Besuchskinder: Was dürfen sie? Teen-Time Jugendkolumne

Besuchskinder

Ihr Lieben, mit kleinen Kindern kann man sich kaum vorstellen, wie das Leben mit großen Kindern mal wird. Ich zum Beispiel hätte bei unseren Zwillingen lange Zeit lang nicht gedacht, dass sie mal so viel um die Häuser ziehen würden, sie hatten nämlich auch mal eine Phase, in der sie kaum jemanden mit nach Hause gebracht haben, es also kaum Besuchskinder gab, obwohl sie dauernd da waren. So kann sich das ändern.

Und wenn ich mir meinen heutigen Blick auf Teenager anschaue, dann gehe ich voll mit bei Inke Hummel, die sagt, dass wir Fans unserer Kinder bleiben dürfen. Ich gehe auch voll mit bei Barbara Vorsamer, die sagt, dass sie Teenager mag. Und dass sie sich angewöhnt hat, vor jedem Verurteilen zu überlegen, was die Alternativen sein könnten:

Lieber zwei Stunden Gym oder zwei Stunden Doomscrolling? Lieber fünf Stunden Maniküre oder fünf Stunden Vapen im Park? Sport sei gesund und Nailart kreativ. Ihre Neins spare sie sich lieber für die wichtigen Themen, schreibt sie auf LinkedIn. Auch Nora Imlau greift diese Sätze in ihren „Grüßen aus der Einschlafbegleitung“ auf und geht noch weiter.

Regeln für Besuchskinder?

Sie erzählt, dass sie bei einer Mutter gelesen habe, dass sie alle BesucherInnen ihrer Kinder bitte, die Handys im Rucksack zu verstauen, wenn sie zu Gast sind. Nora findet das übergriffig (für über 13Jäührige) und sagt, dass sie sich für ihre Kinder wünscht, dass ihr Zuhause ein sicherer Hafen ist.

Besuchskinder bekämen bei ihnen zu Hause den WLAN-Code, freien Zugang auf alles Essen und Trinken und vor allem Privatsphäre. Ob die Teenager dann im Jugendzimmer zockten, quatschten, Handarbeiten machten ginge sie schlicht nichts an (bei allen Leitplanken und Regeln gegen Gewalt etc. Natürlich)

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Und ich musste dann dran denken, dass ich von Familien höre, die extra warten, bis das Besuchskind weg ist, damit sie dann essen können. Denn das Essen ist nur für die Familie. Oder von Familien, die ihr eigenes Kind zum Essen rufen, während die Besuchskinder im Zimmer warten müssen und nichts abbekommen.  

Alle Kinder willkommen

Bei uns mit unseren großen Kindern haben tatsächlich auch alle Zugriff auf alles. Ich würde lieber selbst aufs Abendessen verzichten und zu einem Joghurt greifen, bevor unser Besuch nichts abkriegt. Ich bin allerdings auch selbst so aufgewachsen. In einem Haus der offenen Türen. In dem alles an Snacks aus den Schubladen geholt wurde, wenn Besuch kam. Ein riesengroßes Teilen und Willkommenheißen war das. Und das prägt vermutlich schon, oder?!

Neulich waren unsere Jungs mal an einem Wochenende für einen Abend zu Hause und gegen halb zwölf kamen sie zu uns ins Wohnzimmer, wo wir eine Serie guckten. Sie meinten, dass sie jetzt doch noch Besuch bekämen und unsere erste Frage war: „Braucht ihr das Wohnzimmer? Dann gehen wir hoch“. Und das taten wir dann auch. Sie wollten uns nicht verscheuchen, haben sich aber dolle bedankt. Und wir? Brauchten eh nur nen Stups, um endlich schlafen zu gehen. Win win für alle.

Wiedervereinte Familie

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Und ich glaube, das führt dann auch dazu, dass man dann doch in den Osterferien nochmal zu fünft verreist. Mit allen drei eigenen Kindern am Start, obwohl die Große schon ausgezogen ist. Weil alle Bedürfnisse zählen. Leider überschneiden sich Uni- und Schulferien ja nur noch an Weihnachten und Ostern, sodass wir gar nicht mehr so viele Gelegenheiten haben, zusammen wegzufahren. Hier ging das nun nochmal.

Und diese eine Woche jetzt war der erste Wieder-zu-Fünft-Urlaub seit dem Auszug und ich möchte nicht kitschig werden, aber ich hab das so genossen, weil ich da dieses wundervolle und beruhigende Gefühl vom Komplettsein mal wieder intensiv spüren konnte. Hier wurde uns allen dann doch nochmal ordentlich bewusst, wie sehr uns die Große im Alltag fehlt. Und wie schön das ist, wenn die Großen – ganz freiwillig – dann doch nochmal wiederkommen. Zumindest für ein paar Tage!

Auch im Urlaub hatten übrigens die Zwillinge für eine Nacht spontan einen Kumpel zu Besuch und die Große zu Ostern ihren Freund. Nun interessiert uns natürlich: Wie handhabt ihr das in euren Familien? Wie seid ihr selbst aufgewachsen und was hat euch da geprägt?

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8 comments

  1. Wir haben insgesamt 5 Kinder und leben in einem Dorf, in dem jedes Kind auch mindestens eine/-n Freund/-in aus dem Ort hat. Da kann es gerade an den Wochenenden schon mal voll werden und schnell mal 10 Kinder bei uns rumsrpingen. Genauso schnell ist auf einmal nur ein Kind bei uns im Haus. Das ist manchmal echt ein Kommen und Gehen. Grundsätzlich liebe ich es, wenn hier so ein Trubel herrscht. Aber ich gebe zu, dass es auch mal Tage gibt, an denen es zu viel wird.
    Aber auch in meiner Kindheit und Jugend waren Freund*innen immer willkommen und durften auch immer mitessen. Auch Übernachtungsbesuch war kein Problem. Wir versuchen unseren Kindern dies nun auch weitestgehend zu ermöglichen. Übernachtungsbesuch haben bisher eigentlich nur die beiden Großen (11 und 13J.) ab und an mal. Und das ist mittlerweile wirklich echt entspannt. Die jüngeren Kinder (8 und 2x5J.) haben bisher noch keine Übernachtungsgäste gehabt, aber auch da wird die Zeit sicher kommen. Mir ist es wichtig, dass die Kinder ihre Freunde auch nach Hause mitbringen können und wollen. Ich möchte ja auch wissen, mit wem sie ihre Zeit verbingen und so lernt man die Freunde eben auch kennen. Nal schauen, wie das mit zunehmendem Alter der Kinder noch so weiter geht. Vor allem, wenn man dann lauter hungrige Teenies am Tisch sitzen hat, die bekanntlich ja gerne mal Unmengen verdrücken. Aber man wächst ja mit seinen Aufgaben. 😉

  2. Ich finde, das klingt total schön, herzlich und mega gastfreundlich bei Euch und für die Kinder natürlich super! Und ich fühle mich schlecht, weil ich so nicht bin. Natürlich kann mein 13jähriger Sohn sich quasi immer wenn er mag Besuch einladen. Er hat auch öfter 2 Freunde als Übernachtungsbesuch da. -Ist nicht mein Favorite Abend, da mir am Wochenende Familienabende, nur wir, sehr viel bedeuten und mich einfach ohne Besuchskinder freier fühle, aber ich freue mich für meinen Sohn und wir erlauben es eigentlich immer.

    Thema Abendessen stresst mich jedoch, wenn da jemand ungeplant bleibt. Nicht, weil ich nicht gewillt wäre, Essen anzubieten (bei Snacks auch gar kein Problem!!), sondern, da ich einfach Planbarkeit mag und ein ungeplanter Gast bedeutet bei mir Stress im Kopf: Reicht das Essen, muss ich was dazu machen, isst das Besuchskind xy (koche meist eher gesund), muss ich umdisponieren, nochmal einkaufen usw.?… Das macht mir super Stress.

    Mein Kind hatte bisher eher die Ansage, dass es um eine bestimmte Uhrzeit (vorm Abendessen) zu Hause sein soll. Dass andere Kinder das dann nicht haben, „verunsichert“ mich. -Und fühle mich mega spießig dabei.
    Ich wäre gern so, dass ich immer ein offenes Haus hab, alle können reinkommen und mitessen, aber ich bin für sowas null vorbereitet und nicht gelassen genug.

    Als ich Kind war, ist meistens jede zum Abendessen nach Hause gegangen (wenn es kein Übernachtungsbesuch war). Wenn ich bei einer Freundin mal Abendbrot mitgegessen hab, war es mir meist unangenehm mich zu bedienen (ich bin intro und es ist so geblieben). Vielleicht ist das bei mir einfach durchgängig ein eher unangenehmes Thema. 😉

    Aber bei angekündigten Besuch bin ich sehr gastfreundlich, behaupte ich.:)

    Meine eigenen Bedürfnisse regelmäßig zurückzustelle, dazu wäre ich weniger bereit. Unser zu Hause soll für alle der schützende Hafen sein, eben auch für mich und meine sozialen Batterien sind auch regelmäßig leer.

    1. Das kann ich so nachvollziehen. Ich bin auch introvertiert. Für mich muss Besuch auch angekündigt sein. Und selbst dann ist es Stress. Meine Tochter hat natürlich trotzdem regelmäßig Besuch, das ist mir wichtig das zu ermöglichen. Aber mir graust es vor dem Moment, wenn sie möchte, dass jemand bei ihr übernachtet.

  3. Mein Wunsch, eine offene Tür zu haben, stößt an meine eigenen Grenzen. Ich bin alleinerziehend, arbeite in einer Grundschule und studiere berufsbegleitend. Da merke ich, dass ich häufig Menschenvoll bin und es mir schlicht zu viel wird..
    Selbstverständlich haben meine Kinder trotzdem Besuch und natürlich dürfen die Freunde dann mit essen, absolut keine Frage.
    Nun wünschen meine Kinder sich alles Übernachtungsgäste und ich würde ihnen das so gerne möglich machen, gerade weil bei mir früher nie jemand schlafen durfte, aber die Vorstellung nicht mal abends für einen kurzen Moment Ruhe zu haben überfordert mich schon.

    Also ja, gerne Besuch und dann auch vollkommen willkommen, aber leider gibt mein Leben mir nicht endlos Energie.

    Es klingt aber total schön, wie ihr das handhabt. Es hat mir richtig Freude gemacht das zu lesen.

    1. Das geht mir genauso (also ich bin zwar nicht alleinerziehend, komme aber trotzdem oft an meine Grenzen, wenn es darum geht, das Haus voller Menschen zu haben). Übernachtungen finden daher zwar schon gelegentlich bei uns statt, aber eben nicht sehr häufig. Vielleicht wäre es eine Möglichkeit für Dich, das auch mal so zu organisieren, dass Deine Kinder — am besten gleichzeitig — bei anderen übernachten, damit Du auch einmal Zeit für Dich hast? Und häufig ist es ja auch so, (je nach Alter), dass die Kinder sich dann mit ihren Übernachtungsgästen sowieso lieber zurückziehen und ihr eigenes Ding machen, so dass man trotzdem etwas Ruhe findet. Ich sage ihnen das teilweise auch ganz klar: ich bin gerade menschenvoll und brauche einen Moment Ruhe, also bleibt bitte in Eurem Zimmer und versucht, mich nicht zu stören. Häufig klappt das ganz gut (gerade bei der älteren — bei kleinen Kindern ist das natürlich schwierig).

  4. Bei uns sind die Freunde der Kinder auch immer willkommen, und ich würde im Leben nicht auf die Idee kommen, ihnen Essen vorzuenthalten (fand das immer schon ganz befremdlich und schrecklich). Auf der anderen Seite muss man auch sagen, dass mein Mann und ich beide sehr introvertiert sind und Gäste (egal ob die eigenen oder die der Kinder) auch immer sehr anstrengend für uns sind. Hinzu kommt, dass wir nur eine 3-Zimmer-Wohnung haben, wovon 2 Zimmer Durchgangszimmer sind. Es ist also gar nicht so einfach, da einen völlig ungestörten Rückzugsraum anzubieten (oder für sich selbst zu finden). Noch sind unsere Kinder mit 5 und 11 Jahren relativ jung, und es stört sie nicht, aber die oben beschriebene Situation mit späten Gästen der Teenager wäre für uns schon eine arge Herausforderung (nicht aus Prinzip, sondern aufgrund der Wohnsituation). Da bin ich auch selbst gespannt, wie wir das handhaben werden, wenn die Kids älter sind… (Umziehen ist aufgrund der horrenden Mietpreise in Berlin eher unrealistisch).

  5. Danke für den Artikel!

    Ich kenne es aus meiner Kindheit auch so, dass Besuchskinder herzlich willkommen sind und natürlich auch zum Essen bleiben dürfen etc. Meine Eltern haben sogar beim Autokauf darauf geachtet, dass wir ab meiner Grundschulzeit immer ein Auto mit 7 Plätzen hatten, obwohl wir 4 Familienmitglieder waren. So konnten mein Bruder und ich bei Bedarf immer auch Freunde zu Ausflügen an den See etc. mitnehmen. Das war bei uns normal.

    Wir versuchen Wünsche unserer Kinder (sie gehen noch zur Kita), was Playdates betrifft, möglich zu machen und haben regelmäßig Gäste zum Spielen da.

    Allerdings fällt mir schon auf, dass es damals und heute recht einseitig ist. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich als Kind viel bei anderen Familien war. Und unsere Gäste kommen gerne zu uns, aber wenn ein Treffen bei uns mal nicht möglich ist, dann wird es eher auf den Spielplatz, in den Tierpark etc. verlagert als dass es bei jemand anderem zu Hause stattfindet. Das fällt mir schon auf, ist aber natürlich auch ok.

    1. Meine Kindet sind ja alle schon grösser aber ich kann mich noch erinnern das jeder 1 Besuchskind da hatte und somit dann insg. 6 Kinder den Haushalt bevölkerten. Durch die eigenen Zimmer plus Garten kein Problem. Zugang zu Essen und Trinken natürlich da aber tatsächlich , das Abendessen fand und findet zumeist ohne Besuch statt, Ausnahme natürlich wenn Freunde übernachten, dann gibts selbtverständlich Frühstück inkl. !

      So sind wir gut über die Zeit gekommen ohne dass es allzu stressig wurde.

      jetzt wo Kinder grösser sind sind sie eh noch viel mehr ausser Haus unterwegs, Da wir ländlich wohnen oft in der nächsten Stadt, das heisst der Freundesbesuch nimmt eher ab und meine Kinder übernachten nun eher bei denen in der Stadt..

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