Ihr Lieben, seit ich diese Kolumne schreibe, erreichen mich immer mal wieder Leserinnenfragen, wie ich auf diese oder jene Herausforderung in der Pubertät der Kinder reagieren würde und da dachte ich, könnte man doch auch mal ein kleines Forum draus machen, um ganz konkrete Tipps zu geben.
Schickt uns sehr gern eure Fragen an info(at)stadtlandmama.de, wenn ihr mal einen Rat braucht und wir schauen dann, welche Antwort vielleicht auch für mehr Menschen interessant sein könnte, sodass wir das Ganze dann hier im Blog anonymisiert veröffentlichen können.
Von heimlichem Vapen
Heute geht es um eine Mutter, deren Kind ihr nach dem Erwischen versprochen hatte, nicht mehr zu vapen. Nun kommt raus: Das Kind vaped immer noch. Sogar im eigenen Zimmer, wie es einige an FreundInnen verschickte Videos beweisen. Problem: Die Mama weiß das alles nicht offiziell, eine andere Mama hat das am Handy des Kindes entdeckt und dann der Mutter des betroffenen Teenagers Bescheid gegeben. Sie schrieb mir:
„Liebe Lisa, ich habe diese Woche im Vertrauen erfahren, dass mein 13jähriges Kind weiterhin E-Zigaretten raucht. Es schickt offenbar Bilder davon auch über Apps rum, so ein bisschen nach dem Motto: Ich mach das sogar zu Hause und meine Eltern kriegen nix mit. Bin einfach nur traurig und mache mir Sorgen. Wie reagiert man denn nun? Hast du eine Idee?“
Kennt ihr solche Situationen? Und was sagt euch euer Bauchgefühl? Wie würdet ihr selbst darauf reagieren? Erstmal: Wenn man nicht selbst betroffen ist, lässt sich das immer so leicht und locker sagen alles. Als Eltern will man aber ja nun wirklich nichts falsch machen beim Wichtigsten, was man hat: den eigenen Kindern. Also hab ich da vollstes Verständnis, wenn das Nervensystem da erstmal auf Alarm schaltet. Erstmal hilft vielleicht eine Einordnung:
Euer Kind will sich vermutlich grad vor allem von euch Eltern abgrenzen. Möchte sich erwachsen fühlen, auch den anderen Jugendlichen gegenüber. Und selbstverständlich erzählt es euch das nicht offen, es geht ja gerade um das Geheimnis und um die Gefahr.
Hinzu kommt ja: E-Zigaretten oder Vapes (kommt von Vaporisator, weil das ja immer so extrem qualmt) gab es in unserer Kindheit und Jugend einfach noch nicht, wir haben also null Erfahrungswerte und können nicht selbst mitreden. Ich gebe aber gern mal eben zu, dass ich soeben für die Arbeit an diesem Artikel zum ersten Mal auf einer Website war, auf der Liquids für Vapes angeboten werden. Alter Schwede!
Da gibt es Sorten wie „Vanillepudding“, „Buttermilch Zitrone“ oder noch geiler „WaldmeisterSeinVater“. Sorry, aber wie attraktiv klingt das bitte für Heranwachsende. Beim Bestellvorgang kann man dann angeben, ob man das Zeug nikotinfrei bestellen mag, also mit 0mg Nikotinstärke (ja, das gibt´s, wusstet ihr das, dann führt es wenigstens nicht geradewegs in die Abhängigkeit) oder mit 3, 6 oder 12 mg.
Zurück zu unserer Leserin. Ihr Kind äußert sich seinen Freunden gegenüber so, dass es nicht aufhören will, weil es viel zu gerne vape. Mit 13. Das ist halt auch einfach noch früh. Und die Folgen lassen sich in dem Alter halt noch nicht wirklich abschätzen (überhaupt ist die Forschung noch nicht besonders weit, sodass nicht klar ist, ob diese Dämpfe nicht auch ohne Nikotin total schädlich sind. Wie also wollen wir als Eltern damit umgehen? Sollten wir das Kind dazu verdonnern, uns Eltern einen Vortrag über die Gefahren vorzubereiten? Die Idee ist sicherlich gut, nur: Hilft das wirklich, das Kind vom Rauchen abzuhalten?
Und was, wenn dann am Wochenende auch noch eine halbleere Flasche Schnaps im Rucksack des Teenies auftaucht? Und es heißt: Ja, wir haben Mixgetränke gemacht, aber mir schmeckte das nicht. Oder: Ja, ich hab die Flasche, ich hab sie aber nur für xy eingepackt, weil der zu Hause sonst total Ärger kriegt.
Ist das dann ein Vertrauensbeweis an die Eltern (ihr seid da ja lockerer) oder eine Notlüge? Das werden wir nicht abschließend in Erfahrung bringen können, aber ich finde Vertrauensvorschüsse trotzdem erstmal gut. „Immerhin gibst du ehrlich zu, dass ihr das ausprobiert habt. Was genau fandst du denn eklig? Den Geschmack oder das Gefühl des Kontrollverlustes danach?“ Ihr dürft interessiert nachfragen! Nicht ärgerlich, sondern interessiert. Nicht vorwurfsvoll, sondern eher neutral.
Die Vertrauenstür offen lassen
Schaut, dass ihr die Vertrauenstür zu eurem Kind nicht ganz zumacht. Ihr könntet sagen: „Hey, ich sehe, dass du dich gerade ausprobieren musst, auch mit Substanzen, die schwierig sind für ein sich im Wachstum befindliches Gehirn. Ich möchte, dass du weißt, dass wir als Kinder auch mal Mist gebaut haben.
Und ich muss dir trotzdem als Mutter die Konsequenzen aufzeigen. Du kannst mit allem zu uns kommen, aber es muss bestimmte Regeln geben und die Beschaffung von Vapes mit 13 ist illegal, von Alkohol auch. Wenn du trotzdem trinken solltest: Bitte nur in Anwesenheit von anderen, wenn du weißt, dass dich niemand für eine Vergewaltigung verschleppen kann, weil du nichts mehr unter Kontrolle hast oder weil du dich übergeben musst.“
Und ja, wenn ihr grad geschluckt haben solltet: Ich finde, wir dürfen da schon drastische Beispiele anführen, um zu zeigen, was alles passieren könnte und um zu signalisieren: Hey, du begibst dich in Gefahr. Das dürfen gern auch echte Beispiel aus eurem Freundeskreis sein, der eine, der in den Entzug musste oder der andere, der in der Jugend auf Drogen hängenblieb und bis heute Betreuung braucht.
Und nein, ich gehöre definitiv nicht zum Team Strafen und Konsequenzen, wenn es um das Begleiten von Jugendlichen geht. Wenn unsere Leserin jetzt zum Beispiel ihrem Kind die bereits gebuchte Jugendreise mit der Clique in den Sommerferien streichen würde, was meint ihr, was dann geschehen würde? Würde sie nicht vermutlich noch mehr ins Rebellentum und in die Provokation gehen? Ich hätte als Kind so darauf reagiert (hab sowas aber zum Glück nie erlebt, weil meine Eltern solche Ideen zum Glück auch nicht hatten)… noch weiter weg von den „bösen“ Eltern, noch weiter rein in die Clique und ins Nicht-Verstanden-Fühlen.
Nun sagt aber der Freundeskreis mit gleichalten Kindern dieser Mutter: Das kannst du doch wohl so nicht stehen lassen! Dein Kind hat dich angelogen! Dein Kind tanzt dir doch auf der Nase rum! Kennt ihr sowas? Diese Bewertung von außen, die uns dann noch zusätzlich verunsichert? Dieses Ausflippen? Also MEINEM Kind würd ich das nicht durchgehen lassen?
Mein Motto an dieser Stelle: Versucht einfach wirklich, nicht, „die doofen Eltern“ zu sein oder zu werden. Sprecht aus, was ihr selbst fühlt: „Weißt du, ich als deine Mama mach mir einfach wirklich Sorgen. Ich hab sowas selbst nie gemacht. Ich kenn mich mit sowas nicht aus. Wenn du dich dazu mal besprechen willst, mach das am besten mit Papa, der hat auch ordentlich Mist gebaut in seiner Jugend, dann könnt ihr euch dazu mal austauschen. Ein paar Sachen würde Papa heute nämlich auch nicht mehr so machen wie damals. Ja, lach nicht, wir waren auch mal jung und dachten, wir seien unsterblich.“ Überrascht eure Kinder da ruhig.
Konsequenzen fürs Kind?
Zack, stellst du Augenhöhe her und zeigst sogar eigene Verletzlichkeit und Reflexion. Und dann darfst du nachfragen: Was gibt dir das, zu vapen? Was magst du daran, aus welchem Grund gefällt dir das? Interessiert euch dafür, was eure Jugendlichen da tun. Und zwar aufrichtig. Wirklich mit dem Willen, Erkenntnisse zu gewinnen. Denn seien wir ehrlich: Ganz verhindern können wir das eh nicht, wir können nur dranbleiben. Deswegen auch möglichst keinen vorwurfsvollen Ton, sondern eher einen interessierten.
Also wirklich keine „Konsequenzen“? Kein Verbot von Medien, Hausis, Jugendreisen? Meine Antwort lautet: Nein. Die Konsequenz darf sein, dass ihr ins Gespräch geht, um zu schauen, welche gemeinsame Lösung möglich ist.
Und ich sag euch noch was: Ganz ganz ganz im Geheimen dürft ihr auch ein ganz kleines bisschen stolz sein auf euer Kind (wenn es nicht zu extrem wird mit den Grenzüberschreitungen, sondern wenn es halt wirklich wie hier um ein zweites Mal Erwischtwerden beim Vapen geht): Dass es sich so viel traut. Dass es ein kleiner Rebell ist, der seinen eigenen Weg auch gegen Widerstände sucht und sich ausprobiert.
All das gehört zum Erwachsenwerden dazu. Zur Selbstfindung. Zur Identitätsbildung. Zum Austesten, wie die Eltern auf dieses oder jenes reagieren. Solche Grenzüberschreitungen müssen natürlich besprochen und eingeordnet werden. Aber ich befürchte: Sie gehören dazu.
Wenn sie wissen, dass sie sich auf uns verlassen können… selbst, wenn sie mal Mist gebaut haben, dann ist das ein unglaublich wertvolles Pfund. Nicht, weil wir alles abfeiern, was sie tun oder nicht tun, sondern weil wir ins gegenseitige Vertrauen gehen. Weil wir auf Augenhöhe bleiben. Weil wir nicht abwerten oder bewerten, sondern begleiten und einschätzen und dabei Orientierung bieten. Nicht gegeneinander, sondern miteinander. Zeigt ihnen, dass sie gesehen und ernstgenommen werden in ihren Entscheidungen. Ich glaube, dann könnt ihr optimistisch in die Zukunft blicken.

14 comments
Seid einfach Vorbilder für eure Kids. Wir trinken keinen Alkohol, reden offen über die Gefahren von Drogen etc.. Vielleicht haben wir auch das Glück, das unsere Kinder sportliche Hobbys und vernünftige Freundeskreise haben, aber meine Kinder (17 und 15 Jahre alt) halten sch mir diesen Substanzen völlig zurück und trinken komplett gar nichts.
liebe Antje,
es hat nicht unbedingt was mit den Eltern zu tun. Weder mein Mann und ich haben je geraucht und trotzdem hat es unser Sohn ausprobiert… vieles hängt auch an andren äusseren Umständen. Also so pauschale Aussagen wie seid einfach Vorbilder…stimmt einfach nicht
Eigentlich ist es doch nichts anderes wie früher das Rauchen , da wollten die Kids auch Cool und Erwachsen wirken und eigentlich waren sie nur Dumm .
Rauchen ist heute halt nicht mehr Cool , jeder weiß das man davon COPD ,Lungenkrebs und zig andere Krankheiten bekommt .
Das Vapen wird in Sozialen Medien durch gewisse Influenzer eben heute auch noch beworben, erfunden wurde es allerdings mal um Raucher von der Zigarette weg zu bekommen .
Mit einem Suchtstoff anzufangen ist immer dämlich da spreche ich aus erfahrung ich war nämlich so blöd mit 17 anzufangen, aus ein paar Zigaretten wurden schnell 30 Stk. am Tag, ganze 17 Jahre hat es gedauert ,trotz massiver Gesundheitlicher Probleme hat es erst mit der Vape geklappt, wenn die Kids meinen es wäre nicht so schädlich wie das Rauchen haben sie schon recht , viele Krebseregende Stoffe die in Zigaretten vorhanden ist fehlen .
Als ehemaliger Raucher kann ich aus erster Hand berichten das nach einiger Zeit alle probleme die ich hatte verschwunden sind. Allerdings gesund ist es auch nicht , Geld kostet es auch ordentlich .
Von daher ist es schon besser das Kinder da nichts mit zu tun haben und es nicht ohne Grund erst ab 18 ist .
Denn schon früher beim Rauchen war es so das nur die wenigsten es mal probiert haben ,die meisten wurden davon abhängig.
Es ist eine gute möglichkeit für langjährige schwerstabhängige Raucher vom Klimmstengel los zu kommen , aber nichts für Kinder die in die Nikotinabhängigkeit damit rutschen .
Denn wie mit allen Drogen , der Abhängige braucht seinen Suchtstoff um sich so zu fühlen wie sich andere die ganze Zeit fühlen.
Mi – nur eine Frage: wie alt sind deine Kinder??
13 Jahre alt
liebe Mi,
dann stehst du Erst am Anfang der Pubertät. Ich wünsche Dir , dass alles so läuft wie Du es Dir vorstellst , du alles so steuern und durchsetzen kannst wie Du es jetzt meinst, dass du es rechtzeitig mitbekommst und gut gegensteuern kannst
Ich schliesse mich Steffi an: es war die Freundin meines Sohnes die ihn vom Rauchen weggebracht hat. wobei er zum glück eher normale Zigaretten geraucht hat , weil er Vapen mit 16 schon selbst als sehr ungut eingestuft hat. Geraucht hat er wohl auch hauptsächlich auf Partys und der Zughörigkeit halber… das ganze dauerte auch nur ca. ein Viertel – halbes Jahr. und nun hoffe ich diese Freundin bleibt noch länger…er lernt auch wieder mehr für die Schule und trinkt auch weniger Alkohol… manchmal hat man also Glück und die Dinge regeln sich .. lg
Ich finde Ratschläge schwierig. Wir haben Freunde, deren Tochter schon mit 13 regelmäßig betrunken / bekifft nach Hause gekommen ist. Sie war in einen Freundeskreis reingeraten, außerhalb der Schule. Unsere Freunde haben sich damals beraten lassen (Sozialdienst? Schulpsychologischer Dienst? Ich weiß es leider nicht mehr genau). Dort hat man ihr geraten den Kontakt zu verbieten. D.h. sie durfte nicht mehr zu dem Treffpunkt dieser Clique hingehen. Es war nicht einfach, aber die Tochter hat wieder auf den richtigen Weg zurück gefunden.
Ich war mit meinem Ältesten tatsächlich in einer ähnlichen Situation. Habe zufällig (nicht beim wühlen in seinen Sachen) Vapes in seinem Zimmer gefunden.
Abends habe ich ihn dann darauf angesprochen, ähnlich wie beschrieben, seine Antwort war dann unter anderem, eigentlich fände er das selbst doof, hat es halt ausprobiert, ist ja eh nicht gefährlich.
Zu letzterem haben wir dann gemeinsam recherchiert und festgestellt, dass die Auswirkungen schlicht noch unbekannt sind…
Daraufhin habe ich das ganze Zeug entsorgt und wir haben vereinbart, dass er sich nichts neues kauft, sondern ein paar Jahre wartet.
Ich habe an seinen sportlichen Ehrgeiz appelliert und ich und mein Mann haben noch ein paar Erfahrungen aus der eigenen Vergangenheit erzählt, haben aber auch sehr deutlich gemacht wie wichtig es uns ist, dass er es sein lässt…
Das hat einige Jahre funktioniert, volljährig hat er dann kurzfristig Snooze probiert, hat ähnliches von uns gehört, den Ausschlag zum aufhören gab aber eher seine Freundin…
Der beschriebene Ansatz ist nicht mein Weg. Die Vorstellung, dass mein Kind mit 13 Jahren Substanzen konsumiert und sein Vergehen auch noch zur Schau stellt, finde ich ganz furchtbar und schlicht in keiner Art und Weise tolerierbar. Dafür habe ich absolut kein Verständnis, denn es wurden gleich mehrere Grenzen willentlich überschritten. Diese Haltung vertrete ich in diesem Moment auch meinem Kind gegenüber und ja, dann darf ich auch meine Wut und meine Grenze ganz klar aufzeigen. Ja, dann bin ich die doofe Mama, dazu stehe ich.
Es fällt vielen Eltern heute so unglaublich schwer, klar Haltung zu beziehen und Konflikte auszutragen. Ich stelle fest, dass viele Konflikte umgangen werden, dass nach Erklärungen und Begründungen gesucht werden anstatt eine klare Grenze zu ziehen.
Wenn das Kind mit 18 Jahren beim Autofahren die Geschwindigkeitsgrenze überschreitet, dann interessiert ich kein Verkehrspolizist dafür, in welchem seelischen Zustand sich das Kind gerade befindet, ob es einfach nur Freude an der Geschwindigkeit hatte oder es bei seinen Freunden gut dastehen wollte. Es hat sich nicht an die Verkehrsregeln gehalten und wird gebüsst. Punkt. Und mit 13 Jahren Substanzen zu konsumieren ist illegal und schädlich und da mag ich nicht darüber reden, dass alle mal Unsinn gemacht haben in der Jugend. Es handelt sich schliesslich nicht um einen Klingelstreich.
Na ja, mit der Haltung wird dein Kind aber Dinge dann heimlich machen UND zusätzlich nie zu dir kommen, wenn es ernsthafte Probleme gibt. Es wird dich zum Beispiel nicht anrufen, wenn es auf einer Party zu viel Alkohol getrunken hat, mit der Bitte, dass du es abholst und es so sicher nach Hause kommt. Es wird sich andere, unsichere Wege suchen und dabei noch weiter in Gefahr geraten können. Weil es eben weiß, du flippst aus und bist nicht daran interessiert, ihm zu helfen. Ob das so eine bessere Alternative ist, weiß ich nicht.
Meiner Meinung nach beginnt/ endet Beziehung und Vertrauen nicht mit dem verständnisvollen Blick auf das Konsumieren von Substanzen / dessen Verbot. Es sind die ganzen Jahre zuvor und die vielen Momente im aktuellen Alltag, die gegenseitiges Vertrauen wachsen lassen. Ein klares Aufzeigen einer Grenze schliesst nicht aus, dass das Kind sich in einer Notsituation an die Eltern wendet. Und ein bisschen stolz zu sein, weil das Kind rebelliert und sich abgrenzt (durch das Konsumieren von Substanzen) ist für mich definitiv der falsche Weg. Ich bin stolz darauf, wenn mein Kind seinen eigenen Weg geht und sich klar von Drogen distanzieren kann.
Na ja, zwischen für alles Verständnis haben und ausflippen bzw. nicht am Helfen interessiert sein gibt’s ja noch was dazwischen.
Ich finde schon auch, dass (zumindest wenn man grundsätzlich eine gute Beziehung zum Kind hat) man auch mal richtig deutlich und ohne Verständnis sagen kann, dass man etwas richtig daneben findet!
Stolz zu sein wäre jetzt auch mein letzter Gedanke. Ich finde, es gehört viel mehr an Stärke dazu, sich gegen solche Substanzen zu entscheiden und da standhaft zu sein auch gegen den mainstream. Ich tue mir hier auch insgesamt mit der Einordnung schwer. Ich kenne wirklich einige Jugendliche aus meiner alten Schulklasse, die mit 16 total nikotonabhangig waren, aufhören wollten und einfach nicht mehr weggekommen sind von dem Zeug. Mit 13 kann man noch gar nicht absehen, welche schlimmen folgen das alles hat und da hat man als Eltern die Pflicht, zu versuchen, irgendwie einzugreifen. Das wir ist sicherlich nicht so einfach und klar, aber hier ist mir das zu einseitig mit Verständnis, Augenhöhe… Ich finde, das hört sich an nach, also ich finds wirklich nicht gut, aber ich werd dir da jetzt auch keine Steine in den Weg legen.
Ohje, was bringen denn Wut und klare Grenzen, wenn das Kind dann einfach dicht macht bzw. gar nichts mehr von sich erzählt?
Mir wäre es viel wichtiger, das Warum zu verstehen. Warum hat ein 13-jähriges Kind das Bedürfnis zu vapen? Möchte es einfach nur dazu gehören, weil das die Freunde auch machen? Will es gegen die wütenden Eltern mit strikten Regeln rebellieren? Hat es einfach nur nicht verstanden wie gefährlich vapen ist bzw. ist auf die attraktive Werbung reingefallen, die im Artikel erwähnt wird? Je nach Ursache des Problems ist die Lösung eine andere, aber das lässt sich nur im vertrauensvollen Gespräch miteinander klären.
Grundsätzlich bin ich auch gar kein Freund von sinnlosen Regeln und kann mich noch ganz genau daran erinnern wie es mich als Kind/Jugendliche geärgert hat, wenn ich etwas machen sollte, weil das nunmal die Regel ist/ ein Lehrer gesagt hat/etc. Ich habe dann IMMER einen Weg drumherum gesucht. Habe ich allerdings den Grund einer Regel verstanden und fand es logisch oder fair, dann war ich immer „brav“. Deswegen hoffe ich, dass ich in solchen Situationen später bei meinen Kindern mit Erklärungen und dem schaffen eines gemeinsamen Verständnisses für eine Regel auch Erfolg bei der Einhaltung erzielen kann. Und sollte es sinnlose Regeln geben z.B. weil etwas „schon immer so gemacht wurde“, dürfen meine Kinder sie gerne ignorieren, denn das tue ich auch. Den eigenen Kopf einschalten und sich fragen, ob sie sich selbst oder anderen mit ihrem Verhalten schaden, ist mir viel wichtiger als das stumpfe befolgen von Regeln und Grenzen. Wenn sie das hinbekommen, bin ich sehr stolz auf sie.