Ihr Lieben, wie klappt das bei euch mit Teenies und Schule grad? Neulich saßen mein Mann und ich mit einem befreundeten Vater zusammen, der sich darüber Luft machte, wie wenig Bock seine Teenies auf Schule hätten. Immer gebe es Zoff um Hausaufgaben, alles andere sei wichtiger, die Leistungen würden absacken und die Laune zu Hause sei schlecht.
Mein erster Gedanke war: Erinnert mich stark an mich selbst in der 9. Klasse. Denn ich hatte in der 8. und 9. Klasse wirklich alles im Kopf – nur keine Schule. Mit der Folge, dass ich gerade so die achte Klasse geschafft habe, am Ende der neunten aber in Mathe und Physik eine Fünf hatte und damit offiziell durchgefallen war.
In der neunten Klasse waren bei mir eifach so viele andere Dinge wichtig. Freundschaften, Jungs, das erste Ausgehen, die ersten Partys – in meinem Kopf war absolut kein Platz für schulische Themen. Es war mir einfach egal, ich konnte mich nicht konzentrieren und alles gute Bitten meiner Eltern prallte einfach an mir ab.
Nun war ich also durchgefallen, allerdings gab es damals die Möglichkeit, am Ende der Sommerferien in die Nachprüfung zu gehen. Würde man da die Prüfungen bestehen, konnte man doch noch aufrutschen. Ich war natürlich total geschockt, dass da wirklich zwei Fünfen standen und habe fast die gesamten Sommerferien bei der Nachhilfe verbracht.
Während alle meine Freunde im Freibad abhingen habe ich gelernt und mir den Schulstoff des letzten Jahres ins Hirn geprügelt. Am Ende der Sommerferien saß ich schlotternd in der Nachprüfung – und habe bestanden. Tatsächlich war mir das eine echte Lektion, denn mir war ab dann bewusst, dass ich doch ein bisschen was für die Schule tun muss. Ich war keine Überfliegerin, sondern Durchschnitt, das hat mir gereicht.
Wenn Schule zweitrangig ist
Immer wenn ich höre, dass ein Teenager völlig kopflos zu sein scheint und sich null für die Schule interessiert, kann ich das also sehr gut nachvollziehen. Und ich finde es auch nicht den Weltuntergang, wenn mal ein ziemlich bescheidenes Halbjahr dabei ist, weil der Teenie einfach andere Sachen im Kopf hat. Meine beiden Großen sind noch gut in der Schule, aber ich hoffe, dass ich einen guten Mittelweg hinbekomme, wenn sich das mal ändern sollte.
Einen Mittelweg zwischen „Ich verstehe, dass alles andere gerade sehr spannend ist“ und „Komm, ein Minimum an Lernen muss schon sein.“ Wird sicher nicht ganz leicht…
Was mich allerdings ärgert, wenn Eltern so tun, als sei das Abi der einzige Schulabschluss. Ich habe mir fest vorgenommen, dass ich meine Kids nicht durchs Abi prügeln werde. Wenn sich ein Kind schwertut und nur noch Misserfolge erlebt, wenn es eher handwerklich begabt ist oder sich mehr in einer Ausbildung sieht, finde ich das Abi absolut zweitrangig. Ich selbst kenne viele Leute, die erstmal eine Ausbildung gemacht haben und dann teilweise später noch das Abi nachgeholt haben – oder auch nicht (und dann ganz happy in ihrem Beruf waren).
Gerade in Zeiten von KI, in denen wir alle noch nicht wissen, wie sich ganze Berufszweige verändern werden, ist es bestimmt nicht das Schlechteste, etwas Handwerkliches zu können. Aber vor allem möchte ich mir immer wieder sagen: Selbst wenn ein Kind die Schule früher verlässt, heißt das ja nicht, dass das Lernen vorbei ist. Wir werden alle so viele Jahre arbeiten, dass jederzeit Weiter- und Fortbildungen möglich sein werden.
Ich habe mir fest vorgenommen, dass das Thema Schule das Verhältnis zu meinen Kindern nicht komplett bestimmen wird. Ich möchte ihnen Mut machen, sich auch mal reinzuhängen, aber ihnen die Sicherheit geben, dass eine schlechte Note sie nicht zu einem schlechteren Menschen macht. Und wenn ich merke, dass Schule nur noch Qual ist, dann würde ich sie unterstützen, einen anderen Weg einzuschlagen.
Wie ist das bei euch? Ist das Thema Schule bei euch sehr konfliktbeladen oder läuft alles ganz easy vor sich hin? Erzählt mal, wie da eure Erfahrungen sind!



4 comments
Danke für die schönen, ehrlichen und gelassenen Kommentare
Wir hatten auch große Probleme mit der Schulunlust unserer großen Tochter. Wir mussten sie quasi zu allen Hausaufgaben, Referaten, Vokabeln lernen, etc. zwingen. Die 7. und 8. Klasse fiel auch mit der Corona Zeit zusammen, sodass wir durch Homeschooling echt viel mitbekommen haben von der Schule. Nach der 8. Klasse haben mein Mann und ich einen Schlussstrich gezogen. Wir haben uns mit ihr zusammengesetzt und ihr gesagt, dass wir sie nicht durchs Abitur „prügeln“ werden (natürlich im übertragenen Sinne). Ab da war sie komplett allein für ihre Schulsachen verantwortlich, wir haben uns komplett raus gehalten. Wir haben damit gerechnet, dass sie evtl. vom Gymnasium abgehen muss und einen Realschulabschluss macht, auch okay.
Aber siehe da, es hat sich an den schulischen Leistungen überhaupt gar nichts geändert. Sie hatte die gleichen Noten wir vorher, nur dass wir unendlich weniger Stress zu Hause hatten. Letztes Jahr hat sie ihr Abitur gemacht, war danach ein Jahr im Ausland und startet im Herbst ihr Studium zur …. *Trommelwirbel* … Grundschullehrerin *lach*
Worauf wir besonders stolz sind: Alles aus eigener Kraft, also aus eigenem Antrieb heraus 🙂
Vielen vielen Dank für diesen Artikel! Der hilft mir gerade sehr. Mein Sohn ist jetzt in der achten Klasse. Er ist seit der siebten von der Realschule runter gewechselt in die Mittelschule. Leider wollte und will er bis jetzt nicht in den M-Zug wechseln (Noten sind zum Glück sehr gut). Somit hat er jetzt noch ein Jahr Schule und dann nach der neunten seinen Abschluss. Er hat mehrere Praktika absolviert und seinen Traumberuf in der Landwirtschaft gefunden. Er war in dieser Zeit wie ausgewechselt (glücklich, redselig, super Laune). Im Praktikum eine wahnsinnig gute Bewertung bekommen. Wer weiß wie sein Weg verlaufen wird, er muss glücklich sein.
Ich wäre mit 13 fast durchgefallen und konnte nur aufsteigen,weil ich vom Elitegymnasium auf eine Schule mit sehr schlechtem Ruf gewechselt habe. Ich war einfach an der völlig falschen Schule, mit Latein total überfordert und habe eine starke Dyskalkulie die damals übersehen wurde. Ich habe meine Tagebücher aus dieser Zeit noch und bin jedes Mal selber erschüttert wenn ich sie lese. Nach außen war ich nämlich ein fauler, rebellischer Teenager auf den man nur „ordentlich Druck“ ausüben musste. In mir drinnen hatte ich aber jeglichen Lebenswillen verloren. Ich musste jeden Tag über eine Brücke gehen und ab dem zweiten Semester stand ich da jeden Morgen und habe überlegt zu springen. Damit es endlich vorbei wäre. Ich hatte eine starke innere Stimme die mich zurückgehalten hat. Wie schlimm wäre das gewesen und wie sinnlos! Wegen ein paar schlechten Noten nach denen mich nie wieder jemand gefragt hat!
Ich habe mit Auszeichnung maturiert (Abitur gemacht sagt man in Deutshland) und mein Studium ebenfalls mit Auszeichnung abgeschlossen. Heute bin ich eine (hoffentlich) sehr gute Therapeutin. Rechnen kann ich immer noch nicht, aber sehr vielen Therapiekindern und ihren Eltern meine Geschichte erzählen.