auslandserfahrung während der Schulzeit ist so toll! Meine Kinder werden in Klasse elf auf ein Internat gehen. Wir haben uns bewusst gegen eine Gastfamilie entschieden, denn das kann eben auch schiefgehen. Im Internat gibt es sehr viele Ansprechpersonen, Haus Eltern, Lehrerinnen, SportTrainer… Da findet man immer jemand, mit dem es passt.

  3. Ich stehe Auslandsaufenthalten in so jungen Jahren etwas kritisch gegenüber. Das ist aber mein persönliches Empfinden. Zu dem ist es auch immer mit viel Geld und Platz verbunden, dass vorhanden sein muss, um solche Aufenthalte zu ermöglichen. Grundsätzlich zieht man aus solchen Abenteuern immer ganz viel Erfahrung und es lässt einen reifen und wachsen.

    1. Ich denke, so ein Auslandsaufenthalt in einer fremden Gastfamilie kann eine bereichernde und positive Erfahrung sein – wenn man der Typ dafür ist!
      Gerne wird gerade in unserer Gesellschaft aber auch vergessen, dass es nicht nur die schrillen, lauten, abenteuerlustigen, sondern auch die stillen, leisen, introvertierten gibt, die das „rausgehen“ gar nicht so brauchen.
      Also, dass es einen grundsätzlich Reifen und wachsen lässt – jein, kommt halt drauf an in welche Richtung man Reifen und wachsen definiert. Mich als Jugendliche hätte 24/7 in einer völlig fremden Familie, in einem ganz fremden Land mit Sicherheit überfordert und meine eigenen Kinder wohl auch. Wir reisen durchaus gerne und schauen uns neue Orte an aber brauchen dafür unser ganz eigenes Tempo und immer wieder Ruhe und Runterkommen.
      Auch wäre es für uns unvorstellbar, rund um die Uhr einen ganz fremden Menschen bei uns zu Hause zu haben. Wie Lisa im Artikel selbst schreibt, ist man dann ja doch immer irgendwie, sozusagen im Zwang und kann sich eben nicht so „gehen lassen“ wie sonst. Für meine hochsensible Familie wäre das die pure Überforderung.
      So unterschiedlich sind die Menschen!
      Ich würde auch denken, dass Jugendliche dafür nicht zu jung sein sollten, da dies meiner Meinung nach schon eine bewusste und gut überlegte Entscheidung sein sollte, da sie eben zur eigenen Persönlichkeit passen muss.

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