Humor in der Teen-Time: Am Ende der Geduld ist noch so viel Pubertät übrig

Chill mal

Matthias Jung

Ihr Lieben, mittwochs ist Teen-Time-Tag und heute soll es mal um Humor in der Teen-Time gehen, denn der wird beizeiten schon auch mal überlebenswichtig. Deswegen haben wir uns in diesem speziellen Fall mal ein Experten-Interview gegönnt: Mit Matthias Jung, „Deutschlands lustigstem Jugendexperten“ und Autor des Spiegel Bestseller „Chill mal“.

Falls ihr ihn mal live sehen wollt, sichert euch schnell noch ein Ticket. Er ist zum Beispiel am 6. März um 19.30 Uhr im Haus der Familie Wipperfürth mit einem Programm extra für Väter (das aber auch für Mütter sehr witzig und lehrreich ist). Wenn ihr zu weit weg sein oder da nicht könnt, schaut gern auch mal nach seinen anderen Auftritten auf seiner Homepage.

Lieber Matthias, du bist Papa eines heranwachsenden Kindes und sagst: „Am Ende der Geduld ist noch viel Pubertät übrig“. Wo liegen denn bei euch zu Hause grad die größten Herausforderungen? 

Momentan ist es schwierig, den Jungen aus dem Zimmer zu bekommen. Er hat sich zurückgezogen, führt ein so genanntes „Rendezvous mit sich selbst.“ Er nabelt sich ab und lernt sich kennen. Das muss sein. Ich denke, bis er 18 ist, kommt er wieder raus.

Wenn du dich an deine eigene Pubertät zurückerinnerst: Was war anders, was ähnlich?

Früher habe ich auch schon immer sehr gerne lautstark mit meiner Mutter diskutiert. Der pädagogische Tipp „es nicht persönlich zu nehmen“ ist zwar richtig, aber auch extrem schwer und braucht viel Übung. Und ich bin auch der Meinung, dass man die Atemübungen aus dem Geburtsvorbereitungskurs zehn Jahre später auch noch mal braucht. Ich habe schon von Hebammen gehört, die nach der 600. Woche wieder vorbeigekommen sind.

In welchen Bereichen deines Lebens bist du auch heute noch der rebellische Junge von damals geblieben?

Naja, ich hab einen rebellischen Job, der nicht so ganz üblich ist und der auch sehr bunt ist. Ich schreibe Bücher, halte Vorträge, die sehr humorvoll sind, berate hin und wieder und gebe Workshops. Man ist sein eigener Chef. Selbst und ständig, aber mit viel Spaß.

Wie schaffst du es denn, dein „Chill mal“-Kind humorvoll davon zu überzeugen, dass es jetzt mal den Müll rausbringt oder das Zimmer aufräumt? 

Bei Teenager funktioniert vieles auf Zuruf. Ich würde meinem Teenager morgens kurz vor der Schule die Mülltüte in die Hand geben. Dann ist er mit dem Gedanken schon woanders, hat keine Zeit zu meckern und in der Schule sagt er dann: „Oh Mist, ich hab ja immer noch die Mülltüte!“ 

Nun lesen hier viele mit, deren Kinder wirklich GAR keinen Bock auf Schule haben und Antrieb vermissen lassen… was tun? 

Ich habe festgestellt, dass der Startschuss, wann unsere Teenager wieder mehr für die Schule machen wollen, immer unsere Teenager bestimmen – nicht wir. Der kommt oft erst ab der zehnten Klasse, weil sie merken, sie brauchen die eine oder andere Note fürs Studium. Diese Erkenntnis kommt theoretisch auch gar nicht, weil dieses Schulding nichts für sie ist. Es ist ja Schulpflicht. Sie müssen ja dahin. Wir können uns die Arbeit aussuchen. Wir sollten uns mehr auf uns konzentrieren, Verantwortung abgeben und trotzdem Hilfe anbieten. Aber die Initiative liegt irgendwann beim Teenager.

Wie reagierst du auf die Aussage „Die anderen dürfen das aber auch alle“?

Ich würde sagen: Dann rufen wir die Eltern von den anderen doch mal an. 🙂

Wie bewahrst du dir den Humor, wenn es mal richtig knallt?

Chill mal Buch Grafik JPG

Naja, mein Buch „Chill mal“ ist ja vor der Pubertät meines Sohnes entstanden. Wenn es knallt, dann lese ich da ein paar Sachen nach und denke, das haben so viele Eltern gelesen. Das muss stimmen, was da steht… und dann beruhigt mich das.

Außerdem weiß ich, dass er nichts gegen mich macht. Mich liebt er weiterhin, auch wenn es sich manchmal gar nicht mal so anfühlt. Er schaut jetzt nur langsam in die andere Richtung und geht seinen eigenen Weg. Nicht einfach für uns Eltern, da loszulassen. 

Welchen Bereich hältst du für die größte Herausforderung für Eltern von Teenagern? Die Medien?

Die Medien sind in der Tat immer ein sehr beliebtes Thema. Mir ist es wichtig, dass dieses Thema nicht nur negativ besetzt ist. Natürlich sind Diskussionen um Bildschirmzeiten oft notwendig, aber man sollte trotzdem auch probieren positiv in Verbindung zu bleiben. Das schafft man, indem man sich interessiert, nach Trends fragt und sich auch freut, wenn der Teenager uns ein Video zeigt. Auch wenn dies oft nicht unser Humor ist. Trotzdem gut. Dann ist nämlich ein Vertrauensverhältnis entstanden. 

Wie bleibt ihr trotz des Wahnsinns zu Hause ein Paar? Geratet ihr da erziehungstechnisch auch mal aneinander?

Absolut, denn es ist gerade im Alltag mit Kindern oft auch stressig. Wichtig ist, dass man sich als Paar nicht verliert, sondern auch immer mal wieder Dates ausmacht. Und das ist ja das Schöne an der Pubertät, dass das jetzt wieder mehr und mehr geht. 

Aber meine Frau war auch schon mal so sauer, dass sie mich abends beim Elternabend zum Elternsprecher hat wählen lassen. Das ist ein Scheidungsgrund 🙂

Du hältst am 6.3. einen Vortrag mit dem Namen „Chill mal, Papa“. Was genau macht die Sicht des Vaters auf die Pubertät nochmal so besonders?

Chill mal
Matthias Jung. Foto: Christoph Hirse

Viele Mütter kommen nach meinem Vortrag zu mir und sagen, dass es schön gewesen wäre, wenn sich ihr Mann das auch mal angeschaut hätte. Das ist auch wichtig, denn oft kommen die Väter mit den Veränderungen, die unsere Teenager durchmachen, nicht klar.

Sie wissen nicht, was da passiert. Sie eignen sich oft auch weniger Wissen an, als die Mütter und denken manchmal ganz pauschal: „Wir haben in der Erziehung alles falsch gemacht. Schau mal, wie der oder die sich gerade benimmt!“ Aber da hängen ja noch so viel andere Dinge dran und diese gehen wir an dem Abend durch. Natürlich auch sehr humorvoll… und ein Bierchen gibt’s bestimmt auch. Da sind wir immer auch auf der sicheren Seite. Denn im Wort „Pubertät“ steckt das englische Wort „Pub“ drin… 

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2 comments

  1. Ich finde das Hörbuch auch sehr gut, das einzige was mir negativ aufgefallen ist, dass der mehr als umstrittene und mittlerweile auch angeklagte PsychiaterMichael Winterhoff zitiert wird. Dafür ist das Buch ja sonst zu aktuell, als dass das zum Erscheinungsdatum nicht schon publik gewesen wäre.

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